Niederes Devachan

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Als niederes Devachan, oder Rupa-Devachan nach indisch-theosophischer Terminologie, werden die vier unteren Bereiche des Geisterlandes, also der geistigen Welt im engeren Sinn, bezeichnet. Es entspricht dem, was wir nach abendländischer Überlieferung die himmlische Welt oder das Himmelreich nennen. Das niedere Devachan wird gelegentlich auch als Welt der Sphärenharmonie oder als Welt der Inspiration bezeichnet. In der christlichen Esoterik wird das Rupa-Devachan auch die Welt des Sohnes genannt. (Lit.: GA 100, S. 205) Die drei untersten Regionen des niederen Devachans entsprechen den drei äußersten Planetensphären, beginnend mit der Marssphäre; die vierte Region, in der die Quelle der urbildlichen Gedanken liegt, reicht bereits über das Planetensystem hinaus (Lit.: GA 141, S. 178ff).

Das niedere Devachan gliedert sich in vier Bereiche:

  1. Die geistigen Urbilder der physischen Welt (Marssphäre).
  2. Die Urbilder des Lebendigen (Jupitersphäre).
  3. Die Urbilder des Seelischen (Saturnsphäre).
  4. Die Quelle der urbildlichen Gedanken. Diese vierte und höchste Region wird auch als Akasha bezeichnet. Hier ist das geistige Weltengedächtnis, die Akasha-Chronik beheimatet, in die die geistigen Urbilder des gesamten Weltgeschehens eingeschrieben werden.

Im Leben nach dem Tod betritt der Mensch diese himmlische Welt, nachdem er in der Seelenwelt die letzten Bindungen an das vergangene Erdenleben abgestreift hat:

"Und so verläuft auch nach dem Tode - das ist also die Zeit des Abgewöhnens - das ganze Leben durch die Astralwelt rückwärts, und Sie durchleben Ihr Leben noch einmal von rückwärts nach vorn und schließen es ab mit den ersten Eindrücken Ihrer Kindheit. Dieses geht aber wesentlich schneller als hier in der physischen Welt und dauert etwa ein Drittel des Erdenlebens... Wenn Sie das soeben Gesagte sich vor Augen halten, werden Sie ohne weiteres einsehen, daß der Mensch wirklich erst in die geistige Welt - und mit der geistigen Welt ist das gemeint, was in der Bibel mit «Himmelreich» oder «das Reich der Himmel» bezeichnet wird - eintreten kann, wenn er eben vorher sein ganzes Leben rückläufig durchlebt hat bis zur Kindheit. Und dieses liegt in Wahrheit dem Worte Christi zugrunde: «So ihr nicht werdet wie die Kindlein, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.» Dann nämlich, wenn der Mensch rückläufig wieder an der Stufe seiner Kindheit angekommen ist, streift er den Astralleib ab und tritt in die geistige Welt ein.

Nun muß ich Ihnen einmal diese geistige Welt erzählungsweise schildern. Dieses Reich der Himmel ist noch mehr verschieden von der physischen Welt als die Astralwelt. Da man aber selbstverständlich alles nur mit Ausdrücken schildern kann, die dieser physischen Welt entnommen sind, so gilt es noch mehr als für die obige Beschreibung der Astralwelt, daß alle diese Schilderungen nur vergleichsweise gelten dürfen.

Auch in diesem Reich der Himmel gibt es eine Dreiheit, wie hier auf der Erde. Wie man hier die drei Aggregatzustände hat: fest, flüssig und luftförmig, und danach die Erde einteilt in das Kontinentale, die Ozeane und das Luftgebiet, so kann man auch im Geisterlande, wenn auch wie gesagt nur vergleichsweise, drei derartige Gebiete unterscheiden; nur ist das Gebiet der Kontinente aus etwas anderem zusammengesetzt als unsere Felsen und Steine. Was nämlich dort der feste Boden des Geisterlandes ist, das sind die Urbilder alles Physischen. Alles Physische hat ja seine Urbilder, auch der Mensch. Diese Urbilder nehmen sich für den Hellseher aus wie eine Art Negativ, das heißt, man sieht den Raum wie eine Art Schattenfigur, und rings um ihn ist strahlendes Licht. Dieser Schatten ist aber, entsprechend zum Beispiel dem Blut und den Nerven, nicht gleichmäßig, während ein Stein oder ein Mineral im Urbild einen gleichmäßig leeren Raum erscheinen läßt, um den herum auch eine Lichtstrahlung zu sehen ist. Wie Sie auf der Erde auf festen Felsen gehen, so gehen Sie dort auf den Urbildern der physischen Dinge herum. Daraus ist das Land dieser geistigen Welt zusammengesetzt. Wenn der Mensch dieses Land zuerst betritt, dann hat er immer einen ganz bestimmten Anblick: das ist der Moment, in dem er das Urbild seines eigenen physischen Leibes erblickt. Da sieht er zuerst klar daliegen seinen eigenen Leib. Denn er selbst ist ja Geist. Das geschieht bei einem normal verlaufenen Erdenleben etwa dreißig Jahre nach dem Tode; und dabei hat man die Grundempfindung: Das bist du. - Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Vedantaphilosophie das «Tat tvam asi - Das bist du», als einen grundlegenden Erkenntnissatz geprägt. Alle derartigen Ausdrücke sind tief aus dem geistigen Erkennen herausgeholt.

Das zweite Gebiet des geistigen Landes ist das Ozeangebiet. Alles, was hier in der physischen Welt Leben ist, alles also, was einen Ätherleib besitzt, das ist in dem Geisterland wie ein fließendes Element. Fließendes, flutendes Leben durchströmt so das Geisterland. Es sammelt sich auch wie in einem Meerbecken, wie das Wasser im Meer, oder besser gesagt, wie das Blut, das durch die Adern fließt und sich im Herzen sammelt.

Und drittens haben wir das Luftgebiet des Geisterlandes, welches gebildet wird durch alle Leidenschaften, Triebe, Gefühle und so weiter. Alles das haben Sie da oben als äußere Wahrnehmung, wie die atmosphärischen Erscheinungen hier auf der Erde. Alles das durchbraust die Atmosphäre des Devachan. Als Seher können Sie so im Geisterlande wahrnehmen, was hier auf der Erde gelitten wird, und was für Freude hier herrscht. Jede Leidenschaft, jeder Haß und dergleichen wirkt sich im Geisterlande aus wie ein Sturm. Eine Schlacht zum Beispiel wirkt sich so aus, daß der Seher das Erlebnis eines Gewitters in derDevachanwelt hat. So ist das ganze geistige Gebiet durchzogen sowohl mit dahinziehenden wunderbaren Freuden wie auch furchtbaren Leidenschaften. Und so kann man auch von geistigen Ohren sprechen. Wenn Sie so weit vorgeschritten sind, daß Sie sich den Einblick in diese Devachanwelt errungen haben, dann können diese hinwogenden Erscheinungen von Ihnen gesehen und gehört werden, und das also Gehörte ist die Sphärenharmonie.

So haben wir das Gebiet des Geistigen bis zu dieser Stufe charakterisiert. Aber es gibt noch ein viertes Gebiet im Devachan. Wir haben bisher gesehen:

die Urbilder aller physischen Form
alles Leben
alles Seelenleben, Gefühle und so weiter
= Kontinent
= Meer
= Luftgebiet
} des Devachan

Es gibt nun etwas im Menschenleben, was nicht in der Außenwelt angelegt werden kann, und der geistige Inhalt dessen bildet das vierte Gebiet des Devachan. Dahin gehört jeder originelle Einfall, bis zum Schöpferischen des Genies. Alles, was originell ist, das heißt, alles, was der Mensch in diese Welt hinein schafft, wodurch die Welt bereichert wird, alle diese Urbilder bilden das vierte Gebiet des Devachan. Damit haben wir das abgeschlossen, was die Beschreibung der unteren Partien des Devachan ist.

Darüber hinaus kommen noch drei höhere Gebiete, die aber der Mensch hier während des Lebens nur durch höhere Einweihung - also nur der Eingeweihte - erreichen kann, und die nach dem Tode auch nur höher entwickelten Individualitäten wahrnehmbar sind. Wenn nun aber ein solch vorgeschrittener Eingeweihter in dieses nächstfolgende höhere Gebiet des Devachan einzutreten vermag, was erlebt er denn da? Zunächst etwas, was man in der Geheimwissenschaft bezeichnet als die Akasha-Chronik." (Lit.: GA 100, S. 48ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Menschheits-Entwickelung und Christus-Erkenntnis, GA 100 (1981), Vierter Vortrag, Kassel, 19. Juni 1907
  2. Rudolf Steiner: Theosophie - Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, GA 9 (1904), im Kapitel III. Das Geisterland
  3. Rudolf Steiner: Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen, GA 141 (1997), ISBN 3-7274-1410-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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