Ichlose Menschen

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Ichlose Menschen, also Menschenformen, die nur als Menschen[1] in menschlicher Gestalt erscheinen, aber "nicht im vollen Sinne des Wortes Menschen sind" (Lit.: GA 346, S. 186f), da sie kein unsterbliches menschliches Ich in sich tragen, sind ein Phänomen, über das nur auf der Grundlage des differenzierten geisteswissenschaftlichen Menschenbildes und zweifellos nur mit großer Vorsicht gesprochen werden kann. Doch handelt es sich dabei gerade in unserer Zeit um eine geistige Tatsache von größter Bedeutung, vor der man nicht die Augen verschließen darf. Rudolf Steiners diesbezügliche Ansichten, nach denen der Mensch aus Leib, Seele und Geist besteht, unterscheiden sich wesentlich vom modernen, materialistisch geprägten Weltbild, das dem Menschen nicht nur das Ich, also den Geist, sondern auch die Seele vollkommen abspricht und ihn als letzlich ich- und seelenlosen Gehirnautomaten auffasst. Ichlose Menschen sind aber nach der Auffassung Rudolf Steiners sehr wohl beseelt. Da sie über kein Ich verfügen, unterliegen sie allerdings nicht der Reinkarnation.

"Denken Sie nur einmal, daß, wenn wir ins Griechentum zurückgehen, man möchte sagen, der volle Leib ja von der vollen Menschenseele ausgefüllt wird, daß das eine sich mit dem andern vollständig deckt und daß das heute nicht mehr der Fall ist. Es bleiben die Leiber bis zu einem gewissen Grade leer. Ich will nicht im abträglichen Sinne von den leeren Köpfen sprechen; die bleiben leer, das ist einmal so in der Entwickelung. Aber leer bleibt in Wirklichkeit nichts in der Welt. Es bleibt etwas nur leer von einem gewissen Etwas, das in anderer Zeit zur Ausfüllung bestimmt war. Ganz leer bleibt eigentlich nichts. Und indem der Mensch immer mehr und mehr seine Seele von dem Leiblichen zurückzieht, wird dieses Leibliche immer mehr und mehr der Gefahr ausgesetzt, von anderem angefüllt zu werden. Und wenn sich die Seelen nicht dazu bequemen wollen, Impulse aufzunehmen, die nur aus dem spirituellen Wissen kommen können, dann wird der Leib angefüllt von dämonischen Gewalten. Diesem Schicksal geht die Menschheit entgegen, daß die Leiber angefüllt werden können von dämonischen Gewalten, von ahrimanisch-dämonischen Gewalten. Denken Sie, daß zu dem, was ich gestern über die Zukunftsentwickelung gesagt habe, hinzukommt, daß man in der Zukunft Menschen wird erleben können: sie sind der Hans Kunz äußerlich im bürgerlichen Leben, weil die sozialen Zusammenhänge es so ergeben, aber der Leib ist so weit leer, daß ein starkes ahrimanisches Wesen drinnen wohnen kann. Man wird begegnen können ahrimanisch- dämonischen Wesenheiten. Der Mensch wird nur scheinbar der Mensch sein, der er ist. Die Individualität, die ist sehr, sehr innerlich, und äußerlich tritt einem ein ganz anderes Bild entgegen." (Lit.: GA 177, S. 95f)

Rudolf Steiner sah sich in den Konferenzen mit den Lehrern der Waldorfschule darum genötigt, darauf hinzuweisen, dass bereits seit den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts sehr viele ichlose Menschen geboren werden. Da in ihnen kein Ich im menschlichen Sinn wohnt, liegt hier keine Reinkarnation vor, sondern die Menschenform ist erfüllt von einem Naturdämon, von einem Elementarwesen, das als solches wahre moralische Verantwortung nicht übernehmen kann. Es fehlt diesen Menschen, die nicht Ich-Träger sind, beispielsweise das heute eminent wichtige eigene Gewissen.

"Das sind diese Fälle, die immer häufiger vorkommen, daß Kinder geboren werden und Menschenformen da sind, die eigentlich in bezug auf das höchste Ich keine Menschen sind, sondern die ausgefüllt sind mit nicht der Menschenklasse angehörigen Wesenheiten. Seit den neunziger Jahren schon kommen sehr viele ichlose Menschen vor, wo keine Reinkarnation vorliegt, sondern wo die Menschenform ausgefüllt wird von einer Art Naturdämon. Es gehen schon eine ganze Anzahl alte Leute herum, die eigentlich nicht Menschen sind, sondern naturgeistige Wesen und Menschen nur in bezug auf ihre Gestalt. Man kann nicht eine Dämonenschule errichten." (Lit.: GA 300c, S. 70)

Auf die Frage, wie so etwas überhaupt möglich sei, antwortete Rudolf Steiner:

"An sich ist nicht ausgeschlossen, daß im Kosmos ein Rechenfehler geschieht. Es sind doch lange füreinander determiniert die hinuntersteigenden Individualitäten. Es geschehen auch Generationen, für die keine Individualität Lust hat hinunterzukommen und sich mit der Leiblichkeit zu verbinden, oder die sie auch gleich am Anfang verlassen. Da treten dann andere Individuen ein, die nicht recht passen. Aber dies ist wirklich jetzt sehr häufig, daß ichlose Menschen herumgehen, die eigentlich keine Menschen sind, die nur menschliche Gestalt haben, naturgeistähnliche Wesen, was man nicht erkennt, weil sie in menschlicher Gestalt herumgehen. Sie unterscheiden sich auch sehr wesentlich von den Menschen in bezug auf alles Geistige. Sie können es zum Beispiel nie zu einem Gedächtnis bringen in den Dingen, die Sätze sind. Sie haben eigentlich nur Wortgedächtnis, kein Satzgedächtnis.

Die Rätsel des Lebens sind nicht so einfach. Wenn eine solche Wesenheit durch den Tod geht, dann geht sie zurück in die Natur, woher sie gekommen ist. Der Leichnam zerfällt; eine richtige Auflösung des Ätherleibes ist nicht da, und das Naturwesen geht in die Natur zurück.

Es könnte sein, daß irgendwie automatisch etwas geschehen könnte. Der ganze Apparat des menschlichen Organismus ist da. Man kann unter Umständen in den Gehirnautomatismen eine Pseudomoral züchten.

Man redet sehr ungern über diese Dinge, nachdem wir ohnedies vielfach gegnerisch angefallen werden. Denken Sie, was die Leute sagen, wenn sie hören, hier wird erklärt, daß es Menschen gibt, die keine Menschen sind. Aber es sind Tatsachen. Wir würden auch nicht solchen Niedergang der Kultur haben, wenn ein starkes Gefühl dafür vorhanden wäre, daß manche Leute herumgehen, die gerade dadurch, daß sie rücksichtslos sind, etwas werden, daß die keine Menschen sind, sondern Dämonen in Menschengestalt." (Lit.: GA 300c, S. 70)

Keineswegs sind solche ichlosen Menschen, die Rudolf Steiner auch als Heuschreckenmenschen bezeichnete, aber als grundsätzlich böse anzusehen. Es sind Seelen, die sehr wohl bis zum Seelischen kommen, aber des schöpferischen Ichs entbehren. Ichlose, aber eben durchaus beseelte Menschen zeigen ziemlich genau die Natur und Wesenheit des Menschen bis zum Ende des 20. Lebensjahrs, denn erst mit dem 21. Lebensjahr, wenn der Ich-Träger, der erst die leiblichen Voraussetzungen für die volle Aufnahme des Ich schafft, ausgereift ist, beginnt sich das Ich in der irdischen Inkarnation auszuleben. Die Menschenwürde und alle damit verbundenen Menschenrechte bleiben damit selbstverständlich vollinhaltlich gewahrt. Die ichlosen Menschen sind darüber hinaus oft tief fühlende Naturen, die teilnahmsvolle Zuwendung verdienen und keineswegs aus der sozialen Gemeinschaft ausgegrenzt werden dürfen.

"Solchen Menschen gegenüber hat man oftmals eine recht schwierige Aufgabe, weil sie durchaus tief fühlend sind; sie können außerordentlich tief fühlend sein, man merkt aber, es steckt nicht eine eigentliche Individualität in ihnen. Nur hat man ihnen das natürlich sorgfältig zu verbergen, daß keine Individualität in ihnen steckt, denn sonst wäre ja die notwendige Folge der Wahnsinn. Aber trotzdem man ihnen das zu verbergen hat, handelt es sich darum, daß man für solche Seelen - Seelen sind es ja doch, wenn auch nicht Geister -, alles so einrichtet, daß diese Menschen den Anschluß finden an andere Menschen, in deren Gefolge sie sich entwickeln können, daß sie also gewissermaßen Mitgehende dieser anderen werden. Diese Menschen zeigen eigentlich ziemlich genau die Natur und Wesenheit des Menschen bis zum zwanzigsten Lebensjahr. Denn beim zwanzigsten Lebensjahr wird ja erst die Gemüts- oder Verstandesseele geboren und damit die Möglichkeit des irdischen Auslebens des Ich gegeben.

Derjenige, der behaupten wollte, solchen ichlosen, individualitätslosen Menschen gegenüber solle man sich nicht teilnahmsvoll verhalten, da sie eine künftige Inkarnation nicht hätten, weil ja keine Individualität da sei, der irrt gar sehr. Er müßte dann auch behaupten, man solle sich den Kindern gegenüber nicht teilnahmsvoll verhalten. Es ist in jedem einzelnen Fall zu entscheiden, was eigentlich in einem solchen Menschen steckt. Manchmal stecken postume Seelen in solchen Menschen, postum gegenüber den Menschenseelen, die in einem bestimmten Zeitalter der Entwickelung entstanden sind und sich als Menschen immer wiederholt verkörperten. Aber es können auch zurückgebliebene Seelen sein, solche, die später von einem anderen Planeten wieder zurückgekommen sind, wohin in einem bestimmten Zeitalter fast die ganze Menschheit gegangen war. Auch solche Seelen können in solchen Menschenleibern stecken. Wir müssen also mit vollem Bewußtsein diese Menschen wie bleibende Kinder erziehen." (Lit.: GA 346, S. 186f)

Philosophisch gesprochen zielt Rudolf Steiner hiermit auf die dem menschlichen Individuum regulär zugehörige geistige Entität, philosophisch auch Entelechie genannt ab, welche so manchem heutigen Menschen in Gestalt des "Ich" tatsächlich fehlt. Dieses Ich strebt die Höherentwicklung des individuellen Menschen an und das wiederum ist den Ichlosen Menschen offensichtlich nicht möglich, da sie über kein entsprechendes "Geistorgan" (also kein "Ich") verfügen. Menschen ohne Ich und damit ohne geistige Entelechie sterben also tatsächlich mit dem Tod. Daher ist bei diesen Menschen der Widerwille gegen jede individuelle geistige Entwicklung und gegen den Gedanken von Reinkarnation und Karma praktisch vorprogrammiert, da ihnen dafür das entsprechende Geistorgan fehlt. Solche Wesen kehren nach dem Tod des Menschen, den sie bewohnten, in die Natur zurück.[2]

"Fehlt das Ich, so wird etwas erscheinen, was keine seelischen Krisen durchmacht wie die des Trotzes des Dreijährigen, wie die der Pubertät und die der Ich-Geburt um das zwanzigste Lebensjahr. Einem solchen Menschen fehlen auch die Schicksalsschläge, die später folgen. Denn Krisen und Schicksalsschläge sind allein aus dem Ich zu erklären; sie sind notwendig, damit das Ich die von der Gesellschaft geprägten Seeleninhalte umarbeiten kann, wenn das für Ausbildung des Ich-Stiles notwendig wird. Einem ichlosen Menschen fehlen die Entwicklungskrisen, und es fehlt ihm vor allem der Antrieb zur Umarbeitung seiner von der Gesellschaft geprägten Seele. Ebenso geht ihm die Fähigkeit ab, sich seiner Seele gegenüber beobachtend zu verhalten. Er ist menschliche Seele, er ist kein Ich, das eine menschliche Seele hat. Er ist ein offenes Revier für alle Wesen, die ihn ergreifen wollen. Er ist offen für alle Fundamentalismen, Nationalismen und Verlockungen der Werbung und der Medien. Er ist was die Prägungen aus ihm gemacht haben." (Lit.: Thomas Göbel, S. 83).

Wenn man "die äußerst heikle Frage möglicher ichloser Menschen (...) einmal berührt (hat)" (Lit.: Michael Heinen-Anders, S. 64), dann ist man auch verpflichtet dazu "Urteilsgrundlagen mitzuteilen" (Lit.: Michael Heinen-Anders, S. 64). So zählt zu einem der wesentlichen Erkennungsmerkmale ichloser Menschen, dass sie in der Regel bis ins hohe Alter ein jugendliches Aussehen bewahren. Da ihnen eine Inkarnationsseele aus vergangenen Leben fehlt, so kommt es im Rahmen der vorgeburtlichen Ohr-Bildung häufig zu einem Fehlen oder Verkümmern der Ohrläppchen. Streng zu beachten ist dabei, dass nicht oder nur verkümmert ausgebildeten Ohrläppchen oder das jugendliche Aussehen bis ins hohe Alter nur ein mögliches Symptom sind. Eine sichere Beurteilung ist ausschließlich durch die unmittelbare Geistesschau und - eingeschränkt - durch einen sehr gut ausgebildeten Ichsinn möglich; liegt beides nicht vor, muss man sich des Urteils enthalten. Darüber hinaus hängt die Funktionstüchtigkeit und die grundlegende Formung des Ohres, die nur individuell überformt wird, auch von der Vererbung ab. Es kann also durchaus der Fall eintreten, dass sich gerade ein stark entwickeltes Ich wegen anderer Eigenschaften, die es für seine Verkörperung sucht, oder aus einer tieferen karmischen Verbindung in einer Vererbungslinie mit schwach ausgebildeten Ohrläppchen inkarniert. Derartige geistige Zusammenhänge können grundsätzlich nur auf geistigem Weg erkannt und niemals aus äußeren Anzeichen erschlossen werden.

Es kann auch sein, dass ein eigentlich für diesen Leib prädestiniertes Ich den Leib bereits übersinnlich bereitet hat, ihn aber aufgrund ungünstiger Umstände wieder verlassen muss. "So gibt es neuerdings Vorgänge, die die geregelte Inkarnation erschweren". (Lit.: Max Hoffmeister, S. 110). Da aber nun das Embryo schon vorgebildet ist, hat dieses entweder die Möglichkeit im Mutterleibe abzusterben oder aber eine ichlose Naturwesenheit ergreift diesen menschlichen Leib, um in ihm für die Dauer eines Menschenlebens statt eines ichhaften Geistwesens, gewissermaßen stellvertretend einzuwohnen.

An anderer Stelle hat Rudolf Steiner ein prominentes Beispiel gegeben, das ebenfalls in diese Richtung weist. Dort charakterisiert er Napoleon I. als Leib ohne Geist-Seele:

"Ich habe mir wirklich viel Mühe gegeben - manche wissen, wie ich da oder dort darüber eine Andeutung gegeben habe -, die Seele Napoleons zu finden. Sie wissen, solche Seelenstudien können in der mannigfaltigsten Weise mit den Mitteln der Geistesforschung gemacht werden. Sie erinnern sich, wie Novalis' Seele in früheren Verkörperungen gesucht worden ist. Ich habe mir redlich Mühe gegeben, Napoleons Seele, zum Beispiel bei ihrer Weiterwanderung nach Napoleons Tod, irgendwie zu suchen - ich kann sie nicht finden, und ich glaube auch nicht, daß ich sie je finden werde, denn sie ist wohl nicht da." (Lit.: GA 185, S. 42)[3]

In gewissem Sinn hat schon Goethe dieses Phänomen der ichlosen Menschen im zweiten Teil seiner Faust-Tragödie angedeutet. Dort erscheint im dritten Akt Helena begleitet von einem Chor gefangener Trojanerinnen. Diese scheinen ihrer Gestalt nach Menschen zu sein, in Wahrheit aber sind sie, abgesehen von der Chorführerin Panthalis, in menschliche Hüllen gekleidete Elementarwesen. Als Helena am Ende wieder in der Unterwelt versinkt, gehen sie, die keinen Namen, d.h. kein Ich sich erworben haben, wieder in die das Reich der Elemente über, dem sie entstammen:

PANTHALlS. Wer keinen Namen sich erwarb noch Edles will,
Gehört den Elementen an: so fahret hin!
Mit meiner Königin zu sein, verlangt mich heiß;
Nicht nur Verdienst, auch Treue wahrt uns die Person. Ab.

ALLE. Zurückgegeben sind wir dem Tageslicht,
Zwar Personen nicht mehr,
Das fühlen, das wissen wir,
Aber zum Hades kehren wir nimmer!
Ewig lebendige Natur
Macht auf uns Geister,
Wir auf sie vollgültigen Anspruch.

Waren es in vorchristlicher Zeit vor allem luziferische Elementarwesen, die sich in menschliche Hüllen kleiden konnten und dadurch der Inkarnation Luzifers den Weg bahnten, so sind es heute vorwiegend ahrimanische Elementarwesen, die in menschlicher Gestalt erscheinen und dadurch die Inkarnation Ahrimans vorbereiten. Nach Rudolf Steiner inkarnieren sich derartige ahrimanische Wesen vorwiegend im Westen und haben oft eine führende Stellung in westlichen Geheimgesellschaften inne. Sie wirken vornehmlich durch das Stoffwechselsystem und das westliche (kapitalistische) Wirtschaftsleben bereitet ihnen den Boden, auf dem sie sich entfalten können. Sie wirken sehr stark der Idee der sozialen Dreigliederung entgegen. Man wird nicht fehlgehen, manche der schrecklichen Ereignisse, die das 20. Jahrhundert geprägt haben und das 21. Jahrhundert bereits zu prägen beginnen, in dieser Richtung zu deuten.

"Diese Wiederverkörperungen sind zwar der regelmäßige Gang der Menschheitsentwickelung, aber sie erleiden eben Ausnahmen. Dasjenige, was uns als Mensch in Menschenform entgegentritt, muß nicht immer das sein, was der äußere Schein zeigt. Der äußere Schein kann eben Schein sein. Es können uns Menschen in Menschenform entgegentreten, die eigentlich nur dem äußeren Scheine nach solche Menschen sind, die immer wiederkommenden Erdenleben unterliegen; in Wahrheit sind das Menschenkörper mit physischem, ätherischem, astralischem Leib, aber in diesen verkörpern sich andere Wesenheiten, Wesenheiten, die sich dieser Menschen bedienen, um durch sie zu wirken. Es ist in der Tat so, daß zum Beispiel im Westen es wirklich eine große Anzahl solcher Menschen gibt, welche im Grunde genommen nicht einfach wiederverkörperte Menschen sind, sondern welche die Träger sind von Wesenheiten, die einen ausgesprochen verfrühten Entwickelungsgang zeigen, die eigentlich erst in einem späteren Entwickelungsstadium in der Menschheitsform auftreten sollten. Diese Wesenheiten benützen nun nicht den ganzen menschlichen Organismus, sondern sie benützen vorzugsweise von diesen westlichen Menschen das Stoffwechselsystem. Von den drei Gliedern der menschlichen Natur benützen sie das Stoffwechselsystem so, daß sie hereinwirken durch diese Menschen hindurch in diese physische Welt. Solche Menschen zeigen auch äußerlich schon für denjenigen, der das Leben richtig betrachten kann, daß es so mit ihnen steht. So sind zum Beispiel eine große Anzahl derjenigen Menschen, welche angelsächsischen Geheimgesellschaften angehören - die Rolle solcher Geheimgesellschaften haben wir ja in den letzten Jahren wiederholt besprochen -, so sind diese Angehörigen solcher Geheimgesellschaften, die einflußreich sind, eigentlich Träger solcher verfrühter Existenzen, die durch das Stoffwechselsystem gewisser Menschen hereinwirken in die Welt und sich ein Arbeitsfeld suchen durch die Leiber der Menschen, die nicht in regelmäßigen Wiederverkörperungen leben. Ebenso sind die tonangebenden Persönlichkeiten gewisser Sekten von solcher Art, und namentlich ist die überwiegende Zahl einer sehr verbreiteten Sekte, die großen Anhang hat im Westen, aus Menschen von dieser Art bestehend. Auf diese Weise wirkt, ich möchte sagen, eine ganz andere Geistigkeit herein in die gegenwärtigen Menschen. Und es wird eine wesentliche Aufgabe sein, Stellung nehmen zu können zum Leben von diesen Gesichtspunkten aus." (Lit.: GA 200, S. 39f)

Steiner unterscheidet dabei drei Arten derartiger Wesenheiten:

"Daß gerade diese drei Arten von Kräften, von Wesen auf dieser besonderen Entwickelungsstufe da im Westen durch Menschen zum Vorschein kommen, das wird begünstigt eben dadurch, daß diesem Westen auferlegt ist, die ganz besondere wirtschaftliche Denkweise zu entwickeln. Ich möchte sagen, das Wirtschaftsleben ist der Grund und Boden, aus dem so etwas aufschießen kann. Und was stellen sich eigentlich im großen und ganzen, in Totalität diese Wesenheiten für eine Aufgabe?

Sie stellen sich die Aufgabe, das ganze Leben als bloßes Wirtschaftsleben zu erhalten, auszurotten allmählich alles andere, was von geistigem Leben da ist, das ja gerade da, wo es am regsten ist, in die Abstraktheit des Puritanismus zusammengeschrumpft ist, auszurotten das geistige Leben, allmählich zu verstumpfen das politisch-staatliche Leben und alles aufzusaugen durch das Wirtschaftsleben. Im Westen sind diese Menschen, die in einer solchen Weise in die Welt treten, die eigentlichen Feinde und Gegner des Dreigliederungsimpulses. Die erste Art von Wesen läßt nicht heraufkommen ein solches Wirtschaftsleben, das sich als ein selbständiges hinstellt neben das staatlich-rechtliche und neben das geistige Glied des sozialen Organismus. Die zweite Art von Wesen, die sich vorzugsweise die Oberflächlichkeit, das Phrasentum, die Lügenhaftigkeit zur Aufgabe macht, die will nicht aufkommen lassen neben dem Wirtschaftsleben ein selbständiges demokratisches Staatsleben. Und die dritte Art von Wesenheiten, welche die individuellen Fähigkeiten unterdrückt, welche nicht will, daß der Mensch etwas anderes ist als eine Art Schablone seiner Rasse, seiner Nationalität, die arbeitet entgegen der Emanzipation des Geisteslebens, der selbständigen Stellung des Geisteslebens." (Lit.: GA 200, S. 42f)

Einzelnachweise

  1. Ein Verständnis des Unterschiedes zwischen "Mensch" und "Menschenform" erschließt sich nur durch die Aufnahme der Anthroposophie, wie sie insgesamt von Rudolf Steiner gegeben wurde.
  2. Dieser Absatz im Text ist umstritten, weicht aber nicht von Rudolf Steiners Aussagen zum Thema ab, wie der Inhalt der GA 346 zeigt (M. Heinen-Anders).
  3. Möglicherweise hat sich Rudolf Steiner hier später selbst korrigiert. Es gibt wohl Aufzeichnungen der Eliza von Moltke, dass Napoleon I., "der seine Aufgabe vergaß" nach Rudolf Steiners späterer Forschung als Aaron, der Bruder des Mose verkörpert war. Vgl. hierzu den Eintrag im "Perseus Kalender 2013/14" zum 5. Mai (1821), dem Todestag von Napoleon I. - durch Thomas Meyer, der den Moltke-Nachlass besitzt. Thomas Meyer spricht davon auch in seinem Roman "Der unverbrüchliche Vertrag".

Siehe auch:

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis, GA 177 (1999), ISBN 3-7274-1771-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Geschichtliche Symptomatologie, GA 185 (1982), Zweiter Vortrag, Dornach, 19. Oktober 1918
  3. Rudolf Steiner: Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart. Dritter Band, GA 300c (1995), Konferenz vom 5.7.1923 (zur Qualität von GA 300c, vgl. Anmerkung in GA 300)
  4. Rudolf Steiner: Apokalypse und Priesterwirken, GA 346 (2001), S. 184 - 187 (zur Qualität von GA 346, vgl. Anmerkung in GA 346)
  5. Rudolf Steiner: Die neue Geistigkeit und das Christus-Erlebnis des zwanzigsten Jahrhunderts, GA 200 (2003), Vortrag vom 22.10.1920
  6. Michael Heinen-Anders: Aus anthroposophischen Zusammenhängen, 3. Auflage, BOD, Norderstedt 2010, S. 63 - 64
  7. Thomas Göbel: Die drei Arten des Bösen, die Würde des Menschen und ein Ausblick auf das neue Jahrhundert. In: Chiffren des 20. Jahrhunderts. Im Angesicht des Bösen. Herausgegeben von Thomas Göbel und Heinz Zimmermann, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 2000, S. 72 - 90; dort insbesondere S. 83
  8. Max Hoffmeister: Die übersinnliche Vorbereitung der Inkarnation, Vlg. Die Pforte, Basel 1991
  9. Michael Heinen-Anders: Aus anthroposophischen Zusammenhängen Band II, 5. ergänzte Auflage, BOD, Norderstedt 2016
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