Lebenspanorama

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Das Lebenspanorama oder Lebenstableau erscheint dem Menschen im Augenblick des Todes oder in Momenten großer Todesnähe, wenn sich der Ätherleib vom physischen Leib löst oder zumindest sehr stark lockert. Es ist in dieser panoramatischen Lebensbilderschau die ganze Lebensfrucht des vergangenen irdischen Lebens enthalten. Ungetrübt durch den physischen Leib gibt der Ätherleib, der ja der eigentliche Träger des Gedächtnisses ist, dann seinen Erinnerungsschatz frei. Der Ätherleib stülpt sich dabei um und beginnt sich in den Kosmos auszudehnen. Das Lebenspanorama kann daher auch nur etwa in den ersten drei Tagen nach dem Tod erlebt werden.

„Nun wollen wir einmal uns genauer vor die Seele führen, wie dieses Erlebnis ist. Ich will dazu eine schematische Zeichnung machen. Nehmen wir einmal an, der physische Leib des Menschen wäre durch diese schematische Zeichnung charakterisiert; der Äther- oder Bildekräfteleib sei durch diese schematische Zeichnung (gelb schraffiert) charakterisiert. Wir erleben das, was ich damit charakterisiert habe, dieses zusammengehörige Gebilde von physischem und Ätherleib nur dann, wenn wir nach dem Aufwachen in dem Inneren stekken. Wir erleben es eigentlich also immer von innen. Und damit wir uns diese Sache möglichst genau ins Bewußtsein rufen, möchte ich die Zeichnung in folgender Weise gestalten. Ich werde meinetwillen grün andeuten den nach innen scheinenden Teil des Ätherleibes. Der physische Leib wird ja ohnedies im Tode abgelegt, den brauchen wir dabei weniger zu betrachten. Und ich werde das, was vom Ätherleib nach außen gerichtet ist, mit dieser roten Linie bezeichnen.

Tafel 8

Ich sagte eben, wir erleben dieses Gebilde des Ätherleibes nur nach dem Aufwachen von innen; also gewissermaßen nur das erleben wir, was im Grünen nach innen scheint. Wir erleben nicht dasjenige, was im Roten nach außen scheint. Wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind und mit unserem Ich und unserem astralischen Leib eine gewisse Verbindung mit dem Ätherleib eingehen, so geschieht diese Verbindung in der folgenden Weise. Sie müssen sich nun vorstellen, der ganze Ätherleib wendet sich so wie ein Handschuh, wenn Sie das, was sonst der Haut anliegt, mit allen Fingerlingen umkehren und so das Innere nach außen kehren. So daß ich jetzt das, was hier im Erdenzustande rot nach außen gezeichnet ist, als die innere Partie zeichnen muß, und das, was grün nach innen gezeichnet ist, muß ich grün nach außen zeichnen. Der ganze Ätherleib wendet sich in sich selber um. Aber dieses Umwenden, das ist verknüpft mit einem unermeßlich rasch vor sich gehenden Vergrößern des Ätherleibes. Er wächst, er wird riesengroß, er dehnt sich unermeßlich weit ins Weltenall hinaus, so daß ich die Zeichnung nun etwa so machen müßte (großer grüner Kreis).

Und während wir früher da drinnen waren mit unserem Ich und unserem astralischen Leib, sind wir jetzt (roter Kreis) dem sich ins Kosmische vergrößernden Ätherleib gegenüber, aber wir schauen ihn von seiner anderen Seite an. Dasjenige, was wir vorher ohne Bedeutung an uns getragen haben, das für uns äußerlich Rote, das ist jetzt nach innen gewendet. Was vorher nach innen gewendet war und was für uns allein Bedeutung hat während des Erdenlebens, das ist jetzt nach außen gewendet, das geht uns gar nichts mehr an, das zerstreut sich ins Weltenall. In diesem Grün aber - natürlich schematisch dargestellt - ist enthalten alles das, was wir während des Erdenlebens in uns als farbige, tönende und so weiter Welt gehabt haben.

Tafel 8

Indem das Grün gewissermaßen durch die Wendung des Ätherleibes nach der anderen Seite geht, verlieren wir es vollständig, und wir bekommen eine ganz andere Welt als Eindruck. Wir dürfen uns gar nicht vorstellen, daß wir dieselbe Welt, die wir während des Erdenlebens gehabt haben, nach dem Tode noch haben können. Diese Welt geht fort. Sich etwa vorzustellen, daß wir nach dem Tode erleben könnten, meinetwillen in einer anderen Auflage, den Inhalt des Erdenlebens, das ist ganz falsch, das entspricht nicht den Tatsachen. Was wir durch die Wendung des Äther- oder Bildekräfteleibes erleben, das ist allerdings gegenüber dem Inhalte des Erdenlebens von einer gigantischen Größe, aber es ist eben etwas ganz anderes. Wir erleben zunächst dadurch, daß die Außenseite jetzt nach innen gewendet ist, in mächtigen Eindrücken, die aber anders sind als die Sinneseindrücke, die ganze Bildung unseres Erdenlebens. Wir erleben nicht die Röte der Rose, wir erleben aber, wie wir die Röte der Rose in uns als eine Vorstellung ausgebildet haben. Da fangt es an, nicht so ruhig zu sein, wie es im physischen Erdenleben ist. Da, im Erdenleben, sind in einem Rosengarten so hübsch die Rosen nebeneinander, und jede gibt Ruhe, und man fühlt sich webend da drinnen in der Ruhe. Jetzt wird der Rosengarten etwas ganz anderes, jetzt wird der Rosengarten zu Ereignissen in der Zeit. Und wie wir den Blick haben allmählich schweifen lassen von einer Rose zur anderen, wie wir die Vorstellung der ersten Rose, der zweiten, der dritten Rose und so weiter in unserem Innern gebildet haben, dieses, wie in lebendigem Werden, in blitzartigem Wellen und Weben eine Rose nach der anderen entsteht, aber nicht als Rosen, sondern als Vorstellungen, die sich abspielen, das tritt wie in einem Meer von Geschehen jetzt als unser Innenleben auf. Und so steht vor uns etwas, was wir eben während unseres Erdenlebens nicht gesehen haben: das Werden dieses Erdenlebens, die allmähliche Entstehung dieses Erdenlebens. Wir wissen, wie unsere Seele geworden ist von Kindheit auf. Das, was wir ganz unbeachtet gelassen haben während des Erdenlebens, das spielt sich jetzt in uns ab. Es ist, wie wenn wir aus uns herausgestiegen wären, ein Zweites geworden wären und zuschauen würden, wie wir als Erstes nach und nach die einfache Vorstellung der Kindheit, die kompliziertere des späteren Alters und so weiter gebildet haben. Wir sehen das Entstehen dieses ganzen Erdenwichtes nach seiner Innenseite. Wir sehen, wie sich von Stunde zu Stunde dieses Erdenleben, dieses Erdendasein bildet. Ja, wir gewinnen den Eindruck, daß eigentlich dieses ganze Erdenleben vom Kosmos herein gebildet wird. Denn alles das, was wir da wahrnehmen, wachst ins Unermeßliche, ins Kosmische hinaus, und wir werden dadurch, daß wir hinauswachsen, uns klar darüber, daß nun auch das, was im Erdenleben in uns gebildet worden ist, vom Kosmos herein gebildet wird.“ (Lit.:GA 225, S. 136ff)

In den ersten Momenten nach dem Tod kann es allerdings so erscheinen, als liefe das ganze vergangene Leben wie ein Film im rasenden Zeitraffer vor dem inneren Auge ab, wie man es auch aus vielen Nahtod-Erfahrungen kennt, bis endlich das irdische Zeiterleben völlig aufgehoben ist. Alles, was wir im vergangenen Erdenleben gedacht haben, auch wenn wir es längst wieder vergessen haben oder es uns gar niemals richtig bewusst geworden ist, steht dann gleichzeitig wie in einem großen majestätischen Tableau vor unserem Bewusstsein. So, wie sonst im Raum die Dinge nebeneinanderstehen, so stehen nun alle frühen und alle späteren Erlebnisse gleichzeitig vor uns, so dass man zurecht sagen kann: "Zum Raum wird hier die Zeit". Im Gegensatz zu unserem alltäglichen Gedächtnis, das blaß und lückenhaft ist, werden uns hier alle vergangenen Erlebnisse auf die oben geschilderte Art vollständig, lebendig und ungetrübt bewusst. Dieses Erinnerungstableau bleibt für etwa zwei bis drei Tage nach dem Tod bestehen; für die einzelnen Menschen ist das etwas verschieden. Es währt in der Regel ungefähr so lange, wie der betreffende Mensch es im Leben ohne zu schlafen aushalten konnte (Lit.: GA 102, S. 140). Das entspricht zugleich etwa der Zeit, während der die Tageserlebnisse anregend sind zur Traumbildung; was man im Traum erlebt, wird durch die Tageserlebnisse der letzten zwei bis drei Tage angeregt.

"Die allererste Zeit nach dem Tode verläuft ja so, daß man wie in einem großen Tableau sein eben abgelaufenes Leben vor sich hat. Man umfaßt durch Tage hindurch, aber immer so, daß das Ganze da ist, gewissermaßen auf einmal sein bisheriges Leben. Man hat es wie in einem großen Panorama vor sich. Man sieht gewissermaßen das Leben in diesen Tagen von dem Gesichtspunkte des Ich aus, man sieht besonders alles dasjenige, woran unser Ich beteiligt war. Man sieht die Beziehungen, die man zu einem Menschen gehabt hat, aber man sieht diese Beziehung zu dem Menschen in einem solchen Zusammenhange, daß man gewahr wird, welche Früchte für einen selbst diese Beziehung zu dem Menschen getragen hat. Man sieht also die Sache nicht ganz objektiv, sondern man sieht all das, was Früchte für einen selber getragen hat. Man sieht sich überall im Mittelpunkt drinnen. Und das ist unendlich notwendig, denn von diesen Tagen, wo man so alles sieht, was fruchtbar für einen geworden ist, geht aus jene innere Stärke und Kraft, die man braucht im ganzen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, um nun da den Ich-Gedanken festhalten zu können. Denn man verdankt die Kraft, das Ich festhalten zu können zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, diesem Anschauen des letzten Lebens; von dem geht diese Kraft eigentlich aus." (Lit.: GA 157a, S. 20)

Das Lebenstableau wird flächenhaft zweidimensional erlebt.

"Dasjenige, was man erlebt hat, und was sonst bloß im Erinnerungsbilde als einem Vorstellungsbilde heraufgeholt werden kann ins Bewußtsein, das stellt sich einem wie ein gegenwärtiges Tableau hin, in dem das längst Vergangene gegenwärtig ist. Das wird ja auch geschildert von Leuten, die einen Schock bekommen haben durch die Lebensgefahr, in der sie gestanden haben beim Ertrinken und so weiter, und es wird auch heute schon konstatiert von ganz materialistisch denkenden Menschen - ich setze das immer dazu -, daß die Betreffenden in Lebensgefahr Befindlichen ein Tableau ihres eigenen Erdenlebens seelisch vor sich haben. Das rückt sich in der Tat vor den, der in dieser Weise sein Denken aktiviert hat, wie auf einmal vorhanden, als Tableau vor die Seele von dem Zeitpunkte an, von dem an man denken gelernt hat im Erdenleben, bis zu dem gegenwärtigen Zeitpunkte. Die Zeit wird zum Räume. Was vergangen ist, wird gegenwärtig. Ein Bild steht da. Das Charakteristische, über das ich morgen noch näher werde sprechen müssen, das ist, daß man nun zwar, weil die Sache bildähnlich ist, noch eine Art Raumgefühl hat, aber nur ein Raumgefühl. Denn diesem Raum, den man jetzt erlebt, dem fehlt die dritte Dimension. Man erlebt nirgends jetzt eine dritte Dimension, sondern überall den Raum nur in zwei Dimensionen; so daß man bildhaft erkennt. Deshalb nenne ich diese Erkenntnis auch die imaginative Erkenntnis; die Erkenntnis, die so, wie die Malerei, in zwei Dimensionen arbeitet, die eben eine Bild-Erkenntnis zunächst ist, eine in zwei Dimensionen sich darstellende Erkenntnis." (Lit.: GA 227, S. 45)

Das Erlebnis des Lebenspanoramas ist zudem mit einem starken Glücksgefühl verbunden.

"... man kehrt zur zweiten Dimension zurück, die dritte hebt sich auf, und man erhält eine wirkliche imaginative Erkenntnis, die zuerst vorhanden ist im eigenen Selbst wie in einem Lebenstableau, so daß man wie überschaut im gegenwärtigen Augenblicke in gewaltigen Bildern - ich werde darüber noch genauer sprechen - dasjenige, was man im Erdenleben durchgemacht hat, wie man von innen heraus dieses Erdenleben durchgemacht hat.

Es ist noch ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den bloßen Erinnerungen. Die bloßen Erinnerungsbilder, die treten so auf, daß man das Gefühl hat, in der Erinnerung lebt dasjenige hauptsächlich, was von außen an Vorstellungen der Welt herangekommen ist, was man erfahren hat an Lust, Schmerz, was einem die anderen Menschen getan haben, wie die anderen Menschen an einen herangetreten sind. Das erlebt man vorzugsweise in der bloß vorstellungsmäßigen Erinnerung. In diesem Tableau, von dem ich spreche, erlebt man anders. In der bloßen Erinnerung - sagen wir, man ist vor zehn Jahren einem Menschen begegnet - erlebt man, wie der Mensch an einen herankommt, was er einem tut, Gutes, Böses und dergleichen. In diesem Lebenstableau aber erlebt man, wie man selbst den ersten Blick nach diesem Menschen gerichtet hat, was man getan hat, wie man erlebt hat, um seine Liebe zu erwerben, was man empfunden hat. Man empfindet also dasjenige in diesem Lebenstableau, was von innen nach außen sich entwickelt, während die bloße Erinnerung das gibt, was von außen nach innen sich entwickelt.

Man kann also sagen, daß in diesem Lebenstableau etwas wie ein Erlebnis ist in unmittelbarer Gegenwart, bei dem nicht eines nach dem andern sich stellt, wie in der Erinnerung, sondern eines neben das andere im zweidimensionalen Räume. Man kann dieses Lebenstableau sehr wohl vom bloßen Erinnerungstableau unterscheiden. Nun dasjenige, was man dabei erreicht, das ist, daß man die innere Aktivität, das aktive Erleben der eigenen Persönlichkeit gesteigert hat. Das ist das Wesentliche daran. Man lebt intensiver, man entwickelt intensiver die Kräfte, die aus der eigenen Persönlichkeit ausstrahlen. Man muß, wenn man dies erlebt hat, nun zu einem weiteren Schritte aufsteigen. Den tut eigentlich keiner gern. Und zu diesem weiteren Schritte gehört dasjenige, was man eigentlich nennen kann die denkbar stärkste innere Überwindung. Denn dasjenige, was man in dem Erleben dieses Tableaus hat, was man in diesen Bildern hat, in denen sich einem das Erleben vor die Seele stellt, das ist selbst für diejenigen Dinge, die schmerzlich waren, als sie wirklich erlebt wurden in der Vergangenheit, ein subjektives Glücksgefühl. Dasjenige, was verbunden ist mit dieser imaginativen Erkenntnis, ist ein ungeheuer starkes subjektives Glücksgefühl.

Aus diesem subjektiven Glücksgefühl sind alle diejenigen religiösen Ideale und Schilderungen hervorgegangen, die, wie zum Beispiel die Schilderungen des Mohammedanismus, das Leben außer dem Erdenleben sich in glückbringenden Bildern vorstellen. Das ist aus dem Erlebnis dieses Glücksgefühls in der Imagination hervorgegangen." (Lit.: GA 227, S. 46ff)

Das Lebenspanorama trägt in sich alle Früchte des vergangenen Erdenlebens und währt solange, als sich der Mensch unter normalen Verhältnissen im irdischen Leben wach zu erhalten vermochte, also in der Regel etwa drei Tage, und dann fernt sich diese Lebensfrucht schnell fort vom Menschen, weil sich der Ätherleib weitgehend auflöst und in den Weltenäther übergeht. Das Lebenspanorama gräbt sich dadurch dem allgemeinen Lebensäther ein. Solange das Lebenspanorama währt bzw. solange der Ätherleib noch nicht vollständig und endgültig vom physischen Leib abgelöst ist, kann der Mensch u.U. noch ins irdische Dasein zurückgerufen werden.

"Alles dasjenige, dessen wir sonst in der Zeit uns erinnern, das wird gleichzeitig wie in einem gewaltigen Panorama um uns herum aufgestellt in einem mächtigen Lebenstableau. Dann aber wird unser ätherisches Wesen von uns losgelöst, es wird gleichsam aus uns herausgezogen. Das tun die Wesenheiten der dritten Hierarchie*, und die weben es allmählich dem Weltenäther ein, so daß dieses Gewebe des Weltenäthers nach unserem Tode aus dem besteht, was wir während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod hinzugefügt haben und was verarbeitet worden ist von den Wesen der drei nächsthöheren Hierarchien. Das, was Zeit unseres physischen Lebens in uns gelebt hat, ist nun ein Stück Außenwelt geworden, so daß es von uns angeschaut werden, von uns betrachtet werden kann. (Lit.: GA 167, S. 35)

Weil der Mensch auf seinem Weg nach dem Tod einen Extrakt seines Ätherleibs mitnimmt, bewahrt er er für sein ganzes nachtodliches Leben die Verbindung zu dem Lebensäther, in den das Erinnerungstableau unauslöschlich eingeschrieben ist. Dadurch bleibt ihm die Erinnerung an sein irdisches Ich im Leben zwischen Tod und neuer Geburt erhalten. Und indem sich das, was wir dem Weltenäther so eingeschrieben haben, in unserem Astralleib spiegelt, erleben wir ein geistiges Vorbild dessen, was einmal auf dem künftigen Jupiter ganz real unser Geistselbst werden wird.

"Wir wissen, daß wir dann durch Tage eine Art Rückerinnerung haben. Aber diese Rückerinnerung wird doch nur im uneigentlichen Sinne - obwohl mit Recht, aber im uneigentlichen Sinne - Rückerinnerung genannt, denn durch einige Tage haben wir etwas wie ein Tableau, wie ein Panorama, das gewoben ist aus alldem, was wir im eben verflossenen Leben erlebt haben. Aber wir haben es nicht so wie eine gewöhnliche Erinnerung innerhalb des physischen Leibes. Eine Erinnerung des physischen Leibes ist so, daß wir sie zeitlich heraufholen aus dem Gedächtnisse. Ein solches Gedächtnis ist eine Kraft, die an den physischen Leib gebunden ist, ein Gedachtes, wo man so zeitlich heraufholt die Erinnerungen. Diese Rückerinnerung nach dem Tode, die ist so, daß, wie in einem Panorama, gleichzeitig alles, was sich im Leben abgespielt hat, in Imaginationen um uns herum ist. Wir leben durch Tage innerhalb unseres, man kann nur sagen: Erlebens. In mächtigen Bildern ist gleichzeitig das Ereignis da, welches wir eben noch erlebt haben in den letzten Zeiten vor unserem Tode, und gleichzeitig ist dasjenige da, was wir erlebt haben in der Kindheit. Ein Lebenspanorama, ein Lebensbild, welches dasjenige, was sonst in der Zeit nacheinander gefolgt ist, in einem Gewebe uns darstellt, das aus Äther geflochten ist. Das alles, was wir da sehen, lebt im Äther.

Vor allen Dingen empfinden wir dasjenige, was da um uns herum ist, als lebendig. Es lebt und webt alles darinnen. Dann empfinden wir es als geistig tönend, als geistig leuchtend und auch als geistig wärmend. Dieses Lebenstableau schwindet, wie wir wissen, schon nach Tagen. Aber wodurch endet es denn eigentlich, und was ist dieses Lebenstableau?

Ja, wenn man dieses Lebenstableau untersucht auf das hin, was es eigentlich ist, so muß man sagen: Es ist hineinverwoben alles das, was wir im Leben erlebt haben. Aber wie erlebt? - Indem wir dabei gedacht haben! Also alles das, was wir denkend, vorstellend erlebten, das steckt dadrinnen. Sagen wir, um auf etwas Konkretes einzugehen, wir haben im Leben mit einem anderen Menschen zusammengelebt, wir haben mit dem anderen Menschen gesprochen. Indem wir mit ihm gesprochen haben, haben sich seine Gedanken unseren Gedanken mitgeteilt. Wir haben Liebe von ihm empfangen, wir haben seine ganze Seele auf uns wirken lassen, all das innerlich durchlebt. Wir leben ja mit, wenn wir mit einem anderen Menschen leben. Er lebt und wir leben, und wir erleben etwas an ihm. Das, was wir an ihm erleben, das erscheint uns jetzt in dieses ätherische Lebenstableau hineinverwoben. Es ist dasselbe, an das wir uns erinnern. Denken Sie sich einmal den Moment, wo Sie vor zehn, zwanzig Jahren mit irgend jemand anderem etwas erlebt haben. Denken Sie sich, Sie erinnern sich daran, und Sie erinnern sich nicht so, wie man sich gewöhnlich im Leben erinnert, daß alles grau in grau verschwimmt, sondern Sie erinnerten sich so daran, daß die Erinnerung in Ihnen so lebendig wäre, wie das Erlebnis selber war, daß der Freund so vor Ihnen steht, wie er damals gestanden hat während des Erlebnisses. Im Leben hier sind wir oftmals recht traumhaft. Dasjenige, was wir herzhaft erleben auf dem physischen Plan, stumpft sich ab, das lähmt sich herab. Wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind und es im Lebenstableau haben, da ist es nicht so herabgelähmt, da ist es mit all der Frische und Herzhaftigkek vorhanden, in denen es vorhanden war während des Lebens. So webt es sich hinein in dieses Lebenstableau, so erleben wir es selber dann durch Tage.

Wie wir den Eindruck haben in bezug auf die physische Welt, daß unser physischer Leib von uns abfällt, so haben wir dann nach Tagen den Eindruck, daß zwar von uns auch abgefallen ist unser ätherischer Leib, aber dieser unser ätherischer Leib ist eigentlich nicht so abgefallen wie unser physischer Leib, sondern er ist einverwoben dem ganzen Universum, der ganzen Welt. Er ist dadrinnen, er hat dadrinnen seine Eindrücke gemacht während der Tage, während wir das Lebenstableau erleben. Und dasjenige, was wir so als Lebenstableau haben, das ist übergegangen in die äußere Welt, das lebt um uns herum, ist von der Welt aufgenommen.

Wir machen dabei während dieser Tage wiederum eine wichtige, eine eindringliche Erfahrung. Denn dasjenige, was wir nach dem Tode erleben, sind nicht nur Erlebnisse, die so wie Erinnerungen an das Erdenleben sind, sondern es sind durchaus Stücke für neue Erlebnisse. Das ist ja selbst ein neues Erlebnis, wie wir zu unserem Ich kommen, indem wir zurückschauen zu dem Tode, denn so etwas können wir mit den Erdensinnen hier nicht erleben. Das erschließt sich nur dem initiierten Erkennen. Aber auch, was wir während der Tage erleben, indem wir dieses Lebenstableau, dieses von uns sich ablösende und dem Universum sich einwebende Ätherweben um uns herum haben, auch das, was wir da erleben, ist etwas erschütternd Erhabenes, etwas ganz Gewaltiges für die Menschenseele.

Hier im physischen Leben, ja, da stehen wir der Welt gegenüber, diesem mineralischen, diesem pflanzlichen, diesem tierischen, diesem menschlichen Reich. Wir erleben an diesen das, was unsere Sinne erleben können, was unser an das Gehirn gebundener Verstand an den Sinneserlebnissen haben kann, was unser an unser Gefäßsystem gebundenes Gemüt erleben kann, das alles erleben wir hier. Und wir Menschen sind eigentlich hier zwischen Geburt und Tod, von einem höheren Gesichtspunkt aufgefaßt, außerordentlich große — verzeihen Sie den Ausdruck -, außerordentlich große «Tröpfe», Riesentröpfe. Fürchterlich dumm sind wir vor der Weisheit der großen Welt, wenn wir glauben, damit sei es abgetan, daß wir hier etwas erleben in der beschriebenen Weise und dann dieses, was wir hier erleben, in unseren Erinnerungen tragen und als Mensch es uns angeeignet haben. Das glauben wir so. Aber während wir erleben, während wir uns unsere Vorstellungen, unsere Gemütsempfindungen bilden in dem Erleben, arbeitet in diesem unserem Erlebeprozeß, in diesem Vorgang die ganze Welt der Hierarchien. Die lebt und webt darinnen. Wenn Sie einem Menschen gegenübertreten und ihm in die Augen schauen, in Ihrem Blick und in dem, was sein Blick Ihnen entgegensendet, leben die Geister der Hierarchien darinnen, leben die Hierarchien, lebt die Arbeit der Hierarchien. Auch das, was wir erleben, bietet uns nur die Außenseite, denn in diesem Erleben arbeiten die Götter darinnen. Und während wir glauben, wir leben nur für uns, arbeiten sich die Götter durch unser Erleben etwas aus, wodurch sie etwas haben, was sie jetzt der Welt einweben können. Wir haben Gedanken gefaßt, wir haben Gemütserlebnisse gehabt - die Götter nehmen sie und teilen sie ihrer Welt mit. Und nachdem wir gestorben sind, wissen wir, daß wir gelebt haben deshalb, damit die Götter dieses Gewebe spinnen können, das jetzt in unserem Ätherleib von uns kommt und dem ganzen Universum mitgeteilt wird. Die Götter haben uns leben lassen, damit sie für sich etwas spinnen können, wodurch sie ihre Welt um ein Stück bereichern können. Es ist ein erschütternder Gedanke! Wenn wir nur einen Schritt durch die Welt machen, so ist dieser Schritt der äußere Ausdruck für ein Göttergeschehen und ein Stück von dem Gewebe, das die Götter in ihrem Weltenplan verwenden, das sie uns nur lassen, bis wir durch die Pforte des Todes gehen, um es dann von uns wegzuziehen und dem Universum einzuverleiben. Diese unsere Menschengeschicke sind zugleich Götterhandlungen, und was sie für uns Menschen sind, ist nur eine Außenseite. Das ist das Bedeutsame, das Wichtige, das Wesentliche.

Wem gehört eigentlich jetzt, nachdem wir gestorben sind, dasjenige an, was wir im Leben innerlich dadurch gewonnen haben, daß wir denken können, daß wir Gemütsempfindungen haben, wem gehört es an? - Nach unserem Tode gehört es der Welt an! So aber, wie wir auf unseren Tod zurückblicken, so blicken wir mit dem, was uns bleibt, mit unserem astralischen Leib und mit unserem Ich, zurück auf dasjenige, was sich da einverwoben hat dem Universum, der Welt. Während unseres Lebens tragen wir das, was sich da dem Universum eingewoben hat, als Ätherleib in uns. Jetzt ist es auf gesponnen und einverwoben der Welt. Wir blicken darauf hin, schauen es an. Wie wir es hier innerlich erleben, so schauen wir es nach dem Tode an, so ist es in der Welt draußen. Wie wir hier Sterne anschauen und Berge und Flüsse, so schauen wir nach dem Tode auch neben dem, was geworden ist mit Blitzesschnelle, sagte ich, aus unserem physischen Leib, das an, was sich der Welt einverwoben hat aus unseren eigenen Erlebnissen. Und dasjenige, was sich da aus unseren eigenen Erlebnissen dem ganzen Weltenbau einverleibt, das spiegelt sich jetzt in dem, was wir noch haben, im astralischen Leib und Ich, geradeso wie sich spiegelt die äußere Welt in unseren physischen Organen durch unseren physischen Menschen hier. Und indem sich das spiegelt in uns, bekommen wir etwas, was wir hier während dieser Erdenzeit nicht haben können, was wir in einem äußeren, mehr physischen Abdruck später während der Jupiterzeit haben werden, was wir aber in einer geistigen Art dadurch bekommen, daß jetzt unser ätherisches Sein außerhalb ist und auf uns einen Eindruck macht. Statt daß es vorher von uns erlebt wurde als unser Inneres, macht es jetzt auf uns einen Eindruck. Der Eindruck, der auf uns gemacht wird, ist allerdings zunächst ein Geistiges, er ist bildhaft, aber er ist als Bildhaftes schon ein Vorbild für das, was wir erst auf dem Jupiter haben werden: das Geistselbst. Dadurch also, daß sich einwebt unser Ätherisches dem Universum, wird für uns geboren - aber geistig, nicht so, wie wir es später auf dem Jupiter haben werden - ein Geistselbst, so daß wir jetzt haben, nachdem wir unseren ätherischen Leib abgelegt haben: astralischen Leib, Ich, Geistselbst. Dasjenige, was uns von unserem Erdendasein bleibt, das ist also unser Astralleib und unser Ich." (Lit.: GA 168, S. 74ff)

Stirbt man in jungen Jahren, mischen sich in das Lebenspanorama noch Eindrücke der geistigen Welt, die man vor der Geburt erlebt hat. Etwa mit dem 35. Lebensjahr hört das auf:

"Stirbt ein Kind, dann ist das Lebenstableau ja außerordentlich kurz, dafür tritt aber gewissermaßen hinter diesem Tableau, dasselbe hereinschattierend, von hinten noch vieles von dem auf, was vor der Geburt durchlebt wurde in der geistigen Welt. Dieses Erschauen bestimmter Reste der geistigen Welt, die man vor der Geburt durchlebt hat, verliert sich erst für die Rückschau nach dem Tode, wenn man das 35.Lebensjahr durchschritten hat. Das vor 35 jährige Lebenstableau hat noch viel mehr den Charakter, daß es wie von außen an einen herankommt, wie aus einer geistigen Welt heraus, und man ihm nur entgegenschiebt dasjenige, was man selber erlebt hat. Das nach 35 jährige Lebenstableau ist so, daß einem eigentlich von außen entgegenkommt zuerst mehr ein Leeres, ein Verdunkeltes, und daß man diesem Dunkel entgegenbringt, was man sich im Leben erworben hat. Aber es entzündet sich dadurch nicht minder lebendig." (Lit.: GA 174b, S. 100ff)

Der Eingeweihte sieht nicht nur äußerlich auf sein vergangenes Erdenleben zurück, sondern ihm eröffnete sich auch der Blick auf die tieferen geistigen Hintergründe des Lebenstableaus:

"Der Mensch selbst, der gestorben ist und das gewöhnliche (nicht initiierte) Bewußtsein gehabt hat während des Erdenlebens, sieht ja sozusagen dasjenige, was er da vor sich hat als sein Erdenleben, in einem mächtigen Panorama; das sieht er sozusagen von vorne. Mit dem Initiationsblick kann man es auch von der anderen Seite, von rückwärts anschauen, dann sprießt da heraus das Netz der karmischen Zusammenhänge, die ja zunächst noch aus Gedanken gewonnen sind, die in dem Willen während des Erdenlebens gelebt haben –, da kommt es heraus. Die Gedanken, die man während des Erdenlebens bewußt durchlebt, sind tot; diejenigen Gedanken aber, die ins Karma hineinverwoben sind, und die da herauskommen, sie sind lebendig. So daß nach dem Rückwärts (der Rückseite) der Lebens-Überschau lebendige Gedanken heraussprießen. Die Wesen der dritten Hierarchie kommen heran und nehmen in Empfang, was da aufsprießt, atmen es (gleichsam) auf. Das geschieht während der Zeit, während welcher der Mensch sich hinauflebt bis zum Ende der Mondensphäre." (Lit.: GA 237, S. 34f)

Meditation und Lebenstableau

„Die Meditation besteht darin, daß man die Aufmerksamkeit von allem äußerlich und auch innerlich Erlebten abwendet, daß man an nichts denkt als nur an den einen Gedanken, den man ganz in den Mittelpunkt des Seelenlebens stellt. Indem man so alle Kraft, die man in der Seele hat, auf einen einzigen Gedanken wendet, geschieht mit den seelischen Kräften etwas, was sich damit vergleichen läßt, daß man immer mehr und mehr eine Handbewegung als Übung ausführt. Was geschieht dabei? Die Muskeln verstärken sich, man bekommt kräftige Muskeln. Genau so geht es mit den Seelenkräften. Wenn man sie immer wieder und wieder auf einen Gedanken hin richtet, so erkraften sie sich, verstärken sich. Und wenn dies lange Zeit hindurch geschieht - es braucht auf einmal wahrhaftig nicht längere Zeit, denn es handelt sich mehr darum, daß man überhaupt in eine Seelenverfassung hineinkommt, sich zu konzentrieren auf einen Gedanken -, dann wird man, je nachdem man die Veranlagung dazu hat, bei einem kann es acht Tage dauern, bei einem anderen kann sich der Erfolg in drei Jahren einstellen und so weiter, aber man wird durch solche Übungen, die man immer wieder und wieder, und seien es auch nur fünf Minuten oder eine Viertelstunde täglich, anstellt, dazu kommen, innerlich etwas zu fühlen, wie wenn sich das menschliche Wesen mit einem neuen inneren Kräfteinhalt erfüllt. Man fühlt vorher die Kräfte seiner Nerven im gewöhnlichen Denken und Fühlen; man fühlt die Kräfte seiner Muskeln im Ergreifen der Gegenstände, im Ausführen der verschiedenen Verrichtungen. So wie man das nach und nach fühlt, wenn man von Kindheit an aufwächst, so lernt man nach und nach etwas fühlen, was einen neu durchdringt, wenn man solche Denkübungen anstellt, die ich hier nur prinzipiell anführen kann. Genauer sind sie in den schon angeführten Büchern beschrieben. Dann fühlt man eines Tages: Man kann jetzt nicht mehr über äußere Dinge denken, wie man es früher auch gekonnt hat, sondern man fühlt jetzt: man hat eine ganz neue Seelenkraft in sich, man hat etwas in sich, was wie ein verdichtetes, wie ein viel stärkeres Denken ist. Und endlich fühlt man: mit diesem Denken ergreift man zuerst etwas, was man vorher nur in ganz schattenhafter Weise gekannt hat.

Was man da ergreift, das ist nämlich im Grunde genommen die Wirklichkeit des eigenen Lebens. Wie kennt man denn dieses eigene Erdenleben, wie man es seit der Geburt durchlebt hat? Man kennt es in der Erinnerung, die bis zu einem gewissen Punkt der Kindheit zurückreicht. Da tauchen aus unbestimmten Seelentiefen herauf die Erinnerungen an die durchgemachten Erlebnisse. Sie sind schattenhaft. Vergleichen Sie nur einmal, wie schattenhaft das ist, was als Erinnerungsbilder an das Leben auftaucht, gegenüber dem, was man vollsaftig, intensiv von Tag zu Tag an Erlebnissen hat. Erfaßt man nun in der geschilderten Weise das Denken, dann hört diese Schattenhaftigkeit der Erinnerungen auf. Dann geht man zurück ins eigene Erdenleben und man erlebt das, was man vor zehn, vor zwanzig Jahren erlebt hat, mit derselben inneren Kraft und Stärke, wie es war, als man es erlebt hatte. Aber man erlebt es nun nicht so, wie man es damals erlebte, daß man mit den äußeren Gegenständen, mit den äußeren Wesenheiten in unmittelbare Berührung kommt, sondern man erlebt einen geistigen Extrakt davon. Und was man erlebt, das kann, so paradox es heute noch klingen mag, ganz eindeutig geschildert werden. Man hat auf einmal, wie in einem mächtigen Tableau, wie in einem Panorama, sein Leben bis zur Geburt hin vor sich. Nicht daß man die einzelnen Ereignisse bloß in der Zeitenfolge vor sich hat, sondern man hat sie in einem einheitlichen Lebenstableau vor sich. Die Zeit wird zum Räume. Was man erlebt hat, das hat man vor sich, aber nicht im Sinne der gewöhnlichen Erinnerung, sondern man hat es so vor sich, daß man weiß: Was man da vor sich hat, das ist die tiefere menschliche Wesenheit, ein zweiter Mensch in demjenigen Menschen, den man im gewöhnlichen Bewußtsein vor sich hat. Und dann kommt man auf folgendes: Dieser physische Mensch, den man im gewöhnlichen Bewußtsein vor sich hat, baut sich auf aus den Stoffen, die wir aus der Welt, die um uns herum ist, nehmen. Wir stoßen diese Stoffe fortwährend ab, nehmen neue Stoffe auf, und man kann ganz genau sagen: innerhalb eines Zeitraumes von sieben bis acht Jahren ist das, was unseren Körper materiell stofflich gebildet hat, abgestoßen, ist durch Neues ersetzt. Was in uns stofflich ist, das ist etwas Vorüberfließendes. Und wir kommen, indem wir durch das verdichtete Denken das eigene Leben kennenlernen, zu demjenigen, was bleibt, was bleibt durch unser ganzes Erdenleben hindurch, was aber zu gleicher Zeit das ist, was aus den äußeren Stoffen unseren Organismus aufbaut und was ihn wieder abbaut. Und dies letzte ist gleichzeitig das, was wir als ein Lebenstableau übersehen.

Nun unterscheidet sich das, was wir in dieser Weise ansehen, von der gewöhnlichen Erinnerung noch durch etwas anderes. In der gewöhnlichen Erinnerung treten die Ereignisse des Lebens so vor unsere Seele hin, wie sie von außen an uns herankommen. Wir erinnern uns, was uns dieser Mensch getan hat, was uns durch jenes Ereignis zugefügt worden ist. In dem Tableau, das durch das verdichtete Denken vor uns hintritt, lernen wir uns so erkennen, wie wir sind, was wir einem Menschen getan haben, wie wir uns zu einem Ereignis gestellt haben. Wir lernen uns selbst kennen. Das ist das Wichtige. Denn indem wir uns selbst kennenlernen, lernen wir uns auch intensiver kennen und lernen uns so kennen, wie wir in unseren Wachstumskräften, ja selbst in unseren Ernährungskräften drinnenstecken; und wie wir es selbst sind, die unseren Körper aufbauen und wieder abbauen. Wir lernen daher so unsere innere Wesenheit kennen.“ (Lit.:GA 319, S. 146ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner, Andreas Neider (Hrsg.): Das imaginative Lebenstableau: Meditative Erkenntnis aus Kindheitskräften, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2017, ISBN 978-3727454189
  2. Rudolf Steiner: Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen, GA 102 (2001)
  3. Rudolf Steiner: Schicksalsbildung und Leben nach dem Tode, GA 157a (1981)
  4. Rudolf Steiner: Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste, GA 167 (1962)
  5. Rudolf Steiner: Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten, GA 168 (1984), Leipzig, 22. Februar 1916
  6. Rudolf Steiner: Die geistigen Hintergründe des Ersten Weltkrieges. Kosmische und menschliche Geschichte, Band VII., GA 174b (1994)
  7. Rudolf Steiner: Drei Perspektiven der Anthroposophie. Kulturphänomene, geisteswissenschaftlich betrachtet., GA 225 (1990), ISBN 3-7274-2252-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  8. Rudolf Steiner: Initiations-Erkenntnis, GA 227 (2000), ISBN 3-7274-2271-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  9. Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge. Dritter Band: Die karmischen Zusammenhänge der anthroposophischen Bewegung, GA 237 (1991)
  10. Rudolf Steiner: Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin, GA 319 (1994), ISBN 3-7274-3190-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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