Kama

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Kāma (sanskrt., "weltlicher Genuss", "Verlangen"), oft sehr einseitig als "Lust" oder "Sexuelles Verlangen" übersetzt, ist nach indisch-theosophischer Bezeichnung die allgemeine Astral-, Wunsch- oder Begierdensubstanz.

Kama in der indischen Überlieferung

Im berühmten Schöpfungslied des Rigveda (RV.10.129) ist Kama, das Verlangen, Quelle und Ursprung aller Dinge.

Im Anfang war Finsternis in Finsternis versteckt (....) das Eine wurde durch die Macht eines heißen Dranges geboren. Über dieses kam am Anfang das Liebesverlangen, was des Denkens erster Same war[1]

Dieses Verlangen war der Urtrieb, der die Erscheinungswelt aufrecht erhält, die hinter dem Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) stehende Kraft. Ein Vers im Atharva Veda (AV, 9.2.) begrüßt Kama als "Erstgeborenen der Schöpfung". Das Mahabharata (12.167) berichtet von einem Disput darüber, welches der Lebensziele das höchste sei. Bhisma, einer der Pandava-Brüder, tritt für Kama ein. Dies sei die erste Pflicht des Menschen, denn ohne Begierde sei jede Leistung unmöglich. Er sieht Kama als das Geheimnis allen Erfolges, ob materieller oder geistiger Art [2].

Die Vielschichtigkeit des Begriffes Kama wird in einem anderen Abschnitt des Mahabharata deutlich. Das große Epos lässt Kamadeva, die Personifizierung des Kama, selbst erklären, in wie vielen verschieden Formen das Verlangen jeden Menschen beherrscht.

"Keinem Wesen ist es möglich mich zu zerstören. Ein Mensch, der meine Macht kennt, bemüht sich, mich durch das Murmeln von Gebeten zu überwinden; dann besiege ich ihn mit dem Glauben, ich sei das subjektive Ego in ihm.( ........) Wenn ein Mensch mich durch Askese überwinden will, dann erscheine ich als Askese in seinem Sinn und verhindere so, dass er mich erkennt. Und wenn ein Wissender mich um der Erlösung willen überwinden möchte, so lache ich ihm fröhlich ins Gesicht. Ich bin der Unvergängliche, den kein Wesen töten noch zerstören kann." [3]

Kamasutra

Das Kamasutra, ein Lehrbuch der körperlichen Liebe, vermutlich zwischen 200 und 300 n. Chr. geschrieben, gilt als einer der einflussreichsten Texte der Weltkulturgeschichte zum Thema Erotik.

Kama-Manas

Nach Rudolf Steiner ist Kama identisch mit Eros, der Liebe in ihrer ursprünglichen Form. Indem sich Manas, das höhere Selbst mit Kama umhüllt, entsteht Kama-Manas, das Ich des Menschen:

"Dem indischen Schüler wurde die Menschengestalt, das Urbild, im oberen Devachan klar wahrnehmbar. Dann umhüllte es sich im niederen Devachan mit einer astralischen Hülle, die in sich die Kräfte hatte, Liebe zu entwickeln. Die Liebe, den Eros, nannte man Kama. So bekommt Kama einen Sinn für die Erdentwickelung. Es kleidet sich das göttliche Wort, das Brahman, im Kama, und durch das Kama hindurch tönte dem Schüler das Urwort heraus. Kama war es, in das sich Manas kleidete, das war das Ich." (Lit.: GA 106, S. 58)

Quellen

  1. aus R.C. Zaehner: Der Hinduismus, Wilhelm Goldmann Verlag (S. 47)
  2. aus R.C. Zaehner: Der Hinduismus, Wilhelm Goldmann Verlag (S. 121)
  3. Mahabharata, 14. Buch (Aswamedha Parva), Section XIII ([1], engl. Seite)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Ägyptische Mythen und Mysterien, GA 106 (1992)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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