Kristallhimmel

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Die Erschaffung des Primum Mobile. Das „vor-kosmische“ Licht ergießt sich als „erste Bewegung“ in die dunkle „Gebärmutter“ des Alls.
(Robert Fludd: Philosophia sacra et vere Christiana Seu Meteorologia Cosmica, Frankfurt, Officina Byana, 1626, p. 160)

Im Kristallhimmel, wie ihn später noch Dante in seiner Göttlichen Komödie beschrieben und dem Primum Mobile gleichgesetzt hat, sind nach okkulter Ansicht die Taten geistiger Wesenheiten aufbewahrt, die nicht unserer Planetenkette, sondern einer früheren Evolutionsreihe angehören. Als neunte himmlische Sphäre umschließt der Kristallhimmel als Himmelsgewölbe oder Himmelssphäre die Fixsternsphäre des Tierkreises, der seinerseits die sieben Planetensphären umgibt.

"Dasjenige, was da angekommen war im Beginne unserer Erdenentwickelung vor der Saturnentwickelung, das müßten wir auswärts setzen, außerhalb des Tierkreises. Die Urweltweisheit hat es genannt den Kristallhimmel, und in diesem Kristallhimmel waren deponiert die Taten der Wesen einer früheren Evolution. Sie bildeten sozusagen dasjenige, auf Grund dessen die neuen Wesenheiten zu schaffen begannen." (Lit.: GA 110, S. 158)

In der christlichen Überlieferung wurde der Begriff des Kristallhimmels oder der Kristallsphäre aus der Genesis abgeleitet, wo am zweiten Schöpfungstag von der Feste (lat. firmamentum, hebr. רקיע, Rakía, von den Kabbalisten auch גַּלְגַּל Galgal „Rad“ genannt) gesprochen wird, durch die die himmlischen und irdischen "Wasser" voneinander geschieden werden. Die Griechen nannten ihn Uranos (griech. Οὐρανός, Ouranos; lat. Uranus, Coelus oder Caelum, Himmelsgewölbe) und die Inder Varuna (skrt., m., वरुण, Varuṇa, der Umhüller) (Lit.: GA 93, S. 48).

Der Kristallhimmel in Dantes Göttlicher Komödie

Schema del Paradiso dantesco, Natalino Sapegna

Im Weltbild von Dantes Göttlicher Komödie bildet der Kristallhimmel nach den sieben Planetensphären und dem Sternenkreis die 9. himmlische Sphäre und ist damit das genaue Gegenbild zur Eishölle, dem 9. und tiefsten Kreis der Hölle. So wie dort alles Leben in der ahrimanischen Eiseskälte erstarrt, so ist hier im Kristallhimmel die heilsame Quelle aller lebendigen Bewegung und zugleich die Quelle der Zeit. Nicht irgendwo im Raum ist der Kristallhimmel zu finden, sondern er ruht einzig in Gottes Geist. Hier ist die Grenze, wo die erschaffene Welt in die Unendlichkeit des Ain Soph (hebr. אין סוף „nicht endlich“), den ewigen, ungeschaffenen und unbegrenzten Urgrund der Schöpfung übergeht. Von hier aus setzt der Unbewegte Beweger die Welt, das Insgesamt der Schöpfung, in Schwung.

Sieh hier des Zirkellaufs Natur begonnen,
Durch die der Mittelpunkt in Ruhe weilt,
Und alles rings umher den Flug gewonnen.

In diesem Himmel, der am schnellsten eilt,
Wohnt Gottes Geist nur, der die Lieb’ entzündet,
Die ihn bewegt – die Kraft, die er verteilt.

Ein Kreis von Licht und Liebesglut umwindet
Ihn, wie die andern er; allein verstehn
Kann diesen Kreis nur er, der ihn gerundet.

Nichts läßt das Maß von seinem Lauf uns sehn;
Nach ihm nur mißt sich der der andern Sphären,
Wie man nach Hälft’ und Fünfteil mißt die Zehn.

Wie sich in diesem Kreis die Wurzeln nähren
Der Zeit, wie ihr Gezweig zu ändern strebt,
Das kannst du jetzt dir selber leicht erklären.

(Paradiso, XXVII. Gesang, Strophe 36 - 40)

Darüber gelagert ist noch als 10. Sphäre das Empyreum als der eigentliche Sitz Gottes und der Seligen.

Der Kristallhimmel in Beziehung zur individuellen menschlichen Entwicklung

Während des ersten Lebensjahrsiebents arbeiten am Menschenwesen die Kräfte der Sonne und bilden seinen eigenständigen Ätherleib aus. Im zweiten Jahrsiebent kommen dazu die Kräfte des Mondes, die den Astralleib ausformen. Dann wirken bis etwa zum 21. Lebensjahr die schon viel feineren Kräfte der übrigen Planeten des Planetensystems, die schon viel schwerer zu bemerken sind. Bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahr wirken noch, kaum mehr beobachtbar, die Konstellationen der Fixsterne. Doch dann stößt die Entwicklung an eine feste Grenze, eben den Kristallhimmel. Von nun an kann der Mensch dem Kosmos keine Kräfte mehr für seine Entwicklung entnehmen, sondern muss von nun an selbsttätig das verarbeiten, was er bisher aufgenommen hat. Gerade dadurch aber kann der Mensch nun sein eigenständiges Ich jetzt erst so richtig entfalten:

"Nun sehen Sie, der Mensch ist also tätig in seinem Inneren in den ersten sieben Lebensjahren mit den Kräften der Sonne, in den zweiten sieben Lebensjahren mit den Kräften des Mondes. Die Sonnenkraft bleibt dabei, aber die Mondenkräfte mischen sich dazu. In den dritten sieben Lebensjahren, von der Geschlechtsreife bis hinein in die Zwanzigerjahre, werden die viel feineren Kräfte der übrigen Planeten des Planetensystems in die menschliche Wesenheit hinein aufgenommen. Da treten in der menschlichen Wesenheit auf die anderen planetarischen Kräfte in dem Wachstumsprozeß, und weil diese schwächer, viel schwächer wirken als Sonne und Mond auf den Menschen, deshalb sind auch die Dinge, die der Mensch dann in sich aufnimmt, viel weniger nach außen hin anschaulich. Wir merken nicht mehr so stark, wie im Anfang der Zwanzigerjahre - währenddem die planetarischen Kräfte zwischen dem vierzehnten und einundzwanzigsten Lebensjahr ungefähr noch im menschlichen Leibe zu tun haben -, wie im Beginn der Zwanzigerjahre diese Kräfte anfangen nun im Seelisch-Geistigen zu wirken. Es sind die Planetenkräfte, die anfangen zu wirken im Seelisch-Geistigen, und derjenige, der Einsicht hat, der sieht dann den Menschen so an, daß er in dieser merkwürdigen Umwandlung, die der Mensch erfährt im Anfang der Zwanzigerjahre, merkt: bis daher haben eben nur Sonne und Mond aus dem menschlichen Tun gesprochen, jetzt modifizieren diese Sonnen- und Mondenwirksamkeit die planetarischen Kräfte. Das grobe Verfahren der Menschen, das grobe Beobachten hat sogar recht wenig Sinn dafür, diese Umwandlung ins Auge zu fassen, aber sie ist da.

Nun sehen Sie, es ist schon wahr, daß für den, der den Menschen betrachtet in bezug auf Gesundheit und Krankheit, die Erkenntnis dieser Zusammenhänge notwendig ist. Denn, was wissen wir denn eigentlich vom Menschen, sagen wir in seinem elften oder zwölften Lebensjahr, wenn wir da nicht wissen, daß die Mondenkräfte in ihm arbeiten?

Nun aber wird im Inneren die Frage entstehen: Wie geht es weiter? Der Mensch muß später auch, wenn auch die zu erneuernden Teile immer geringer werden, er muß jetzt später auch die Dinge erneuern. Nun sehen Sie, bis zum einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten Jahr wirkt ja aufeinanderfolgend Sonne, Mond, das Planetensystem in das menschliche Wachstum hinein. Dann wirken bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahr noch die Konstellationen der Fixsterne; das entzieht sich also schon sehr der Beobachtung. Erst mit der Mysterienweisheit schaut man das Hereinspielen des ganzen Fixsternhimmels in den Menschen zwischen dem Anfang seiner Zwanzigerjahre und dem Ende seiner Zwanzigerjahre. Dann wird die Welt hart. Sie will nicht mehr hereinarbeiten in den Menschen; die Welt wird hart. Von diesem eigentümlichen Verhältnis des Menschen zur Welt in seinem achtundzwanzigsten, neunundzwanzigsten Lebensjahre, daß die Welt hart wird, weiß die heutige Wissenschaft kaum mehr etwas. Aristoteles lehrte es noch dem Alexander, indem er ihm sagte: Dann stößt man als Mensch an den Kristallhimmel; der ist hart. - Damit gewinnt der Kristallhimmel, der außerhalb der Fixsternsphäre ist, für die menschliche Anschauung seine Bedeutung, seine Realität. Damit fängt man an einzusehen, daß der Mensch im Weltenall keine Kräfte mehr findet, wenn er Ende der Zwanzigerjahre ist, um zu erneuern. Warum sterben wir denn nicht mit achtundzwanzig Jahren? Diese Welt, die uns umgibt, die läßt uns eigentlich mit achtundzwanzig Jahren sterben. Es ist wahr, wer den Zusammenhang des Menschen mit der Welt sieht, der schaut jetzt mit dem Bewußtsein in die Welt hinaus: O Welt, du erhältst mich eigentlich nur bis zum Ende der Zwanzigerjahre! - Aber gerade indem man das einsieht, fängt man erst an, den Menschen recht zu verstehen in seiner Wesenheit." (Lit.: GA 318, S. 59f)

Kristalle, Kristallhimmel und menschliches Ich

Das kristalline Erdelement, die höchste Erscheinungsform des Mineralreichs, die erst enstand, als der Mond aus der Erde heraustrat, ist ganz anders geartet als die erstarrende zähflüssige Mondensubstanz, die es bis dahin gegeben hatte. Die kristalline Erdensubstanz ist zwar härter und dichter als die alte mondenhafte Materie, aber sie ist völlig offen und durchsichtig für höchste geistige Kräfte, die aus kosmischen Bereichen kommen, die weit über die Grenzen unseres Planetensystems in den Fixsternhimmel hinausreichen, ja die sogar aus Bereichen kommen, die jenseits von Raum und Zeit liegen. In den mittelalterlichen Mysterien sprach man zurecht vom Kristallhimmel, der die Grenze zur überräumlichen und überzeitlichen Welt bildet.

Die kristallbildenden Kräfte, die aus einem Weltbereich stammen, der jenseits des bereits Geschaffenen, gleichsam außerhalb der Schöpfung, liegt, sind eng verwandt mit den schöpferischen Ich-Kräften, die sich die Menschen von nun an immer mehr zueigen machen konnten. Das Ich ist gleichsam ein kristallhaft geometrisch geformtes Wesen.

"Wenn der astralische Leib [aus dem physischen Leib] herausgenommen [betrachtet wird], dann nimmt er komplizierte Pflanzenformen an, und das Ich des Menschen ist ein rein mineralisch, kristallhaft geformtes Wesen, es ist ganz geometrisch geformt. So daß man sagen kann: Der Form nach ist der Mensch im physischen Leib Mensch, im Ätherleib ist er eigentlich tierisch, im Astralischen pflanzenhaft und im Ich mineralhaft geformt." (Lit.: GA 342, S. 123)

Der Stein der Weisen

Der Koh-I-Noor („Berg des Lichts“), ein knapp 110-karätiger Diamant, ist heute Teil der Britischen Kronjuwelen.
Schwarzer Diamant - Die schwarze Färbung entsteht durch eine Vielzahl fein verteilter kleiner schwarzer Einschlüsse, die meist aus Graphit bestehen.

Der vollkommenste irdische Repräsentant dieser kosmischen kristallbildenden Kräfte ist der Kohlenstoff. Zurecht nimmt der Kohlenstoff im Periodensystem der chemischen Elemente eine zentrale Stellung ein. In gewissem Sinn sind alle anderen chemischen Elemente als Modifikationen, als Variationen des Kohlenstoffs aufzufassen. Schon in seinen äußeren mineralischen Erscheinungen zeigt der Kohlenstoff, dass seine Gestaltbarkeit von der niedersten mondenhaften Materie bis hin zur völlig geistoffenen Substanz reicht. Der schmutzige, schmierige Graphit steht am untersten Ende dieser Substanzreihe und der lichtoffene Diamant am obersten. Es gibt aber auch farbige Diamanten. Die Farben sind aber nicht, wie bei den meisten Mineralien, durch metallische Verunreinigungen bedingt, sondern entstehen oft durch Einschlüsse von Stickstoff, dem materiellen Repräsentanten der astralen Kräfte, aber auch durch Kristallbaufehler. Braune Farbtöne treten dabei am häufigsten auf, aber es gibt gefärbte Diamanten in allen Regenbogenfarben. Sogar schwarze Diamanten gibt es, deren Schwärzung durch Graphiteinschlüsse entsteht.

In der Kristallstruktur des lupenreinen Diamanten zeigt sich gleichsam ein mineralisches Abbild der höchsten Ich-Kräfte, währen der dunkle, metallisch glänzende Graphit ein treffendes Bild der niedersten begierdenhaften Seelenkräfte ist. Die beinahe unzerstörbar scheinende feste Raumesgestalt des Diamanten ist ein irdisches Abbild der Ewigkeit, der Welt der Zeitlosigkeit und Dauer; der bewegliche, gleitfähige Graphit, der aufgrund dieser Eigenschaft sogar ein perfektes Schmiermittel ist, bildet hingegen die Welt der Zeitlichkeit, der irdischen Vergänglichkeit ab.

"Eigentlich ist es der webende, waltende, sich gestaltende und seine Gestalt wieder auflösende Kohlenstoff, auf dessen Bahnen, befeuchtet mit dem Schwefel, das Geistige des Menschen im Blute sich bewegt, das wir Ich nennen, und so wie das menschliche Ich als der eigentliche Geist des Menschen im Kohlenstoff lebt, so lebt wiederum gewissermaßen das Welten-Ich im Weltengeist auf dem Umwege durch den Schwefel in dem sich gestaltenden und immer wieder auflösenden Kohlenstoff. Es ist so, daß in früheren Epochen unserer Erdentwickelung der Kohlenstoff dasjenige war, was überhaupt abgeschieden worden ist. Erst später kam dann dasjenige dazu, was zum Beispiel das Kalkige ist, das der Mensch dann benützt, um als Unterlage nun auch ein Festeres zu schaffen. Damit dasjenige, was im Kohlenstoff lebt, bewegt sein kann, schafft der Mensch in seinem kalkigen Knochengerüste ein unterliegendes Festes, das höhere Tier auch. Damit hebt sich der Mensch heraus in seiner beweglichen Kohlenstoffbildung aus der bloß mineralischen, festen Kalkbildung, die die Erde hat, und die er auch sich eingliedert, um feste Erde in sich zu haben." (Lit.: GA 327, S. 67)

Die Aufgabe des Menschen im Laufe seiner wiederholten irdischen Inkarnationen besteht darin, gleichsam seine physische Leibessubstanz von ihrer ursprünglich graphitartigen Natur immer mehr zu einem diamantartigen Zustand zu veredeln, indem er die Stoffe, die seinen Leib erfüllen, immer mehr mit seiner individuellen Ich-Kraft durchdringt. In dem der Mensch das tut, bereitet er den Stein der Weisen, von dem die Alchemisten gesprochen haben und von dem uns Rudolf Steiner sagt, dass damit eigentlich die Kohle, der Kohlenstoff gemeint ist.

"Dieser Kohlenstoff galt nämlich bis vor einer verhältnismäßig sehr kurzen Zeit, bis vor ein paar Jahrhunderten, als dasjenige, was man mit einem sehr edlen Namen bezeichnete, mit dem Namen des «Steins der Weisen»." (Lit.: GA 327, S. 65)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende , GA 93 (1991) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt, GA 110 (1981), Zehnter Vortrag, Düsseldorf, 18. April 1909, abends
  3. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, GA 327 (1999), ISBN 3-7274-3270-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, I, GA 342 (1993), ISBN 3-7274-3420-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Das Zusammenwirken von Ärzten und Seelsorgern. Pastoral-Medizinischer Kurs., GA 318 (1994), Vierter Vortrag, Dornach, 11. September 1924
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