Leichnam

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Die Anatomielektion des Dr. Nicolaes Tulp, Rembrandt van Rijn 1632

Als Leichnam oder Leiche (von mhd. lich über ahd. lih, Leib) im eigentlichen Sinn wird der tote Körper eines Menschen oder auch eines Tieres bezeichnet, solange durch Verwesung oder Fäulnis der Gewebezusammenhang nicht völlig aufgelöst ist. Es wird damit auf einen Zwischenzustand nach dem Tod hingedeutet, wo es für den Ätherleib noch prinzipiell möglich ist, wieder in den Körper zurückzukehren und neu das Leben in ihm anzuregen. Dieser Zustand dauert in der Regel etwa drei Tage; danach löst sich der Ätherleib selbst in der umgebenden Ätherwelt auf. Damit beginnt auch unausweichlich und irreversibel die Verwesung des stofflichen Körpers.

Bereits in Verwesung übergegangene Leichen werden, namentlich wenn es sich dabei um tote Tiere handelt, Kadaver genannt. Für den toten Körper des Menschen ist allerdings auch dann noch die Bezeichnung Leiche allgemein gebräuchlich.

Die Bedeutung der menschlichen Leichname für die Erdentwicklung

Dass die Leichname der Menschen in die Erde versenkt werden und sich in ihr auflösen, egal ob das durch Verwesung oder Verbrennung geschieht, ist von höchster Bedeutung für die Erdentwicklung selbst.

Die Erde als Ganzes ist längst in ihrer Entwicklung über ihre Lebensmitte hinausgekommen. Viel von den aufbauenden kosmischen Naturkräften ist bereits versiegt und die irdischen Zerstörungskräfte haben überhand genommen. In diesen irdischen Zerstörungskräften wirkt Ahriman und er schnürt die Erde immer mehr von den kosmischen Schöpferkräften ab. Ginge es nach Ahriman allein, so würden schon heute auf Erden nur mehr rein irdische Kräfte walten. Dieses Ziel will ja Ahriman erreichen, eine vom geistigen Kosmos abgeschnürte, rein irdische Welt als seinen Herrschaftsbereich zu schaffen. Äußerlich wäre die Erde dadurch schon zu Staub zerfallen und geistig hätte sie sich bereits ganz dem Reich Ahrimans eingegliedert und wäre für die weitere kosmisch-geistige Entwicklung verloren.

Anatomische Vorlesung des Dr. Deyman, Rembrandt van Rijn 1656

"Durch die Kräfte, welche die Erdentwickelung durch die Zuführung der menschlichen Leichname fortwährend bekommt, beziehungsweise der Kräfte, die in den Leichnamen sind, dadurch wird die Evolution der Erde unterhalten. Dadurch werden Mineralien dazu veranlaßt, ihre Kristallisationskräfte[1] noch heute zu entfalten, die sie längst nicht mehr entfalten würden ohne diese Kräfte; sie wären längst zerbröckelt, hätten sich aufgelöst. Dadurch werden Pflanzen, die längst nicht mehr wachsen würden, veranlaßt, heute noch zu wachsen. Und auch mit Bezug auf die niederen Tierformen ist es so. Der Mensch übergibt der Erde in seinem Leibe das Ferment, gleichsam die Hefe für die Weiterentwickelung.

Die Stoffe, welche der Mensch empfängt, und auch die Kräfte, welche er mit der Geburt empfängt, die erneuert er während seines Lebens und gibt sie in verwandelter Form an den Erdenprozeß ab. Es sind nicht dieselben Stoffe und Kräfte, die er bei seinem Tode an den Erdenprozeß abgibt, als diejenigen waren, die er bei seiner Geburt empfangen hat. Er übergibt damit also dem Erdenprozeß etwas, was durch ihn fortwährend aus der übersinnlichen Welt in den physisch-sinnlichen Erdenprozeß einfließt; dies ist ein fortwährendes Befruchten der Erde durch übersinnliche Kräfte, und durch diese befruchtenden, übersinnlichen Kräfte wird der Evolutionsprozeß der Erde erhalten. Ohne menschliche Leichname wäre daher die Erde längst tot." (Lit.: GA 293, S. 53f)

So gibt es also Kräfte, die dem Verfall der Erde entgegenwirken, und diese hängen gerade mit jenen Willenskräften zusammen, die in unserem Kopf tätig sind und uns zu bewussten denkenden Menschen machen. Während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod wirken diese Kräfte nur innerhalb unseres Organismus. Wenn wir sterben und unserem Leichnam der Erde übergeben, egal ob er bestattet oder verbrannt wird, übergeben wir diese Kräfte der ganzen Erdenwelt. Und hier wirken sie nun im Großen ähnlich, wie sie während unseres Lebens im Kleinen in uns wirkten. Durch diese Kräfte, sagt Rudolf Steiner, denkt die Erde und stellt vor. Die Erde ist ja als Ganzes ein geistiges Wesen und was wir davon äußerlich sehen, ist gleichsam nur ihr materiedurchdrungener physischer Leib. Und was dieses Erdenwesen an Denk- und Vorstellungskräften entwickelt, verdankt sie dem, was wir an Willenskräften, an Kopf-Willenskräften, mit dem Tod der Erde übergeben. Genährt durch diese Kräfte denkt die Erde nicht nur, sondern sie gestaltet sich auch danach. Wäre das, was wir mit unseren Leichnamen gleichsam als Sauerteig der Erde übergeben, nicht vorhanden, wäre die Erde tatsächlich schon längst zu Staub zerfallen. Ihre Lebensmitte, bis zu der hin die natürlichen Schöpferkräfte das Übergewicht hatten, war schon in der Mitte der atlantischen Zeit überschritten.

"Nur dadurch, daß fortwährend in unserem Gehirn abgebaut wird, daß fortwährend Zerstörungsprozesse da sind, greift Platz in dem sich Zerstörenden das Seelische und Geistige. Darinnen aber wirkt gerade der Wille. Der Wille des Menschen ist im Wesentlichen etwas, was während unseres physischen Lebens schon teilweise für den Tod des Menschen wirkt. In unserem Haupte findet fortwährend schon dasselbe statt, was, abgesehen von uns, objektiv in der Welt draußen vorgeht, wenn wir durch den physischen Tod gegangen sind. Unser Leichnam geht uns ja, insofern wir Menschenindividualitäten sind und in die seelisch-geistigen Welten durch die Pforte des Todes eintreten, eigentlich nichts an; aber das Weltall geht er sehr viel an, dieser Leichnam; denn dieser Leichnam wird auf irgendeine Weise – es kommt auf diese jetzt nicht an, durch Verbrennung oder Beerdigung – den Elementen der Erde überliefert; da setzt er in seiner Art dasselbe fort, was unser menschlicher Wille partiell in unserem Nervensystem, in unserem Sinnensystem tut während des Lebens zwischen Geburt und Tod. Wir stellen vor, wir denken dadurch, daß unser Wille in uns etwas zerstört. Wir übergeben unseren Leichnam der Erde und mit Hilfe des sich auflösenden Leichnams, der nur denselben Prozeß fortsetzt, den wir partiell im Leben ausführen, «denkt und stellt vor» die ganze Erde. Zwischen Geburt und Tod arbeitet durch die Zerstörung, indem er sich mit unserem Ich verbindet, derselbe Wille innerhalb der Grenzen unserer Haut, der da arbeitet kosmisch durch unseren Leichnam nach unserem Tode im Denken und Vorstellen der ganzen Erde, wenn wir eben diesen Leichnam der Erde übergeben haben. So sind wir kosmisch verbunden mit dem, was man den seelisch-geistigen Prozeß des ganzen Erdenseins nennen könnte." (Lit.: GA 195, S. 47f)

Das violette Nordfenster des ersten Goetheanums, das die Einweihung in die irdische physische Welt zeigt.

Was wir mit dem Tode der Erde überlassen, bringt gestaltende Kräfte in die Erdenwelt hinein. Nicht auf die Stoffe kommt es dabei an, die wir nach unserem Tod auf Erden zurücklassen, sondern auf die Formkräfte, die unseren physischen Leib gestalten, also die Formgestalt des physischen Leibes, die von Rudolf Steiner auch als Phantom des physischen Leibes bezeichnet wurde. Indem wir mit der Geburt aus der geistigen Welt herabsteigen, tragen wir kosmische geistige Kräfte herunter und nur dadurch, dass wir diese Kräfte mit dem Tod der Erde übergeben, kann sich die Erde heute überhaupt noch ausreichend vom Kosmisch-Geistigen ernähren.

"Das, was da der Erde (als Leichnam) mitgeteilt ist, gleichgültig ob durch das Verbrennen oder durch das Beerdigen, das hat menschliche Form gehabt, menschliche Form auch dadurch gehabt, daß vor der Konzeption ein geistig-seelisches Wesen heruntergestiegen ist aus den geistigen Welten, gearbeitet hat bis zum Tode hin in diesem physischen Leibe. Dann teilen Sie diesen physischen Leib der Erde mit. Da arbeitet das, was Menschenform ist, in der Erde weiter. Die Erde hätte sonst nur Substanzen, die irdisch sind, wenn ihr nicht Menschenleiber mitgeteilt würden. Aber diesen Menschenleib hat bewohnt ein seelisch-geistiges Wesen, das herabgestiegen ist aus seelisch-geistigen Welten und die Struktur verliehen hat diesem Menschenleibe. Diese Struktur bleibt als ein Wesentliches in jedem Stäubchen, geht in die Erde oder in die Atmosphäre über, und die Erde empfängt mit diesem Menschenleib dasjenige, was heruntergestiegen ist aus den geistigen Welten. Das hat eine sehr große Bedeutung. Denn unsere Erde ist nicht mehr in Entwickelung, und es wäre längst so, daß kein Mensch sie heute mehr, vielleicht auch keine Tiere – die Tiere vielleicht – bewohnen könnten, wenn ihr nicht fortwährend Auffrischungskräfte geistig-seelischer Art durch die Menschenleiber zukämen. Seit der Mitte der atlantischen Zeit hat die Erde aus sich selbst nur verdorrende Kräfte und wird nur aufgefrischt für weiteres Bestehen dadurch, daß ihr die Formkräfte der Menschenleiber mitgeteilt werden. Dadurch ist der Mensch ein Mitgestalter der Erde. Durch den Leib, den er der Erde übergibt, wird er der Erde ein Vermittler zwischen der geistigen Welt und dieser physischen Erdenwelt." (Lit.: GA 191, S. 61f)

Wie segensreich die Formkräfte unseres Phantomleibes für die Erdenwelt wirken, hängt allerdings wesentlich davon ab, welchen Gebrauch der Mensch von ihnen während seines irdischen Lebens macht. Durch die luziferische Verführung und den damit verbundenen Sündenfall wurde die Menschheit ja in die Arme Ahrimans getrieben und dadurch wurde das Phantom des menschlichen Leibes sehr wesentlich korrumpiert. Wir führen dadurch der Erde mit unserem Tod zunächst weitere ahrimanisch verseuchte Zerstörungskräfte zu. Indem aber der Christus durch Tod und Auferstehung hindurch gegangen ist, wurde der wesentliche Impuls zur Heilung der menschlichen Phantomleiber gegeben. Der Auferstehungsleib des Christus ist, wie Rudolf Steiner sehr deutlich gezeigt hat, ein reiner, nicht von Ahriman korrumpierter physischer Formleib, gleichsam das reine Urbild des menschlichen Phantomleibes. Wenn wir die Kräfte des Auferstehungsleibes des Christus immer mehr in unsere eigene physische Formgestalt aufnehmen, werden wir nicht nur selbst einmal der Auferstehung teilhaftig, sondern wir führen auf dem Weg dahin der Erde gesundende Gestaltungskräfte zu. Dazu müssen wir uns aber aus freiem Entschluss mit dem Christus verbinden; das geschieht nicht einfach von selbst. Das führt uns wieder zu dem, was wir am Ende des vorigen Vortrages besprochen haben. Indem wir uns wollend mit der Menschengemeinschaft verbinden und das bewusst bis tief in unsere Verdauungstätigkeit hinein miterleben, werden die von dem Christus durchdrungenen Lebensätherkräfte in uns tätig, die bis in unseren Phantomleib hinein formend wirken und ihn von dem ahrimanischen Einfluss befreien. Nur wenn das geschieht, können wir auch der Erde gesunde Formkräfte überlassen.

Isenheimer Altar, rechter Flügel der aufgeklappten zweiten Schauseite: Christi Auferstehung von den Toten als Sonnengeburt, 1512 - 1516, Meister Mathis Nithart bzw. Gothart (Matthias Grünewald)

Damit sich die Erde am Ende ihrer Entwicklung in ein rein geistiges Dasein zurückziehen und später als neuer Jupiter wieder erscheinen kann, muss der ursprünglichen Kristallisationstendenz, die in der lemurischen Zeit in die Erde gekommen ist, entgegengewirkt werde[1]. Diese ursprünglichen Kristallisationskräfte werden durch eben die Formkräfte überwunden, die mit den menschlichen Leichnamen der Erde übergeben werden.

"Nun wissen wir - das ergibt ja eine einfache oberflächliche Betrachtung der Natur -, daß das kosmische Mineralreich kristallinisch gestaltet ist. Unsere Schüler müssen ja auch in der Schule die verschiedenen Kristallgestalten, in denen diese oder jene Mineralien kristallisieren, kennenlernen; sie müssen sie zuerst nach geometrischen Gesetzen, wie sie aus sich selbst vorgestellt werden können, kennenlernen und dann, wie sie in der Wirklichkeit in dem Mineralreich vorkommen, Oktaeder, Würfel und so weiter. Wenn wir diese in geometrischen Formen ausdrückbaren Gestalten des Mineralreichs ansehen, so haben wir im wesentlichen die dem Mineralreich ureigene Gestalt vor uns. Diese Kristallisationen, oder besser diese Kristallformen, sind das dem Mineralreich in gewissem Sinne Eingeborene, das ihm Ureigentümliche. Und die Erde hat mit der Eingliederung des Mineralreiches in ihre kosmische Entwickelung zugleich die Tendenz aufgenommen, ihre mineralischen Stoffe zu kristallisieren, zu kristallisieren in den Formen, in denen eben das Mineralreich kristallisiert.

Nun gibt es einen Gegenpol, einen polarischen Gegensatz zu dieser Form des Mineralreichs. Wie sich diese Sache verhält, das bitte ich Sie, durch folgendes Bild sich vorzustellen. Wir wollen uns durch ein Bild einer wichtigen Tatsache im Leben nähern. Nicht wahr, Sie kennen die sehr bekannte Erscheinung des Auflösens von irgendwelchen Substanzen. Sie wissen, wenn Sie eine gewisse Menge Salze in eine gewisse Menge Wasser werfen, so ist das Wasser fähig, dieses Salz vollständig aufzulösen, so daß das Salz in seiner festen Gestalt nicht mehr da ist, sondern im Wasser aufgelöst ist. Sie wissen ja auch, daß für gewisse Zwecke des praktischen Lebens das feste Salz nichts nützen würde, sondern es nötig ist, dieses feste Salz in Flüssigkeit aufzulösen. Nun, dasjenige, was als Tendenz zur Kristallisationsform der Mineralien in der Erdenentwickelung ist, das darf so wenig mit dieser Erde verbunden bleiben, als für gewisse praktische Zwecke die feste Form des Salzes dem Salz bleiben darf. Die Köchin muß in der Lage sein, diese feste Form des Salzes in die Auflöseform zu verwandeln; sie muß Auflösungsmittel verwenden, sonst würde ja das Salz nichts nützen. So auch muß im Kosmos die Tendenz der Erde zur Kristallisierung des Mineralischen aufgelöst werden. Das heißt, es muß eine Gegentendenz, eine polarische Gegentendenz da sein, welche es dahin bringt, daß wenn die Erde am Ziele ihrer Entwickelung angelangt sein wird und sich anschicken wird, zur nächsten Form, zur Jupiterform überzugehen, diese kristallinische Tendenz nicht mehr da ist, sondern aufgelöst ist, verschwunden ist. Der Jupiter darf nicht mehr die Neigung haben, die mineralischen Substanzen zu kristallisieren. Diese Tendenz zu kristallisieren muß im besonderen nur dem besonderen Erdenkörper erhalten bleiben, und diese Tendenz zur Kristallisierung muß aufhören, wenn die Erde am Ziele ihrer Erdenentwickelung angelangt sein wird.

Nun ist der polarische Gegensatz zur Tendenz des Kristallisierens jene andere Tendenz, welche der menschlichen Form - nicht der tierischen - eingeprägt ist. Und jeder Leichnam, den wir in irgendeiner Form dem Erdenplaneten übergeben, durch Begräbnis oder durch Feuer oder wie immer, jeder Leichnam, in dem die menschliche Form als bloße mineralische Form noch wirkt, jeder Leichnam, der also verlassen ist von seinem Seelisch-Geistigen, der wirkt genauso entgegengesetzt der mineralischen Kristallisationstendenz, wie die negative Elektrizität entgegengesetzt wirkt der positiven Elektrizität, oder wie die Finsternis entgegengesetzt wirkt dem Lichte. Und am Ende der Erdenentwickelung werden die sämtlichen, im Laufe dieser Entwickelung der Erde mitgeteilten Menschenformen - ich sage: Menschenformen, denn in dieser Form des Menschen liegt die Krafttendenz, und auf die Kraft, nicht auf die Substanz kommt es dabei an diese menschlichen Formen werden kosmisch die Mineralisierungstendenz, die Kristallisationstendenz im Mineralisieren aufgelöst haben.

Sie sehen, wie sich da wiederum ein Punkt ansetzt, wo die Brücke geschlagen wird zwischen zwei Weltenströmungen, die durch die Naturwissenschaft nicht geschlagen werden kann. Denn die Natur-wissenschaft untersucht dasjenige, was mit der Menschenform nach dem Tode vorgeht, rein mineralogisch; sie wendet nur die mineralogischen Gesetze an; sie sucht nur dasjenige auf, was in der Tendenz des Kristallisierens der Erde liegt und behandelt so den Leichnam auch. Dadurch kann sie nie darauf kommen, welche bedeutsame Rolle im Haushalte des ganzen Erdenwesens die Leichname der Menschen, die toten Menschenleiber, ihre Form, spielen. Die Erde hat sich schon wesentlich verändert seit der Mitte der lemurischen Zeit, seit die Mineralisation eingetreten ist und damit die Kristallisationstendenz. Das, was an der Erde heute weniger mineralisch ist, weniger nach Kristallisationstendenz neigt als in der Mitte der lemurischen Zeit, das ist verdankt den sich auflösenden Formen der Menschenleiber. Und wenn die Erde an ihrem Ziele angelangt sein wird, so wird gar keine Kristallisationstendenz mehr da sein. Die sämtlichen der Erde übergebenen Menschenformen werden sich als der polarische Gegensatz ausgewirkt haben und die Kristallisation aufgelöst haben. Da wird das Ereignis des menschlichen Todes auch als rein physische Erscheinung in den ganzen Haushalt der Weltenordnung hineingestellt. Da wird die Brücke geschlagen zwischen Erscheinungen, die, wie die Todeserscheinung, sonst ganz unverständlich im Haushalte der Welt dastehen, und jenen Erscheinungen, welche die Naturwissenschaft heute schildert. Und es ist wichtig, daß man solche Anschauungen auch immer mehr und mehr ausbildet, welche der naturwissenschaftlichen Weltanschauung erst ihr wahres, ihr echtes Gepräge geben. Das, was ich Ihnen hier auseinandergesetzt habe, ist ja ebenso eine naturwissenschaftliche Tatsache, wie andere naturwissenschaftliche Tatsachen es sind, die von der heutigen Naturwissenschaft aus gefunden werden. Aber es ist eine Tatsache, auf die die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden aus sich heraus nicht kommen kann. Die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden muß notwendigerweise unvollständig bleiben und kann daher das Ganze der Lebenserscheinungen nicht erfassen. Daher muß diese Naturwissenschaft ihre Ergänzung durch die Geisteswissenschaft finden." (Lit.: GA 184, S. 178ff)

Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 Die Ausführungen in GA 293 stehen scheinbar in Widerspruch zu denen in GA 184. Einmal wird betont, dass durch die menschlichen Leichname die Kristallisationskräfte bewahrt werden, das andere Mal wird darauf hingewiesen, dass dadurch die Kristallisationskräfte überwunden werden. Beides ist richtig. Damit sich die Erde im richtigen Tempo entwickeln kann, darf sie einerseits nicht durch mangelnde Kristallbildungskräfte zu früh zu Staub zerfallen, anderseits muss am Ende der physischen Erdentwicklung die Kristallisationstendenz überwunden sein. Die Formkräfte, die aus den menschlichen Leichnamen stammen, wirken so, dass dieser Übergang von der ursprünglichen Kristallbildung bis hin zur Auflösung aller Kristallformen im richtigen Tempo geschieht. Mit dem Mysterium von Golgatha wurde der Auflösungsprozess eingeleitet.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Polarität von Dauer und Entwickelung im Menschenleben. Die kosmische Vorgeschichte der Menschheit., GA 184 (2002)
  2. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis, GA 191 (1989)
  3. Rudolf Steiner: Weltsilvester und Neujahrsgedanken, GA 195 (1986)
  4. Rudolf Steiner: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik, GA 293 (1992)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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