Kontemplation

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kontemplation (von lat. contemplari „anschauen, betrachten“) bedeutet allgemein Beschaulichkeit oder auch beschauliche Betrachtung. Kontemplation ist auch als mystischer Weg der westlichen Tradition bekannt. In der Regel wird durch ein kontemplatives Leben oder Handeln ein besonderer Empfindungszustand oder eine Bewusstseinserweiterung angestrebt. Eine kontemplative Haltung ist von Ruhe und sanfter Aufmerksamkeit auf einen Gedanken bestimmt und unterscheidet sich von der Meditation durch die dort angestrebte vollkommene Leere des Geistes.

Sprachliche Varianz

Vita contemplativa meint eine kontemplative Lebensweise, beispielsweise bei Mönchen verschiedener Religionen. Man verwendet den Begriff auch häufig im Zusammenhang mit der Betrachtung der Natur oder eines Kunstwerks. Das Adjektiv kontemplativ meint hier Konzentration auf geistige Inhalte. Die gängigste Verwendung hat jedoch ihre Bedeutung in der religiösen Auffassung im Sinne einer geistigen Versenkung in Gott oder eine Gottheit oder in göttliche Werke und Anschauungen.

Christliche Bedeutung

Der mystische Weg innerhalb der christl. Religion ist fast so alt wie das Christentum selbst. Das 40-tägige Fasten Jesu in der Jüdäischen Wüste, bei dem ihm der Satan erschien, weist darauf hin.

Die Vertreter der kontemplativen Tradition blieben lange eine mehr geduldete als geachtete Randgruppe innerhalb des Christentums, da es teilweise Differenzen zu den dogmatischen Ansichten der katholischen Kirche beim Gottesbegriff gab. Während die allgemeine Lehrmeinung von einem Gott als Person ausgeht, zu dem man - wie zu einem Mensch - sprechen kann, übt sich der kontemplative Mensch darin, auf Gott zu lauschen. Innerhalb der katholischen Tradition gibt es viele, hochverehrte Heilige, die das Gebet der Kontemplation ausgeübt haben und aus diesem Geist heraus auch die Kirche mit geprägt haben, unter anderem Teresa von Avila, die 1970 zur Kirchenlehrerin erhoben wurde, Johannes vom Kreuz und Nikolaus von der Flüe. In den evangelischen Kirchen spielt die Kontemplation traditionellerweise keine nennenswerte Rolle.

Das Ziel der Kontemplation ist es, sich für Gottes Geist zu öffnen. Dies kann in einem Dreischritt erfolgen:

  1. Reinigung
  2. Erleuchtung
  3. Seeleneinheit mit Gott.

Dem Ziel der Kontemplation kann sich der Mystiker durch verschiedene Methoden nähern, wichtige sind:

Besonders geprägt wurde die Vita contemplativa durch Theresa von Ávila, Meister Eckhardt, Johannes vom Kreuz, Angelus Silesius, Hildegard von Bingen. Wichtige lebende Lehrer der Kontemplation sind u.a.: der ehemalige Benediktiner und Zenmeister Willigis Jäger, Pater Franz Jalics SJ, Pater Anselm Grün und Pater Laurence Freeman.

Im engeren Sinne nennt man eine Gemeinschaft (meist einen Orden oder eine Kommunität) dann kontemplativ, wenn deren Mitglieder sich ganz diesem Weg als Lebens- und Glaubensweg verschrieben haben und praktisch keine nach außen wirksame Arbeit betreiben - im Unterschied zu denjenigen Orden, die karitativ oder missionarisch tätig sind.

Westlicher Weg fernöstlicher Mystik

Im Gegensatz zu vielen Formen östlicher Meditation, bei der der Schüler (hier auch Sucher genannt) versucht, seinen Geist zu leeren, um eins mit Gott zu werden, versteht die christliche Mystik unter Kontemplation ein sich Ausrichten auf einen bedingungslos liebenden Gott. Kontemplation ist Einübung einer Haltung. Die Erfahrung von Gottes Gegenwart kann nicht vom Betenden selbst hergestellt werden, sie ist Geschenk und reine Gnade.

Der Rinzai-Zen-Buddhismus, einige New Age-Bewegungen und das dem westlichen Lebensstil angepasste Eckankar gehen davon aus, dass es hilfreicher sei, eine innere Betrachtung, zum Beispiel liebevoller Gedanken, Postulate oder von Menschen die man liebt, aber auch einer Weisheit beziehungsweise eines Sinnspruches mit in die Kontemplation zu nehmen, als zu versuchen, den Geist vollkommen zu leeren. Diese Technik soll dem Gläubigen zum einen die Möglichkeit verleihen sich mit universeller Liebe anzufüllen, andererseits wird so der Erkenntnis Rechnung getragen, dass eine vollkommene Stille im mentalen Bereich kaum zu erreichen, noch schwerer aufrecht zu erhalten ist. In sofern haben also bestimmte esoterische Schulen sich dem Konzept der Kontemplation als einen einfacheren und praxistauglicheren Weg zur Erleuchtung bedient.

In tiefer Kontemplation ist es nach Angaben von Praktikern ebenso möglich, transzendentale Erfahrungen zu machen wie in der Meditation.

Literatur

  • Franz Jalics, Kontemplative Exerzitien, Echter Verlag, 2001
  • Frico Melzer: Konzentration, Meditation, Kontemplation, Kassel, 1974
  • Octavio Paz: Lektüre und Kontemplation, Frankfurt/Main, 1991

Siehe auch

 Wiktionary: Kontemplation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Übergeordnete Assoziationen:

Weitere Wege mit kontemplativem Schwerpunkt:

Biografische Verweise:

Weblinks

Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Kontemplation aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.