Heiliger Geist

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El Greco: Ausgießung des Heiligen Geistes, 1604-1614, Museo del Prado, Madrid
Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes (Petersdom, Cathedra Petri, Gian Lorenzo Bernini)

Der Heilige Geist (griech. Ἅγιον Πνεῦμα Hagion Pneuma), auch Paraklet genannt, gilt nach christlicher Auffassung als eine der drei Personen oder Hypostasen Gottes (siehe -> Dreifaltigkeit). Symbolisch wird er durch eine Taube, Wasser oder durch Flammen dargestellt und im griechischen Neuen Testament knapp 100 mal erwähnt. Im hebräischen Tanach wird der Heilige Geist als Ruach HaQodesh (‏רוח הקודש‎), wörtlich „Heiliger Atem“, Ruach JHWH (‏יהוה‏‎ ‏רוח‎) – „Atem des Herrn“, Ruach HaElohim – „Gottesatem“ oder auch kurz als Ruchaká – „dein Atem“ - bezeichnet.

In der christlichen Esoterik wird der Astralplan als die Welt des Heiligen Geistes angesehen (Lit.: GA 100, S. 205).

Gemäß der Apostelgeschichte wird zu Pfingsten, 10 Tage nach der Himmelfahrt des Christus, der Heilige Geist als der von Christus verheißene Tröster (Paraklet) in Gestalt feuriger Zungen auf die Jünger ausgegossen.

Im mikrokosmischen Sinn wird auch der bereits zu Manas (Geistselbst) verwandelte Teil des Astralleibs des Menschen als Heiliger Geist bezeichnet (Lit.: GA 96, S. 250ff). Wenn der Mensch im Seelischen schöpferisch tätig wird, so ist er schaffend aus dem Heiligen Geist (Lit.: GA 107, S. 312ff). Er vollbringt dann eine Schöpfung aus dem Nichts, durch die er ein völlig neues Seelisches erschafft und dadurch die Astralwelt um eine neue Dimension des Menschlichen bereichert.

Bevor die Menschen in der lemurischen Zeit zu ihrer ersten irdischen Verkörperung herabgestiegen waren, lebte in dem Heiligen Geist das gemeinschaftliche Selbstbewusstsein der Menschen:

"Der Heilige Geist ist derjenige, der oben, vor (dem Beginn) der Verkörperung, das Selbstbewusstsein hatte, und der Geist an sich ist der, welcher im Menschen das Ich- Bewusstsein hatte. So dass Sie, wenn Sie alle Bewusstseine zusammenwerfen und damit auch von dem Egoismus trennen würden, den Heiligen Geist wieder bekommen würden." (Lit.: GA 96, S. 230ff)

Die physische Menschenform, die damals von der menschlichen Gruppenseele nur äußerlich "umschwebt" wurde, hatte eine vogelartige Gestalt. Davon leitet sich das Symbol der Taube für den Heiligen Geist ab (Lit.: GA 100, S. 249).

Wenn der Mensch aus der vollen Freiheit, die ihm durch Luzifer ermöglicht wurde, den Christus erkennt, dann erfüllt er sich mit dem Heiligen Geist und dann trägt er nicht nur zu seiner eigenen Erlösung bei, sondern erlöst dadurch auch die luziferischen Wesenheiten. Dann wird Luzifer in neuer, verwandelter Gestalt auferstehen und sich als der Heilige Geist mit dem Christus in uns verbinden:

"Wenn der Mensch den Christus erkennt, wenn er sich wirklich einläßt auf die Weisheit, um zu durchschauen, was der Christus ist, dann erlöst er sich und die luziferischen Wesenheiten durch die Christus-Erkenntnis. Würde der Mensch sich bloß sagen: Ich bin zufrieden damit, daß der Christus da war, ich lasse mich erlösen unbewußt - dann würde der Mensch niemals zur Erlösung der luziferischen Wesenheiten etwas beitragen. Diese luziferischen Wesenheiten, die dem Menschen die Freiheit gebracht haben, geben ihm auch die Möglichkeit, diese Freiheit jetzt in einer freien Weise zu benutzen, um den Christus zu durchschauen. Dann werden in dem Feuer des Christentums geläutert und gereinigt die luziferischen Geister, und es wird das, was durch die luziferischen Geister an der Erde gesündigt worden ist, aus einer Sünde in eine Wohltat umgewandelt werden. Die Freiheit ist errungen, aber sie wird als eine Wohltat mit hineingenommen werden in die geistige Sphäre. Daß der Mensch das kann, daß er imstande ist, den Christus zu erkennen, daß Luzifer in einer neuen Gestalt aufersteht und sich als der Heilige Geist mit dem Christus vereinigen kann, das hat der Christus selbst noch als eine Prophezeiung denen gesagt, die um ihn waren, als er sagte: Ihr könnt erleuchtet werden mit dem neuen Geist, mit dem Heiligen Geist! - Dieser Heilige Geist ist kein anderer als der, durch den auch begriffen wird, was der Christus eigentlich getan hat. Christus wollte nicht bloß wirken, er wollte auch begriffen, er wollte auch verstanden sein. Deshalb gehört es zum Christentum, daß der Geist, der die Menschen inspiriert, der Heilige Geist, zu den Menschen gesandt wird." (Lit.: GA 107, S. 254)

Gaben des Heiligen Geistes

Im Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1831[1] werden folgende sieben Gaben des Heiligen Geistes genannt, die als bleibende Anlagen den Menschen geneigt machen, dem Antrieb des Heiligen Geistes zu folgen:

„Die sieben Gaben des Heiligen Geistes sind: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. In ihrer ganzen Fülle stehen sie Christus, dem Sohn Davids, zu [Vgl. Jes 11,1-2 LUT]. Sie vervollständigen und vervollkommnen die Tugenden derer, die sie empfangen. Sie machen die Gläubigen bereit, den göttlichen Eingebungen willig zu gehorchen.“

Katechismus der katholischen Kirche: Nr. 1831

Anmerkungen

  1. Katechismus der Katholischen Kirche. Website des Heiligen Stuhls. Abgerufen am 6. Dezember 2015.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft, GA 96 (1989)
  2. Rudolf Steiner: Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis, GA 100 (1981)
  3. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107 (1988)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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