Kalpa

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Ein Kalpa (Sanskrit: कल्प, kalpa, Ritual), ursprüngliche eine komprimierte Form der hinduistischen Ritualliteratur zum praktischen Gebrauch für die Brahmanen, steht in der hinduistischen Kosmologie für ein großes Weltzeitalter. In diesem Sinne wird der Begriff auch in der buddhistischen Kosmologie verwendet.

Ein Kalpa repräsentiert einen Tag Brahmas, einen Brahma-Tag, der 1000 Maha-Yugas umfasst. Jedes Maha-Yuga gliedert sich wiederum in vier Weltalter, die vier Yugas. Dabei währt das erste dieser Yugas viermal, das zweite dreimal und das dritte zweimal so lange wie das letzte, unvollkommenste Zeitalter, sodass das ganze Maha-Yuga zehnmal (4 + 3 + 2 + 1 = 10) so lange dauert wie das letzten Zeitalter.

Nach dem „Gesetzbuch des Manu“, dem Manusmriti, dauern die vier Yugas 4000, 3000, 2000 und 1000 Jahre, denen jeweils eine Übergangszeit von 400, 300, 200 bzw. 100 Jahren vorangeht bzw. folgt. Daraus ergibt sich die Dauer des Kali-Yuga zu 1000 + 100 + 100 = 1200 Jahren. Das zugehörige Maha-Yuga währt demnach 12.000 Jahre.[1] Rudolf Steiner gibt allerdings für die Dauer des Kali-Yuga 5000 Jahre an; es habe 3101 v. Chr.[2] begonnen und Ende 1899 geendet.

Nach dem Bhagavatapurana sind die Zeitangaben für die Yugas allerdings als Götterjahre aufzufassen, wobei ein Götterjahr 360 Menschenjahren entspricht. Die oben genannten Angaben sind daher mit 360 zu multiplizieren:

  • Kali-Yuga: 1200 × 360 = 432.000 Jahre
  • Dvāpara-Yuga: 2400 × 360 = 864.000 Jahre
  • Tretā-Yuga: 3600 × 360 = 1.296.000 Jahre
  • Satya-Yuga: 4800 × 360 = 1.728.000 Jahre

Ein Maha-Yuga umfasst damit 4.320.000 Jahre. 1000 Maha-Yugas bilden ein Kalpa, d.h. einen Brahma-Tag, der daher 4.320.000.000, also 4,32 Milliarden Jahre dauert. Auf den Brahma-Tag folgt eine ebenso lange Brahma-Nacht, insgesamt also 8.640.000.000 = 8,64 Milliarden Jahre. Das gesamte Leben eines Brahmas, ein Maha Kalpa, dauert 100 Brahma-Jahre zu je 360 solcher Tage und Nächte, d.h. 8.640.000.000 x 100 x 360 = 311.040.000.000.000 = 311.400 Milliarden Menschenjahre, das sind 864.000.000.000 = 864 Milliarden Götterjahre. Alles verschwindet dann für weitere 100 Brahma-Jahre im Zustand völliger Formlosigkeit. Danach wird aus dem Nabel Vishnus, eine neue Welt, ein neuer Brahma geboren.

In der Geheimlehre von H. P. Blavatsky finden sich dazu folgende gleichlautende Angaben:

Um dies in seinen Einzelheiten noch klarer zu machen, werden die folgenden Berechnungen des Rao Bahadur P. Sreenivas Row aus dem Theosophist vom November 1885 mitgeteilt.
JAHRE DER STERBLICHEN.
360 Tage der Sterblichen machen ein Jahr 1
Krita Yuga enthält 1 728 000
Tretâ Yuga enthält 1 296 000
Dvâpara Yuga enthält 864 000
Kali Yuga enthält 432 000

Die Summe der genannten vier Yugas bildet ein Mahâ Yuga 4 320 000
Einundsiebzig solcher Mahâ Yugas bilden die Regierungszeit eines Manu 306 720 000
Die Regierung von vierzehn Manus umfaßt die Dauer von 994 Mahâ Yugas, und ist gleich 4 294 080 000
Dazu die Sandhis, d. i. die Zwischenzeiten zwischen den Regierungen der einzelnen Manus, welche sich auf sechs Mahâ Yugas belaufen, gleich 25 920 00
Die Gesamtsumme dieser Reiche und Zwischenreiche von vierzehn Manus ist 1000 Mahâ Yugas, welche einen Kalpa ausmachen, d. i. einen Tag des Brahmâ 4 320 000 000
Da Brahmâs Nacht von gleicher Dauer ist, so würden ein Tag und eine Nacht Brahmâs enthalten 8 640 000 000
360 solcher Tage und Nächte machen ein Jahr des Brahmâ, gleich 3 110 400 000 000
100 solcher Jahre bilden die ganze Periode des Zeitalters des Brahmâ, d. i. den Mahâ Kalpa 311 040 000 000 000

H. P. Blavatsky: Die Geheimlehre, Band II, S 75[3]

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Manusmriti I,68-71
  2. Nach H. P. Blavatsky und auch nach hinduistischer Tradition begann das finstere Zeitalter schon am 18. Februar 3102 v. Chr. mit dem Tode Krishnas.
  3. H. P. Blavatsky: Die Geheimlehre, Band II, S 75

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die okkulten Wahrheiten alter Mythen und Sagen, GA 92 (1999), ISBN 3-7274-0920-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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