Hiram Abif

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Hiram (hebr. חִירָ֖ם Chiram[1]; Kurzform von אֲחִירָם Achiram „Bruder des Erhabenen“[2]; auch Huram oder Hirom) bzw. Hiram Abif (auch Hiram Abiff, Hiram Abi, oder Adoniram[3]) aus Tyrus war nach der Tempellegende der Freimaurer der Architekt des Salomonischen Tempels in Jerusalem.

Spätere Inkarnationen Hirams

Hiram, der in seiner damaligen Inkarnation bis an die Grenze der Einweihung kam, wurde nach Angabe Rudolf Steiners zur Zeitenwende wiedergeboren als Lazarus, der nach seiner Erweckung durch den Christus den Einweihungsnamen Johannes trug. Lazarus-Johannes wurde im 13. und 14. Jahrhundert erneut wiedergeboren und eingeweiht und trägt seitdem den Namen Christian Rosenkreutz (Lit.: GA 265, S. 405ff und GA 265, S. 420). Dazwischen liegt eine Inkarnation, die mit der Sage von Flor und Blancheflor angedeutet wird.

„In alten Zeiten lebte in den Menschen das Gruppen-Ich, das Stammes-Ich. In den Eingeweihten (Moses, Hermes, Buddha, Krishna, Zarathustra) spiegelte sich wider das Bewußtsein des ganzen Stammes. Als sie eingeweiht wurden, da waren sie mit dem Atherkörper heraus aus dem physischen Körper und schauten das Wesen des ganzen Stammes. Dieses legten sie dann bei ihrer Rückkehr fest im Gesetz, das sie ihrem Volk gaben. Dadurch wurden sie verantwortlich für die Sünden, die gegen dies Gesetz begangen wurden und mußten sich so lange in ihrem Volke wieder inkarnieren, bis das Volkskarma abgetragen war. Das war so für alle Eingeweihten vor Christus, die im Einweihungsschlaf von Innen die Offenbarung bekamen. Zu dieser Art der Eingeweihten gehörte Salomo, der vom Geschlecht der Abel-Seth-Menschen war. Bei diesen alten Eingeweihten verband sich die Gruppenseele des Volkes mit ihrem Atherkörper während der Einweihung. Die lebte nachher in ihnen auch. Sie mußten deshalb alle viele Inkarnationen durchmachen.

Diejenigen, welche in alten Zeiten nicht Eingeweihte waren und auch nicht zu einem Volk gehörten, das durch solche Eingeweihte die Offenbarungen bekam, - die zerstreut lebten, die selbst aus der physischen Welt heraus die Erkenntnis sammeln mußten, waren die Kains-Söhne. Ein solcher war Hiram Abiff, der durch das Leben im physischen Leibe Erkenntnis gesammelt und diese bis zur Weisheit erhoben hatte. Er brachte seine Weisheit zum Ausdruck im Tempelbau. Es war nicht der Gott von Innen, der ihm die Weisheit offenbarte, wie dem Geschlecht der Abel-Seth-Söhne, sondern die im physischen Dasein errungene Erkenntnis. Die Abel-Seth-Eingeweihten standen unter dem Einfluß Jehovas. Ihnen wurde im Dämmerbewußtsein das höhere Wissen gegeben, unter dem Einfluß der Mondgottheit (Jahve).

Hiram Abiff kam damals bis zur Grenze der Initiation. Eingeweiht wurde er aber erst später. Dazu mußte die Geistessonne auf die Erde kommen. Diese stieg ins Physische hinab in dem Christus. Der nur konnte Hiram Abiff einweihen. Die klare [geistige] Sonne mußte ihn bescheinen bei der Einweihung. Er war Lazarus, der nach der Auferstehung Johannes hieß. Er wurde eingeweiht von dem Christus Jesus. Das, was Hiram Abiff durch das Leben im Physischen erworben hatte, das mußte bleiben. Nicht das Leben der Gruppe, sondern jede einzelne Inkarnation sollte nun von Wichtigkeit werden. Jede einzelne Inkarnation sollte ein Blatt hinzufügen zum Buche des Lebens, ein Blatt, dessen Inhalt mit hinübergenommen wurde ins Geistige, etwas, was blieb, was nicht mehr vergehen konnte, sondern bleiben sollte bis in alle Zukunft hinein. Das stellt Hiram Abiff dar.“ (Lit.:GA 265, S. 405ff)

Hiram im Alten Testament

Modell des ersten Jerusalemer Tempels im Jüdischen Gemeindehaus in Frankfurt (Oder), Brandenburg, Deutschland. Angefertigt von Illya Strambrandt 2009.

Im Alten Testament wird Hiram mehrmals im Zusammenhang mit dem Tempelbau erwähnt.

13 Und der König Salomo sandte hin und ließ holen Hiram von Tyrus 14 - den Sohn einer Witwe aus dem Stamm Naftali, sein Vater aber war aus Tyrus gewesen -; der war ein Kupferschmied, voll Weisheit, Verstand und Kunst in allerlei Kupferarbeit. Der kam zum König Salomo und machte ihm alle seine Werke. 1 Kön 7,13 LUT

Der historische Tempel Salomons wurde etwa 988 v. Chr. auf dem Tempelberg errichtet. Die Bibel berichtet, König Hiram I. habe Baumaterial und Männer zur Errichtung des Tempels geschickt (2 Sam 5,11 EU).

Das 2. Buch der Chronik 2 bezieht sich auf eine formelle Anforderung Salomons an König Hiram I. (Tyros) für Arbeiter und Material; König Hiram erwidert dies durch Entsendung von Hiram-Abi, „den Sohn einer Frau von den Töchtern Dan. Und sein Vater war ein Tyrer.“ (2 Chr 2,13 ELB).

„12 Ich schicke dir einen fähigen, klugen Mann, Hiram-Abi, 13 den Sohn einer danitischen Frau. Sein Vater stammt aus Tyrus. Er versteht es, Arbeiten in Gold, Silber, Bronze, Eisen, Stein, Holz, rotem und blauem Purpur, Byssus und Karmesin auszuführen, alle Gravierungen zu besorgen und jeden Plan zu entwerfen, der ihm aufgetragen wird. Er wird mit deinen Künstlern und den Künstlern meines Herrn, deines Vaters David, zusammenarbeiten.“

2. Buch der Chronik: 2,12-13 EU[4]

Die Wendung „mein Vater Huram“ lautet auf hebräisch חוּרָ֥ם אָבִֽי huram avi; woraus der namentliche Ursprung der Legendenfigur Hiram Abif erklärbar wäre. Eine passende Lautimagination des Namens „Chiram“ wäre der im physischen Leib strömende Atem (CH), durch den das Ich (I) das Regsame (R), d.h. das Astralische, das sich ihm öffnet (A), im eigenen Inneren ergreift (M).

Hiram und die Tempellegende

Hiram Abif wird von Freimaurern auch als der Sohn der Witwe bezeichnet (1 Kön 7,13 EU). [5]

Nach der freimaurerischen Legende wurde Hiram Abif von einem Mann aus einer Gruppe dreier Gesellen[6] ermordet, die ihn angriffen, um das Geheimnis zu erfahren, das dieser Baumeister mit sich trug. Das Geheimnis soll nie enthüllt worden sein: Hiram Abifs Körper wurde nach der Legende außerhalb der Stadtmauern versteckt, wo er blieb, bis König Salomon diesen auffand und bestattete.

An Hiram Abifs Tod wird in verschiedenen Freimaurerritualen erinnert. Geschichtlich ist die Hiramlegende auch bei den Futuwwa-Bünden (vgl. Männerbund) belegt, die im Dritten Grad der Freimaurerei auftaucht, wobei anstelle Hirams Ali „der Kalif“ auftritt, welcher von einigen Charidschiten erschlagen wurde, und was eine Reflexion eines historischen Ereignisses darstellt und ein Schlüsselpunkt des Rituals der ismailitischen Bruderschaften ist. Der älteste nachweisbare Zweig der islamischen Männerbünde ist die 'al-Banna', der Orden der Baumeister (das arabische Wort für Maurer ist ebenfalls 'banna'). Der Gründer des 'al-Banna'-Ordens, der im Umfeld der Sunniten entstand, war Maaruf Karkhi (gest. 815), welcher von seinen Angehörigen als König Salomon verehrt wurde.

Hiram als Symbol für den Jahreslauf der Sonne

Nach der freimaurerischen Überlieferung steht Hiram vor allem für den jährlichen Lauf der Sonne durch den Tierkreis. Hiram repräsentiert den Sonnengott, der durch Tod und Auferstehung geht. Er entspricht Osiris, Adonis, Dionysos Zagreus, Jakchos, dem samothrakischen Kadmilos, dem vierten der Kabiren, dem phrygischen Attis, usw.

„Hiram in der maurerischen Bedeutung ist nicht der historische oder biblische, vielmehr ein rein mythischer und allegorischer, das Symbol oder die Personification des jährlichen Natur- und Sonnenlebens, welcher mythische Hirarn als Natur- und Sonnengott dem ägyptisch-phönicischen Osiris-Adonis, dem griechischen Dionysos-Zagreus oder Jakchos, dem phrygischen Attes-Sabacius oder Korybas, dem samothracischen Hermes-Kadmilos, oder auch Adam, d. i. dem auch zu Berytus verehrten phönicischen Kabiren Esmun, dem kretischen Zeus u. s. w. ganz gleichsteht. Dem alten Mysteriengotte der Bauleute den semetischen Namen Hiram beizulegen, wenn es nicht bereits von den alten Bauleuten geschehen war, lag den christlichen Mönchen und Geistlichen um so näher, als seiner ganzen Abstammung und Natur nach der alte Gott schon auf Phönicien und Syrien hinwies und [...] der Name des ägyptischen Osiris nur der missverstandene oder verderbte phönicische Asar, Azar, Adar, der Gewaltige, der Starke ist. Wie nach der ägyptischen Vorstellung der Selige, der Gerechtfertigte, der Reine und rein Verstorbene in das Reich des Osiris eingeht und mit diesem vereinigt, d. h. ein Theil des Osiris oder selbst Osiris wird, gehört es durchaus derselben Anschauung von dem Verhältnisse des Menschen zu Gott, von der Einheit des menschlichen und des göttlichen Geistes an, den Menschen zum Symbole des göttlichen Mysteriums, des leidenden und sterbenden Unsterblichen, des Osiris-Hiram zu machen.“ (Lit.: Schauberg, S. 210f)

„Die Hirammythe im engern und eigentlichen Sinne ist die Personification, die personificirte Geschichte, die Mythe dei Sonnenlebens von der Herbstnachtgleiche an, mit welcher die Sonne in den dreitägigen oder dreimonatlichen Schlaf und Tod des Winters versinkt, bis zur Wintersonnenwende, in welcher die Sonne aus ihrem Grabe neu geboren, wiedergeboren wird. Die Hirammythe ist die Mythe von dem Tode und der Wiedergeburt des Sonnengottes Hiram und hat ursprünglich blos eine astronomische, eine zodiakale Bedeutung, kann daher nur in den schon späteren Zeiten der Menschheit und der Menschengeschichte bei einem Volke entstanden sein, welches die Astronomie und den Thierkreis, die Beobachtung und die Kenntniss des Sternenhimmels, das blaue Himmelszelt gefunden hatte und besass. Die Hirammythe ist die Vollendung und der höhere wissenschaftliche Abschluss der Mythe von dem allmächtigen Baumeister der Welt, - ist die Mythe von dem Weltleben des Weltenschöpfers, von dem Bauen des Baumeisters, indem sie das niemals endende und ewig sich erneuernde, das unsterbliche Leben und Bauen des Schöpfers- und der Schöpfung in der unwandelbaren Bahn der Sterne vorgezeichnet und geschrieben erkannte. Das Volk, welches zuerst in den Sternen las und mass, hatte die Ewigkeit des Schöpfers und die Unsterblichkeit der Schöpfung, besonders aber des Menschengeistes, - das bisdahin verborgene höchste Mysterium gefunden.“ (Lit.: S. 753f)

„Der maurerischen Meisterweihe liegt die Darstellung des letzten Viertheils der scheinbaren Sonnenbahn, des sterbenden und wiedererstehenden Sonnengottes ·zu Grunde und der neu aufzunehmende Meister ist der Darsteller, gleichsam ein astronomisches Symbol. Der neu aufzunehmende Meister soll ein Bild der Sonne in der :Herbsttag- und Nachtgleiche und in der Wintersonnenwende sein und diesem Grundbilde entsprechend sind die Gebräuche der Meisteraufnahme gestaltet und auch zu deuten ...“ (Lit.: S. 755)

„Obwohl Hiram, d. h. der später also umgenannte heidnische Gott, wesentlich der Sonnen- und Jahresgott, der das Jahr und die Zeit beherrschende und theilende Gott ist, wird er in der Hirammythe doch vorzugsweise als eine sogenannte chthonische, unterweltliche oder Todesgottheit, - als die dunkele Nacht des Todes in der Natur wie in der Menschenwelt aufgefasst und sein Dienst ist daher ein klagender Todtendienst mit der Hoffnung der Wiederauferstehung und der Erlösung von dem Tode. Das Grab des Hiram, die Unterwelt als sein Reich, wurde auch bei den Maurern, wie bei den Aegyptern und bei den Griechen, im Westen, im dunkelen Abend oder in der Nacht gedacht...“ (Lit.: S. 778)

„Hiram, das Licht stirbt und geht unter, wenn und weil die Finsterniss, das Böse im physischen und auch im ethischen Sinne die Uebermacht erlangt hat, und der Tod des Hiram soll der Welt, sie von der Finsterniss und der Sünde erlösend, das Licht und die Tugend wieder bringen.“ (Lit.: S. 781)

Siehe auch

Literatur

  • Muhammad S. Abdullah: Freimaurerische Spuren im Islam, in: Quatuor Coronati, Jahrbuch 1980 (Bayreuth), Nr. 17; S. 117-135
  • Josef Schauberg: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei mit besonderer Rücksicht auf die Mythologieen und Mysterien des Alterthums, Band II, Zürich 1861 [1]
  • E. Desch: Meister Hiram. Eleusis 33 Jg. 181 (1978)
  • Matthias Pflanzl: Johannes und Hiram als Mysteriengestalten. Bauhütten Verlag, Frankfurt 1966, ISBN 3-870-50037-9
  • Rudolf Steiner: Wo und wie findet man den Geist?, GA 57 (1984), ISBN 3-7274-0570-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

Einzelnachweise

  1. Strong 2438
  2. Strong 297
  3. vgl. GA 265, S. 366
  4. für den hebr. Originaltext siehe: 2 Chr 2,12-13
  5. Siehe auch 1. Buch der Könige 7:13-14
  6. Nach freimaurerischer Tradition heißen die drei Gesellen Jubela, Jubelo und Jubelum und sollen auch den drei Herbststernzeichen Waage, Skorpion und Schütze entsprechen, also der Zeit der absteigenden Sonne von Michaeli bis Weihnachten; vgl. Dr. Josef Schauberg: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei mit besonderer Rücksicht auf die Mythologieen und Mysterien des Alterthums, Band II, Zürich 1861, Seite 212f
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