Kalk

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Der Kalk oder Kalkstein zählt zu den Sedimentgesteinen und besteht überwiegend aus den Mineralen Calcit und Aragonit, die zwei unterschiedliche Kristallisationsformen des Calciumcarbonats (CaCO3) sind. In schwankenden Anteilen sind oft auch noch andere Mineralien beigemengt, wie etwa Dolomit (CaMg(CO3)2), der neben Calcium das lichtoffene Magnesium enthält, das auch im Blattgrün (Chlorophyll) der Pflanzen vorkommt und dort die Photosynthese ermöglicht; weiters Tonminerale, Quarz, Gips und andere. Tonmineralreicher Kalk wird als Mergel bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Der Kalkprozess und seine Beziehung zum Astralleib

Nun ist der Kalk in der Natur draußen vor allem aus tierischen Ablagerungen entstanden, aus Muschelschalen, Korallen, Schneckenhäusern usw., er hat also eine starke Beziehung zum Wesen der Tiere, während er für die Pflanzen vergleichsweise wenig bedeutsam ist. Wir finden ihn im Außenskelett der niederen Tiere und – in wesentlich verinnerlichter Form – im Innenskelett der höheren Tiere und des Menschen. Das kann uns schon auf die Spur bringen, welchem Wesensglied der Kalk besonders verwandt ist – es ist der Astralleib, der Trieb- und Begierdeleib, durch den sich die Tiere (und der Mensch) von den Pflanzen unterscheiden. Tatsächlich hat Rudolf Steiner den Kalk sehr treffend als den „Begierdenkerl“ (Lit.: GA 327, S 83) bezeichnet.

"Das Kalkige hat eigentlich eine wunderbare Verwandtschaft mit der menschlichen Begierdenwelt." (Lit.: GA 327, S 82)

Der Kalk fesselt den wachen Astralleib (und beim Menschen auch das wache Ich) an den physischen Leib. Ein zu starker Kalkprozess führt daher auch zu Schlaflosigkeit.

Die tierische Gestalt ist ganz und gar Ausdruck der darin waltenden astralen Trieb- und Begierdekräfte, die stark unter dem Einfluss Luzifers stehen. Sie hätte durch bestimmte hervorstechende Trieb- und Begierdekräfte einen zwar arttypischen Grundcharakter, wäre aber insgesamt in ihrer Form noch sehr flüchtig und fließend veränderlich. Bei den niederen Tieren, man denke etwa an die Meeresquallen, ist das auch noch weitgehend der Fall. Je höher entwickelt ein Tier ist, d.h. je intensiver es vom Astralleib ergriffen wird, desto stärker wird auch der Kalkprozess und desto stärker wird die ganze tierische Gestalt zuerst durch die Außenskelettbildung und dann weiter durch die Innenskelettbildung verfestigt. Damit wird aber auch den Wirkungen Luzifers eine feste Grenze gezogen. Der Kalk bannt die Tiere und den Menschen in eine mehr oder weniger feste Gestalt. Diese verfestigte Gestalt ist, wie Rudolf Steiner deutlich macht, eine Imagination Ahrimans. Ahriman hat eine starke Beziehung zum Kalk. In jeder einzelnen tierischen Gestalt drück sich so besehen ein ganz spezifisches arttypisches Verhältnis zwischen den verflüchtigenden luziferischen und den verfestigenden ahrimanischen Kräften aus, wobei aber die ahrimanischen Kräfte im Laufe der Erdentwicklung immer mehr das Übergewicht gewonnen haben. Das gilt auch für die gattungsmäßige Gestalt des Menschen, die solange mit der Erbsünde behaftet bleibt, solange nicht der Einfluss der beiden Widersachermächte durch das individuelle Ich ins richtige Gleichgewicht gebracht wird. Die Menschliche Gestalt muss ganz und gar zum Ausdruck des individuellen Ichs umgestaltet werden. Ohne die Christuskraft ist diese Individualisierung der menschlichen Gestalt aber nicht möglich, denn nur der Christus ist stark genug, um die Ichkraft bis in das Knochensystem hinein zu tragen, um dort gestaltend zu wirken und den überstarken Einfluss Ahrimans zu überwinden. Nur die durchgehend individualisierte Menschengestalt kann später einmal so vergeistigt werden, dass sie zum bleibenden Besitz des Ichs wird. Damit wird ein deutliches Licht auf die Auferstehungsfrage geworfen, der wir uns in späteren Vorträgen noch ausführlicher widmen wollen.

Die niederen Tiere wehren sich noch sehr stark gegen die zunehmende ahrimanische Sklerotisierung, die durch den Astralleib hervorgerufen wird und die eigentlich ein beginnender Todesprozess ist. Sie versuchen die Kalkkräfte auszuscheiden und drängen sie aus ihren Inneren an die Peripherie, wo sie sich zum Außenskelett verhärten. Dadurch bewahren sie sich innerlich eine vergleichsweise viel größere Lebendigkeit als die höheren Tiere, entwickeln dafür aber auch nur ein sehr dumpfes Bewusstsein. Ein gutes Beispiel dafür sind die in ihrem Inneren höchst lebendigen, aber kaum bewussten Muscheln. An der Bildung des Außenskeletts zeigt sich auch deutlich die rundende Formgebungstendenz des Kalks. Der Kalk schafft eine nach außen zu sich gegen die Umwelt stark abgrenzende, abgerundete Leibeshöhle, in deren Inneren sich die Lebenskräfte nur sehr verhalten entfalten können, während im Gegensatz dazu die Pflanzen sich viel vitaler mehr oder weniger frei und ungehindert mit ihren Wachstumskräften in den Raum hinaus ausdehnen können.

Auch im Menschenwesen ruft der Kalk zentrifugale, ausscheidende Prozesse hervor und zwar auf unterschiedliche Weise in den drei Gliedern des dreigliedrigen Organismus. Im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen wirkt der Kalk austreibend auf die Flüssigkeiten, im Rhythmischen System auf die Luft, d.h. er ist die treibende Kraft der Ausatmung, und im Nerven-Sinnessystem wirkt er austreibend auf die Wärme, er bewirkt gleichsam eine Art Abkühlung der Nerven-Sinnesorganisation. Der Kalk, der ein wesentlicher Repräsentant des Erdelements ist, treibt also die anderen Elemente und die damit verbundenen Kräfte heraus und macht dadurch den Organismus insgesamt irdischer, erdenverwandter.

"Das kohlensaure Kalzium hat in den menschlichen Organismus hineingebracht, die eigentümliche Tendenz, ausscheidend zu wirken. Dem menschlichen Organismus zugeführter Kalk ist etwas, was überall im menschlichen Organismus ausscheidend ist. Ich möchte sagen: im untersten Menschen hat er einen Konkurrenten im Silber, aber er wirkt auch da ausscheidend; so daß der Kalk überall sowohl Wäßriges ausscheidet aus dem Organismus wie Luftiges. Die Kalkkräfte, die im menschlichen Organismus lokalisiert sind, sind auch alles das, was der menschlichen Ausatmung zugrunde liegt. Der Kalk hat die Kraft in sich, die als Motor für die Ausatmung wirkt. Und wiederum hat er diejenigen Kräfte in sich, die in der Nerven-Sinnesorganisation die Wärme austreiben, eine Art Abkühlung der Nerven-Sinnesorganisation bewirken. Also im unteren Menschen, im Stoffwechsel- Gliedmaßenmenschen, wirkt er austreibend die Flüssigkeiten, im rhythmischen Menschen wirkt er austreibend die Luftsubstanzen in der Nerven-Sinnesorganisation wirkt er austreibend den Wärmeäther – oder die Wärme. In jeder dieser Beziehungen wirkt dem Kalk entgegengesetzt der Phosphor (siehe unten). Der Kalk fesselt sozusagen überall das wache Ich und den wachen astralischen Leib an den physischen Leib. Das heißt: ich leide an Schlaflosigkeit." (Lit.: GA 319, S 121f)

Der Kalkprozess im Jahreslauf

Der Kalk macht im Jahreslauf, wenn man das Augenmerk auf seine seelisch-geistigen Eigenschaften richtet, bedeutsame Metamorphosen durch. Der Frühlingskalk ist ganz anders geartet als der Winterkalk. Der Winterkalk in seiner Gesamtheit ist gleichsam eine durch und durch zufriedene Wesenheit. Im Winter ist das Geistige der Erde, die mannigfaltigen Elementarwesen, ganz in den Schoß der Erde zurückgekehrt. Die Salze der Erde - und insbesondere der Kalk – sind ganz durchgeistigt. Eben das bedeutet eine tiefe Befriedigung für den Kalk. Er ist gewissermaßen so zufrieden wie ein Menschenkopf, der lange um die Lösung eines schwierigen Problems gerungen hat und nun die Lösung in Form kristallklarer Gedanken in sich trägt.

Wenn es gegen das Frühjahr zu geht, lösen sich nach und nach die Elementarwesen aus den Erdentiefen, das Geistig-Seelische der Erde wird wieder ausgeatmet. Dadurch aber wird der Kalk dumpf in bezug auf seine geistigen Eigenschaften. Er entwickelt nun aber eine rege innere Lebendigkeit und vor allem wird er jetzt begierdenhaft, und das um so mehr, je mehr die Pflanzen aus der Erde heraussprießen. Die Pflanzen entziehen dem Kalk etwas von Wasser und etwas von Kohlensäure, und das entbehrt er, aber er wird dadurch innerlich immer lebendiger. Dieser Prozess setzt sich bis weit gegen den Sommer hin fort.

"Wenn man sich geistig im Verlauf der Kalkbildungen bewegt, nimmt man überall während der Winterzeit Befriedigung wahr, die sich auslebt in inneren Durchlebungen, Durchdringungen dieses Winterkalkes mit sich lebendig verwandelnden Gebilden geistiger Art. Wenn es aber gegen den Frühling zu geht, namentlich wenn der März kommt, dann wird der Kalk in bezug auf seine geistigen Eigenschaften, wir dürfen sagen, dumpf. Er hat nicht mehr diese geistigen Eigenschaften, weil die Elementarwesen durch eine Art geistig-kosmischer Atmung ihren Weg hinaus in das Weltenall nehmen. Er wird dumpf in bezug auf seine denkerisch-geistigen Eigenschaften. Aber das Merkwürdige ist, er wird jetzt begierdenhaft. Er entwickelt eine Art von innerer Lebendigkeit. Es ist immer mehr und mehr ein feines Leben vorhanden in dem Kalk, und dieses Leben in dem Kalk wird um so innerlich bewegter gegen den Frühling, und dann weiter auch gegen den Sommer zu, je mehr die Pflanzen heraussprießen. Diese Vorgänge spielen sich im Feinen ab. Die Pflanzen, die herauswachsen, entziehen nämlich dem Kalk etwas vom Wasser und etwas von Kohlensäure, namentlich dem in der Erde verteilten Kalk, und das entbehrt er. Und das bedeutet für ihn ein innerliches Lebendigwerden, dadurch aber erlangt er eine ungeheure Anziehungskraft für die ahrimanischen Wesen. Diese ahrimanischen Wesen bekommen jedesmal, wenn es gegen den Frühling zu geht, Hoffnungen. Sie haben eigentlich gegenüber der Natur keine besonderen Hoffnungen sonst, weil sie eigentlich ihr Wesen nur innerhalb des Menschen treiben können. In der animalischen Natur des Menschen können diese ahrimanischen Wesen sonst wirken. Aber wenn es gegen den Frühling zu geht, dann gibt ihnen der Eindruck, den der Frühlingskalk auf sie macht, die Meinung, daß sie in die allgemeine Natur hinaus ihre Drachennatur entfalten können, und daß sie dadurch, daß sie den Frühlingskalk lebendig finden, auch die Möglichkeit gewinnen können, Astralisches aus dem Weltenall anzuziehen, um diesen lebendigen Kalk zu beseelen, mit Seele zu durchdringen. So daß also, wenn es gegen den März zu geht, für den wirklichen seherischen Naturbetrachter sich dieses merkwürdige Schauspiel ergibt: Man sieht überall, wie die Hoffnungen der ahrimanischen Wesen in Imaginationen über die Erde hinüberspielen, ich möchte sagen, wie ein geistiger Wind, der alles überweht, und man sieht, wie sich nun die ahrimanischen Wesen anstrengen, von oben herunter gewissermaßen einen Regen des Astralischen hervorzurufen. Dieser Regen des Astralischen würde, wenn sie es könnten – sie streben es immer mit allen möglichen Kräften an –, die Erde während der Sommerzeit wenigstens teilweise, soweit sie Kalk ist, in ein beseeltes lebendiges Wesen verwandeln." (Lit.: GA 229, S 42f)

Die untere ahrimanische Gestalt als Teil der von Rudolf Steiner geschaffenen Holzskulptur "Der Menschheitsrepräsentant zwischen Luzifer und Ahriman".

Dadurch, dass der Kalk innerlich immer lebendiger wird, über er eine ungeheure Anziehungskraft auf die ahrimanischen Wesenheiten aus. Sie sind ja selbst vorwiegend ätherischer Natur, aber kalt und seelenlos. Jedes Jahr um diese Zeit erwacht die Hoffnung der ahrimanischen Wesenheiten, dass sie Astralisches, das ihnen selbst fehlt, aus dem Kosmos herabziehen ziehen können, um den lebendigen Kalk damit zu beseelen. Sie wollen die Erde, insofern in ihr der Kalk wirkt, so mit Seelischem durchdringen, dass sie bei jedem Tritt, ja bei jeder leisen Berührung Schmerz empfinden würde. Das gäbe den ahrimanischen Wesenheiten ein ungeheures Wohlbefinden. In gewaltigen Imaginationen jagen diese ahrimanischen Hoffnungen im Frühjahr über die Erde. Aber es sind nur Illusionen, die sich die ahrimanischen Wesenheiten machen, ihre Hoffnungen werden regelmäßig jedes Jahr wieder zerstört. An die Natur kommt Ahriman nicht unmittelbar heran.

Der Mensch aber bleibt nicht ungefährdet von diesen ahrimanischen Illusionen. Indem er die Nahrungsmittel genießt, die in dieser Atmosphäre Hoffnungen und Illusionen gedeihen, wird er auch durchtränkt von diesen ahrimanischen Kräften. Und wenn diese schon das Astralische des Kosmos nicht herunterziehen können, so greifen sie nun um so mehr nach dem Seelischen des Menschen und versuchen es der Erde einzuverleiben. Nach und nach würde die Erde den Menschen aufnehmen. Aus der Erde würde allmählich eine große einheitliche Erdenwesenheit entstehen, in der gleichsam alle Menschen aufgelöst wären. Auf dem Weg dorthin würde der menschliche Organismus immer mehr von dem lebendigen Kalk durchdrungen. Eine immer sklerotischere Menschengestalt mit fledermausartigen Flügeln und ganz verknöchertem Kopf würde entstehen, wie sie Rudolf Steiner im unteren Teil der Statue des Menschheitsrepräsentanten angedeutet hat. Diese Gestalt würde sich schließlich ganz im Irdischen auflösen, ganz zum Bestandteil der irdisch-ahrimanischen Wesenheit werden, ja mehr noch, der ganze Mensch, auch sein Ich, würde Teil dieser ahrimanischen Welt. Der Mensch würde selbst eine ahrimanische Wesenheit werden und könnte nicht mehr an der weiteren geistigen Entwicklung, die der Menschheit zugedacht ist, teilnehmen. Er würde ausgeschieden aus der regelrechten Entwicklung und verbannt in die sogenannte Achte Sphäre.

"Diese Illusionen werden jedes Jahr zerstört. Aber der Mensch bleibt sozusagen nicht ungefährdet unter diesen Illusionen. Der Mensch genießt ja diejenigen Naturprodukte, die in dieser Atmosphäre von Hoffnungen und Illusionen gedeihen, und es ist eigentlich im Grunde genommen eine Naivität des Menschen, wenn er glaubt, sein Brot zu essen aus bloßem gemahlenen und gebackenen Korn. In diesem gemahlenen und gebackenen Korn drinnen sind die Illusionen der ahrimanischen Wesenheiten und die Hoffnungen der ahrimanischen Wesenheiten. Draußen werden sie zerstört. Um so mehr erwacht nun in den ahrimanischen Wesenheiten die Sehnsucht, da, wo schon Seele ist, im Menschen, mit dem, was sie wollen, ihr Ziel zu erreichen. So daß der Mensch eigentlich jeden Frühling, wenn das auch alles sich im Intimen abspielt, tatsächlich gefährdet ist, den ahrimanischen Wesenheiten zum Opfer zu fallen. Der Mensch ist wirklich im Frühling in dieser Beziehung allen ahrimanischen Kraftwirkungen im Kosmos viel mehr ausgesetzt, als er es in einer anderen Jahreszeit ist." (Lit.: GA 229, S 44)

Kalkformationen und Tierbildung

In der lemurischen Zeit war die Erde noch umgeben mit einer Ureiweißatmosphäre, aus der sich der Kalk allmählich niedergeschlagen und mit den Knorpelmassen der Tiere verbunden hat:

"Wenn Sie einfach in den Jura hinausgehen, so haben Sie dieses Kalkgestein. Dieses ist später, aber es ist auch aus dem Kosmos geradeso wie das Kieselige an die Erde herangekommen. Aber dieses Kalkige sickert immerfort hinein, und im wesentlichen bewirkt dieses Kalkige, daß die Erde in ihrem Kern immer dichter und dichter wird. Der Kalk enthält überall verhältnismäßig nicht herausgekommene Gestaltungskräfte. Wir finden, daß diese ganze Eiweißatmosphäre eigentlich ein fortwährendes Hinauf- und Hinabgehen des Kalkes hat. Es bildet sich Kalkdunst und wiederum Kalkregen. Dieser Kalk, der hat eine besondere Anziehungskraft zu diesem Gallert, zu diesen Knorpelmassen. Die durchdringt er, die imprägniert er mit sich selber. Und durch die Erdenkräfte, die in ihm sind, löst er die ganze Gallertmasse auf, die sich da als geronneses Eiweiss gebildet hat. Der Kalk nimmt dem Himmel das, was der Himmel in der Eiweiss-Substanz gebildet hat, weg und trägt es näher an die Erde heran. Und daraus entstehen dann allmählich die Tiere, die kalkhaltige Knochen haben. Das ist etwas, was in der späteren lemurischen Zeit sich ausbildet." (Lit.: GA 232, S 80)

Die Kalkgebirge haben sich dann aus den Überresten dieser Tiere gebildet. Dabei ist die Bildung der Kalkformationen dem Prozess der Tierbildung entgegengesetzt:

"Kalkgebirge beruhen im wesentlichen auf einem Prozeß der Erdbildung, den wir Entanimalisierung nennen können. Es ist das der entgegengesetzte Prozeß des Tierwerdens." (Lit.: GA 313, S 14)

Anderseits wirken die auf Erden gebildeten Kalkformationen wiederum anziehend für die tierbildenden kosmischen Kräfte:

"Im wesentlichen ist alles, was unbestimmter, gestaltloser Wille im Tier ist, innerhalb des direkten Sonnenlichtes zu finden. Alles das aber, was dem Tier seine selbständige Gestalt gibt, die nicht dem Irdischen angepaßt ist, das ist – ja, es ist schon im ganz eigentlichen Sinne so auszudrücken – heranschwebend aus dem Scheine des Mondenlichtes. Vom Monde kommen überhaupt alle Gestaltungen zur Erde herab. Daß die verschiedenen Tiere verschieden gestaltet sind, hängt davon ab, daß der Mond den Tierkreis durchläuft. Je nachdem er im Widder oder Stier oder den Zwillingen steht, übt er in verschiedener Weise eine gestaltbildende Kraft auf das Tierische aus. Dadurch ergibt sich auch ein interessanter Zusammenhang zwischen dem Tierkreis und der tierischen Gestaltung selber, der in der alten traumhaften Weisheit geahnt worden ist. Dasjenige nun, was gewissermaßen auf die Erde herunter anzieht diese Gestaltungen, die sonst sich im Umkreise der Erde wie ein Nebel verlieren würden, das sind die aus der Kalkformation ausströmenden Kräfte. Das Mineralische auf Erden strahlt nicht nur Radium aus, das Mineralische auf der Erde strahlt eben vieles aus.

Wir müssen uns darüber klar sein, daß dasjenige, was wir in solcher Art zum Beispiel in der Kalkformation auffinden, in jeder Einzelheit des organischen Lebens wiederzufinden ist. Man kann ganz genau beobachten, wenn man sich die Mittel zu solchen Beobachtungen verschafft, daß es zum Beispiel Menschen gibt, die gewissermaßen stark zur Skelettbildung hinneigen. Damit meine ich nicht, daß sie ein starkes Skelett haben, sondern daß sie auch im übrigen Organismus viele Kalkablagerungen haben. Er ist natürlich in homöopathischer Dosis zu denken, aber es hat da seine große Bedeutung. Die mehr kalkhaltigen Menschen sind in der Regel die Klügeren, diejenigen, die feine Begriffe zusammenhalten können und wieder auseinanderschälen können. Daß ein Mensch mehr Kalk ablagert als ein anderer, hängt mit seinem Karma zusammen. Ein Mensch, der also durch seine früheren Erdenleben dazu veranlagt ist, in einer Inkarnation ein besonders kluger Mensch zu werden, zum Beispiel ein besonders guter Mathematiker, entwickelt eben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt geistig-seelisch solche Kräfte, die dann in ihm das Kalkige ablagern. Wir sind angewiesen auf Kalkablagerungen in uns, wenn wir gescheit werden wollen. Wir sind dagegen mehr angewiesen auf die Ablagerung des Tonigen, dessen, was zum Beispiel in der Formation Schiefer, Ton lebt, wenn wir mehr den Willen entwickeln wollen." (Lit.: GA 213, S 85ff)

Kalk und Stickstoff

Kalk und Stickstoff stehen beide in starker Beziehung zu den astralen Kräften, aber in unterschiedlicher Weise. Stickstoff hält den Menschen offen für das Weltenall, während das Kalkige ihn so zubereitet, „dass er wiederum seine eigene Organisation an die Stelle desjenigen setzt, was durch den Stickstoff an Kosmischem in ihn hereinwirken will.“ Zwischen diesen beiden Wirkungen pendelt das Menschenwesen beständig hin und her (Lit.: GA 213, S 88ff).

Phosphor als Gegenspieler des Kalks

Der Kalk hat seinen unmittelbaren Gegenspieler im Phosphor, dem Lichtträger. Der Phosphor befeuert die Willenstätigkeit, ist überhaupt der Energielieferant schlechthin im tierischen und menschlichen Organismus. Im Willen wirkt das Ich und der Phosphor ist der Ich-Träger, der diese Willenstätigkeit vermittelt. Allerdings, durch zu viel Phosphor „fängt der Wille an zu zappeln.“

"Und wenn wir einfach zu viel Phosphor in uns haben, das heißt, zu feurige Speisen essen, dann werden wir ein furchtbarer Zappelfritz, der alles angreifen will, der immer wollen will. Dadurch, daß wir den Phosphor haben, ist der Wille da. Und wenn wir zu viel Phosphor haben, dann fängt dieser Wille an zu zappeln. Und wenn dann der Organismus so ist, daß er überhaupt durch seine ganze Zusammensetzung zu viel Phosphor in den Kopf hinaufschickt, dann fängt der Mensch nicht nur an zu zappeln, und wie man sagt, nervös - das hat nichts mit den Nerven, sondern mit dem Phosphor zu tun - herumzuzappeln in der Welt, sondern er fängt an zu toben und wird ein Verrückter, wird tobsüchtig. Wir müssen ein klein wenig Phosphor in uns haben, damit wir überhaupt wollen können. Aber wenn wir zu viel Phosphor machen in uns selber, dann werden wir verrückt." (Lit.: GA 347, S 114)

Der Phosphor befreit Astralleib und Ich von ihrer Fesselung an den physischen Leib und fördert dadurch den Schlaf. Das geschieht aber erst, nachdem er zuvor die bewusste Tätigkeit des Menschen angeregt hat. Der Phosphor hat nämlich im menschlichen Organismus, im Gegensatz zum Schwefel, eine starke Neigung zur Salzbildung als Phosphat. Die Salze bilden aber die Grundlage für das kristallklare Denken, auf das sich das Selbstbewusstsein gründet. Der Schlaf tritt hier gewissermaßen als gesunde Folge der Ermüdung ein, die aus der bewussten Tätigkeit resultiert. Der Schwefel, der im Organismus nur wenig zur Salzbildung neigt, dämpft hingegen das Bewusstsein, indem er die ätherische Tätigkeit anregt. Dadurch fördert er zwar auch den Schlaf, aber ohne zuvor das Bewusstsein zu befeuern.

Den zentrifugalen Kräften des Kalks tritt der Phosphor mit seiner zentripedalen Tendenz entgegen. Im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem wirkt er nicht ausscheidend, sondern anziehend auf die Flüssigkeiten bzw. besser auf das Feste in aufgelöster Form, im Rhythmischen System bewirkt er die Einatmung und er bringt das Luftige so in den Organismus, dass es die Nerven-Sinnesorganisation durchwärmt.

Sehr wesentlich ist der Phosphor an der Bildung des Innenskeletts beteiligt. Die Knochen des Körperskeletts bestehen zu etwa 50 % aus Hydroxylapatit (Ca5(PO4)3(OH)), das Zahnbein zu etwa 70% und der Zahnschmelz sogar zu etwa 97%. In den Röhrenknochen der Gliedmaßen tritt sehr deutlich die lichtverwandte strahlige Formbildungstendenz des Phosphors hervor, während der Schädel, der ja im Grunde ein Außenskelett ist, die rundende Formkraft des Kalks offenbart. Dafür sind die fettartigen erstarrten Phospholipoide (vor allem die Kephaline – von griech. kephalos = Kopf), an denen die fast tote weiße Gehirnsubstanz sehr reich ist, eine wesentliche Grundlage für die Bewusstwerdung des Denkens. Diese salzartigen Substanzen sind durchlässig für das Geistige und offenbaren es in Form kristallklarer Gedanken. Vermittelt durch den Phosphor leuchtet hier das geistige Licht in Gedankenform auf. Die Gedanken sind dabei als das in definierten Formen erstarrte tote Endprodukt des lebendigen Denkens zu verstehen. Der eigentliche lebendige Denkprozess spielt sich hingegen in dem im Atemrhythmus auf- und abschwingenden Gehirnwasser ab und greift von hier aus auf die reichlich durchblutete und daher noch verhältnismäßig lebendige graue Gehirnrinde über.

Phosphorsaurer Kalk bildet den Angriffspunkt für die kosmischen Kräfte zum Aufbau des Schädels, kohlensaurer Kalk entsprechend für die irdischen Kräfte zum Aufbau der Röhrenknochen. Kohlensaurer Kalk im Schädel bzw. phosphorsaurer Kalk in den Röhrenknochen sind dagegen Abscheidungsprodukte (Lit.: GA 316, S 43ff).

Kohlensaurer Kalk als Heilmittel

Der Kalk leitet überschüssige geistig-seelische Kräfte nach außen ab:

"Wenn Sie die Auster geisteswissenschaftlich untersuchen, so kommen Sie dazu, anzuerkennen, daß diese Auster zwar ein sehr niedriges Lebewesen ist in der Tierreihe, daß sie aber im gesamten Kosmos doch eine verhältnismäßig hohe Stelle einnimmt dadurch, daß dasjenige, was der Mensch in sich als sein Denken trägt, von ihr abgesondert wird. Gewissermaßen zeigen die Kräfte, welche die Schale bilden und von innen nach außen leiten, den Weg, wie aus der Auster dasjenige abgeführt wird, was dann, wenn es sich mit ihrem organischen Wachstum verbinden würde, die Auster sehr gescheit machen würde, was die Auster eben zu einem sehr hohen tierischen Wesen gestalten würde. Das wird nach außen geleitet, das wird abgeleitet. Und Sie können förmlich, ich möchte sagen, handgreiflich sehen an diesem Entstehen der Austernschale die Arbeit des kohlensauren Kalkes, diese Arbeit, die aus dem Organismus heraus die zu starke geistig-seelische Tätigkeit leitet. Finden Sie nun, daß eine überschüssige geistig-seelische Tätigkeit im Unterleibe sich geltend macht, was auch bei bestimmten Krankheitsformen eben auftritt, so werden sie zu dem Heilmittel greifen müssen, das Sie den Austernschalen oder ähnlichen, ich möchte sagen, durch die geheimnisvollen Kräfte des kohlensauren Kalkes von innen nach außen wirkenden Substanzen zu danken haben." (Lit.: GA 312, S 104f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Menschenfragen und Weltenantworten, GA 213 (1987)
  2. Rudolf Steiner: Das Miterleben des Jahreslaufes in vier kosmischen Imaginationen, GA 229 (1999)
  3. Rudolf Steiner: Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes, GA 230 (1993)
  4. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und Medizin, GA 312 (1999)
  5. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie, GA 313 (2001)
  6. Rudolf Steiner: Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heikunst, GA 316 (2003)
  7. Rudolf Steiner: Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin, GA 319 (1994)
  8. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, GA 327 (1999)
  9. Rudolf Steiner: Die Erkenntnis des Menschenwesens nach Leib, Seele und Geist. Über frühe Erdzustände, GA 347 (1995)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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