Luzifer

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Luzifer in einer Inszenierung von Rudolf Steiners Mysteriendramen am Goetheanum in Dornach.

Luzifer (aus lat. lux = Licht und ferre = bringen), im Lateinischen auch der poetische Name des Morgensterns, also der Venus, wörtlich der «Träger des Lichts», der lichtvolle rote Teufel, oft auch als Diabolos (griech. Διάβολος, Diàbolos = Durcheinanderwerfer, Verwirrer, von Διά-βαλλειν, dia-balläin = durcheinanderwerfen) bezeichnet und nach Rudolf Steiner identisch mit dem im Koran genannten Iblis, wird in der Bibel durch die Schlange symbolisiert, die sich in das Paradies schleicht und den Menschen verführt, vom «Baum der Erkenntnis» zu essen. Oft wird Luzifer auch als geflügelter Drache dargestellt; in der Vision des Ezechiel auch als geflügelter Stier.

Inhaltsverzeichnis

Luzifer und Venus

Der „Morgenstern“ Venus links unterhalb des Mondes.

Die biblische Schöpfungsgeschichte beginnt mit ihrer Schilderung etwa zu jenem Zeitpunkt, wo sich im Zuge der Erdentwicklung während der sogenannten hyperboräischen Zeit die Sonne von der Erde trennte. Die erhabensten geistigen Wesenheiten gingen damals mit der Sonne heraus, während auf Erden gleichzeitig die Bildung des Menschen vorbereitet wurde. Nicht alle über dem Menschen stehenden geistigen Wesen waren aber schon so weit, dass sie mit der Sonne hätten gehen können. Für sie wurden mit Merkur und Venus geeignete Wohnstätten zwischen Erde und Sonne geschaffen. Luzifer und seine Scharen fanden auf der Venus ihre neue Heimat:

"So leben auf der Venus auch Wesenheiten, die zwischen den Menschen und den Sonnen­wesenheiten stehen. Sie bewohnen die Venus und können sogar wirksam werden auf der Erde. Sie werden wirksam im menschlichen Leibe. Diese Wesenheiten nennen wir luziferische Wesenheiten. Sie haben in gewisser Weise ihre Heimat auf der Venus. Daher nennt man die Venus auch «Luzifer»." (Lit.: GA 098, S 186)

Luzifer und die Selbstständigkeit des Menschen

Lüge ist für die regelrechten Wesen der dritten Hierarchie unmöglich; sie müssen ihr wahres Wesen offenbaren und haben im Rückblick auf diese Offenbarung ihr waches Selbstbewusstsein. Jede Lüge, jede Täuschung in der Selbstoffenbarung würde ihr Bewusstsein auslöschen. Die Wesenheiten der dritten Hierarchie haben aber auch kein eigenständiges Innenleben wie der Mensch. Wenden sie willentlich ihren Blick von der Selbstoffenbarung ab, so erfüllt sich durch die bedingungslose Hingabe an die höheren Hierarchien ihr Bewusstsein mit den Inhalten der höheren geistigen Welten. Geist-Erfüllung ist ihr Innenleben. Anders ist das bei den luziferischen Wesenheiten:

"Angeloi haben kein Eigenleben, ihr Eigenleben ist Offenbarung, ist da für alle Welt, und sobald sie nicht sich selber offenbaren, ist in ihrem Innern das in sie hineinleuchtende Leben der höheren Hierarchien. Das, was eine Anzahl von ihnen bewog, ihre Natur zu verleugnen, war Kraftgefühl, Selbständigkeitsgefühl, Freiheitsgefühl. In einer gewissen Zeit kam über eine Anzahl von Wesenheiten der dritten Hierarchie der Trieb, der Drang, nicht bloß abhängig zu sein von den Wesenheiten der höheren Hierarchien, sondern in sich selbst Eigenleben zu entwickeln. Damit war für die gesamte Evolution des Planetensystems, dem wir zunächst angehören, außerordentlich viel getan. Denn nichts Geringeres haben diese Wesenheiten, die wir da nennen können die Rebellen der dritten Hierarchie, angerichtet, als daß sie vorbereitet haben die eigene Selbständigkeit des Menschen, die Möglichkeit, daß der Mensch nun für sich selbständiges Leben entwickelt, das sich nicht unmittelbar nach außen offenbart, sondern das von der äußeren Offenbarung unabhängiges Innenleben sein kann [...]

Sehen Sie, darum handelt es sich, daß Sie verstehen, daß die Geister der dritten Hierarchie, welche diesen Trieb erlangt hatten, das, was sie dann taten, nicht etwa getan haben, um zu lügen, sondern um der Entwicklung eines eigenen Lebens willen, aber mit dieser Entwicklung eines Eigenlebens mußten sie die Konsequenz auf sich nehmen, Geister der Unwahrheit, Geister der Verleugnung der eigenen Wesenheiten, Geister der Lüge mit anderen Worten, zu werden [...]

Alle die geistigen Wesenheiten nun, welche in dieser Art wie eine zweite Kategorie neben den Geistern der dritten Hierarchie durch die Verleugnung ihrer inneren Natur entstanden sind, nennen wir im Okkultismus die luziferischen Geister. Der Begriff der luziferischen Geister besteht im wesentlichen darin, daß diese Geister ein selbständiges inneres Leben entwickeln wollen. Es fragt sich jetzt nur, was haben sie tun müssen, diese Geister, um zu ihrem Ziel zu gelangen? Was sie als Konsequenz entwickeln mußten, das haben wir eben gesehen. Was sie tun mußten, um zu ihrem Ziel zu kommen, selbständiges inneres Leben zu entwickeln, das wird sich uns durch eine andere Betrachtung ergeben. Was wollten sie denn überwinden, diese Geister? Sie wollten überwinden die Geist-Erfüllung mit der Substanz der höheren Hierarchien. Sie wollten nicht nur mit diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien erfüllt sein, sondern mit ihrem eigenen Wesen. Das konnten sie nicht anders machen, als indem sie, statt sich zu erfüllen mit dem Geist der höheren Hierarchien und gleichsam sich den freien Ausblick nach den höheren Hierarchien offenzulassen, sich abschnürten, abspalteten von den Wesenheiten der höheren Hierarchien, um sich auf diese Weise Eigensubstanz aus der Substanz der höheren Hierarchien zu verschaffen." (Lit.: GA 136, S 98ff)

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Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies

Durch den luziferischen Einfluss wurden dem Menschen die Sinne für die äußere Welt geöffnet - und zugleich wurden seine sinnlichen Begierden erweckt. Der Sündenfall begann. Der Mensch wurde dadurch früher und tiefer in die sinnliche Welt verstrickt, als es ursprünglich vorgesehen war. Durch diesen luziferischen Einfluss auf den Astralleib wurden auch der Ätherleib und der physischer Leib in Mitleidenschaft gezogen. Im Ätherleib enstand die Möglichkeit des Irrtums und dem physischen Leib wurde die Möglichkeit zu inneren Krankheiten eingepflanzt.

Luzifer, gezeichnet nach dem 1:1-Modell der großen Holzplastik des Menschheitsrepräsentanten.

"Der Mensch bestand, als er die Erde betrat, aus dem physischen Leibe, dem Ätherleibe und dem Astralleib und bildete diese weiter aus. Nun wurde ihm von gewissen erhabenen Wesen, die vorzugsweise auf der Sonne und dem Monde ihren Wohnsitz hatten, von diesen Wesen wurde ihm die Ichheit zuteil. Es wirkten sozusagen diese Wesen an dem Ich mit. Es gab aber gewisse andere Wesen, die während der Satum-, Sonnen- und Mondenentwickelung sich nicht soweit hinaufgeschwungen hatten, daß sie bei dieser Eingliederung des Ichs hätten mitwirken können. Sie konnten nur das, was sie auf dem Monde gelernt hatten. Sie mußten sich darauf beschränken, an dem Astralleib des Menschen zu arbeiten, so daß dem Menschen etwas eingegliedert wurde in den Astralleib, was nicht zu seinem Edelsten gehörte, was nicht von den erhabenen höheren Wesen, sondern von den verspäteten, zurückgebliebenen Eindringlingen gekommen ist. Hätten diese Wesen das auf dem Monde gemacht, so würde das ein Höchstes gewesen sein. Dadurch aber, daß sie es auf der Erde als Nachzügler machten, dadurch gliederten sie dem Astralleib etwas ein, was ihn niedriger stellte, als er sonst hätte werden können. Er wurde mit Instinkten und Leidenschaften und mit dem Egoismus begabt.

Das müssen wir beachten, daß auf den Menschen von zwei Seiten gewirkt wurde, daß der Mensch auch Einschläge erhielt in den Astralleib, durch welche dieser erniedrigt wurde. So etwas, was auf den Astralleib wirkt, wirkt aber nicht nur bloß auf den Astralleib. Im Erdenmenschen ist es so, daß die Wirkung auf den Astralleib fortgesetzt wird durch diesen selbst auf den Ätherleib und dieser die Wirkung fortsetzt auf den physischen Leib. Der Astralleib wirkt überall hin, und so wirken jene Geister durch den Astralleib auf den Ätherleib und den physischen Leib. Wenn diese geistigen Wesen nicht solche Wirkung hätten ausüben können, dann würde im Menschenieben das nicht aufgetreten sein, was dazumal in den Menschen kam. Das ist eine gesteigerte Selbstheit des Menschen, ein gesteigertes Ich-Gefühl. Was dies im Ätherleib bewirkte, das ist alles dasjenige, was an Trübung des Urteils, an Irrtumsmöglichkeit entstand. Alles dasjenige, was vom Astralleib im physischen Leibe also bewirkt wurde, das ist die Grundlage von dem, was als Krankheit entstand. Das ist die geistige Ursache der Krankheiten des Menschen; bei den Tieren ist das Krankwerden etwas anderes.

Wir sehen, wie in den Menschen die Krankheit verpflanzt wird. Krankheit hängt zusamrnen mit den Ursachen, die hier angedeutet worden sind. Und da der physische und der ätherische Leib mit den Vererbungstatsachen zusammenhängen, so geht durch die Vererbungslinie das Prinzip der Krankheit. Es soll hier noch einmal betont werden, daß wir unterscheiden müssen von dem, was innere Krankheiten sind, dasjenige, was äußere Verletzungen sind. Wenn sich ein Mensch überfahren läßt, so hat das damit nichts zu tun. Auch gewisse innere Krankheiten können mit äußerlichen Ursachen zusammenhängen. Wenn der Mensch irgend etwas ißt, das den Magen verstimmt, so ist das natürlich auch etwas Äußerliches." (Lit.: GA 106, S 150f)

Luzifer, Abguss des von Rudolf Steiner entworfenen Modells für die große Holzstatue des Menschheitsrepräsentanten.

Als Folge des luziferischen Einflusses wird der Mensch aus dem Paradies verstoßen, d.h. es wird ihm der unmittelbare Anblick der göttlichen Welt entzogen. Das rein geistige Wesen, das der Mensch einmal war, steigt herab in die sinnliche Welt und nimmt hier physisch-körperliche Gestalt an. Weil der Mensch nun ein stofflich-körperliches Wesen wird, verliert er seine ursprüngliche Unsterblichkeit und nimmt den Tod in seine körperliche Natur auf. Zugleich wird aus dem ursprünglich eingeschlechtlichen Wesen ein zweigeschlechtliches - die Geschlechtertrennung ist eine unmittelbare Folge des luziferischen Einschlags. Der Mensch ist dadurch nicht mehr das reine unverfälschte Abbild des göttlichen Wesens, als das er ursprünglich veranlagt war, sondern nur mehr ein einseitig verzerrtes Bild der geistigen Schöpfermächte. Die Menschheit wird nach und nach in Rassen, Stämme und Völker gespalten. Und weiter wird damit schließlich die Voraussetzung für die allmähliche Individualisierung des Menschen geschaffen. Die Menschheit zerfällt in einzelne Individuen. Der Mensch wird dadurch selbstständiger; Luzifer bringt ihm die individuelle Freiheit, verführt ihn aber auch zum Egoismus. Von nun an kann er aus eigener Kraft zwischen dem Bösen und dem Guten unterscheiden. Luzifer bringt den Menschen die Fähigkeit zur moralischen Erkenntnis - setzt sie aber auch der Gefahr aus, sich tief in moralische Verfehlungen zu verstricken. Beides ist aber notwendig, damit der Mensch ein moralisch eigenverantwortliches Wesen werden kann. So kann Luzifer zwar als Widersacher aufgefasst werden, der sich den göttlichen Schöpfermächten entgegenstellt, aber er fördert durch diesen Widerstand zugleich die Entwicklung, indem er dem Menschen die Freiheit und die moralische Erkenntnis bringt. Er darf also keineswegs als einseitig böse geistige Macht aufgefaßt werden. Böse wird der Mensch, wenn er sich einseitig den durch Luzifer erregten sinnlichen Begierden willenlos hingibt. Gut wirkt Luzifer, wenn die Menschen durch ihn, den «Lichtträger», das Licht der Weisheit und den Sinn für die Schönheit der sinnlichen Welt aufnehmen. Alle Wissenschaften und Künste sind eine Gabe Luzifers - und ebenso alle auf Erkenntnis gegründete moralische Erkenntnis. Ohne ihn gäbe es die menschliche Kultur nicht.

Luzifer wollte den Menschen in die sinnliche Welt hineinführen, aber es lag nicht in seinen Absichten, ihn zugleich so fest an die materielle Welt zu binden, wie das mittlerweile der Fall ist. Die Materie ist das Reich Ahrimans, und durch diesen erst wurde die Menschheit mehr und mehr in das materielle Dasein verstrickt. Zwar machte es Luzifers Wirken Ahriman erst möglich, den Menschen zu ergreifen und an die Materie zu binden, aber er handelt damit gegen die Interessen Luzifers. Ahriman und Luzifer sind Gegenspieler. Luzifer will den Menschen wohl aus der reinen göttlichen Welt herausziehen und ihn in sein eigenes geistiges Reich führen, aber dieses liegt eben nicht tief in der materiellen Welt, wo Ahriman haust, sondern es steht an der Grenze zwischen sinnlicher und übersinnlicher Welt. Luzifer ist daher heute immer bestrebt, den Menschen von der bloß materiellen Welt loszulösen. Er will ihn nicht zu einem ganz und gar erdenfesten Wesen werden lassen. Er ist ein Geist des Auftriebs, der Visionen, Illusionen, der Ekstase und des Rausches, der den Menschen von der Erde hinwegheben will in sein flüchtiges immaterielles sinnlich-übersinnliches Reich. Ahriman dagegen will uns in die rein materielle untersinnliche Welt herabziehen. Nur im gesunden Gleichgewicht zwischen diesen erdenflüchtigen luziferischen und erdensüchtigen ahrimanischen Kräften kann der Mensch seine wahre Freiheit finden.

Die irdische Inkarnation Luzifers

Nach den Angaben Rudolf Steiners inkarnierte sich Luzifer im 3. vorchristlichen Jahrtausend auf Erden.

"Wenn wir in der Zeitentwickelung der Menschheit zurückgehen vor das Mysterium von Golgatha, dann kommen wir dazu, in alten Zeiten der orientalischen Kulturentwickelung eine menschliche Per sönlichkeit auf Erden zu finden innerhalb derjenigen Kultur, aus der die heutige chinesische Kultur geworden ist, eine menschliche Persönlichkeit, die die äußere menschliche Verkörperung Luzifers war, der dazumal wirklich als menschliche Verkörperung über den Erdboden gegangen ist, und der der Träger des menschlichen Lich tes war, das wir auf dem Boden der alten vorchristlichen Weisheit finden, mit Ausnahme des Judentums. Noch im Griechentum strömt durch das, was an Kunst, an Weltanschauung, an Staatsmannschaft im Griechentum wirkte, dasjenige durch, was ausgegangen ist von der Luzifer-Inkarnation Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha." (Lit.: GA 195, S 38)

Der Gelbe Kaiser Huáng Dì, der legendäre Begründer der chinesischen Kultur, soll diese irdische Inkarnation Luzifers gewesen sein. Er brachte den Menschen ungeheure Weisheit und namentlich tiefe Einsichten auf medizinischem Gebiet, konnte aber noch keine moralischen Impulse geben:

"Der eigentlich moralische Antrieb für die Menschheit wurde erst durch das Judentum vorbereitet, dann durch das Christentum weiter ausgebildet.

Und die Frage muß entstehen: Woher kommt es denn, daß die gloriose alte heidnische Weisheit, die zum Beispiel ja noch in dem Griechentum eine künstlerische und eine philosophische Blüte schön ster Art trug, keinen moralischen Impuls in sich hatte? Würden wir allerdings weiter zurückgehen hinter das 3. Jahrtausend der vorchristlichen Zeit, so würden wir finden, daß mit dem Weisheitsimpuls zugleich ein moralischer Impuls kommt, und daß das durchaus so ist, wie ich es hier schon auseinandergesetzt habe: daß in dem Weisheitsimpuls zugleich dasjenige enthalten war, was die alten Menschen als ihre Moral, als ihr Ethos brauchten. Aber ein besonderes Ethos, ein besonderer moralischer Impuls, wie er dann mit dem Christentum kam, war der heidnischen Weisheit als solcher nicht eigen. Warum? Aus dem Grunde, weil für die Jahrtausende, die unmittelbar dem Christentum vorangingen, diese heidnische Weisheit von einer Stelle weit in Asien drüben inspiriert war, aber inspiriert von einer sehr merkwürdigen Wesenheit, von der im 3. vorchristlichen Jahrtausend wirklich in Asien drüben, weit im Osten inkarnierten Wesenheit des Luzifer.

Und zu dem mancherlei, das wir kennengelernt haben über die Menschheitsentwickelung, ist es notwendig, daß wir auch die Erkenntnis hinzufügen, daß es ebenso, wie es gegeben hat die Inkarnation von Golgatha, die Inkarnation des Christus in dem Menschen Jesus von Nazareth, auch gegeben hat eine wirkliche Inkarnation des Luzifer im 3. vorchristlichen Jahrtausend in Asien. Und ein großer Teil der alten Kultur ist eben inspiriert von der Seite her, die nur bezeichnet werden kann als eine irdische Inkarnation Luzifers in einem Menschen, der in Fleisch und Blut gelebt hat. Es wurde ja sogar das Christentum, das Mysterium von Golgatha, als es unter den Menschen sich abspielte, zuerst so gefaßt, wie die Menschen es fassen konnten durch dasjenige, was sie aus der alten luziferischen Weisheit bekommen konnten. Auch die Einseitigkeit der aber sonst außerordentlich tiefsinnigen Gnosis rührt davon her, daß eben über die alte Welt diese Luziferinkarnation ging. Man versteht nicht richtig die volle Bedeutung des Mysteriums von Golgatha, wenn man nicht weiß, daß ihm - nicht ganz dreitausend Jahre - vorangegangen ist eine Luziferinkarnation.

Um zu dieser Luziferinspiration dasjenige hinzuzufügen, was diese Luziferinspiration aus der Einseitigkeit herausholt, kam die Christusinkarnation." (Lit.: GA 191, S 197ff)

Zunächst wurde sogar das Verständnis für die irdische Inkarnation des Christus durch die irdische Verkörperung Luzifers vorbereitet:

"Da trug sich eben etwa im Beginn des 3.Jahrtausends im Osten Asiens drüben ein bedeutsames Ereignis zu. Es wuchs heran, ohne daß man es wehrte, ein Kind aus einer der damaligen asiatischen vornehmen Familien in der Umgebung der Zeremoniendienste der Mysterien. Die Umstände boten sich so, daß dieses Kind eben teilnehmen durfte an den Zeremonien, wohl dadurch, daß die leitenden Mysterienpriester es als eine Inspiration empfanden, daß sie solch ein Kind einmal teilnehmen lassen sollten. Und als der Mensch, der in diesem Kinde lebte, etwa vierzig Jahre alt geworden war, so ungefähr, da stellte sich etwas Merkwürdiges heraus. Da zeigte es sich - und es muß durch aus gesagt werden, daß die Mysterienpriester das Ereignis gewisser maßen prophetisch vorausgesehen haben -, daß dieser Mensch, den man heranwachsen ließ in einem der ostasiatischen Mysterien, gegen sein vierzigstes Jahr hin plötzlich den Sinn desjenigen, was früher nur durch Offenbarung in die Mysterien hereingekommen war, durch die menschliche Urteilskraft zu erfassen begann. Er war gewissermaßen der erste, der sich der Organe des menschlichen Verstandes, aber nur in Anlehnung an die Mysterien, bedienen durfte.

Wenn wir das, was die Priester der Mysterien über diese Angelegenheit sagten, in unsere heutige Sprache übersetzen, dann müssen wir sagen: In diesem Menschen war nicht mehr, nicht weniger als Luzifer selbst inkarniert. - Und das ist eine wichtige, eine bedeutsame Tatsache, daß es im 3. vorchristlichen Jahrtausend im Osten von Asien wirklich eine fleischliche Inkarnation Luzifers gegeben hat. Und von dieser fleischlichen Inkarnation Luzifers - denn diese Persönlichkeit lehrte dann - ging dasjenige aus, was man eigentlich als die vorchristliche, heidnische Kultur bezeichnet, was noch in der Gnosis der ersten christlichen Jahrhunderte lebte. Man darf durchaus nicht etwa bloß ein abfälliges Urteil über diese Luziferkultur sprechen. Denn dasjenige, was das Griechentum an Schönheit, selbst an philosophischer Einsicht her vorgebracht hat, was lebt ebenso in der alten griechischen Philosophie, in den Tragödien noch des Aschylos, all das wäre nicht möglich gewesen ohne diese luziferische Inkarnation. Diese luziferische Inkarnation war, wie gesagt, auch noch im Süden von Europa, im Norden von Afrika, im Westen von Asien mächtig in den ersten christlichen Jahrhunderten. Und als das Mysterium von Golgatha sich zugetragen hatte auf der Erde, da war es im wesentlichen die luziferische Weisheit, durch die das Mysterium von Golgatha begriffen werden konnte. Dasjenige, was als Gnosis zum Begreifen des Mysteriums von Golgatha sich zunächst anschickte, das war durchaus befruchtet von luziferischer Weisheit. So daß wir zunächst zu betonen haben: Es gab im Beginn des 3. Jahr tausends eine chinesische Luziferinkarnation. Es gab im Beginn unse­rer Zeitrechnung die Inkarnation des Christus. Und zunächst wurde sogar die Inkarnation des Christus begriffen dadurch, daß noch die Kraft der alten Luziferinkarnation da war, die eigentlich erst für die menschliche Einsicht, für die menschliche Eigenkraft verschwand im 4. nachchristlichen Jahrhundert." (Lit.: GA 193, S 185f)

Luziferische Kultur im Osten

"Wenn wir uns fragen, wo ist im Werden der Menschen heute noch das luziferische Prinzip da, dann müssen wir hinübersehen nach dem Osten, Im Osten, in Asien und im europäischen Rußland, waltet Luzifer durch die Kultur hindurch. Und obwohl, wie ich in dem Zyklus über die Mission der Volksseelen ausgeführt habe, das russische Element dazu berufen ist, in der weiteren Entwickelung das Geistselbst herauszubilden, so ist doch bei der russischen Kultur die Gefahr vorhanden, von Luzifer umstrickt zu werden. Sie ist auf dem Wege dazu. Das luziferische Prinzip besteht darinnen, daß gute Geister zurückbleiben. In der griechisch-orthodoxen Kirche war bis in das 6., 7. Jahrhundert ein guter Geist, aber das, was zu einer Zeit ein guter Geist ist, verwandelt sich in einen luziferischen Geist, wenn es über diese Zeit fortbehalten wird. Das Festhalten an der orthodoxen Religion ist ein «in den Klauen des Luzifer sein». Und viel intensiver noch ist das der Fall bei den geistigen Formen, welche sich im Orient entwickeln, die für Urzeiten ihre Berechtigung hatten. Dadurch, daß sie sich konservieren, laufen sie ein in das luziferische Element. Überall drüben im Osten finden wir bei sehr vielen Menschen, welche dort inkarniert sind, daß sie etwas durchzumachen haben in der Welt des Luziferischen." (Lit.: GA 159, S 235f)

Die Erlösung Luzifers

"Die Erlösung des Luzifer geschieht durch die Liebe, durch die höhere Liebe, welche frei von Egoismus ist." (Lit.: GA 266c, S 168)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Natur- und Geistwesen – ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, GA 98 (1996)
  2. Rudolf Steiner: Ägyptische Mythen und Mysterien, GA 106 (1992), ISBN 3-7274-1060-4
  3. Rudolf Steiner: Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen, GA 136 (1996) [1]
  4. Rudolf Steiner: Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister, GA 159 [GA 159/160] (1980), ISBN 3-7274-1590-8 [2]
  5. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis, GA 191 (1989)
  6. Rudolf Steiner: Der innere Aspekt des sozialen Rätsels, GA 193 (1989)
  7. Rudolf Steiner: Weltsilvester und Neujahrsgedanken, GA 195 (1986)
  8. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band III: 1913 und 1914; 1920 – 1923, GA 266c (1998), ISBN 3-7274-2663-2 [3]
  9. Robert Powell: Christus und der Mayakalender, Informationslücke-Vlg., Basel 2009, ISBN 978-3-9523-5211-3, S. 154 - 157
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