Søren Kierkegaard

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Søren-Kierkegaard-Plastik von Louis Hasselriis im Hof der Dänischen Königlichen Bibliothek in Kopenhagen

Søren Aabye Kierkegaard ([ˈsœːɔn ˈkʰiɔ̯g̊əˌg̊ɔːˀ], * 5. Mai 1813 in Kopenhagen; † 11. November 1855 ebenda) war ein dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller der 19. Jahrhundert.

In seinen meist unter Pseudonymen veröffentlichten Schriften zeigte er sich als engagierter Verfechter der Idee des Christentums gegen die Realität der Christenheit. Etwa ein Drittel seines gedruckten Werkes besteht ferner aus unter eigenem Namen veröffentlichten Predigten und religiösen Reden. Auch wird Kierkegaard vielfach als der erste Existenzphilosoph, als geistiger Wegbereiter der Existenzphilosophie oder als Pionier derselben aufgefasst.

Die Erkenntnis der eigenen und einmaligen Bestimmung ist nach Kierkegaard das höchste Gut des Menschen. Jeder Mensch müsse seine eigene Wahrheit finden, die Idee, für die er leben und sterbe könne und danach in freier Wahl seine Existenz bestimme. Für moralische Entscheidungen gäbe es keine allgemein gültige, rational fassbare Grundlage, doch solle der Mensch in seiner freien Existenzwahl im Sinne eines vollkommen individualisierten Christentums wieder zum Glauben und zu Gott und damit zur Stufe des Ethischen zurückfinden.

Kierkegaard gilt als der bedeutendste dänische Philosoph und darüber hinaus als bedeutender Prosastilist. Er zählt zu den wichtigen Vertretern von Dänemarks Goldenem Zeitalter.

Leben

Kierkegaards Leben ist arm an äußeren Ereignissen, dafür jedoch reich an inneren Konflikten. Sein Leben wie auch sein geistiges Schaffen spielten sich fast ausschließlich im Mikrokosmos der Hauptstadt Kopenhagen ab, das damals kaum mehr als 100.000 Einwohner hatte, die dicht gedrängt innerhalb der Stadtmauern lebten. Kierkegaard war zeit seines Lebens ein tief religiöser Mensch, beständig auf der Suche nach dem „wahren“ Christentum, stets introspektiv, innerlich zerrissen von seelischen Konflikten, die in seinen umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen ihren Niederschlag fanden. Insgesamt ergibt sich das Bild eines melancholischen, bisweilen schwermütigen Menschen. Kierkegaard scheint in seinem Leben nur eine einzige Frau - Regine Olsen - geliebt zu haben. Er hat niemals geheiratet und nie mit einer Frau zusammengelebt. Kierkegaard war kein politischer Mensch. Patriotische Gefühle oder gar der Nationalismus, der ab den 1830er Jahren in Dänemark um sich griff, waren ihm völlig fremd. Den Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848–1851 nahm er kaum zur Kenntnis. Kierkegaard war ein großer Liebhaber der Oper und häufiger Besucher des berühmten Königlichen Theaters, scheint sich sonst jedoch nur wenig für Kunst interessiert zu haben. Er hat eine umfassende humanistische Ausbildung genossen und war vertraut mit den Werken der griechisch-römischen Antike, jedoch auch den neuzeitlichen europäischen Schriftstellern sowie der europäischen - insbesondere deutschen - Philosophie.

Kierkegaard und die Anthroposophie

Kierkegaard, obwohl inzwischen als einer der bedeutendsten Philosophen Europas nach Hegel anerkannt, findet im Werk Rudolf Steiners, auch in der Neuauflage von "Die Rätsel der Philosophie", 1914, keine Erwähnung. In GA 180 zitiert Steiner als Beispiel für eine verfehlte Seelenlehre eine psychopathologische Studie von Emil Rasmussen, in der u.a. Kierkegaard als "Seher" angeführt wird:

"Eine noch charakteristischere Stimme, weil eine Stimme, welche hervorgegangen ist aus der Seelenwissenschaft unserer Zeit, ist die folgende. Es ist eine Zusammenfassung des Inhaltes der Schrift «Jesus. Eine vergleichende psychopathologische Studie» von Emil Rasmussen, eine dänische Schrift. Der Inhalt kann in der folgenden Weise zusammengefaßt werden:

«Weder die Apostel noch die drei synoptischen Evangelien sahen Jesus für Gott an. Er selbst hielt sich für den (Daniel VII, 13) angekündigten «Menschensohn» und meinte, ohne sich je für den Messias auszugeben, einen Teil der ihm besonders wichtigen Weissagungen zu erfüllen. Der Nazarener gehört in die Kategorie der Propheten.Die religiösen Heroen oder Verkünder, alias Propheten, sind Abirrungen vom normalen Typus der Rasse. Denn ihre inneren Erlebnisse oder Erfahrungen können sich dem Grade und der Art nach nur mit den Paroxismen des Epileptikers oder Hystero-Epileptikers vergleichen. Die «Männer Gottes» bieten ein Krankheitsbild, das der Psychiater genau als epileptische Geisteskrankheit zu diagnostizieren vermag; die Stigmata sind: Halluzinationen oder Augentäuschungen, Tobsuchtsanfälle, krampfartige Lustigkeit, Abwesenheit des Geistes (Absence), Stupor, Dämmerzustand oder traumhaftes Unterbewußtsein, Redestörungen, Delirien, Schwermut, plötzliche Stimmungsumschläge, übertriebene Religiosität, die Vorstellung, für andere zu leiden und die Welt reformieren zu müssen, Größenwahn, Zwangsvorstellungen, der Wahn romanhafter Stammtafeln, vagabundenhafte Unstetigkeit, abnormes Geschlechtsleben, sei es nach der Seite der Ausschweifung oder der Askese. An einer Reihe hervorragender religiöser Sehergestalten alter und moderner Zeit, wie Hesekiel, Paulus, Muhamed, Sören Kierkegaard und so weiter läßt sich die Probe aufs Exempel machen, wobei wieder gemeinsame Eigentümlichkeiten festzustellen sind, wie die schrecklichen Drohungen und Verwünschungen, die mannigfachen Formen und Verschleierungen des Grausamkeitsgefühls, die Wutparoxysmen, das eingebildete Leiden für die Menschheit, Askese, Auferstehungsgedanke und anderes...»" (Lit.: GA 180, S. 33)

Kierkegaard und der Existenzialismus

Kierkegaard ist der Begründer des philosphischen Existenzialismus. Bekannte Existenzialisten sind Jean Paul Satre, Martin Heidegger, Karl Jaspers und Gabriel Marcel. Jaspers und Marcel gehören zu den als christlich einordbaren Existenzialisten.

Kierkegaards Werk

In "Entweder - Oder" kontrastiert Kierkegaard beispielhaft den Unterschied einer ethischen Haltung zu einer ästhetischen Lebenshaltung. Berühmt ist das Kapitel: "Tagebuch eines Verführers", wo der schöne Schein des Verführens als gemeiner Egoismus entlarvt wird.

Kierkegaard gab auch einen Beitrag zur Phänomenologie der Angst. (Der_Begriff_Angst).

Werke (Auswahl)

  • Kierkegaard: Philsophische Schriften. Zweitausendeins-Verlag, 2008, ISBN 3861508532
  • Kierkegaard: Der Begriff der Angst: Philosophische Schriften 2, Zweitausendeins-Verlag, 2009, ISBN 3861508966 (enthält neben der titelgebenden Schrift weitere Werke).
  • Kierkegaard: Die Tagebücher, eine Auswahl in einem Band, thematisch geordnet, übersetzt und eingeleitet, mit einem gut lesbaren Kurzüberblick über Leben und Werk, von Hayo Gerdes. Diederichs Verlag, Düsseldorf/Köln, 1980. (Bei Diederichs ist auch die chronologische 5-bändige Ausgabe der Tagebücher erschienen. Die dänische Originalausgabe der Tagebücher Kierkegaards umfaßt 20 Bände bzw. 4400 Seiten.)
  • Kierkegaard: Zur Selbstprüfung empfohlen. II.: Christus ist der Weg. [1] (Online Gutenberg-de link)

Siehe auch

Literatur

  • Hayo Gerdes: Das Christusverständnis Sören Kierkegaards. Drei Arbeiten zu Kierkegaards Christologie 1960 - 1982, Verlag Hartmut Spenner, 2002, ISBN 9783933688774
  • Johannes Hohlenberg: Søren Kierkegaard, Schwabe Verlag, Basel 2011 (Neuauflage), Rezension in die Drei 1/2013, S. 86ff
  • Rudolf Steiner: Mysterienwahrheiten und Weihnachtsimpulse. Alte Mythen und ihre Bedeutung. Sechzehn Vorträge, Basel am 23. Dezember 1917 und Dornach 24. Dezember 1917 bis 17. Januar 1918 GA 180 (1980)
  • Joachim Stiller: Kierkegaard: Leben und Werk PDF
  • Kierkegaard für Anfänger: Entweder - Oder - Eine Lese-Einführung von Asa Schillinger-Kind, dtv, München, 1997
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Weblinks

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