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Ich
Das Ich (mhd. ich, ahd. ih, got. ik, griech./lat. ἐγώ / ego; von idg. *eĝom, eĝ[ō]; hebr. אָנֹ֖כִי , "ânochî" bzw. אֲנִי , "âni"[1]), in der indisch-theosophischen Tradition annähernd als Kama-Manas bezeichnet, worunter aber mehr das im Egoismus verhärtete nieder Selbst, das Ego, verstanden wird, ist das höchste der vier grundlegenden Wesensglieder des Menschen und zugleich sein geistiger Wesenskern und die Quelle des Ich-Bewusstseins. Im Ich-Erleben empfindet sich der Mensch als unteilbare Ganzheit, als Individualität oder Monade, die den bestimmenden Mittelpunkt seiner irdisch verkörperten Persönlichkeit bildet und von hier aus die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens leitet. Die Monade enstammt dem Nirvanaplan.
"Wir müssen uns klar sein, daß wir zunächst in uns haben den geistig-seelischen Wesenskern, den wir zusammenfassen in seinem Mittelpunkt, wenn wir «Ich» oder «Ich bin» sagen. Dieser geistig-seelische Wesenskern ist eingebettet in den Astral-, Äther- und physischen Leib. So wie der Mensch jetzt in der Welt lebt, leben wir eigentlich, wenn wir innerlich leben, in unserem Ich; denn alle Seelentätigkeiten sind bei dem wachen Menschen mit dem Ich in irgendeiner Weise verknüpft, erscheinen gleichsam alle auf dem Hintergrunde des Ich." (Lit.: GA 143, S 49f)
Durch seine drei unteren Wesensglieder, die dem Menschen gleichsam naturhaft verliehen werden, ist der Mensch ein Geschöpf der göttlich-geistigen Welt wie alle anderen Erdenwesen auch. Durch sein Ich ist er berufen, zum Schöpfer seiner selbst zu werden, ja mehr noch, es kann sich überhaupt nur dadurch verwirklichen, dass es sich selbst erschafft. Das Ich entwickelt sich im Zuge wiederholter Erdenleben, die auch sein Schicksal (Karma) bestimmen.
Der göttliche Funke
Das Ich ist rein geistiger Natur, und es liegt im Wesen des Geistes, dass er sich selbst erschaffen muss und durch nichts anderes als sich selbst erschaffen werden kann. Es ist von gleicher Art wie die göttliche Schöpferkraft selbst, gleichsam ein winziger Funke des großen geistigen Weltenfeuers.
- "Leicht kann demgegenüber das Mißverständnis entstehen, als ob solche Anschauungen das Ich mit Gott für Eins erklärten. Aber sie sagen durchaus nicht, daß das Ich Gott sei, sondern nur, daß es mit dem Göttlichen von einerlei Art und Wesenheit ist. Behauptet denn jemand, der Tropfen Wasser, der dem Meere entnommen ist, sei das Meer, wenn er sagt: der Tropfen sei derselben Wesenheit oder Substanz wie das Meer? Will man durchaus einen Vergleich gebrauchen, so kann man sagen: wie der Tropfen sich zu dem Meere verhält, so verhält sich das «Ich» zum Göttlichen. Der Mensch kann in sich ein Göttliches finden, weil sein ureigenstes Wesen dem Göttlichen entnommen ist." (Lit.: GA 013, S 67)
Damit der Funke des menschlichen Ich gezündet werden konnte, mussten die Elohim, die eigentlichen Schöpfergötter unserer Erdenentwicklung, ihr Ich hinopfern. Das geschah in der lemurische Zeit:
"Wir müssen uns darüber klar sein, daß alles, was vor der lemurischen Zeit lag, eigentlich nur eine Wiederholung war des Saturn-, Sonnen- und Mondendaseins, und daß erst da die erste Keimanlage — als Möglichkeit — in den Menschen gelegt worden ist, so daß er das vierte Glied seiner Wesenheit in der Erdentwickelung annehmen konnte: das Ich. Wenn wir die ganze Strömung der Menschheitsentwickelung nehmen, müssen wir sagen: Die Menschheit, wie sie sich über die Erde verbreitet hat — Sie haben diese Weiterverbreitung genauer in der «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt —, ist in der lemurischen Zeit auf gewisse menschliche Vorfahren dieser Anfangsperiode unserer heutigen Erde zurückzuführen. Und wir müssen dabei in der lemurischen Zeit einen Zeitpunkt festsetzen, nach welchem im heutigen Sinne erst richtig vom Menschengeschlecht gesprochen werden kann. Was vorher war, kann noch nicht so besprochen werden, daß man sagen könnte, es wären schon jene Iche in den Erdenmenschen vorhanden gewesen, die sich dann immer weiter und weiter inkarniert haben. Das war nicht der Fall. Vorher war das Ich des Menschen keineswegs noch abgetrennt von der Substanz derjenigen Hierarchie, die zunächst zu diesem Ich des Menschen die Veranlassung gegeben hat, von der Hierarchie der Geister der Form." (Lit.: GA 131, S 177f)
Damals ging allerdings nicht die ganze Ich-Substanz der Elohim in die irdischen Inkarnationen der Menschen ein. Ein Teil wurde zurückbehalten in der geistigen Welt für den späteren nathanischen Jesusknaben, der erst zur Zeitenwende, völlig unberührt von den Folgen des Sündenfalls, zu seiner ersten irdischen Inkarnation herabstieg.
Was bei den Elohim bereits zur Vollendung gereift war, bedeutete für uns einen völlig neuen, keimhaften Anfang. Wenn die Elohim ihr Ich hingeopfert haben, so bedeutet das nicht, dass wir dieses einfach übernommen hätten. Das wäre gar nicht möglich gewesen, wir hätten dazu viele Entwicklungsstufen überspringen müssen. Vielmehr wurde durch das Opfer der Elohim unsere eigene Ich-Entwicklung angestoßen. Es kann keine Rede davon sein, dass unser Ich gleich ist jenem Ich, das die Elohim hingegeben haben. Es unterscheidet sich, bildhaft gesprochen, von diesem so, wie sich der ausdehnungslose Punkt vom Umkreis eines unendlich großen Kreises unterscheidet. Und auch wenn unser punktförmiges Ich sich einmal selbst bis zum kosmischen Umkreis ausgeweitet haben wird, wird es sich in vielfältiger Weise von jenem Ich unterscheiden, das die Elohim einstmals hingeopfert haben. Die Weltentwicklung erschöpft sich niemals in der beständigen Wiederkehr des Gleichen.
Der Ursprung der Monade auf dem Nirvanaplan
Der wahre Ursprung unseres Ichs, der Monade, liegt auf dem Nirvanaplan.
"Wenn wir uns also sagen müssen: Der Mensch tritt in der Mitte der lemurischen Zeit auf der Erde auf und schafft zum ersten Male eigenes Karma; früher hatte er kein individuelles Karma geschaffen -, so müssen wir nun fragen: Woher kann dieses Karma nur kommen, da es als etwas Neues hereinwirkte? - Es kann nur aus dem Nirvana kommen. Damals mußte etwas hereinwirken in die Welt, das aus dem Nirvana kam, aus dem, wo aus dem «Nichts» heraus geschaffen wird. Die Wesen, die damals die Erde befruchteten, mußten bis ins Nirvana hinaufreichen. Was die vierfüßigen Wesen befruchtete, so daß sie Menschen wurden, waren Wesen, die vom Nirvanaplan herunterkamen. Sie nennt man Monaden. Das ist der Grund, warum damals Wesen dieser Art vom Nirvanaplan herunterkommen mußten. Vom Nirvanaplan ist das Wesen, das in uns, im Menschen ist, die Monade. Hier tritt etwas völlig Neues in die Welt hinein und verkörpert sich in dem, was schon da ist und was seinerseits vollständig die Wirkung früherer Taten ist." (Lit.: GA 093a, S 125f)
Die Vorbereitung der Ich-Geburt
Die Leibeshüllen des Menschenwesens wurde auf den planentarische Entwicklungsstufen vorbereitet, die der Erdentwicklung vorangingen. Die Erdenmission ist es nun, den Menschen zum Ich-Träger zu machen, d.h. ihn zu befähigen, die geistige Monade in sein Wesen aufzunehmen. Bis zur Mitte der lemurischen Zeit war das noch nicht möglich. Es lebten zwar schon vorher beseelte Menschenwesen auf Erden, aber sie waren noch keine Ich-Träger. Erst nach der Mondenabtrennung konnte das Menschenwesen das Ich in seine Leibeshüllen aufnehmen.
"Wir wissen, daß die Erde die Wiederverkörperung anderer planetarischer Zustände ist, des alten Mondes, der alten Sonne und des alten Saturn. Wir wissen weiter, daß die Erde, wie sie sich nach und nach entwickelt hat, dazu berufen war, zu den drei Leibern, die sich der Mensch nach und nach während der früheren Verkörperungen der Erde herausgebildet hat - auf dem Saturn den physischen Leib, auf der Sonne den Ätherleib und auf dem Monde den astralischen Leib -, auf der Erde das Ich, das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, hinzuzusetzen. Alles, was der lemurischen Zeit vorangegangen ist, war nur eine Vorbereitung dieser Erdenmission. Damals, in der lemurischen Zeit, gestaltete sich der Mensch so, daß er fähig wurde, das vierte Glied, die Ichheit, auszubilden. Damals fing der erste Keim sich zu bilden an, um in den drei Gliedern, die der Mensch sich allmählich erworben hatte, ein Ich auszubilden. Daher können wir sagen: Durch jene Veränderungen, die sich auf der Erde zugetragen haben, wurde auf den Menschen so gewirkt, daß er ein Ich-Träger werden konnte. Vor der lemurischen Zeit war die Erde auch bevölkert. Menschen waren auf der Erde in einer ganz anderen Form. Das aber waren Menschen, die noch keine Ich-Träger waren, die eigentlich nur das entwickelt hatten, was sie sich von Saturn, Sonne und Mond herübergebracht hatten als physischen Leib, Ätherleib und Astralleib; und wir wissen, welches die Vorgänge im ganzen Weltall sind, die dazu geführt haben, daß der Mensch bis zu dieser Reife seiner Entwickelung gebracht wurde.
Wir wissen, daß die Erde im Beginne unserer jetzigen Entwickelung vereinigt war mit der Sonne und mit dem Monde, daß sich dann zunächst die Sonne abgetrennt hat und einen planetarischen Körper zurückgelassen hat, der die heutige Erde und den heutigen Mond zusammengefaßt hat. Wir wissen aber auch, daß, wenn die Erde mit dem Monde zusammengeblieben wäre, alles, was an Menschenwesen da war, verhärtet, mumifiziert worden wäre, in einen verholzten Zustand übergegangen wäre. Um das zu verhüten, mußte alles, was in dem Monde an Substanzen und Wesenheiten war, erst herausgestoßen werden. Dadurch wurde die Menschengestalt vor der Verhärtung gerettet, es wurde dem Menschen möglich, die jetzige Gestalt anzunehmen, und erst nach der Mondentrennung wurde ihm die Möglichkeit gegeben, ein Ich-Träger zu werden." (Lit.: GA 114, S 81f)
Bis zur Abtrennung des Mondes durchlief die Menschheit eine schwierige Phase. Nachdem sich bereits die Sonne von der Erde getrennt hatte, wirkten die noch in der Erde verbliebenen Mondenkräfte immer stärker verhärtend auf die menschlichen Leibeshüllen ein. Es wurde dadurch für die Menschenseelen - die aber das Ich noch nicht in sich trugen - immer schwieriger, sich auf Erden zu verkörpern. Viele konnten nicht mehr geeignete Leiber für ihre Verkörperung finden. Sie mussten zwischenzeitlich auf andere Planeten ausweichen. Im Wesentlichen nur ein Hauptpaar - Adam und Eva - konnte die verhärtete Erdensubstanz in dieser Zeit bezwingen.
"Was geschah nun mit diesen Seelen, welche keine Leiber finden konnten? Sie wurden entrückt nach den anderen Planeten, die sich inzwischen aus der gemeinsamen Substanz herausgebildet hatten. So gab es gewisse Seelen, die nach dem Saturn entrückt wurden, andere, die nach dem Jupiter, Mars, Venus oder Merkur entrückt wurden; so daß es eine Erdenzeit gab, in welcher nur die stärksten Seelen während des großen Erdenwinters auf die Erde kommen konnten. Die schwächeren Seelen mußten von den anderen zu unserem Sonnensystem gehörenden Planeten in Obhut genommen werden.
Während der lemurischen Epoche gab es in der Tat eine Zeit, von der man - wenigstens annähernd - sagen kann: Es war ein einziges Menschenpaar, ein Hauptpaar vorhanden, welches sich die Stärke Behalten hatte, diese widerspenstige Menschensubstanz zu bezwingen und sich auf der Erde zu verkörpern, gleichsam durchzuhalten durch die ganze Erdenzeit. Das war aber auch die Zeit, als sich der Mond von der Erde trennte. Und durch diese Mondentrennung wurde es wieder möglich, daß sich die Menschensubstanz verfeinerte und sich wieder geeignet machte, Menschenseelen aufzunehmen, die schwächer waren, so daß die Nachkommen dieses einen Hauptpaares wieder in der Lage waren, in weicherer Substanz zu sein als diejenigen, welche vor der Mondentrennung gelebt hatten. Da kamen dann nach und nach alle die Seelen, welche nach dem Mars, Jupiter, Venus und so weiter hinauf entrückt waren, wieder auf die Erde zurück, und mit der Vermehrung der Menschen von dem einen Hauptpaare aus geschah das, daß die Seelen nach und nach aus dem Weltenraume auf die Erde zurückkehrten und sich als die Nachkommen des ersten Hauptpaares bildeten." (Lit.: GA 114, S 83)
Mit dem Sündenfall und der Mondenabtrennung kam es auch zur Geschlechtertrennung und zu der damit verbundenen Individualisierung der Menschen. Jetzt erst konnten die Menschen allmählich zu Ich-Trägern heranreifen. Allerdings wurde als Folge des Sündenfalls ein Teil der Adam-Seele und der damit verbundenen reinen Ätherkräfte - der Baum des Lebens - in der geistigen Welt zurückbehalten. Diese Kräfte konnten sich erst zu Zeitenwende durch den nathanischen Jesusknaben erstmals auf Erden verkörpern und dadurch die Inkarnation des Christus auf Erden vorbereiten.
"Das war sozusagen die Adam-Seele, die noch nicht berührt war von der menschlichen Schuld, die noch nicht verstrickt war in das, wodurch die Menschen zu Fall gekommen sind. Diese Urkräfte der Adam-Individualität wurden aufbewahrt. Sie waren da, und sie wurden jetzt als «provisorisches Ich» dahin geleitet, wo dem Joseph und der Maria das Kind geboren wurde, und in den ersten Jahren hatte dieses Jesuskind die Kraft des ursprünglichen Stammvaters der Erdenmenschheit in sich." (Lit.: GA 114, S 89)
Allerdings verfügte dieser nathanische Jesus über kein eigentliches Ich; er bewahrte noch jenen reinen Zustand, der vor der Ich-Entwicklung liegt. Die selben Ich-Kräfte, die dem nathanischen Jesusknaben vorenthalten wurden, kontten sich aber in Johannes dem Täufer, dem wiedergeborenen Elias, inkarnieren.
"Ein solches Ich wie das Ich Johannes des Täufers wird hineingeboren in einen Leib unmittelbar unter der Lenkung und Leitung der großen Mutterloge der Menschheit, der Zentralstätte des irdischen Geisteslebens. Aus derselben Stätte stammte das Johannes-Ich, aus der auch das Seelenwesen für das Jesuskind des Lukas-Evangeliums stammte, nur daß dem Jesus mehr jene Eigenschaften übergeben wurden, die noch nicht durchdrungen waren von dem egoistisch gewordenen Ich, das heißt, eine junge Seele wird dorthin gelenkt, wo der wiedergeborene Adam inkarniert werden soll.
Es wird Ihnen sonderbar erscheinen, daß hier einmal von der großen Mutterloge aus an eine Stätte eine Seele hingelenkt werden konnte ohne ein eigentliches ausgebildetes Ich. Denn dasselbe Ich, das im Grunde genommen dem Jesus des Lukas-Evangeliums vorenthalten wird, das wird dem Körper Johannes des Täufers beschert, und dieses beides, was als Seelenwesen lebt im Jesus des Lukas-Evangeliums und was als Ich im Täufer Johannes lebt, das steht von Anfang an in einer innerlichen Beziehung." (Lit.: GA 114, S 106f)
All diese vorbereitende Schritte waren notwendig, um die eigentliche Ich-Geburt auf Erden vorzubereiten.
Die eigentliche Ich-Geburt durch das Mysterium von Golgatha
Die eigentliche Ich-Geburt auf Erden erfolgte erst durch den Tod des Christus auf Golgatha, durch das Mysterium von Golgatha:
"An einem Freitag, am 3. April des Jahres 33, drei Uhr am Nachmittag fand das Mysterium von Golgatha statt. Und da fand auch statt die Geburt des Ich in dem Sinne, wie wir es oftmals charakterisiert haben. Und es ist ganz gleichgültig, auf welchem Erdenpunkte der Mensch lebt, oder welchem Religionsbekenntnis er angehört, das, was durch das Mysterium von Golgatha in die Welt kam, gilt für alle Menschen. So wie es für alle Welt gilt, daß Cäsar an einem bestimmten Tage gestorben ist, und nicht für die Chinesen ein anderer und für die Inder wieder ein anderer Tag dafür gilt, ebenso ist es eine einfache Tatsache des okkulten Lebens, daß das Mysterium von Golgatha sich an diesem Tage zugetragen hat und daß man es da zu tun hat mit der Geburt des Ich. Das ist eine Tatsache ganz internationaler Art." (Lit.: GA 143, S 163)
Was genau damit gemeint ist, wird aus dem Vorwort Rudolf Steiners zum Kalender 1912/13 deutlich:
"Dabei ist die Annahme der «Geisteswissenschaft» zu Grunde gelegt, welche in dem angegebenen Jahre den Zeitpunkt sieht, in welchem in die Menschheitentwickelung die Kräfte eingetreten sind, durch welche das Menschen-Ich sich ohne Sinnbild durch die Kräfte des eigenen Vorstellungslebens in sich selbst erfassen und in ein Verhältnis zur Welt bringen kann. Vor diesem Zeitpunkte brauchte der Mensch, um sich zu erfassen und in die Welt hineinzudenken, Vorstellungen, die von der äußeren Wahrnehmung entnommen sind. Die Vorbereitung zu diesem Zeitpunkte liegt einerseits in der althebräischen Kultur, welche zuerst den «Gott im Innern» bildlos zur Erkenntnis brachte; andrerseits im griechischen Geistesleben, das sowohl in seinen Künstlern wie in seinen Weltweisen den Zeitpunkt dadurch vorbereitete, daß es den Menschen durch Vorstellung seiner selbst als Erdenwesen erfaßte und in seiner Philosophie das Weltwerden nicht durch äußere Bilder, sondern durch Vorstellungen charakterisierte, die allein dem Menschen-Innern als denkendem Bewußtsein entstammen (Thales bis Aristoteles). Das christliche Bekenntnis brachte die Empfindung gegenüber dieser Menschheitstatsache dadurch zum Ausdruck, daß es in den entsprechenden Zeitpunkt «Tod und Auferstehung Christi», das «Mysterium von Golgatha» versetzte." (Lit.: Beiträge 37/38, S 39) [2]
Das deutsche Wort «Ich»
"Nirgends außer in Mitteleuropa wird «Ich» gesagt, wenn man sein eigenes Ich meint, seine eigene Wesenheit. Es ist durch den Volksgeist, der sich als Sprachgeist manifestiert, die ganze Evolution so gelenkt worden, daß es allmählich dazugekommen ist, die eigene Wesenheit auszudrücken mit dem Wort Ich. Aber Ich, «I-Ch», ist Jesus Christus! Es liegt in Jesus Christus darin. Dadurch, daß in dem «Ich» Jesus Christus in seinen Anfangsbuchstaben ausgesprochen wird, ist das sinnbildlich ausgedrückt, was im mitteleuropäischen Geisteswesen liegt, wie es intim verbunden ist mit dem innerlichsten Erleben. Jedesmal, wenn man «Ich» ausspricht, spricht man die Anfangsbuchstaben «Jesus Christus» aus. Wenn man nur einmal auf solche Dinge, die wirklich heute noch als phantastisch angesehen werden, die geistigen Augen lenken würde, würde man schon finden, wie unbewußt die Geister der höheren Hierarchien in die menschliche Entwickelung immer hineinwirken, und dann Bedeutsames finden in den Dingen, die man heute nur so hinnimmt." (Lit.: GA 159, S 217)
"Der Christus selber muß im menschlichen Ich wirksam lebendig werden. Daher neigt sich in Mitteleuropa wie in keiner andern europäischen Sprache allmählich die ganze Entwickelung dem zu, daß das «Ich» genannt wird. Und Ich ist «I-C-H». Wie ein mächtiges Symbolum im intimen Zusammenwirken dessen, was dem Gemüte das Heiligste sein kann mit diesem Gemüte selber, steht das da in Mitteleuropa: Ich = I-CH - Jesus Christus! Jesus Christus und zugleich das menschliche Ich. So wirkt der Volksgeist, inspirierend das Volk, um in charakteristischen Worten auszudrücken, was die zugrunde liegenden Tatsachen sind." (Lit.: GA 159, S 193)
"Der erste christliche Eingeweihte Europas, Ulfilas, hat es in die deutsche Sprache selbst hineingelegt, daß der Mensch in der Sprache das «Ich» fand. Andere Sprachen drücken diese Beziehung zum Ich durch eine besondere Form des Zeitwortes aus, zum Beispiel im Lateinischen «amo», aber die deutsche Sprache setzt das Ich hinzu. «Ich» ist: J.Ch. = Jesus Christus. Das ist mit Absicht in die deutsche Sprache hineingelegt, es ist nicht Zufall. Es sind die Eingeweihten, welche die Sprache geschaffen haben. So wie man im Sanskrit das AUM für die Trinität hat, haben wir für das Innere des Menschen das Zeichen «ICH». Dadurch war ein Mittelpunkt geschaffen worden, durch den die Leidenschaften der Welt sich in Rhythmus verwandeln können. Sie müssen sich durch das Ich rhythmisieren. Dieser Mittelpunkt ist wörtlich der Christus.
Alle westlichen Nationen haben die Tätigkeit, die Leidenschaften entwickelt. Ein Impuls vom Osten muß kommen, um in dieselben Ruhe hineinzubringen. Ein Vorbote davon ist schon Tolstojs Buch «Über das Nichtstun». In der Tätigkeit des Westens finden wir vielfach ein Chaos. Das vermehrt sich immer noch. Die Spiritualität des Ostens soll in das Chaos des Westens einen Mittelpunkt bringen. Was lange Zeit hindurch geübt wird als Karma, das geht in Weisheit über. Weisheit ist die Tochter von Karma. Alles Karma findet seinen Ausgleich in Weisheit. Ein Weiser, der auf einer bestimmten Stufe angekommen ist, heißt ein Sonnenheld, weil sein Inneres rhythmisch geworden ist. Sein Leben ist ein Abbild der Sonne, die in rhythmischen Bahnen den Himmel durchwandert.
Das Wort «AUM» ist der Atem. Der Atem verhält sich zum Wort, wie der Heilige Geist zu Christus, wie das Atma zu dem Ich." (Lit.: GA 093a, S 29f)
Der unaussprechliche Name Gottes
"Das eigentliche Wesen des «Ich» ist von allem Äußeren unabhängig; deshalb kann ihm sein Name auch von keinem Äußeren zugerufen werden. Jene religiösen Bekenntnisse, welche mit Bewußtsein ihren Zusammenhang mit der übersinnlichen Anschauung aufrechterhalten haben, nennen daher die Bezeichung «Ich» den «unaussprechlichen Namen Gottes». Denn gerade auf das Angedeutete wird gewiesen, wenn dieser Ausdruck gebraucht wird. Kein Äußeres hat Zugang zu jenem Teile der menschlichen Seele, der hiermit ins Auge gefaßt ist. Hier ist das «verborgene Heiligtum» der Seele. Nur ein Wesen kann da Einlaß gewinnen, mit dem die Seele gleicher Art ist. «Der Gott, der im Menschen wohnt, spricht, wenn die Seele sich als Ich erkennt.»" (Lit.: GA 013, S 66f)
"Die Anschauung des eigenen Selbst im Sinne Fichtes ist deshalb so bedeutsam, weil in bezug auf dieses «Selbst» der Mensch überhaupt ohne allen Gedankeninhalt bleibt, wenn er sich einen solchen nicht von Innen heraus gibt. Für den ganzen übrigen Weltinhalt, für alles Wahrnehmen, Empfinden, Wollen und so weiter, welche den Inhalt des gewöhnlichen Daseins ausmachen, erfüllt die Außenwelt den Menschen. Er braucht - nach Fichtes Worten - im Grunde nichts zu sein als die «Maschine der Natur», welche «ohne sein Zutun seine Geschäfte leitet». Das «Ich» aber bleibt leer, keine Außenwelt erfüllt es mit Inhalt, wenn dieser nicht aus dem Innern kommt. Die Erkenntnis «Ich bin» kann daher niemals etwas anderes sein, als des Menschen intimstes Innen-Erlebnis. Es spricht also in diesem Satze etwas innerhalb der Seele, das nur von innen sprechen kann. Aber so wie diese scheinbar ganz leere Bejahung des eigenen Selbst auftritt, so spielen sich alle höheren okkulten Erlebnisse ab. Sie werden Inhalt- und lebensvoller, aber sie haben dieselbe Form. Man kann durch das Ich-Erlebnis, wie es Fichte darstellt, den Typus aller okkulten Erlebnisse zunächst auf rein gedanklichem Gebiete kennenlernen. Es ist daher richtig gesprochen, wenn man sagt, daß mit dem «Ich bin» der Gott in dem Menschen zu sprechen beginnt. Und nur weil das in rein gedanklicher Form geschieht, wollen es so viele Menschen nicht anerkennen." (Lit.: GA 035, S 57f)
Das Wesen des Ich
Falsch wäre es, das individuelle Ich durch seine Abgrenzung von anderen Ichen oder vom Insgesamt des Kosmos zu definieren. Als rein schöpferisches Prinzip entzieht sich das Ich jeder Abgrenzung oder Definition. In einer ganz spezifischen Weise ist das Ich eins mit dem Ganzen, dessen individueller Ausdruck es ist. Bildhaft darf man sich die Iche der Menschen als eine Vielzahl übereinandergelegter unendliche großer Kreise vorstellen, die alle bis an die Unendlichkeit reichen und von denen doch jeder seine eigene Färbung und seinen eigenen unverwechselbaren Mittelpunkt hat, in dem sich die Unendlichkeit in einzigartiger Weise spiegelt. Dieses Bild ist ein geeignetes Meditationsobjekt, um sich über die wahre Natur des Ichs aufzuklären.
Entwicklungsgeschichtlich ist das Ich das jüngste aller Wesensglieder und daher noch entsprechend wenig ausgereift. Es wurde erst während unserer irdischen planetaren Entwicklungsstufe veranlagt. Blicken wir derart von unserem Ich auf zur göttlichen Welt, so muss uns das mit rechter Bescheidenheit erfüllen, zugleich aber - aus freiem Entschluss - die Verpflichtung in uns erwecken, das eigene Selbst immer weiter zu entwicklen und zu einem schöpferischen Quell im Dienste der künftigen Weltentwicklung zu machen. Denn auch das ist untrennbar mit dem Wesen des Geistes verbunden: sich selbst beständig an die Welt verschenken zu müssen. Geist ist tätig sich hinopfernde Liebe. Nur aus der unermeßlichen göttlichen Liebe konnte die ganze Schöpfung entspringen, und nur wenn der Mensch einen Funken dieser Liebe in sich rege macht, kann er sein individuelles Ich verwirklichen.
Reinkarnation und Karma
Das Ich entwickelt sich durch die Taten, die es auf Erden setzt. Diese Entwicklung kann unmöglich während eines einzigen Erdenlebens vollendet werden, sondern vollzieht sich in einer ganzen Reihe aufeinander folgender irdischer Inkarnationen. Darauf hat schon Lessing in seiner Erziehung des Menschengeschlechts (§ 92 - § 100) hingewiesen. Die Taten des einen Lebens bedingen dabei die veranlagten Fähigkeiten und das künftige Schicksal des Ichs in den weiteren Erdenleben. Das menschliche Ich untersteht damit den Gesetzen von Reinkarnation und Karma.
Unser gegenwärtiges Selbstbewusstsein ahnt noch wenig von der wahren geistigen Natur unseres Ichs. Schicksalsschläge scheinen den Menschen völlig ungewollt und unerwartet wie zufällig von aussen zu treffen - und entspringen doch dem freien Entschluss unseres wahren höheren Ichs, das durch dieses Prüfungen und Herausforderungen nach geeigneten Wegen für seine weitere Entwicklung sucht. Je weiter die wahre Selbsterkenntnis des Menschen voranschreitet, desto mehr kann er aus der Einsicht in die geistigen Entwicklungsnotwendigkeiten seines individuellen Wesens zum bewussten Vollstrecker seines Schicksals werden. Das aus den unbewussten Tiefen der Seele wirkende Schicksal, das Karma, wird dadurch nach und nach zum bewussten Gesetz der Seele, das sich der individuelle Menschengeist selbst gibt. Dieses bewusste Gesetz der menschlichen Seele wird mit einem indischen Ausdruck auch als Dharma bezeichnet. Das nächste Ziel der menschlichen Entwicklung ist es, im Zuge der wiederholten Erdenleben Karma immer mehr in Dharma zu verwandeln. Ist dieses Ziel einmal erreicht, bedarf der Mensch, wie es Buddha erstmals ausgesprochen hat, für seine künftige Entwicklung keiner weiteren irdischen Verkörperungen mehr, sondern schreitet von da an auf einem rein geistigen Entwicklungspfad fort.
Der Gedanke, dass sich das menschliche Ich durch die Taten, die es aus freiem Willensentschluss setzt, weiterentwickelt, liegt schon Rudolf Steiners Philosophie der Freiheit zugrunde. Als Grundmaxime des freien Menschen gilt ihm:
- "Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen." (Lit.: GA 004, S 166)
Ich und Ich-Bewusstsein
Durch das Ich stellen wir uns als selbsbewusstes Wesen der Natur gegenüber und scheinen dadurch zunächst völlig abgetrennt von ihr zu sein. Und doch gibt es untergründig eine geheimnisvolle Beziehung zu den Naturreichen. Insbesondere hat Rudolf Steiner darauf hingewiesen, dass das Ich die zusammengedrängten Kräfte des mineralischen Kosmos in sich trägt:
- "Wenn wir von dem Ich sprechen, so müssen wir von demjenigen im Menschen sprechen, das zum Beispiel nicht nur ein Bewußtsein hat während des Wachens, sondern das auch da ist, wenn der Mensch schläft, das seine Kräfte entfaltet ins ganze Universum hinaus, das von den geistigen Kräften des Kosmos durchstrahlt und durchwirkt und durchpulst ist, wenn der Mensch schläft: das tragen wir unbewußt in uns. Und wenn wir es herausexstirpieren könnten aus dem Menschen, so wie wir das gesagt haben für den Ätherleib, für den astralischen Leib, wir würden aus diesem Ich das ganze Bild des mineralischen Weltenalls bekommen mit allen seinen verschiedenen Geheimnissen des Kosmos. In diesem Ich steckt alles dasjenige zusammengedrängt, was im ganzen Kosmos ausgebreitet ist. Wir tragen den mineralischen Kosmos also in uns." (Lit.: GA 167, S 170)
Das hängt damit zusammen, dass die Entwicklung unsers Ich-Bewusstseins sehr eng mit der Gestalt des physischen Leibes verbunden ist. Rudolf Steiner hat gezeigt, dass das Ich-Bewusstsein dadurch entsteht, dass wir gleichsam unsere physische Gestalt von innen her abtasten und, indem wir diese Grenze spüren, uns von der Welt zu unterscheiden lernen. Die menschliche Gestalt ist aber wiederum Ausdruck der formenden Kräfte des ganzen Kosmos. Dahinter stehen erhabene geistige Wesenheiten, die Elohim oder Geister der Form, durch deren Opfertat wir unser Ich bekommen haben, und die in der Natur allem Geschaffenen die physische Form geben. Eben deshalb wird aber auch die Auferstehung des Leibes zu einer entscheidenden Frage für das menschliche Ich.
In seiner Realität wirksam sehen wir das Ich ganz besonders dort, wo das Ich-Bewusstsein noch nicht erwacht ist. Das ist in den ersten Kindheitsjahren der Fall bis hin zu jenen Zeitpunkt, der heute etwa im dritten Lebensjahr liegt, bis zu dem wir uns später bewusst zurückerinnern können und wo wir uns erstmals unserer selbst bewusst geworden sind. Bis dahin wirkt das Ich bildend bis in den physischen Leib hinein, um diesen erst zum geeigneten Werkzeug für das Ich-Bewusstsein zu machen. Äußerlich sichtbar wird diese Tätigkeit des Ich in jenen drei Fähigkeiten, durch die sich der Mensch grundlegend vom Tier unterscheidet, nämlich in der Aufrichtekraft, in der Sprache und dem Denken. Sind diese Fähigkeiten bis in ihre physischen Grundlagen ausgebildet, macht das Ich, das wirkliche Ich in seiner vollen geistigen Realität, die weitere Erdenwanderung zum größten Teil nicht mehr mit und verbleibt in der geistigen Welt. Was wir desweiteren als unser irdisches Ich im Selbstbewusstsein erleben, ist eigentlich nur ein Spiegelbild unseres wahren geistigen Ichs. Gerade darin aber, in diesem bloßen Bildcharakter, den dadurch die ganze menschliche Erkenntnis bekommt, liegt die Möglichkeit zur Freiheit begründet:
"Und das ist das schwer zu fassende Geheimnis, daß das Ich eigentlich in dem Zeitpunkte, bis zu dem wir uns zurückerinnern, stehenbleibt. Es wird nicht mit dem Leibe geändert, es bleibt stehen. Gerade dadurch haben wir es immer vor uns, daß es uns, indem wir hinschauen, unsere Erlebnisse entgegenspiegelt. Das Ich macht unsere Erdenwanderung nicht mit. Erst wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, müssen wir den Weg, den wir Kamaloka nennen, wiederum zurück machen bis zu unserer Geburt, um unser Ich wieder anzutreffen, und es dann auf unserer weiteren Wanderung mitzunehmen. Der Körper schiebt sich in den Jahren vor - das Ich bleibt zurück, das Ich bleibt stehen. Schwierig zu begreifen ist es aus dem Grunde, weil man sich nicht vorstellen kann, daß in der Zeit etwas stehenbleibt, während die Zeit weiterrückt. Aber es ist doch so. Das Ich bleibt stehen, und zwar bleibt es aus dem Grunde stehen, weil dieses Ich eigentlich sich nicht verbindet mit dem, was vom Erdendasein an den Menschen herankommt, sondern weil es verbunden bleibt mit denjenigen Kräften, die wir in der geistigen Welt die unsrigen nennen. Das Ich bleibt da, das Ich bleibt im Grunde in der Form, wie es uns verliehen ist, wie wir wissen, von den Geistern der Form. Dieses Ich wird in der geistigen Welt gehalten. (Lit.: GA 165, S 16)
Ich und Selbstsucht
"... die orientalische Weisheit ging darauf hinaus, das Ich nur ja nicht zu erleben, sondern es zu überwinden, auszulöschen. [...] Ja, meine lieben Freunde, wer sein Heil im Ich sucht, dem ist Selbstsucht Gebot, dem ist Selbstsucht Gottheit. Die Selbstsucht, die Ichsucht, liegt nämlich vor dem Finden des Ich. Solange man sucht das Ich, solange entwickelt man die Selbstsucht, und von der Selbstsucht befreit nur die Findung, das Finden des Ichs. Hat man es gefunden, dann kann man nicht mehr von der Selbstsucht, von der Ichsucht gequält werden. In dem Finden des Ich liegt die einzig wirkliche Überwindung der Selbstsucht. Und wer heute, nach dem Mysterium von Golgatha, noch fliehen will das Ich, wer heute noch dasselbe sagt, wie man im alten Indien gesagt hat, der wird zurückgeworfen aus dem Ich in die Sucht nach dem Ich, der pflegt gerade die Selbstsucht. [...] Solange das Ich nicht eingezogen war in die Entwickelung der Menschheit, das heißt vor dem Mysterium von Golgatha, mußte man die Ichsucht veredeln. Da war die orientalische Weisheit am Platze. Heute so zu sprechen, heißt: scheinbar vorn vor sich wegzustoßen das Ich, und hinten packt einen Luzifer und stößt einen erst recht in die Selbstsucht hinein; und das merkt man nicht!" (Lit.: GA 167, S 281f)
Der Ich-Leib oder Ich-Träger
"Der Ich-Leib zeigt sich dem Hellseher als eine blaue Hohlkugel zwischen den Augen, hinter der Stirn. Wenn der Mensch anfängt, daran zu arbeiten, so gehen Strahlen von diesem Punkte aus." (Lit.: GA 095, S 154)
"Wiederum drückt sich dies für den Seher in einer eigentümlichen Weise aus. Wenn er den Astralleib untersucht, ist alles in fortwährender Bewegung bis auf einen einzigen kleinen Raum; der bleibt, wie eine etwas in die Länge gezogene eiförmige bläuliche Kugel, etwas hinter der Stirne, bei der Nasenwurzel. Sie findet sich nur beim Menschen. Bei dem Gebildeten ist sie nicht mehr so wahrnehmbar wie bei dem Ungebildeten; am deutlichsten ist sie bei den in der Kultur tiefstehenden Wilden. An dieser Stelle ist in Wahrheit nichts, ein leerer Raum. Wie die Mitte der Flamme, die leer ist, durch den Lichtkranz blau erscheint, so erscheint auch diese dunkle leere Stelle blau, weil das aurische Licht ringsherum strahlt. Das ist der äußere Ausdruck für das Ich." (Lit.: GA 095, S 17)
"Der Ich-Träger, das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, ist gleich einer Art Ovalfigur, deren Ursprung bis hinein in das Vorderhirn zu verfolgen ist. Dort ist dieselbe für den Hellseher als eine bläulich- leuchtende Kugel sichtbar. Von der strömt aus in Ovalform, wie ein Raum-Ei, könnte man sagen, das in den Menschen hineinspielt, eine Art von Bläue. Wie ist dieser Ich-Träger zu sehen? Erst wenn der Hellseher imstande ist, sich auch den Astralleib des Menschen abzusuggerieren, erst dann vermag er den Ich-Träger wahrzunehmen. Die drei andern Leiber hat der Mensch mit den drei Reichen der Natur, dem Mineralreich, Pflanzen- und Tierreich gemeinsam. Durch den Ich-Träger aber unterscheidet er sich von diesen, dadurch ist er die Krone der Schöpfung." (Lit.: GA 109, S 183)
Das Ich und seine physischen Werkzeuge - Blut und sympathisches Nervensystem (Gangliensystem)
Das warme Blut ist der unmittelbare physische Ausdruck des menschlichen Ich. Es entstand in der lemurischen Zeit im Zusammenhang mit der luziferischen Verführung. Voraussetzung für die Entstehung des roten Blutes war das Eisen, das der Mars der Erde in ihrer ersten Entwicklungshälfte gab. Luzifer hat unmittelbaren Einfluss auf das Blut (Blut ist ein ganz besonderer Saft - Faust) und verführt den Menschen zum Egoismus, ermöglicht ihm dadurch aber auch seine Selbstständigkeit.
Im Blut tobt ein fortwährender Kampf zwischen Leben und Tod. Der blaue Blutstrom ertötet in jedem Augenblick das Leben, das im roten Blut dahinströmt. Nur dadurch, indem sich das Blut ständig erzeugt und wieder vernichtet, kann sich unser Ich im physischen Dasein verankern. Das Blut vermittelt dem Menschen das Bewusstsein seines Ich, indem es nur für einen kurzen Moment physisch wird und dann wieder zurückschießt ins Geistige. In diesen Prozess greift Luzifer störend ein.
Durch das Blut wurde es dem Menschen ermöglicht, sich immer mehr in das materielle Dasein einzuleben. Es musste aber der Zeitpunkt kommen, wo das überschüssige Blut und damit der überschüssige Egoismus geopfert werden musste. Das geschah durch das Opfer des Christus auf Golgatha. Dem hellsichtigen Blick zeigt sich, wie sich das Blut in seinen feinsten Teilen im Herzen beständig ätherisiert, d.h. wieder in den ätherischen Zustand übergeht, aus dem es sich ursprünglich verdichtet hat. Dieses ätherisierte Blut strömt fortwährend vom Herzen nach dem Kopf hin.
Der Hauptangriffspunkt des Ich im Nervensystem des physischen Leibes ist das Sonnengeflecht bzw. das damit verbundene sympathische Nervensystem (Gangliensystem); das Ich wird dadurch an die Unterleibsorgane gefesselt. Das Ich wird sich dessen aber nur ganz, ganz dumpf unterschwellig bewusst. Da das Gangliensystem die ganze Zirkulation des Blutes mitbedingt, so widerspricht das auch nicht der Tatsache, daß das Ich im Blut seinen Ausdruck hat.
"Nehmen wir also zunächst an, wir hätten es zu tun mit der Ich-Natur des Menschen, mit jenem Gliede der menschlichen Wesenheit, das wir als Ich bezeichnen. Diese Ich-Natur ist selbstverständlich ganz übersinnlich; sie ist ja das Übersinnlichste, was wir zunächst haben, aber sie wirkt durch das Sinnliche. Dasjenige, wodurch das Ich sich hauptsächlich im intellektualistischen Sinne in der menschlichen physischen Natur auswirkt, ist das als das Gangliensystem bezeichnete Nervensystem, das Nervensystem, das vom Sonnengeflecht ausgeht. Schematisch können wir dieses Nervensystem, dieses Gangliensystem, dieses Sonnengeflechtsystem so (siehe Zeichnung, schwarz) andeuten. Das entfaltet eine Tätigkeit, die ja zunächst mit dem, was man im materialistischen Sinne Nervenleben nennen könnte, nichts besonderes zu tun zu haben scheint. Dennoch ist es der eigentliche Angriffspunkt für die wirkliche Ich-Tätigkeit. Daß der Mensch, wenn er beginnt, okkult sich selbst zu schauen, das Zentrum des Ich im Haupte zu empfinden hat, das widerspricht dem nicht, da wir es ja bei dem Ich-Gliede des Menschen zu tun haben mit etwas Übersinnlichem, und der Punkt, in dem der Mensch das Ich erlebt, ein anderer ist als der Angriffspunkt, durch den das Ich im Menschen vorzugsweise wirkt.
Die Bedeutung des Wortes: Das Ich wirkt durch den Angriffspunkt des Sonnengeflechtes - muß man sich völlig klarmachen. Diese Bedeutung liegt in folgendem: Das Ich des Menschen selbst ist eigentlich mit einem sehr dumpfen Bewußtsein ausgestattet. Der Ich-Gedanke ist etwas anderes als das Ich. Der Ich-Gedanke ist gewissermaßen dasjenige, was als eine Welle heraufschlägt ins Bewußtsein, aber der Ich- Gedanke ist nicht das wirkliche Ich. Das wirkliche Ich greift als bildsame Kraft durch das Sonnengeflecht in die ganze Organisation des Menschen ein.
Gewiß kann man sagen, das Ich verteilt sich über den ganzen Leib. Aber sein Hauptangriffspunkt, wo es besonders in die menschliche Bildsamkeit, in die menschliche Organisation eingreift, ist das Sonnengeflecht, oder besser gesagt, weil alle die Zweigungen dazugehören, das Gangliensystem, dieser im Unterbewußtsein lebende Nervenprozeß, der sich im Gangliensystem abspielt. Da das Gangliensystem die ganze Zirkulation des Blutes mitbedingt, so widerspricht das auch nicht der Tatsache, daß das Ich im Blute seinen Ausdruck hat. In diesen Dingen muß man das Gesagte eben ganz genau nehmen. Es ist etwas anderes, wenn gesagt wird: Das Ich greift durch das Gangliensystem in die Bildungskräfte und in die ganzen Lebensverhältnisse des Organismus ein, als wenn davon gesprochen wird, daß das Blut mit seiner Zirkulation der Ausdruck für das Ich im Menschen ist. Die menschliche Natur ist eben kompliziert.
Um nun die Bedeutung dessen, was da gesagt wird, voll vor die Seele zu rücken, ist es gut, sich die folgende Frage zu beantworten: Wie ist denn eigentlich das Verhältnis des Ich zu diesem Gangliensystem und allem, was damit zusammenhängt? Wie ist denn dieses Ich gewissermaßen in den Unterleibsorganen des Menschen verankert? Es ist so, daß, wenn der Mensch im normal-gesunden Zustande lebt, dieses Ich wie gefesselt ist im Sonnengeflechte und allem, was damit zusammenhängt. Es ist gebunden durch dieses Sonnengeflecht. Was heißt das? Dieses menschliche Ich, das dem Menschen im Verlaufe der Erdenevolution als eine Gabe der Geister der Form zugekommen ist, war ja, wie wir wissen, der luziferischen Versuchung ausgesetzt. So wie der Mensch dieses Ich hat, würde es eigentlich, da es infiziert ist von luziferischen Kräften, der Träger böser Kräfte sein. Das muß unbedingt wahrheitsgemäß erkannt werden. Nicht durch seine Natur ist das Ich der Träger böser Kräfte; aber dadurch, daß das Ich durch die luziferische Verführung mit luziferischen Kräften infiziert ist, ist es an sich der Träger von wirklich bösen Kräften, von Kräften, welche durch die luziferische Infektion geneigt sind, dasjenige, was das Gedankenleben des Ich bedeutet, ins Böse zu verzerren. Der Mensch kann, seit er ein Ich erhalten hat, denken. Wenn es keine luziferische Versuchung gegeben hätte, würde er über alle Dinge gut denken. Da es aber die luziferische Versuchung gegeben hat, denkt das Ich nicht gut, sondern luziferisch infiziert, so wie es nun einmal in der Erdenevolution ist: tückisch, heimtückisch. Es denkt so, daß es überall sich selbst ins Licht und alles andere in den Schatten stellen möchte. Es ist infiziert mit allen möglichen Egoismen. So ist das Ich nun einmal, da es luziferisch infiziert ist. Was nun als Gangliensystem, als Sonnengeflecht im Menschen lebt, ist schon von der Mondenentwickelung herübergekommen und stellt gewissermaßen das Haus für das Ich dar; da paßt das Ich in einer gewissen Weise hinein. Es kann daher darin gebunden, gefesselt werden. Und so liegt folgende Tatsache vor: Das Ich hat durch seine luziferische Infektion fortwährend die Tendenz, sich tückisch, lügenhaft zu gebärden, sich selbst ins Licht, das andere in den Schatten zu stellen; aber es wird gefesselt durch das Nervensystem des Unterleibes. Da muß es parieren. Durch das Nervensystem des Unterleibes zwingen die regelrecht fortschreitenden Mächte, die durch Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung heraufgekommen sind, das Ich, nicht ein Dämon im bösen Sinne des Wortes zu sein. So daß wir also unser Ich so in uns tragen, daß es gefesselt ist an die Unterleibsorgane." (Lit.: GA 174, S 126ff)
Das Ich macht die Entwicklung des physischen Leibes nicht mit
Das Ich macht in gewissem Sinn unsere Erdenwanderung während der irdischen Inkarnation nicht mit, sondern bleibt in dem Moment in der geistigen Welt stehen, bis zu dem wir uns bewusst zurückerinnern können. Dieser Moment liegt etwa im 3. Lebensjahr. Erst nach dem Tod, wenn wir im Kamaloka rückschreitend durch die Zeit an diesem Moment angelangt sind, treffen wir unser wahres Ich wieder an. Während unseres Erdendaseins erleben wir gar nicht unser wahres Ich, sondern nur dessen schattenhaftes irdisches Abbild:
"Wir lernen unser Ich aussprechen zu einer gewissen Zeit unseres Kindesalters. Wir gewinnen ein Verhältnis zu diesem Ich von der Zeit an bis zu der wir uns in späteren Jahren zurückerinnern. Wir wissen es aus den verschiedensten geisteswissenschaftlichen Betrachtungen: bis zu dem Zeitpunkt hat das Ich selber formend und gestaltend an uns gewirkt, bis zu dem Moment, da wir ein bewußtes Verhältnis zu unserem Ich haben. Beim Kind ist dieses Ich auch da, aber es wirkt in uns, es bildet in uns erst den Leib aus. Zunächst schafft es mit übersinnlichen Kräften der geistigen Welt. Wenn wir durch die Empfängnis und die Geburt gegangen sind, schafft es sogar noch einige Zeit, die Jahre dauert, an unserem Leibe, bis wir unseren Leib als Werkzeug so haben, daß wir uns bewußt als ein Ich erfassen können. Es ist ein tiefes Geheimnis mit diesem Hineintreten des Ich in die menschliche Leibesnatur verbunden. Wir fragen den Menschen, wenn er uns entgegentritt: Wie alt bist du? - Er gibt uns als sein Alter an die Jahre, die verflossen sind seit seiner Geburt. Wie gesagt, wir berühren hier ein gewisses Geheimnis der Geisteswissenschaft, das uns im Laufe der nächsten Zeit immer klarer werden wird, das ich aber heute nur erwähnen will, gleichsam mitteilen will. Was uns der Mensch also als sein Alter angibt zu einer bestimmten Zeit seines Lebens, das bezieht sich auf seinen physischen Leib. Er sagt uns nichts anderes als; sein physischer Leib ist so und so lange in der Entwickelung gewesen seit seiner Geburt. Das Ich macht diese Entwickelung dieses physischen Leibes nicht mit. Das Ich bleibt stehen.
Und das ist das schwer zu fassende Geheimnis, daß das Ich eigentlich in dem Zeitpunkte, bis zu dem wir uns zurückerinnern, stehenbleibt. Es wird nicht mit dem Leibe geändert, es bleibt stehen. Gerade dadurch haben wir es immer vor uns, daß es uns, indem wir hinschauen, unsere Erlebnisse entgegenspiegelt. Das Ich macht unsere Erdenwanderung nicht mit. Erst wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, müssen wir den Weg, den wir Kamaloka nennen, wiederum zurück machen bis zu unserer Geburt, um unser Ich wieder anzutreffen, und es dann auf unserer weiteren Wanderung mitzunehmen. Der Körper schiebt sich in den Jahren vor - das Ich bleibt zurück, das Ich bleibt stehen. Schwierig zu begreifen ist es aus dem Grunde, weil man sich nicht vorstellen kann, daß in der Zeit etwas stehenbleibt, während die Zeit weiterrückt. Aber es ist doch so. Das Ich bleibt stehen, und zwar bleibt es aus dem Grunde stehen, weil dieses Ich eigentlich sich nicht verbindet mit dem, was vom Erdendasein an den Menschen herankommt, sondern weil es verbunden bleibt mit denjenigen Kräften, die wir in der geistigen Welt die unsrigen nennen. Das Ich bleibt da, das Ich bleibt im Grunde in der Form, wie es uns verliehen ist, wie wir wissen, von den Geistern der Form. Dieses Ich wird in der geistigen Welt gehalten. Es muß in der geistigen Welt gehalten werden, sonst könnten wir niemals als Menschen während unserer Erdenentwickelung der Erde ursprüngliche Aufgabe und ursprüngliches Ziel wieder erreichen. Was der Mensch hier auf der Erde durch seine Adamsnatur durchgemacht hat, wovon er eine Abprägung in das Grab trägt, wenn er als Adam stirbt, das ist haftend am physischen Leibe, Ätherleib und Astralleib, kommt von diesem. Das Ich wartet, wartet mit alledem, was in ihm ist, die ganze Zeit, die der Mensch auf der Erde durchmacht, sieht nur hin auf die weitere Entwickelung des Menschen - wie der Mensch es sich wieder holt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, indem er den Weg zurück macht. Das heißt, wir bleiben - in einem gewissen Sinne ist das gemeint - mit unserem Ich gewissermaßen in der geistigen Welt zurück. Dessen soll sich die Menschheit bewußt werden. Und sie konnte sich dessen nur dadurch bewußt werden, daß in einer gewissen Zeit aus jenen Welten, denen der Mensch angehört, aus den geistigen Welten, der Christus herunterkam und sich in dem Leibe des Jesus vorbereitete, in der Weise, wie wir es wissen - doppelt —, das, was als Leib ihm auf der Erde dienen sollte." (Lit.: GA 165, S 15ff)
"Nun werden Sie sagen: Aber wir haben doch unser Ich. Unser Ich ist mit uns alt geworden. Unser astralischer Leib, unser Denken, Fühlen und Wollen sind auch mit uns alt geworden. Wenn einer sechzig Jahre alt geworden ist, so ist doch sein Ich auch sechzig Jahre alt geworden. - Wenn wir in dem Ich, von dem wir täglich reden, unser wahres, unser wirkliches Ich vor uns hätten, dann wäre der Einwand berechtigt. Aber wir haben in dem Ich, von dem wir täglich reden, gar nicht unser wirkliches Ich vor uns, sondern unser wirkliches Ich steht am Ausgangspunkte unseres Erdenlebens. Unser physischer Leib wird, sagen wir sechzig Jahre alt. Er spiegelt zurück, indem durch den Ätherleib die Spiegelung vermittelt wird, immer von dem betreffenden Zeitpunkt, in dem der physische Leib lebt, das Spiegelbild des wahren Ichs. Dieses Spiegelbild des wahren Ichs, das wir in jedem Augenblicke von unserem physischen Leibe zurückbekommen, das in Wahrheit von etwas herrührt, das gar nicht ins Erdendasein mitgegangen ist, sehen wir. Und dieses Spiegelbild nennen wir unser Ich. Dieses Spiegelbild wird natürlich älter, denn es wird dadurch älter, daß der Spiegelapparat, der physische Leib, allmählich nicht mehr so frisch ist, wie er im frühen Kindesalter war, dann zuletzt klapperig wird und so weiter. Aber daß das Ich, das eigentlich nur das Spiegelbild des wahren Ichs ist, sich auch als alt zeigt, kommt nur davon, daß der Spiegelungsapparat nicht mehr so gut ist, wenn wir mit dem physischen Leibe alt geworden sind. Und der Ätherleib ist das, was sich nun von der Gegenwart immer so hindehnt, wie perspektivisch, nach unserem wahren Ich und nach unserem astralischen Leib, die gar nicht in die physische Welt heruntergehen." (Lit.: GA 226, S 14f)
Siehe auch
Anmerkungen
- ↑ אֲנִי , "âni" entspricht wohl weitgehend dem niederen Ego und אָנֹ֖כִי, "ânokî" dem eigentlichen göttlichen Ich. Wie in den meisten alten Sprachen wird im Hebräischen das Ich allerdings oft nicht selbstständig angeschrieben, sondern als Präfix oder Suffix zur grammatikalischen Kennzeichnung der 1. Person dem Verb hinzugefügt. âni ist der Ursprung für das Präfix Aleph, das dem Verb vorangestellt wird, um anzudeuten, dass ich dabei der Tätige bin; das ebenfall von âni abgeleitete Suffix ni zeigt an, dass ich der passive Gegenstand des Geschehens bin, etwa in dem auf die Psalmen bezüglichen Christus-Wort am Kreuz: hebr. אֵלִ֣י אֵ֭לִי לָמָ֣ה עֲזַבְתָּ֑נִי (Ps 22,1 LUT) griech. ἐλώι ἐλώι λεμὰ σαβαχθανί , "Eloi, Eloi, lema sabachthani" (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen) (Mt 27,46 EU). Signifikant ist auch das Aleph-Präfix in dem Gottesnamen, den Moses aus dem brennenden Dornbusch vernimmt: אֶֽהְיֶ֖ה אֲשֶׁ֣ר אֶֽהְיֶ֑ה , "ähejäh 'aschär 'ähejäh" (Ich bin der Ich-bin) (2 Mos 3,14 ELB); הְיֶ֖ה , "hejäh" bezeichnet das Sein schlechthin und wird durch das Aleph-Präfix zum Ich-Sein. [1]
Literatur
- Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Heft 37/38, Der Anthroposophische Seelenkalender und der Kalender 1912/13, Dornach 1972
- Rudolf Steiner: Die Philosophie der Freiheit, GA 4 (1995), Kapitel IX DIE IDEE DER FREIHEIT
- Rudolf Steiner: Die Geheimwissenschaft im Umriß, GA 13 (1989), Kapitel Wesen der Menschheit
- Rudolf Steiner: Philosophie und Anthroposophie, GA 35 (1984), ISBN 3-7274-0350-0 Text
- Rudolf Steiner: Grundelemente der Esoterik, GA 93a (1987), ISBN 3-7274-0935-5 [3]
- Rudolf Steiner: Vor dem Tore der Theosophie, GA 95 (1990), ISBN 3-7274-0952-5 [4]
- Rudolf Steiner: Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen, GA 109 (2000), ISBN 3-7274-1090-6 [5]
- Rudolf Steiner: Von Jesus zu Christus, GA 131 (1988)
- Rudolf Steiner: Erfahrungen des Übersinnlichen. Die drei Wege der Seele zu Christus, GA 143 (1994), ISBN 3-7274-1430-8 [6]
- Rudolf Steiner: Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister, GA 159 [GA 159/160] (1980), ISBN 3-7274-1590-8 [7]
- Rudolf Steiner: Die geistige Vereinigung der Menschheit durch den Christus-Impuls, GA 165 (1981), Berlin, 19. Dezember 1915
- Rudolf Steiner: Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste, GA 167 (1962), Siebenter Vortrag, Berlin, 25. April 1916
- Rudolf Steiner: Zeitgeschichtliche Betrachtungen. Das Karma der Unwahrhaftigkeit – Zweiter Teil, GA 174 (1983), ISBN 3-7274-1740-4 [8]
- Rudolf Steiner: Menschenwesen, Menschenschicksal und Welt-Entwickelung, GA 226 (1988), ISBN 3-7274-2260-2 [9]
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