Jordan-Taufe

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Jordantaufe (Visegrád Codex, 1085, Prag)
Ikone der Taufe Jesu
Die Taufe Jesu im Jordan, Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg, um 1175

Mit der Jordan-Taufe (Johannes-Taufe, auch Taufe Jesu oder Taufe Christi), die nahe des am östlichen Ufer des Jordans gelegenen Bethanien[1], am beinahe tiefsten Punkt der festen Erde[2] stattfand, zog der Christus in die aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib bestehende dreifache irdische Hülle des Jesus von Nazareth ein, um von da an für drei Jahre auf Erden zu leben.

„28 Dies geschah in Betanien jenseits des Jordans, wo Johannes taufte. 29 Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! 30 Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. 31 Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser. 32 Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. 33 Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.“

Johannesevangelium: 1,28-34 LUT

Durch seine geisteswissenschaftlichen Forschungen war Rudolf Steiner zu der Ansicht gekommen, dass zur Zeit der Zeitenwende nicht einer, sondern zwei Jesusknaben geboren worden waren, der nathanische und der salomonische Jesus, die beide dem Geschlecht Davids entstammen. Einen deutlichen Hinweis darauf geben die beiden sehr unterschiedlichen Geburtserzählungen im Matthäus- und Lukas-Evangelium. In keinem dieser beiden Jesusknaben wohnte zunächst das Christus-Ich. Mit dem 12. Lebensjahr ging das Ich des salomonischen Jesus, der nach Rudolf Steiner der wiedergeborene Zarathustra war, in den Leib des nathanischen Jesus über, um sich bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr auf die große Opfertat vorzubereiten, mit der er seine Wesenshüllen dem sich inkarnierenden Christus hingab.

Der Christus, das Göttliche Schöpfungswort (Honover nach der persischen Überlieferung) ist die selbe Wesenheit, von der es im Alten Testament heißt: "Und der Geist Gottes brütete über den Wassern." (1 Moses 1,2). Der imaginativen Schau zeigt sich das Geistige des Jesus, das sich mit der Jordantaufe vom Leib löst, in Form der weißen Taube.

"So konnte das Ich des Zarathustra, das höchstgestiegene menschliche Ich, dazu auserlesen sein, während 18 Jahren zu wohnen in den Hüllen, die dann den Christus aufnehmen sollten. Sein Ich verließ die Hüllen kurz vor der Johannestaufe im Jordan. So war er nicht im Fleische verkörpert dabei, als der Christus auf Erden wandelte. Zarathustra selber inkarnierte sich bald nach dem Verlassen der drei Hüllen des Jesus von Nazareth; sein Ich verband sich mit dem Ätherleib des salomonischen Jesus, der bei dessen Tode von der Mutter des nathanischen Jesus mit hineingenommen worden war in die geistige Welt." (Lit.: GA 264, S. 231)

"Aus der anthroposophischen Forschung ergibt sich, daß eine Anschauung, die ebenfalls im frühen Christentum lebendig war, etwas Richtiges trifft: Die tiefere Verbindung des kosmischen Christus-Wesens mit dem Menschen Jesus von Nazareth kam erst im dreißigsten Jahre dieses Menschenlebens zustande, und zwar durch das Taufereignis." (Lit.: Hans-Werner Schroeder, Der kosmische Christus, S. 142).

"Als der Jesus von Nazareth dreißig Jahre alt war, war er auch noch durch das, was er in seiner damaligen Inkarnation erlebt hatte, so weit gekommen, daß er einen Prozeß vollziehen konnte, der in Ausnahmefällen vollzogen werden kann. Wir wissen, daß der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Dieser viergliedrige Mensch ist der Mensch, der unter uns lebt. Wenn der Mensch auf einer gewissen Entwickelungshöhe steht, ist es ihm möglich, in einem bestimmten Zeitpunkt sein Ich herauszuholen aus den drei Leibern und diese intakt als vollkommen heile Leiber zurückzulassen. Dieses Ich geht dann in die geistige Welt, und die drei Leiber bleiben zurück. Diesem Prozeß begegnen wir zuweilen in der Weltenentwickelung. Bei irgendeinem Menschen tritt es ein, daß ein besonders hoher, entrückter Augenblick da ist, der unter Umständen sich auch über einen längeren Zeitraum ausdehnen kann. Da geht das Ich fort, geht in die geistige Welt; und weil die drei Leiber so hoch entwickelt sind durch das Ich, das in ihnen war, sind sie brauchbare Werkzeuge für eine noch höhere Wesenheit, die von ihnen Besitz nimmt. Im dreißigsten Jahre des Jesus von Nazareth nimmt nun von dessen physischem Leibe, Ätherleibe und Astralleibe dasjenige Wesen Besitz, das wir den Christus genannt haben. Dieses Christus-Wesen konnte sich nicht in einem gewöhnlichen Kindesleibe inkarnieren, sondern nur in einem Leibe, der erst durch ein hochentwickeltes Ich dazu vorbereitet war. Denn dieses Christus-Wesen war vorher noch niemals in einem physischen Leibe inkarniert gewesen. Von dem dreißigsten Jahre ab haben wir es also mit dem Christus im Jesus von Nazareth zu tun.

Was war da eingetreten in Wahrheit? In Wahrheit war diese Leiblichkeit des Jesus von Nazareth, die er zurückgelassen hatte, so reif, so vollendet, daß in sie eindringen konnte der Sonnenlogos, das Wesen der sechs Elohim, wie wir es beschrieben haben als das geistige Wesen der Sonne. Es konnte sich für drei Jahre in dieser Leiblichkeit inkarnieren, konnte Fleisch werden. Der Sonnenlogos, der hineinscheinen kann durch die Erleuchtung in den Menschen, er selbst, der Heilige Geist, tritt ein, das Welten-Ich, das kosmische Ich tritt ein, und es spricht fortan der Sonnenlogos in diesen drei Jahren aus dem Jesuskörper. Der Christus spricht aus dem Jesuskörper die drei Jahre hindurch. Dieser Vorgang wird angedeutet im Johannes-Evangelium und auch in den anderen Evangelien als das Herabsteigen der Taube, des Heiligen Geistes auf den Jesus von Nazareth. Im esoterischen Christentum wird das so gesagt, daß in diesem Augenblicke das Ich des Jesus von Nazareth dessen Körper verläßt und daß in ihm fortan der Christus-Geist ist, der aus ihm spricht, um zu lehren und zu wirken. Das ist das erste Ereignis, das geschieht, im Sinne des Johannes- Evangeliums. Jetzt haben wir den Christus im Astralleibe, Ätherleibe und physischen Leibe des Jesus von Nazareth." (Lit.: GA 103, S. 206f)

Den Einzug des Christus in den Leib des nathanischen Jesus, der vom Ich des Zarathustra verlassen worden war, vergleicht Rudolf Steiner mit dem Vorgang der Empfängnis bei den Erdenmenschen. Man darf hier im höchsten Sinn von einer unbefleckten Empfängnis sprechen:

"Gehen wir einmal, um zu einiger Klarheit zu kommen, aus von demjenigen, was man gewöhnlich nennt die Johannestaufe im Jordan. Sie stellt sich im Fünften Evangelium dar in bezug auf das Erdenleben des Christus wie etwas, was gleich ist wie eine Empfängnis bei einem Erdenmenschen. Das Leben des Christus von da ab bis zu dem Mysterium von Golgatha verstehen wir, wenn wir es vergleichen mit demjenigen Leben, das der Menschenkeim im Leibe der Mutter durchmacht. Es ist also gewissermaßen ein Keimesleben der Christus-Wesenheit, das diese Wesenheit durchmacht von der Johannestaufe bis zum Mysterium von Golgatha. Das Mysterium von Golgatha selber müssen wir verstehen als die irdische Geburt, also den Tod des Jesus als die irdische Geburt des Christus. Und sein eigentliches Erdenleben müssen wir suchen nach dem Mysterium von Golgatha, da der Christus seinen Umgang gehabt hat, wie ich gestern angedeutet habe, mit den Aposteln, als diese Apostel in einer Art von anderem Bewußtseinszustand waren. Das war dasjenige, was der eigentlichen Geburt der Christus-Wesenheit folgte. Und was beschrieben wird als die Himmelfahrt und die darauf folgende Ausgießung des Geistes, das müssen wir bei der Christus-Wesenheit auffassen als dasjenige, was wir beim menschlichen Tode als das Eingehen in die geistigen Welten anzusehen gewohnt sind. Und das Weiterleben des Christus in der Erdensphäre seit der Himmelfahrt oder seit dem Pfingstereignis müssen wir vergleichen mit dem, was die Menschenseele durchlebt, wenn sie im sogenannten Devachan, im Geisterlande ist." (Lit.: GA 148, S. 41)

Der Christus verband sich mir der Jordantaufe inniger mit den Leibeshüllen, als das jemals zuvor für einen Menschen möglich gewesen war. Die Inkarnation ging so weit, dass der Christus die bewusste Herrschaft über alle Leibeshüllen bis hinein in die inneren Vorgänge des Knochensystems gewinnen konnte. Das war zuvor selbst den höchsten Eingeweihten nicht möglich gewesen. Damit waren die Voraussetzungen gegeben, durch die der Christus für sich und die ganze Menschheit den Tod überwinden konnte, denn die Form des Knochensystems besiegt den Tod im physischen Sinn, wenn sie bewusst ergriffen wird. Diese Tatsache ist von höchster Bedeutung für die ganze Erdentwicklung: Der Mensch hat sich die Form des Knochensystems, die letztlich seine ganze menschliche Gestalt bestimmt, erst auf Erden erworben, nicht auf den früheren planetarischen Weltentwicklungsstufen, aber er würde sie aufgrund der zerstörerischen Nachwirkungen des Sündenfalls wieder verlieren, wäre nicht der Christus in einen menschlichen Leib herabgestiegen. Der Mensch würde nichts als Frucht der Erdenentwicklung in die Zukunft mitnehmen können, hätte der Christus nicht das Knochensystem von innen her ergriffen und damit der Formgestalt des Menschen, dem Phantom, seine heileinde Kräfte zugeführt.

Mit der Jordan-Taufe, als sich die unendliche Fülle des kosmischen Christus in die irdische Leibeshülle des Jesus herabsenkte, konnte das nicht ohne Wirkungen in der Umgebung des Jesus bleiben. Die erste und unmittelbarste Wirkung war, dass die Mutter des Jesus in gewissem Sinn in ihrer inneren Organisation wieder jungfräulich wurde. (Lit.: GA 112, S. 178ff)

"Da senkte sich auch wieder das Unsterbliche der ursprünglichen Mutter des nathanischen Jesus herab und verwandelte diejenige Mutter, die in dem Hause des nathanischen Joseph aufgenommen war, und machte sie wieder jungfräulich, so daß die Seele jener Mutter, die der Jesus verloren hatte, ihm bei der Johannes-Taufe wiedergegeben wird. Diese Mutter, die ihm geblieben ist, birgt also in sich die Seele seiner ursprünglichen Mutter, die in der Bibel die gebenedeite Maria genannt wird (Lukas 1,28 EU)." (Lit.: GA 114, S. 112)

"Es stellt sich dem Geistesforscher folgendes dar: In demselben Augenblicke, als diese Taufe im Jordan geschah, fühlte auch die Mutter etwas wie das Ende ihrer Verwandlung. Sie fühlte - sie war da mals im fünfundvierzigsten, sechsundvierzigsten Lebensjahre -, sie fühlte sich mit einem Male wie durchdrungen von der Seele jener Mutter, welche die Mutter des Jesusknaben war, der in seinem zwölften Jahre das Zarathustra-Ich empfangen hatte, und die gestorben war. So wie der Christus-Geist auf Jesus von Nazareth herabgekommen war, so war der Geist der anderen Mutter, die mittlerweile in der geistigen Welt weilte, herniedergekommen auf die Ziehmutter, mit der Jesus jenes Gespräch hatte. Sie fühlte sich seitdem wie jene junge Mutter, die einstmals den Lukas-Jesusknaben geboren hatte." (Lit.: GA 148, S. 85)

Anmerkungen

  1. Nicht zu verwechseln mit dem zweiten im Neuen Testament erwähnten Bethanien. Dieses lag etwa 15 Stadien (knapp 2,8 km) südöstlich des damaligen Jerusalems am Osthang des Ölbergs. Nach Joh 11,18 LUT war es der Heimatort der drei Geschwister Maria, Martha und Lazarus und hier fand auch die Auferweckung des Lazarus statt.
  2. Der tiefste Punkt der festen Erde mit 420 m unter dem Meeresspiegel liegt dort, wo der Jordan in das Tote Meer mündet. Der Jordangraben ist Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs, der die „tiefste und auffälligste Schramme im Antlitz der Erde“ ist.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium, GA 103 (1995), ISBN 3-7274-1030-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, besonders zu dem Lukas Evangelium, GA 112 (1984), Kassel, 3. Juli 1909
  3. Rudolf Steiner: Das Lukas-Evangelium, GA 114 (2001)
  4. Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium, GA 148 (1992)
  5. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264 (1987)
  6. Hans-Werner Schroeder: Der kosmische Christus, Urachhaus Vlg., Stuttgart 1995
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