Kognition

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Kognition (von griech. γνῶσις, gnōsis, "[Er-]Kenntnis", über lat. cognoscere, "erkennen, erfahren, kennenlernen") ist im weitesten Sinn die von einem geeigneten, ausreichend komplexen System vollzogene Informationsverarbeitung, die sein Verhalten steuert, unabhängig davon, ob damit Bewusstsein verbunden ist oder nicht. Derartige kognitive Systeme lassen sich innerhalb weiter Grenzen, vom einfachen Fliehkraftregler bis hin zu hochkomplexen, computergesteuerten Automaten, auch rein technisch realisieren. In diesen Bereich fallen auch die Versuche, menschliche Intelligenzleistungen durch künstliche Intelligenz maschinell nachzubilden.

Alle Lebewesen verfügen zumindest über elementare kognitive Fähigkeiten, durch die sie sich den wechselnden äußeren Lebebsbedingungen anpassen. Bei Pflanzen laufen diese kognitiven Prozesse unbewusst bzw. schlafbewusst ab. Bei Tieren sind sie hingegen teilweise von einem traumartigen, bei niederen Tieren aber nur sehr dumpfen Bewusstsein begleitet.

Die kognitiven Fähigkeiten des Menschen beruhen zu einem wesentlichen Teil auf mentalen, also bewussten Prozessen und umfassen u.a. Wahrnehmung, Unterscheidungsvermögen, Aufmerksamkeit, Erinnerung, Vorstellungen, das (leibgebunde) Denken und Lernen - also etwa jene Fähigkeiten, die Leibniz unter dem Begriff Apperzeption zusammengefasst hatte[1][2]. Es gibt allerdings kognitive Prozesse, die auch beim Menschen weitgehend unbewusst ablaufen, wie etwa beim impliziten Lernen.

Grundsätzlich nicht unter den Begriff der Kognition fällt jenes leibfreie, nicht unmittelbar an das physische Gehirn gebundene, jenseits der Subjekt-Objekt-Spaltung stehende intuitive Denken, in dem sich das Wesen der Welt selbst unmittelbar ausspricht, wie es Rudolf Steiner bereits in seinen philosophischen Grundlagenwerken beschrieben hat[3][4][5][6][7].

"Sehen Sie, es ist eine außerordentlich bedeutungsvolle Erfahrung, die man macht, wenn man einmal soweit ist, das Denken in seinem leibfreien Zustande zu erfassen, und damit zu vergleichen, wie das Denken ist, wenn es als gewöhnliches Denken des Lebens an das Gehirn gebunden ist. Man sieht dann in bezug auf das Denken den Unterschied, der besteht zwischen dem Menschen und dem Tiere. Über diesen Unterschied des Menschen vom Tiere ist ja viel gefabelt worden, namentlich viel von der modernen Wissenschaft gefabelt worden. Aber erkennen, worinnen dieser Unterschied besteht - man kann es erst durch solches Vergleichen, wie ich es eben angedeutet habe.

Und wenn man sich fragt: Ja, wodurch entsteht denn das gewöhnliche Denken im Gegensatze zu dem leibfreien Denken, das unmittelbar anknüpft an das seelische Sein des Menschen, indem es nur im Geistig-Seelischen verläuft, worinnen besteht denn - so kann man jetzt fragen - vom Gesichtspunkte dieses leibfreien Denkens, das gewöhnliche Denken? Dieses gewöhnliche Denken ist durchaus an das Gehirn gebunden. Es muß etwas da sein von organischer Organisation, wodurch dieses gewöhnliche Denken verläuft. Das leibfreie Denken, das durch Meditation erworben wird, braucht dieses Nervenwerkzeug nicht. Das gewöhnliche Denken braucht dieses Nervenwerkzeug. Dieses Nervenwerkzeug hat der Mensch nur dadurch, daß bei ihm die Organisation nicht so weit getrieben wird wie beim Tiere. Das Tier schießt gewissermaßen mit seiner tierischen Organisation bis zu einem gewissen Punkte vor, verhärtet sich bis zu einem gewissen Punkte. Der Mensch geht in der Verhärtung, in der Verknöcherung in das Skierotisieren des Seelenlebens beim Beginne des Lebens nicht so weit, wie die Tiere am Beginne des Lebens. Aber während des Lebens entwickelt der Mensch dieses Verhärten. Denn dasjenige, was im Verhärten des Organismus sich dadurch ausdrückt, daß die zweiten Zähne als reine Verhärtungsprodukte erscheinen, das setzt sich ja auch im gewöhnlichen alltäglichen Denken fort; es werden nur nicht Zähne, es werden viel gelindere Einschiebsel, möchte ich sagen, in den Organismus, die sich wiederum auflösen. Aber dieses Denken, dieses gewöhnliche Denken besteht eben darinnen, daß der Mensch im fortlaufenden Prozesse fortwährend dasjenige, was entsteht in ihm, sprießendes, sprossendes Leben ist, daß er das fortwährend ertötet. Dasjenige tritt zutage, daß in uns fortwährend vorübergehend der Gedanke, der frühere Wirklichkeit hat als die Zähne, als abgestorbene Teile aus dem Organismus herausschießt und daß dieses Schießen in die Sklerotisierung, Verknöcherung sich wieder auflöst. Das Denken besteht eben darinnen, daß wir in bezug auf unser Kopfsystem, unser Nerven-Sinnessystem, fortwährend den Tod in uns tragen." (Lit.: GA 334, S. 259f)

Anmerkungen

  1. Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie, verfasst 1714, dt. 1720, LS 14
  2. Gottfried Wilhelm Leibniz: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand, vermutlich 1707, Buch II: Von den Ideen, Kap. 1 f
  3. Rudolf Steiner: Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften, GA 1 (1987), ISBN 3-7274-0011-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung, GA 2 (2002), ISBN 3-7274-0020-X; pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Wahrheit und Wissenschaft, GA 3 (1980), ISBN 3-7274-0030-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Die Philosophie der Freiheit, GA 4 (1995), ISBN 3-7274-0040-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Dokumente zur «Philosophie der Freiheit», GA 4a, ISBN 3-7274-0045-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vom Einheitsstaat zum dreigliedrigen sozialen Organismus, GA 334 (1983), ISBN 3-7274-3340-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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