Extension und Intension

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Extension und Intension (lat. extensio „Ausdehnung, Spannweite, Verbreitung“ und lat. intensio „Mühe, Spannung, Anspannung“) sind ein aus der klassischen Logik des Aristoteles stammendes semantisches Begriffspaar, das ursprünglich den Begriffsumfang und Begriffsinhalt von Prädikaten und Begriffen bezeichnet. So umfasst etwa die Extension des Begriffs „Mensch“ die Gesamtheit aller Menschen, wobei allerdings noch näher zu klären bleibt, was unter dieser Gesamtheit genauer zu verstehen ist. Es können damit beispielsweise nur die gegenwärtig auf Erden lebenden Menschen gemeint sein, aber auch zusätzlich die Toten und Ungeborenen. Der Begriffsinhalt, die Intension, umfasst idealerweise die Gesamtheit aller Eigenschaften, Merkmale[1] und gesetzmäßiger Beziehungen, die allen Dingen gemeinsam sind, die der Begriff umspannt. In der Praxis können aber stets aber nur einzelne charakteristische Eigenschaften, Merkmale und Gesetzmäßigkeiten herausgegriffen werden, wodurch sich oft sehr unterschiedliche Definitionen für ein und denselben Begriff ergeben. So ist etwa der Mensch nach klassischer Definition ein „vernunftbegabtes Lebewesen“, nach Platons oft bespöttelter Aussage hingegen ein „auf zwei Beinen gehendes ungefiedertes Lebewesen“. Wirklichkeitsgemäße Begriffe können daher niemals durch eine starre, einseitige Definition, sondern nur durch eine umfassende, lebendig bewegliche Charakterisierung ausreichend erfasst werden, worauf Rudolf Steiner wiederholt hingewiesen hat.

„Nun, wenn Sie öfter von mir Auseinandersetzungen gehört hätten, dann würden Sie gefunden haben, daß ich nirgends Definitionen gebe, ja, daß ich mich sogar scharf gegen das Definieren in der Anthroposophie wende. Ich muß ja manchmal, da ich populär zu sprechen habe, die Dinge begrifflich darstellen. Und obwohl ich ganz gut weiß, daß Definitionen eine gewisse Hilfe sein können für das mehr naturwissenschaftliche oder historisch im heutigen Sinne geartete Wissen, obwohl ich mir also des eingeschränkten Rechtes von Definitionen bewußt bin, so erinnere ich doch daran, wie innerhalb der griechischen Philosophie gesagt wurde, man solle einen Menschen definieren. Es wurde da die Definition gegeben, ein Mensch sei ein Lebewesen, das zwei Beine und keine Federn hat. Und da brachte am nächsten Tage jemand einen gerupften Hahn und sagte, das wäre ein Mensch. - Sehen Sie, so weit entfernt man sich sehr häufig von der unmittelbaren Anschauung, auch mit brauchbaren Definitionen. Man muß nur auf die Dinge eingehen.

Das ist eben eine Eigentümlichkeit des intellektualistischen Wissens, und darin steckt vielfach auch dasjenige, was nun zu dem Urteil geführt hat, das in so scharfer Weise die Grenzen sehen will zwischen Glauben und Wissen. Man muß da schon ein wenig auf die Feinheiten eingehen. Sehen Sie, schon in unseren einfachsten Wissenschaften stecken Definitionen, die eigentlich gar keine Berechtigung haben. Schlagen Sie irgendein Physikbuch auf. Sie finden darin eine Definition: Was ist Undurchdringlichkeit? Undurchdringlichkeit ist die Eigenschaft der Körper, daß an dem Orte, wo ein Körper ist, nicht zugleich ein anderer sein kann. - Das ist eine Definition der Undurchdringlichkeit. Im ganzen Umfange des Wissens und Erkennens darf aber so gar nicht definiert werden, sondern diese [Definition der] Undurchdringlichkeit ist eigentlich bloß ein maskiertes Postulat. In Wirklichkeit müßte gesagt werden: Man nennt einen Körper undurchdringlich, wenn er so beschaffen ist, daß an dem Orte, wo er ist, nicht zugleich ein anderer sein kann. - Es ist das nämlich bloß eine Anleitung, einen Körper zu bestimmen, seine Eigenart zu postulieren; und erst unter dem Einfluß der materialistischen Denkweise werden Postulate maskiert als Definitionen gegeben.“ (Lit.:GA 343a, S. 95)

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Eigenschaften und Merkmale nicht im Sinne von Wahrnehmungen, sondern in Form der ihnen entsprechenden Begriff, also z.B. nicht das wahrgenommene Rot, sondern die Röte an sich als Begriff, der alle roten Farbtöne von anderen Farben abgrenzt.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, II, GA 343a (1993), ISBN 3-7274-3430-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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