Karmische Gruppen innerhalb der Anthroposophie

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Oft erhebt sich die Frage, weshalb soviel Streit innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft und der Anthroposophischen Bewegung existiert. Rudolf Steiner warnte noch vor seinem Lebensende vor diesen Streitigkeiten, die bspw. dazu führten, dass sich der von Rudolf Steiner selbst eingesetzte erste Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft so vollends zerstritt, als dass an eine gedeihliche Zusammenarbeit nicht mehr zu denken war. So groß die Krise nach Rudolf Steiners Tod in Gesellschaft und Bewegung auch war, die Streitigkeiten existieren dennoch trotz scheinbarer Einigungen unter den Mitgliedern bis zum heutigen Tage weiter fort. Ständiger Streit vergiftet und lähmt aber eine esoterische Bewegung, wie Daskalos (Stylianos Atteshlis) später formulierte. Auf eine mögliche Erkenntnisleistung jedes Anthroposophen in seinen jeweiligen Zusammenhängen wies Rudolf Steiner denn auch zeitlebens hin. Er solle lernen und erkennen "aus welcher Geistesströmung" er stamme. Die Zusammenarbeit würde dann leichter werden innerhalb der Anthroposophischen Bewegung und der Anthroposophischen Gesellschaft.

Zwei Autoren haben sich der Mühe unterzogen, diese Geistesströmungen von denen Rudolf Steiner sprach zu identifizieren und handhabbar zu machen im Sinne einer besseren Zusammenarbeit aller Anthroposophen.

Wenngleich beide Ansätze sich unterscheiden, so ist damit doch eine Grundlage für die weitere karmische Forschung innerhalb der Anthroposophie und ihrer Geisteszusammenhänge gegeben.

Zunächst diktierte Bernard Lievegoed an seinem Sterbebett dem damaligen Journalisten Jelle van der Meulen sein geistiges Vermächtnis in die Feder. Das daraus entstandene Buch "Über die Rettung der Seele" erschien erst posthum, nach Lievegoeds Ableben. In diesem Werk stellt Bernard Lievegoed drei anthroposophische Strömungen einander gegenüber, die von dreien unterschiedlichen Geistesführern inspiriert seien. Da ist zunächst Rudolf Steiner selbst. Ihm rechnet Lievegoed die anthroposophische Strömung im engeren Sinne zu. Dann ist da weiterhin Christian Rosenkreuz, ihm rechnet Lievegoed die rosenkreuzerische Strömung innerhalb der Anthroposophie zu. Schließlich erwähnt Lievegoed als dritte Geistesströmung die dem Begründer des Manichäismus, Mani, zuzuordnende anthroposophische Strömung. Den drei Strömungen lassen sich auch die Wesenselemente Denken, Fühlen und Wollen zuordnen. So ist die anthroposophische Strömung im engeren Sinne eine dem Denken zugeordnete Strömung. Die rosenkreuzerische Strömung wird beschrieben als eine dem Fühlen zugeordnete Strömung. Die manichäische Strömung schließlich wird dem Wollen zugeordnet. Ihr besonderer Auftrag ist es das Böse durch Milde zu verwandeln.

Ganz anders ist hingegen der Ansatz von Malte Diekmann. Er stellt den Novalis-Seelen die Rosenkreuzer und diesen wiederum die Platoniker und Aristoteliker gegenüber. Den Novalis-Seelen ordnet er die Qualitäten Astralleib/Luft zu, den Rosenkreuzern die Qualitäten Ich/Wärme, den Platonikern schließlich Ätherleib/Wasser und den Aristotelikern den physischen Leib und die Erde, als Zuordnungselemente. In Hinsicht auf die Novalis-Seelen ist es wichtig zu wissen, dass Rudolf Steiner in seinen späten Karma-Zyklen folgende Inkarnationsfolge vortrug: Pinehas - Elias - Johannes der Täufer - Raffael - Novalis - Herman Grimm. Auch die Kulmination der Aristoteliker und Platoniker und ihr notwendiges Zusammenwirken innerhalb der anthroposophischen Bewegung an der Jahrtausendwende wurde von Rudolf Steiner in seinen späten Karma-Zyklen ausgiebig thematisiert (Vgl. GA 235 - 239).

Addiert man die von Malte Diekmann und Bernard Lievegoed genannten karmischen Strömungen innerhalb der anthroposophischen Bewegung, so erhält man sechs unterschiedliche karmische Gruppen innerhalb der Anthroposophie. Folgt man Willi Seiß und konstatiert noch eine davon unabhängige christosophische Gruppierung innerhalb der anthroposophischen Bewegung, so erhält man die Zahl von sieben karmischen Strömungen innerhalb der Anthroposophie. Es ist aber die Frage, ob eine solche summarische Betrachtung angesichts ihres Gegenstands zulässig ist.

Abzuwarten bleibt, welcher dieser Ansätze sich für die karmische Erkenntnispraxis als letztlich fruchtbar erweist.

Im übrigen ist es durchaus denkbar, dass einzelne Anthroposophen auch mehreren karmischen Strömungen zugleich angehören.

Weblinks

Literatur

  • Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge Erster bis fünfter Band (GA 235 - 239), Dornach b. Basel (auch als TB-Ausgaben erhältlich)
  • Bernard Lievegoed: Über die Rettung der Seele. Das Zusammenwirken dreier großer Menschheitsführer, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1994
  • Malte Diekmann: Der Kreis der Mysterienströmungen. Karmische Gruppen in der Anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung, Vlg. am Michaelshof, Sammatz 2005
  • Hans Peter van Manen: Christussucher und Michaeldiener. Die karmischen Strömungen der anthroposophischen Bewegung, Philosophisch-Anthroposophischer Vlg., Dornach 1980
  • Pietro Archiati: Jahrtausendwende - Menschheit wohin?, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1997
  • Willi Seiß: Okkulte Erkenntnisse über die Anthroposophische "Bewegung", Achamoth Vlg., Taisersdorf 2004
  • Wolfgang Greiner: Christus-Künder: Elias - Johannes der Täufer - Raffael - Novalis, Vlg. am Goetheanum, Dornach 1988
  • Günther Zwahlen: Daskalos - ein Nachruf. In: Das Goetheanum, Nr. 34 vom 3. Dezember 1995


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