Kontinuität des Bewusstseins

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Die Kontinuität des Bewusstseins stellt sich früher oder später als Folge fortgesetzter geistiger Schulung ein. Das Bewusstsein erlischt dann nicht, wenn es im Schlaf nicht mehr der sinnlichen Außenwelt hingegeben ist, sondern es erwacht statt dessen für die geistige Welt:

"Wenn man immer mehr und mehr solche Übungen weiter macht, kommt man dadurch dazu, nicht immer schlafen zu müssen, wenn man aus seinem Leibe heraus ist, sondern willkürlich Gefühl und Wille aus seinem Leibe wirklich herausziehen zu können und wirklich zurückzuschauen auf den Leib. Dann ist der Leib des Menschen etwas, was objektiv ist. Und man hat die eigentümliche Tatsache, daß man früher als Subjekt, als Persönlichkeit, mit seinen Gedanken verbunden war, jetzt hat man die Gedankenwelt, ich möchte sagen, wie auf einer fotografischen Platte vor sich, indem man auf den eigenen Leib zurückschaut. Es ist, wie man sonst im Auge drinnen ein kleines Abbild der überschauten Welt hat. – Wie das Auge dadurch ein Organ für das Sehen ist, daß sich die Welt darin abbilden kann, so wird für eine solche Anschauung der zurückgebliebene Äther- und physische Leib ein Spiegelungsapparat, wo es sich nun eben geistig-seelisch jetzt spiegelt, während sich im Auge nur äußerlich physisch etwas spiegelt. Aber man sieht durch diesen Spiegel eben nicht nur das Gedankengewebe, sondern man sieht die Welt, indem man die Gedanken zurückgelassen hat am physischen Leibe. So kann man ganz genau im einzelnen schildern, wie es hergeht, wenn der Mensch meditativ und durch Selbsterziehung des Willens seine Erkenntniskräfte zum Behuf der Erkenntnis übersinnlicher Welten verstärkt. Dadurch kommt der Mensch dazu, gewisse Zustände zu entwickeln, die nun nicht schlafend sind, wenn er außerhalb des Leibes ist, sondern das darstellen, was ich die Kontinuität des Bewußtseins genannt habe. Der Mensch geht mit seinem selbständigen seelischen Wesen im höheren Erkennen wirklich aus seinem Leibe heraus. Er erkennt dieses Herausgekommensein dadurch, daß er den Gedankenspiegel jetzt nicht an sich, sondern außer sich hat. Der Mensch geht aus dem Leibe heraus, aber er bleibt durchaus seiner selbst bewußt, er kann immer wieder zurückkehren, er ist keiner, der halluziniert, der sich Visionen hingibt, sondern mit mathematischer Sicherheit den ganzen Vorgang verfolgt, der sich hier abspielt. Dadurch, daß der Mensch in dieser Weise den Vorgang verfolgen kann, kann er nun auch zurück das gewöhnliche irdische Leben beurteilen. Er lernt nicht nur das Einschlafen, das Herausgehen aus dem Körper kennen, er lernt jetzt ganz willkürlich in seinen Körper mit der selbständigen Seele untertauchen. Das macht noch einen besonderen Eindruck, wenn der Mensch einmal seine selbständige Seele erlebt hat und dann untertaucht, der Körper ihn wieder gefangen nimmt. Da hört dasjenige auf, was man selbständig als geistig-seelische Welt um sich hat. Man fühlt es wie abschwinden, und man fühlt, wie man absorbiert wird, indem man wieder untertaucht in den Körper. Man lernt ebenso das Herausgehen aus dem Körper kennen, indem man sieht, wie die Gedanken sich von einem entfernen, wie die beim Körper bleiben, und wie man mit dem fühlenden und wollenden Wesen der Seele aus dem Körper herausgeht. Man fühlt aber in dem Momente, wo man herausgeht, die geistige Welt auftauchen. Jetzt hat man kennengelernt auf dem Umwege durch das Aufwachen und Einschlafen das Geborenwerden und Sterben. Wie er des Morgens unbewußt wird, so wird er heller bewußt, wenn er nach stattgehabten Übungen aus seinem physischen Leibe herausgeht. Das ist, was man nun erlebt im vollen Bewußtsein als eine Vorausnahme des Vorganges, der im Tode eintritt, und dessen, was man erlebt, wenn man untertaucht aus der geistigen Welt in den physischen Leib. Wenn die Gedanken wiederum verschwinden draußen, wenn sie sich wiederum als bloße Bilder, als Unwirklichkeiten in der Persönlichkeit geltend machen, da lernt man den Moment des Geborenwerdens kennen. (Lit.: GA 79, S 97ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Wirklichkeit der höheren Welten, GA 79 (1988)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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