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Krieg aller gegen alle

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Der Krieg aller gegen alle wird den Endpunkt der siebten Kulturepoche des Steinbocks ("Amerikanische Kultur") darstellen. Zugleich sind Anfänge davon bereits in der derzeitigen fünften Kulturepoche sichtbar.

"Wenn man die Dinge so laufen läßt, wie ich sie unter dem Einflüsse der in begreiflicher Weise heraufgekommenen Weltanschauung im 19. Jahrhundert für das 20. Jahrhundert entwickelt habe, so werden wir am Ende des 20. Jahrhunderts stehen vor dem Kriege aller gegen alle! Da mögen die Menschen noch so schöne Reden halten, noch so viele wissenschaftliche Fortschritte gemacht werden, wir würden stehen vor diesem Krieg aller gegen alle. Wir würden eine Menschheit heranzüchten sehen, welche keine sozialen Instinkte mehr hat, um so mehr aber reden würde von sozialen Dingen." (Lit.: GA 206, S. 92)

"Wenn wir auf die aufeinanderfolgenden Kulturperioden sehen, so sind sie abgeteilt durch bedeutsame Ereignisse. Und wenn wir zurückblicken auf das bedeutsame Ereignis, das den vorigen, den atlantischen Zeitraum von dem jetzigen, dem nachatlantischen Zeitraum trennt, der als der fünfte Zeitraum in seiner fünften Kulturperiode steht, so haben wir als Grenze zwischen beiden die als «Sintflut» bekannte Eiszeitperiode, den Untergang der alten Atlantis, und das Aufsteigen neuer Weltteile. Wir leben in der fünften nachatlantischen Periode, eine sechste und eine siebente werden folgen. Die Katastrophe, die uns trennt von der nächsten großen Periode, die kommen wird - nach der fünften die sechste und siebente Periode -, die wird dann nicht bloß ein so äußerliches Naturereignis sein, wie die Eiszeit eines war und wie alles das war, was durch die Erzählungen von der Sintflut angedeutet ist, sondern es wird sich die Scheidung der fünften von der sechsten Periode mehr zeigen auf dem moralischen Felde, Ein Krieg aller gegen alle, auf den ich schon öfter hingedeutet habe, wird als eine moralische Katastrophe die fünfte von der sechsten großen Erdperiode trennen, allerdings verbunden mit Naturereignissen, aber die Naturereignisse werden mehr zurücktreten.

Die fünfte Kulturperiode wurde eingeleitet von dem, was vom Mars kommt durch Samael, den Streitgeist, indem Streitelemente aus der geistigen Welt heruntergeholt wurden. Und im Beginn des Bewußtseinsseelenzeitalters sehen wir auch in unserem kleineren Zyklus, wie unser fünftes Zeitalter in sich etwas enthält von der Vorbedeutung, der prophetischen Vorbedeutung dessen, womit das große Zeitalter abschließen wird, nachdem auf den fünften der sechste und siebente Kulturzeitraum gefolgt sein werden." (Lit.: GA 346, S. 93f)

"Wenn die Menschen immer mehr und mehr voneinander isoliert werden, ein jeder sich immer mehr in seinem eigenen Ich verhärtet, wenn die Trennungslinien, die Seele von Seele scheiden, immer stärker werden, so daß sich Seele und Seele immer weniger verstehen kann, dann werden die Menschen in der äußeren Welt immer mehr zu Streit und Hader kommen, der Streit aller gegen alle auf der Erde wird an die Stelle der liebe treten. Das wäre das Ergebnis gewesen, wenn die Entwickelung des Menschenblutes stattgefunden hätte ohne das Christus-Ereignis. Rettungslos wären alle Menschen ausgesetzt gewesen dem Streit aller gegen alle, der ja auch so kommen wird, aber nur für diejenigen, welche sich nicht in der richtigen Weise mit dem Christus-Prinzip durchdrungen haben." (Lit.: GA 112, S. 205)

"Damit man aber das einsieht, muß man sich klarmachen, daß die Menschen nur dadurch in der sinnlichen Außenwelt davon abkommen können, äußerlich gegeneinander zu stehen durch ihre verschiedenen Meinungen, Gefühle und Taten, wenn sie in sich das bekämpfen, in sich das ausmachen, was sonst in die Außenwelt ausströmen würde. Derjenige wird nicht die andere Meinung in der anderen Seele bekämpfen, der zunächst einmal das, was in ihm zu bekämpfen ist, bekämpft, der in sich die Harmonie herstellt zwischen den verschiedenen Gliedern seiner Wesenheit. Er wird der Außenwelt so gegenübertreten, daß er nicht ein Streitender, sondern ein Liebender ist. Um die Ableitung des Streites von außen in das Innere des Menschen, darum handelt es sich. Die Kräfte, die in der Menschennatur walten, müssen sich innerlich bekämpfen. Zwei sich entgegenstehende Meinungen müssen wir in der Weise ansehen, daß wir sagen: So ist die eine Meinung, man kann sie haben. So ist die andere Meinung, man kann sie haben. Aber wenn ich nur die eine Meinung als berechtigt anerkenne, wenn ich nur das, was ich will, als berechtigt ansehe, und die andere Meinung bekämpfe, so komme ich auf dem physischen Plan in Streit. Nur meine Meinung festigen, heißt egoistisch sein. Meine Handlung als die einzig berechtigte ansehen, heißt egoistisch sein.

Nehmen wir an, ich nehme die Meinung des anderen in mich auf, suche in mir selber Harmonie herzustellen, so werde ich in ganz anderer Weise zu dem anderen stehen. Dann werde ich anfangen, ihn erst zu verstehen. Ableitung des Streites in der Außenwelt in eine Harmonisierung der inneren Kräfte des Menschen, so könnten wir auch ausdrücken den Fortgang in der Menschheitsentwickelung. Durch den Christus mußte dem Menschen die Möglichkeit gegeben werden, in sich harmonisch zu werden, in sich die Möglichkeit zu finden, die widerstrebenden Kräfte in seinem eigenen Innern zu harmonisieren. Der Christus gibt dem Menschen die Kraft, zuerst in sich selbst den Streit zu tilgen. Ohne den Christus ist das nimmermehr möglich." (Lit.: GA 112, S. 207f)

"Derjenige, der an der Geisteswissenschaft erzogen ist, er kann das, was er mit dem allerintensivsten Anteil der Persönlichkeit an der Geisteswissenschaft erlebt, auch in das soziale äußere Leben hineintragen – gleichgültig, ob er in einer führenden oder in einer nicht-führenden Stellung ist. Denn das, was mit der ganzen Persönlichkeit erlebt wird, es wird, wenn es in die Tat übergeht, ebenfalls Erlebnis. Das äußere Erlebnis aber, bei dem die Persönlichkeit ganz dabei sein muß, das ist das Erleben in Liebe. Eine Erkenntnis, die erlebte Ideenwelten im Geiste anstrebt, die engagiert den ganzen Menschen so, daß dieser Mensch sich in Liebe in das soziale Leben hineinstellt, daß er von Liebe die sozialen Ideen durchdringen läßt. Wie in der Geistesforschung das unmittelbare Erlebnis des Geistes innerlich lebt, so trägt Geisteswissenschaft durch die Dreigliederung des sozialen Organismus die Liebe in das soziale Leben, in die Gemeinschaft hinein. Sie stellt die Ideen als solche in die Wirklichkeit hinein, so daß Liebe der Träger dieser Ideen in der Wirklichkeit sein kann. Liebe im sozialen Leben kann nur verbunden sein mit erlebter, nicht bloß mit erkennender Wissenschaft. Daher hat man, wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, wie sie hier gemeint ist, zunächst vor allen Dingen den Blick gerichtet auf den Zusammenhang dieser geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse, dieses geisteswissenschaftlichen Lebens, mit der sozialen Liebe, mit der sozial liebevollen Praxis, die nicht bloß Routine ist, sondern die in Liebe, von leuchtenden Ideen getragen ist. Und das, meine sehr verehrten Anwesenden, brauchen wir, wenn wir nicht in die Barbarei versinken, sondern zu einer neuen Zivilisation hinkommen wollen." (Lit.: GA 255b, S. 260)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, GA 112 (1984), ISBN 3-7274-1120-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist – Zweiter Teil, GA 206 (1991), ISBN 3-7274-2060-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V, GA 346 (2001), ISBN 3-7274-3460-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Adrian Bekman/Markus Osterrieder/Baruch Luke Urieli/Frank Verborg: Der Krieg aller gegen alle, Urachhaus Vlg., Stuttgart 1998
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