Herr des Karmas

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Herr des Karmas, des menschlichen Schicksals, wird seit dem Ende des 20. Jahrhunderts laut Rudolf Steiner immer mehr der Christus selbst. Eng verbunden damit ist die Erscheinung des Christus im Ätherischen.

„Ebenso wie auf dem physischen Plan im Beginne unserer Zeitrechnung in Palästina ein Ereignis sich abgespielt hat, in welchem der Christus die wesentlichste Rolle spielte, ein Ereignis, das Bedeutung hat für die ganze Menschheit, so wird sich im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts, gegen das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zu, wiederum ein bedeutsames Ereignis abspielen; allerdings nicht in der physischen Welt, sondern in den höheren Welten, und zwar in derjenigen Welt, die wir zunächst als die Welt des Ätherischen bezeichnen. Und dieses Ereignis wird ebenso grundlegende Bedeutung für die Entwickelung der Menschheit haben, wie das Ereignis von Palästina im Beginne unserer Zeitrechnung. Gerade wie wir sagen müssen: für den Christus selber hatte das Ereignis von Golgatha die Bedeutung, daß eben mit diesem Ereignisse ein Gott gestorben ist, ein Gott den Tod überwunden hat — in welcher Weise das zu verstehen ist, darüber werden wir noch sprechen, das war vorher nicht geschehen, und nachher ist es eine vollzogene Tatsache —, so wird sich ein Ereignis abspielen von tiefgehender Bedeutung, das nur nicht auf dem physischen Plane sich vollzieht, sondern in der ätherischen Welt. Und dadurch, daß dieses Ereignis sich vollzieht, daß mit dem Christus selber sich ein Ereignis vollzieht, dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, daß eben die Menschen den Christus sehen lernen, schauen werden.

Welches ist dieses Ereignis?

Dieses Ereignis ist kein anderes, als daß ein gewisses Amt im Weltenall für die menschheitliche Entwickelung in dem zwanzigsten Jahrhundert übergeht — in einer erhöhteren Weise übergeht, als das bis jetzt der Fall war — an den Christus. Und zwar lehrt uns die okkulte, die hellseherische Forschung, daß in unserm Zeitalter das Wichtige eintritt, daß der Christus der Herr des Karma für die Menschheitsentwickelung wird. Und dies ist der Beginn für dasjenige, was wir auch in den Evangelien mit den Worten angedeutet finden: Er werde wiederkommen, zu scheiden oder die Krisis herbeizuführen für die Lebendigen und die Toten. — Nur ist im Sinne der okkulten Forschung dieses Ereignis nicht so zu verstehen, als ob es ein einmaliges Ereignis wäre, das auf dem physischen Plan sich abspielt, sondern es hängt mit der ganzen zukünftigen Entwickelung der Menschheit zusammen. Und während das Christentum und die christliche Entwickelung bisher eine Art von Vorbereitung bedeutet, tritt jetzt das Bedeutsame ein, daß der Christus der Herr des Karma wird, daß ihm es obliegen wird, in der Zukunft zu bestimmen, welches unser karmisches Konto ist, wie unser Soll und Haben im Leben sich zueinander verhalten.

Dies, was jetzt gesagt wird, ist eine gemeinsame Erkenntnis des abendländischen Okkultismus seit vielen Jahrhunderten und wird von keinem Okkultisten, der diese Dinge weiß, geleugnet. Aber es ist insbesondere in den letzten Zeiten mit allen sorgfältigen Mitteln der okkulten Forschung wiederum erneut festgestellt. Und wir wollen uns einmal eine genauere Vorstellung von dem bilden, was jetzt gesagt worden ist.

Fragen Sie alle diejenigen, welche über diese Dinge etwas Wahrhaftiges wissen, so werden Sie überall eine Tatsache bestätigt finden, welche allerdings, um ausgesprochen zu werden, sozusagen unsern jetzigen Zeitpunkt anthroposophischer Entwickelung erst fordert; weil alles, was unser Gemüt geeignet machen kann, um eine solche Tatsache hinzunehmen, erst zusammengetragen werden mußte. Dennoch können Sie selbst in der okkulten Literatur darüber Ausdrücke finden, wenn Sie sie suchen wollen. Aber ich nehme auf die Literatur keine Rücksicht, sondern will nur die entsprechenden Tatsachen heranziehen.

Es mußte bei der Darstellung gewisser Verhältnisse, auch sofern sie von mir gegeben wurde, die Tatsachenwelt geschildert werden, die in Betracht kommt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet. Nun gibt es eine große Anzahl von Menschen, und vorzugsweise sind es solche, welche die abendländische Kulturentwicklung mitgemacht haben — diese Dinge sind eben nicht für alle Menschen dieselben —, die eine ganz bestimmte Tatsache erleben in dem Augenblick, der auf die Trennung des Ätherleibes nach dem Tode folgt. Wir wissen, daß das menschliche Durchschreiten durch die Pforte des Todes so geschieht, daß wir uns abtrennen von dem physischen Leibe. Da ist der Mensch zunächst noch eine Zeitlang mit dem Ätherleibe verbunden; dann aber trennt er sich mit dem Astralleib und Ich auch von dem Ätherleib ab. Wir wissen, daß er von seinem Ätherleibe einen Extrakt mit sich führt; wir wissen aber auch, daß der Ätherleib in der Hauptsache andere Wege geht, im allgemeinen aber mitgeteilt wird dem allgemein Kosmischen. Entweder löst er sich vollkommen auf, was aber nur bei unvollkommenen Zuständen der Fall wäre, oder aber es verhält sich so, daß er als eine geschlossene Form von Wirkungen weiterkraftet. — Wenn dann der Mensch diesen Ätherleib abgestreift hat, tritt er in die Region des Kamaloka über, in die Läuterungszeit der Seelenwelt. Aber vor diesem Eintritt in die Läuterungszeit der Seelenwelt findet doch ein ganz spezielles Erlebnis statt, auf das bisher, wie gesagt, nicht hingedeutet worden ist, weil die Sache erst reif werden mußte. Aber jetzt werden diese Dinge von allen, die das, was wir hier betrachten wollen, wirklich beurteilen können, voll aufgenommen werden. Da erlebt der Mensch die Begegnung mit einer ganz bestimmten Wesenheit, die ihm sein karmisches Konto vorhält. Und diese Individualität, die sozusagen für die Menschen dastand wie eine Art Buchführer der karmischen Mächte, war eben für eine große Anzahl von Menschen die Gestalt des Moses. Daher die mittelalterliche Formel, die aus dem Rosenkreuzertum heraus stammt: Moses halte dem Mensdien in der Stunde des Todes — das ist nicht genau gesprochen, aber daran liegt hier nichts — das Sündenregister vor und weise zugleich auf das scharfe Gesetz, damit der Mensch erkennen könne, wie er abgewichen ist von dem scharfen Gesetz, nach dem er sich hätte verhalten sollen. Dieses Amt geht im Verlaufe unserer Zeit — und das ist die bedeutungsvolle Sache — über an den Christus Jesus, und der Mensch wird immer mehr und mehr dem Christus Jesus als seinem Richter, als seinem karmischen Richter begegnen. Das ist das übersinnliche Ereignis. Genau ebenso, wie sich auf dem physischen Plan zu Beginn unserer Zeitrechnung das Ereignis von Palästina abgespielt hat, so spielt sich die Übertragung des karmischen Richteramtes an den Christus Jesus in unserm Zeitalter in der nachst-höheren Welt ab. Und diese Tatsache ist es, die so hereinwirkt in die physische Welt, auf den physischen Plan, daß der Mensch ein Gefühl dafür entwickeln wird in der Art: mit alledem, was er tut, schafft er etwas, gegenüber dem er dem Christus Rechenschaft schuldig sein wird. Und dieses Gefühl, das in einer ganz natürlichen Art im Verlaufe der Menschheitsentwickelung nunmehr auftritt, wird sich umgestalten, so daß es die Seele mit einem Lichte durchtränkt, das von dem Menschen selber ausgeht nach und nach, und das beleuchten wird die Christus-Gestalt innerhalb der ätherischen Welt. Und je mehr dieses Gefühl, das eine erhöhtere Bedeutung noch haben wird als das abstrakte Gewissen, sich ausbilden wird, desto mehr wird die Äthergestalt des Christus in den nächsten Jahrhunderten sichtbar werden.“ (Lit.:GA 131, S. 77ff)

„Wenn der Mensch durchgegangen ist durch die Pforte des Todes und durchlebt hat jene Zeit, in welcher er Rückschau halten kann auf das bisherige Erdenleben, durchlebt hat die Zeit bis zu dem Punkt, da er den Ätherleib abgelegt hat, wenn der Mensch übergeht in die Kamaloka-Zeit, dann tritt er vor zwei Gestalten hin. Gewöhnlich wird nur eine von diesen erwähnt, aber wir können der Vollständigkeit halber sagen: Es tritt der Mensch vor seiner Kamaloka-Zeit vor zwei Gestalten hin, das gilt allerdings nur für die Menschen des Abendlandes und für alle diejenigen Menschen, welche mit der Kultur dieses Abendlandes in den letzten Jahrtausenden einen Zusammenhang gehabt haben. Moses ist die eine – der Mensch weiß ganz genau, daß er Moses gegenübertritt –, die ihm vorhält die Gesetzestafeln, im Mittelalter nannte man es «Moses mit dem scharfen Gesetz», und der Mensch hat ganz genau in seiner Seele das Bewußtsein, inwiefern er bis in das Innerste seiner Seele abgewichen ist von dem Gesetz. Die andere Gestalt ist diejenige, die man nennt «den Cherub mit dem feurigen Schwert», der da entscheidet über diese Abweichung. Das was da dem Menschen entgegentritt durch diese zwei Gestalten, es stellt gewissermaßen das karmische Konto fest. Diese Tatsache geht in unserer Zeit einer Änderung entgegen. Es wird der Christus der Herr des Karma. Nehmen wir an, irgendein Mensch hätte dieses oder jenes Böse getan, so muß er ein Gutes tun, welches ausgleicht das Böse. Aber dieses Gute, das kann er in zweifacher Weise tun, so daß es für ihn die gleiche Anstrengung bedeutet, wenn es nur wenigen Menschen zugute kommt oder so, daß es für ihn die gleiche Anstrengung bedeutet, wenn es vielen Menschen zum Heile gereicht. Daß unser karmisches Konto in der Zukunft so ausgeglichen wird, das heißt in eine solche Weltordnung hineingestellt wird gegen die Zukunft, wenn wir den Weg zum Christus gefunden, daß die Art unseres karmischen Ausgleiches das größtmöglichste Menschenheil für den Rest der Erdentwickelung hervorrufe, das wird die Sorge Christi sein. Mit dieser Übertragung des Richteramtes über die menschlichen Taten an den Christus ist aber verknüpft, daß dieser Christus auch unmittelbar eingreift in die menschlichen Geschicke. Die Menschen werden nach und nach die Fähigkeit erringen, den karmischen Ausgleich, die ausgleichende Tat, die in der Zukunft geschehen muß, zu schauen wie im Traumbilde.“ (Lit.:GA 130, S. 165ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit, GA 130 (1995), ISBN 3-7274-1300-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Von Jesus zu Christus, GA 131 (1988), ISBN 3-7274-1310-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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