Jutta Ditfurth

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jutta Ditfurth (Geburtsname Jutta Gerta Armgard von Ditfurth; * 29. September 1951 in Würzburg) ist eine deutsche Sozialwissenschaftlerin, Publizistin, Anthroposophie-Kritikerin[1] und Politikerin (ÖkoLinX). Sie ist Mitbegründerin der Partei Die Grünen und war von 1984 bis 1989 eine der drei gleichberechtigten ehrenamtlichen Bundesvorstandssprecher der Grünen.

Leben

Ditfurth ist die Tochter der Fotografin Heilwig von Raven und des Arztes und Wissenschaftsjournalisten Hoimar von Ditfurth, der dem Adelsgeschlecht Ditfurth entstammt. Ihr Bruder ist Christian von Ditfurth. 1978 versuchte sie, ihren Namen ändern zu lassen, dies wurde abgelehnt. Sie nennt sich Jutta Ditfurth.[2]. In dem Magazin Stern 1999 sagte sie, sie habe auch die Aufnahme in den „Adelsverband“ im Alter von 18 Jahren abgelehnt, da sie von elitärem Denken abgestoßen werde.[3]

Jutta Ditfurth studierte Soziologie, Politik, Kunstgeschichte, Wirtschaftsgeschichte und Philosophie in Heidelberg, Hamburg, Freiburg, Glasgow, Detroit und Bielefeld mit dem Abschluss 1977 als Diplomsoziologin. In der Folge arbeitete sie als Sozialwissenschaftlerin an den Universitäten Freiburg, Bielefeld und Marburg. Im Winter 1977 zog Ditfurth nach Frankfurt am Main und arbeitete dort zwei Jahre in unterschiedlichen Firmen und Funktionen. Parallel arbeitete sie als Journalistin und Autorin für Printmedien und Rundfunk, ab 1980 hauptberuflich.

Politisch aktiv war sie seit Anfang der siebziger Jahre im Umfeld der undogmatischen Linken. Ihr Engagement erstreckte sich von der internationalistischen Bewegung über die Frauenbewegung (hier beispielsweise gegen den § 218 - Ditfurth selbst hatte nach eigenen Aussagen zweimal eine Schwangerschaft abgebrochen)[4] bis hin zur Anti-AKW-Bewegung. Nach dem Deutschen Herbst von 1977 wurde sie 1978 Mitgründerin der Grünen Liste Wählerinitiative für Demokratie und Umweltschutz (GLW) und der Grünen Liste Hessen (GLH) sowie 1979/1980 Mitbegründerin der Grünen. Neben Thomas Ebermann und Rainer Trampert war sie eine der bekanntesten Symbolfiguren des linken, „ökosozialistischen“ Flügels der Partei. Sie bezeichnete sich selbst als Radikalökologin und Feministin, ihre Gegenspieler in der oft als Realo-Fraktion benannten Strömung (abgeleitet von „realpolitisch“) um den späteren Außenminister Joschka Fischer zählten sie zu den sogenannten „Fundis“ (abgeleitet von „fundamentalistisch“).

Nachdem sie bei der Bundestagswahl 1990, bei der die westdeutschen Grünen den Einzug in den Bundestag verfehlten, auf der Liste der bayerischen Grünen für den Bundestag kandidiert hatte, verließ sie die Partei im April 1991 wie viele andere linke Grüne vor ihr aus Protest gegen die „Rechtsentwicklung“ der grünen Bewegung.

Danach war sie zeitweise ehrenamtliche Funktionärin der Mediengewerkschaft IG Medien, so von 1992 bis 1995 eine von drei gleichberechtigten Bundesvorsitzenden der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union.[5]

Sie ist Publizistin und Mitglied der politischen Kleinpartei Ökologische Linke, die sie 1991 mit politischen Freunden gründete. Von 1991 bis 1999 war sie Herausgeberin der Zeitschrift ÖkoLinx der Ökologischen Linken. Von einem linkssozialistischen Standpunkt aus kritisierte sie in Büchern und Reportagen die Politik der Grünen. Sie attackierte auch rechtskonservatives und rechtsextremistisches Gedankengut, für das auch linksorientierte neue soziale Bewegungen anfällig seien, was sich in esoterischen und irrationalen Tendenzen äußere. So gebrauchte sie den Ausdruck „Ökofaschismus“ unter anderem für Rudolf Bahro[6] ebenso wie für die Ökologisch-Demokratische Partei, Baldur Springmann sowie die Unabhängigen Ökologen Deutschlands.[7]

Bei der Europawahl 1999 kandidierte Ditfurth als politische Aktion als „Gegnerin des Nato-Krieges mit deutscher Beteiligung gegen Jugoslawien“ auf Einladung eines linken Bündnisses (NAR) in Griechenland auf einer internationalen Liste.

Ende 2000 beteiligte sie sich an der Bildung der Wählervereinigung ÖkoLinX-Antirassistische Liste, für die sie im April 2001 als ehrenamtliche Stadtverordnete in das Frankfurter Stadtparlament einzog und die Fraktion ÖkoLinX-ARL im Römer bildete.

Der Stadtverordnetenvorsteher von Frankfurt am Main erteilte ihr im Oktober 2004 eine Rüge, nachdem sie als einzige Vertreterin der Fraktion ÖkoLinX-Antirassistische Liste im Römer geäußert hatte, Hartz IV zwinge die Betroffenen in einen „Reichsarbeitsdienst“. Zudem hatte sie die darin vorgesehenen Ein-Euro-Jobs als „staatlich verordnete Zwangsarbeit“ bezeichnet.

2007 veröffentlichte sie nach sechs Jahren Recherche eine Biografie über Ulrike Meinhof.[8][9]

Im Mai 2008 legte sie ihr Amt als Frankfurter Stadtverordnete nieder.[10]

Politische und weltanschauliche Positionen

Jutta Ditfurth führte schon als Mitglied der GRÜNEN heftige Kampagnen gegen all jene Politiker von Bündnis'90/Die Grünen bei denen sie eine Nähe zu anthroposophischen und/oder esoterischen Positionen feststellte oder auch nur vermutete. Obwohl ihr Vater, der bekannte Wissenschaftsjournalist Hoimar von Ditfurth seinerzeit in einer seiner Fernsehsendungen Rudolf Steiners Schrift Aus der Akasha-Chronik (GA 11) dezidiert neutral als einen Beitrag zur Atlantis-Forschung vorstellte, gebärdet sich Jutta Ditfurth, angesichts einer oft nur vermuteten Nähe irgend eines politischen Protagonisten zur Anthroposophie, häufig ähnlich wie die Romanfigur Don Quichotte angesichts von dessen Kampf gegen die Windmühlenflügel.[11]

Heute zählt Jutta Ditfurth zu den Hauptkritikern von Anthroposophie und Esoterik, insbesondere sobald sie angesichts ihrer Politiker-Hassobjekte politische Hintergründe auch nur vermutet.

Inhaltlich steht Jutta Ditfurth für eine ökologisch-sozialistische Grundposition, wie sie sie beispielsweise in ihrem Buch Entspannt in die Barbarei ausgedrückt hat:

„Es gibt eine lange Tradition von Linken, auch wenn sie nicht die Mehrheitslinie bildeten und bilden, die begriffen haben, dass die soziale nicht von der ökologischen Frage zu trennen ist, weil die Wurzel der Ausbeutung des Menschen und der Natur dieselbe ist: die kapitalistische Produktionsweise mit ihrer Profitlogik und ihrem Verwertungszwang.“

Jutta Ditfurth[12]

Ditfurth gilt als scharfe Kritikerin des später dominanten Realo-Flügels der Grünen um Joschka Fischer, sie führte ein eigenes Archiv über die Grünen und kritisiert eine Aufweichung und Entstellung der ursprünglichen Ziele der Grünen bis zur Unkenntlichkeit (etwa Friedenspolitik, Anti-AKW-Bewegung) seit 1985. Ihre Abrechnung mit Joschka Fischer und den Grünen veröffentlichte sie 1999 als Fortsetzungsserie in dem politisch konservativen Boulevardmagazin Neue Revue.[13] Statt an einem grundlegenden Wandel in der Gesellschaft seien die Grünen in den 1990er Jahren eher an Machtpositionen und Verteilung von staatlicher Förderung an Freunde (Nepotismus) interessiert gewesen. Zudem habe eine Gruppe aus dem Frankfurter Sponti-Milieu um Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit sowie um die damalige Redaktion der Zeitschrift Pflasterstrand viele der ursprünglichen Grünen aus der Partei vertrieben. Da Jutta Ditfurth in den 1990er Jahren bei taz, Frankfurter Rundschau, Der Spiegel und anderen damals linksliberalen Medien (die für realpolitische Regierungsbeteiligungen der Grünen warben) aufgrund ihrer Angriffe nicht mehr publiziert wurde, nutzte sie eine Artikelreihe in der Neuen Revue für ihre „Abrechnung mit Junker Joschka“, von dem (nach ihrer Darstellung) auch der Begriff Fundi (Fundamentalismus) für parteiinterne Kritiker seines Kurses – wie sie – stammte.[13]

Ebenso kritisiert sie eine neue Generation in den Grünen um Oswald Metzger, Matthias Berninger oder Cem Özdemir, die nichts mehr mit den ursprünglichen Zielen der Grünen zu tun habe. Diese pragmatischen Jungpolitiker hätten auch in der FDP oder CDU Parteikarrieren machen können, so Ditfurth. Oswald Metzger ist im April 2008 tatsächlich zur CDU übergetreten.

Ditfurth selbst steht politisch weiterhin für linke Politik, Kritik an Überwachung, Forderungen nach einem sofortigen Atomausstieg und direkte Demokratie ein.

Siehe auch

Veröffentlichungen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. z.B. http://www.info3.de/c5/index.php/projekte/stichwort-anthroposophie/anthroposophie-kritik/eine-radikale-verirrt-sich/
  2. Sigrid Born/Nicole Würth: Blaues Blut und Privilegien, Recht brisant, 3sat
  3. Stern: Was macht eigentlich…Jutta Ditfurth?. 25. April 1999
  4. Interview mit Cosmopolitan, Ausgabe 8/1988
  5. 50 Jahre gewerkschaftlich organisierte Journalistinnen und Journalisten, Chronik der dju (PDF-Datei)
  6. Jutta Ditfurth: Ein grüner Adolf? Rudolf Bahro zwischen Esoterik und Ökofaschismus. in Junge Welt, 5. November 1994
  7. Das waren die Grünen. Abschied von einer Hoffnung. Econ, München 2000, ISBN 3-548-75027-3
  8. Stern: Ditfurth über Meinhof: „Sie war die große Schwester der 68er“. 18. November 2007
  9. Reinhard Mohr in Spiegel Online: Ditfurth über Meinhof: Terroristen ausmisten. 20. November 2007
  10. Brief an das Wahlamt der Stadt Frankfurt/Main vom 26. Mai 2008
  11. Rupert Neudeck: "Geradezu in der Stierkampfarena fühlt man sich, wenn die Buchautorin Jutta Ditfurth den Kampf einläutet gegen Otto Schily. Nun kann dieser Mann mit seiner weltabgewandten Toskana-Vornehmheit einen Gegner schon reizen. Auch alte Kampfgefährten, ich will das doch noch mal sagen. Immer wieder wird Schily nachgesagt, er stehe der Anthroposophie nahe. Das diskreditiert ihn dann noch doppelt. Auf die Anthroposophen hat sie schon in einem früheren Buch eingedroschen. Und es ist schon schlimm genug, dass es sie offenbar immer noch gibt. »Wo immer Anthroposophen und Anthroposophinnen im Bundestag oder dessen Umfeld kritisiert werden, ist Otto Schily zu ihrer Verteidigung zur Stelle.« Den besonderen antirassistischen Dünkel des Otto Schily wird man nur verstehen, »wenn sein anthroposophischer Hintergrund und das zutiefst elitäre und rassistische Menschenbild der Anthroposophie begriffen wird. Ditfurth fährt fort: »Schilys Eltern waren Anthroposophen«. Das klingt - toute proportion gerade so: Sie waren Kommunisten oder waren Juden. Was findet die Autorin an dem Schily und seiner Nähe zur Anthroposophie so ekelerregend und gefährlich? Sie kann es nicht beschreiben und belegen. Es bleibt der fade Geschmack von einer Kindheits-Verletztheit. Einem Erlebnis, das sie zu einer fast fixen Idee gebracht haben muss." Aus: http://www.info3.de/c5/index.php/projekte/stichwort-anthroposophie/anthroposophie-kritik/eine-radikale-verirrt-sich/
  12. Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei. Konkret-Literatur-Verlag, Hamburg 1996, S. 157
  13. 13,0 13,1 Zahltag, Junker Joschka!. Zuerst veröffentlicht in der Neuen Revue. 1999
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Jutta Ditfurth aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.