Heilung

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Heilung bezeichnet ganz allgemein den Prozess zur Überwindung einer Krankheit und einer möglichst vollständigen, ganzheitlichen Wiederherstellung der leiblichen und seelischen Gesundheit. Alle Heilkunde beruht nach Rudolf Steiner letztlich darauf, das Leben so einzurichten, daß der Mensch die Kräfte beherrscht, die seine fortwährende Ausscheidung, Auflösung und Wiedererneuerung und damit seine Gesundung bzw. Gesunderhaltung bewirken (Lit.: GA 184, S. 292f). In diesem Sinn ist alle Heilung letztlich Selbstheilung, die aber in vielen Fällen durch äußere therapeutische Maßnahmen unterstützt und angeregt werden muss. Insofern der Ätherleib der Träger des Lebens ist, der darum von Steiner auch als Lebensleib bezeichnet wird, ist er der eigentliche Heiler in unserem Organismus.

"Der bloße physische Organismus könnte niemals einen Selbstheilungsvorgang hervorrufen. Ein solcher wird in dem ätherischen Organismus angefacht. Damit aber wird die Gesundheit als der Zustand erkannt, der im ätherischen Organismus seinen Ursprung hat. Heilen muß daher in einer Behandlung des ätherischen Organismus bestehen." (Lit.: GA 027, S. 24)

Wie Rudolf Steiner in seinen Vorträgen über "Das Miterleben des Jahreslaufes in vier kosmischen Imaginationen" geschildert hat, ist es der Erzengel Raphael, dem wir die Heilkräfte verdanken. Er ist der Frühlingsgeist, der die Erde umkreist, und der während der Herbsteszeit die Kräfte der menschlichen Atmung eigentlich schafft und darin seine heilende Kräfte verankert. Im Atem, der den Ätherleib durchpulst, liegt darum das Geheimnis der Heilkräfte.

"Denn es gibt ein großes Geheimnis: Alle heilenden Kräfte liegen nämlich ursprünglich im menschlichen Atmungssystem. Und wer den ganzen Umfang des Atmens wirklich versteht, der kennt aus dem Menschen heraus die heilenden Kräfte. Nicht in den andern Systemen liegen die heilenden Kräfte. Die andern Systeme müssen selbst geheilt werden.

Das Atmungssystem - sehen Sie nach in dem, was ich über Pädagogik gesagt habe - kommt ja insbesondere zur Tätigkeit zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahr des Kindes. Währenddem die Krankheitsmöglichkeiten in den ersten sieben Lebensjahren groß sind, nach dem vierzehnten Lebensjahre wiederum groß werden, sind sie relativ am geringsten in der Zeit, wo das Atmungssystem durch den menschlichen Leib hindurch mit Hilfe des Ätherleibes durchpulsiert. Es liegt ein geheimnisvolles Heilungsweben gerade im Atmungssystem. Und alle Geheimnisse des Heilens sind zugleich die Geheimnisse des Atmens. Und das hängt damit zusammen, daß jene Raphael-Wirkungen, die im Frühling kosmisch sind, eindringen zur Herbsteszeit in das ganze Geheimnis des menschlichen Atmens." (Lit.: GA 229, S. 81)

Und noch ein weiteres, sehr bedeutsames Geheimnis ist mit der Heilung verbunden:

"Nun berührt man mit einer solchen Frage sogleich die tiefsten Geheimnisse der Menschheit: daß man in Wahrheit Krankheiten nicht heilen kann, ohne sie zugleich zum Beispiel erzeugen zu können. Die Wege zum Heilen der Krankheiten sind zugleich die Wege zum Erzeugen der Krankheiten. Wir werden gleich nachher hören, wie durchaus in der alten Weisheit der Grundsatz herrschend war, daß derjenige, der Heiler war, zugleich Erzeuger von Krankheiten sein konnte, und wie deshalb in alten Zeiten die Heilkunst mit einer tief moralischen Weltauffassung im Zusammenhang gedacht wurde." (Lit.: GA 171, S. 143)

Wille zum Heilen

Grundvoraussetzung für den Arzt ist der unbedingte Wille zum Heilen, selbst wenn diese aussichtslos scheint:

„Des Arztes Gesinnung muß tatsächlich schon bei der allerersten Frage des Heilenwollens nach zwei Richtungen gehen. Die eine ist der unbesiegbare Karmawille. Diesen Karmawillen braucht der Arzt ja vor allen Dingen für sich selbst, denn Sie haben gesehen, meine lieben Freunde, daß dasjenige, was er für seine Patienten anwendet, in einer gewissen Weise die Wirkung für ihn selbst verliert. Gewiß, es kann wiederum in Wirkung für ihn umgewandelt werden. Aber zunächst für Euer Wissen genügt, was ich darüber gesagt habe. Natürlich bleibt auch der Arzt in bezug auf sein Gesundsein und sein Kranksein dem Karma unterworfen. Aber gerade dann, wenn diese Gesinnung da ist, von der ich gesprochen habe, wenn das therapeutische Wissen eben so tief in die menschliche Seele eindringt, wie ich gesagt habe, dann kann gesagt werden, daß das Karmabewußtsein immer mehr übergeht in die reine Offenbarung des Karma. Karma hat seine zwei Seiten. Ihr müßt das Karma zunächst so ansehen, daß Ihr dasjenige, was für Euer Schicksal vorliegt, bezieht auf das nächstvorhergehende in den aufeinanderfolgenden Erdenleben. Da ist das Karma der Ausdruck für dasjenige, was die vorhergehenden Erdenleben gebracht haben. Aber direkt liegt doch einmal das vor: Ihr müßt auch an Karma zu denken haben im fünften, sechsten folgenden Erdenleben, in dem Erdenleben, das auf das jetzige Erdenleben folgend das fünfte, das sechste ist. Dann wird das, was jetzt geschieht, ein Ereignis sein, dann werdet Ihr das Ergebnis zuletzt haben. Wenn Ihr diesen Gedanken richtig zu Ende führt, wird Euch klar sein, daß Karma auch ein Werdendes ist, daß dasjenige, was jetzt geschieht, zum Karma das eine oder andere hinzufügt. Man kann schon sagen, daß das Karma in einer gewissen Weise da- oder dorthin durch unsere Taten gewendet wird. Fatalist kann derjenige, der das Karma versteht, niemals werden.

Die eine Richtung ist die nach dem Karma. Sie gibt Festigkeit und Sicherheit im Leben, sie gibt einen festen Standpunkt. Die andere Richtung ist aber diese, daß unbedingt der Wille zum Heilen da sein muß. Dieser Wille darf niemals eine Beeinträchtigung erfahren. Er muß restlos immer soweit therapeutisch wirken, daß man sagen kann: Man tut alles, selbst wenn man die Meinung hat, daß der Kranke unheilbar ist.“ (Lit.:GA 316, S. 121f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner/Ita Wegman: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, GA 27 (1991), ISBN 3-7274-0270-9; Tb 701, ISBN 978-3-7274-7010-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit. Goethe und die Krisis des neunzehnten Jahrhunderts, GA 171 (1984), ISBN 3-7274-1710-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Polarität von Dauer und Entwickelung im Menschenleben. Die kosmische Vorgeschichte der Menschheit., GA 184 (2002), ISBN 3-7274-1840-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das Miterleben des Jahreslaufes in vier kosmischen Imaginationen, GA 229 (1999), ISBN 3-7274-2290-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heikunst, GA 316 (2003), ISBN 3-7274-3160-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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