Manichäismus

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Manichäer aus einem Manuskript von Khocho, Tarimbecken.

Der Manichäismus war eine antike offenbarte Religion. Sie ist benannt nach ihrem Gründer, dem Perser Mani (216–276/277). Da Mani ältere Religionen als authentisch anerkannte und große Teile älteren Gedankenguts in seine Religion aufnahm, wird der Manichäismus zu den synkretistischen Lehren gezählt.

Mit der Genehmigung des Sassanidenkönigs Schapur I., der von 240/42 bis 270 regierte, konnte Mani seine Lehre zunächst in Babylonien und im Südwesten des Iran verbreiten. Der Sassanidenkönig Bahram I., der von 273 bis 276/77 herrschte, ließ ihn jedoch auf Anstiften des zoroastrischen Oberpriesters Kartir verhaften. Mani starb in der Gefangenschaft an den dort erlittenen Entbehrungen, es handelte sich aber nicht um eine Hinrichtung. In manichäischen Quellen wird sein Tod dennoch in bewusster Analogie zum Tod Christi als Kreuzigung bezeichnet, was aber nur metaphorisch gemeint ist.[1]

Manis Lehre wird als die der zwei Naturen (oder Substanzen, Prinzipien) und drei Zeiten (oder Epochen) bezeichnet. Die zwei Naturen sind die des Lichts und die der Finsternis, und die drei Zeiten sind die Zeit, in der beide Naturen getrennt waren, dann die Zeit, in der sie vermischt sind, und dann die Zeit, in der sie wieder (endgültig) getrennt sein werden. Wegen der Unterscheidung von zwei Naturen (manche sprechen auch von zwei Reichen: dem Reich des Lichts und dem Reich der Finsternis) wird diese Lehre auch als Dualismus bezeichnet.[2]

Entstehung

Fragment der spätantiken Lebensbeschreibung Manis im Kölner Mani-Kodex.

In der Zeit, in der Mani heranwuchs, war das Perserreich zoroastrisch geprägt, aber Mani wuchs in einem judenchristlichen Umfeld auf. Nach seiner im Kölner Mani-Kodex überlieferten Lebensbeschreibung gehörte er als Jugendlicher ebenso wie sein Vater den Elkesaiten, einer christlichen Täufergemeinschaft an. In der früheren Forschung wurde die Täufergruppe fälschlich als Mandäer identifiziert. Noch in seiner Jugend hatte Mani Offenbarungserlebnisse. Nach Manis eigenen Worten erschien ihm mit zwölf Jahren zum ersten Mal sein von Gott gesandter Gefährte, der ihm bis zu seinem vierundzwanzigsten Lebensjahr „all das offenbarte, was war und sein wird, all das, was die Augen sehen, die Ohren hören und der Gedanke denkt“. Nach dem Abschluss dieser Offenbarungen löste er sich von den Elkesaiten.

Kontakte

Reisen in den Osten brachten ihn in Kontakt mit dem Mahayana-Buddhismus. Mani hielt die Religionen, mit denen er sich auseinandersetzte, für unzulänglich, da ihre Lehren nicht klar genug schriftlich fixiert seien und ihre Anhänger daher um die Auslegung stritten. Daher bemühte er sich, die Schriften seiner Religion noch zu seinen Lebzeiten aufschreiben zu lassen, die Lehre eindeutig zu formulieren, um Schismen zu vermeiden und sie weltweit zu verbreiten. Er missionierte im Perserreich, seine Anhänger brachten den Manichäismus nach Westen ins Römische Reich, nach Osten bis in das Kaiserreich China.

Mani verstand sich selbst als Nachfolger der großen Religionsstifter Jesus, Zarathustra und Siddhartha Gautama (Buddha). Entsprechend stellt der Manichäismus eine synkretistische Lehre dar, die sowohl zoroastrische, christliche als auch buddhistische Elemente enthält. Auch die geistige Strömung des Gnostizismus hatte Einfluss auf Manis Religion. Das führte dazu, dass der Manichäismus im Mittelmeerraum als „Kirche des heiligen Geistes“ auftrat und der Prophet Mani als der von Christus verheißene Paraklet galt, in anderen Teilen der Welt der Religionsstifter als Wiedergeburt des Laozi oder als neuer Buddha gesehen wurde.

Im Bereich der östlichen Manichäer um Samarkand sind vom 4. bis 6. Jahrhundert – als das Parthische als gesprochene, nicht jedoch liturgische Sprache am Aussterben war – buddhistische Einflüsse auf liturgische Texte erkennbar.[3]

Mythos

Am Anfang war das Lichtreich Gottes, dessen Wesen fünf Denkformen umfasste: Vernunft, Denken, Einsicht, Sinne und Überlegung. Demgegenüber steht das Reich der Finsternis, bestehend aus Rauch, Feuer, Wind, Wasser und Finsternis. In diesem Reich herrscht Kampf und Uneinigkeit. Während seiner inneren Kämpfe attackiert die Finsternis das Licht. Gott der Vater ist Friede und will daher keinen Kampf. Aus diesem Grund sendet er seinen Sohn in den Kampf, damit dieser von der Finsternis gefangengenommen wird. Durch das Opfer seines Sohnes bleibt zum einen das Lichtreich unversehrt, zum anderen wird der endgültige Sieg über die Finsternis damit vorbereitet. Um die Lichtelemente zu retten, wird die Welt erschaffen; dabei bildet der „lebendige Geist“ die übrig gebliebenen Lichtelemente zu Sonne, Monde, Gestirne, Himmel und Erde, die somit eine Vermischung von Licht und Finsternis darstellen. Erst der „Dritte Gesandte“, nach Urmensch (Gayomarth) und lebendigem Geist, setzt die Räder (Feuer, Wasser und Wind) in Bewegung, welche das Licht nach oben zur Milchstraße ableiten und letztendlich an die Sonne weitergeben. Danach enthüllt sich der „Dritte Gesandte“ zum Menschenpaar (Adam und Eva), das fortan für das Weltschicksal verantwortlich ist. Um ihrer Rolle gerecht werden zu können, sendet der „Dritte Gesandte“ „Jesus den Glanz“, der den Menschen über die „göttliche Vernunft“ aufklärt.

Die Endzeit tritt dann ein, wenn die Lichtbefreiung fast vollendet ist und die materielle Welt zu einem Klumpen zusammengeschmolzen wird. Eine Neuerstehung, nach der endgültigen Trennung von Licht und Finsternis, findet nicht statt.

Lehre

In der manichäistischen Weltsicht stehen sich das göttliche Lichtreich und das Reich der Finsternis als Gegner gegenüber. Durch den Kampf zwischen diesen Mächten sind Teile des Lichts von der Finsternis gefangen und in der Welt eingeschlossen worden (vgl. Abschnitt zum Mythos). Lebewesen zu töten, ja allein schon Obst zu pflücken, verletzt diese göttliche Substanz und verlängert ihre Gefangenschaft in der Welt.

Um das Licht zu befreien und wieder zum Reich Gottes hinzuzufügen, braucht es die „Auserwählten“. Sie vermeiden jegliche Verletzung des eingeschlossenen Lichtes bzw. die Verlängerung seiner Gefangenschaft, indem sie keinen Geschlechtsverkehr haben und weder Menschen, Tiere noch Pflanzen verletzen. Für ihre Nahrungsbeschaffung müssen daher die „Hörer“ sorgen, eine Art manichäische Laien. In der Verdauung der Auserwählten wird das Licht von der Finsternis geschieden und durch Gesang und Gebet kann es wieder zu Gott zurückkehren.

Hörer mussten dafür zu ihrer Reinigung mehrere Inkarnationen durchlaufen, was von einzelnen in Beziehung zur mittelalterlichen Lehre vom Fegefeuer gesetzt wird.

Die Weltgeschichte endet mit einem Gericht, in dem Licht und Finsternis auf ewige Zeiten getrennt werden.

"Das Geheimnis der Manichäer bestand darin, daß sie erkannt hatten, daß es in der Zukunft zwei Gruppen Menschen geben wird, die Bösen und die Guten. In der fünften Runde wird es kein Mineralreich mehr geben, aber dafür ein Reich der Bösen. Die Manichäer haben das gewußt. Sie haben es sich darum zur Aufgabe gemacht, jetzt schon Menschen dazu zu erziehen, daß sie später Erzieher der bösen Menschen werden können. In der Sekte der Manichäer haben von Zeit zu Zeit immer wieder große Vertiefungen stattgefunden." (Lit.: GA 093a, S. 102f)

Gliederung der manichäischen Kirche und Ethik

Mani unterteilte seine Anhänger in zwei Gruppen, die er in Hörer („Auditores“) und Auserwählte („Electi“) unterschied. Den Auserwählten wurden drei ethische Grundsätze (oder Siegel) auferlegt. Die Hörer sollten diese zumindest am Sonntag befolgen.

  • Siegel des Mundes, mit der Enthaltung von Fleisch, Blut, Wein, Früchten und Fluchworten.
  • Siegel der Hände, mit der Enthaltung von jeglicher Arbeit. Nur zur Begrüßung durfte die rechte Hand gereicht werden, des Weiteren waren auch rituelle Handauflegungen sowie jede Form geistiger Arbeit ausgenommen.
  • Siegel der Enthaltsamkeit, mit dem Verbot jeglichen Geschlechtsverkehrs.

Für den Ritus wichtig waren Gebete, Rezitieren von Hymnen, feierliches Abendmahl, die wöchentliche Beichte und magische Rituale.

Geschichte

Manichäische Priester, Wandfreske aus Khocho, Xinjiang, 10. und 11. Jahrhundert nach Christus (Museum für Asiatische Kunst in Berlin-Dahlem)

Der Manichäismus breitete sich in der Spätantike im 3. und 4. Jahrhundert rasch in Persien und den umliegenden Regionen aus. Ein Bruder des persischen Großkönigs Schapur I. konvertierte zum Manichäismus, unter Schapurs Nachfolgern wurden die Manichäer jedoch verfolgt. Ende des 4. Jahrhunderts war der Manichäismus bereits in vielen Teilen des Römischen Reiches präsent (wo schon unter Diokletian ebenfalls gegen Manichäer vorgegangen worden war), unter anderem in Nordafrika, wo der spätere christliche Kirchenvater Augustinus von Hippo zehn Jahre Hörer – Auditor – der Manichäer war. Nach seiner Abwendung von dieser Lehre (und der Hinwendung zum Skeptizismus, gefolgt vom Neuplatonismus und anschließend zum Christentum) bestimmten seine polemischen Schriften gegen die Manichäer bis in das 20. Jahrhundert die europäischen Vorstellungen vom Manichäismus. In welchem Umfang der Manichäismus Augustinus’ Denken mit formte und so Eingang ins (vor allem westliche) Christentum fand, ist nicht bis ins Letzte geklärt. Alfred Adam vertritt die These, Augustinus sei auch als Christ vom Manichäismus beeinflusst gewesen und führt Lehren wie den starken Dualismus (Staaten des Guten und Bösen in seinem Werk Gottesstaat), die Fegefeuerlehre (Inkarnation der „Hörer“), die Höllenlehre, die Erbsündenlehre, die Lehre der doppelten Prädestination (electi, auditores und Sünder), den Kreislauf (zwei Staaten zu Anfang und zum Ende) und die Körper- und Sexualfeindlichkeit auf den Manichäismus zurück.

Durch rege Missionstätigkeit breitete sich der Manichäismus bis in das Kaiserreich China und Spanien aus. Der Manichäismus wurde 762 unter Bögü Khan Staatsreligion der Uiguren. Die Gründe für den großen missionarischen Erfolg des Manichäismus sind bisher nicht völlig geklärt. Ein Faktor war sicherlich seine Anpassungsfähigkeit an lokale Gegebenheiten: Die Manichäer passten den Wortschatz ihrer Lehre im Osten dem Buddhismus und im Westen dem Christentum an, wobei der spezifische Gehalt ihrer religiösen Botschaft und ihre Identität trotz der unterschiedlichen Terminologie bemerkenswert homogen waren.

In Westeuropa gelangte der Einfluss der manichäischen Gemeinden vor allem nach Oberitalien, Spanien, Südfrankreich, teilweise sogar bis in die Rheinebene sowie nach Flandern und Holland. Er war zeitweise eine ernsthafte Konkurrenz für das Christentum und hielt sich trotz heftiger Verfolgung bis ins fünfte Jahrhundert. In China ging die Religion etwa im 14. Jahrhundert unter. Anhänger des Manichäismus übten einen gewissen Einfluss auf die Gründung der Ming-Dynastie aus (Ming bedeutet „hell“ bzw. „Licht“). Die Manichäer im südwestlichen China zählten zu den einflussreichen Rebellengruppen.

Die heutige Forschung über den Manichäismus stützt sich stark auf die 1930 in Medinet Madi (Medînet Mâdi) in Ägypten gefundenen Texte. Dabei handelt es sich um mindestens 51 verschiedene Schriften in koptischer Sprache. Die meisten stammen aus dem 4. Jahrhundert und sind Übersetzungen verlorener Originale in griechischer Sprache. Ein weiterer wichtiger Hinweis ist der seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bekannte Kölner Mani-Kodex aus dem 5. Jahrhundert, das kleinste Buch der Antike. Auf winzigen Pergamentseiten ist die Lebensgeschichte Manis festgehalten.

Verschiedene neugnostische Bewegungen berufen sich auf den Manichäismus.

Manichäer und Ketzer

Bereits in der Spätantike wurde "Manichäer" oft als Synonym für "Ketzer" benutzt; daher ist es nicht immer möglich zu entscheiden, ob es sich bei den so bezeichneten heterodoxen Gruppen tatsächlich um Manichäer im engeren Sinne handelte.[4] Auch nachdem der Manichäismus als eigene Religion in Europa verschwunden war, hielt sich die Bezeichnung vor allem als polemischer Ausdruck für ketzerische Gruppen, die aber meist inhaltlich keinerlei Übereinstimmungen mit der manichäischen Lehre aufwiesen. Parallelen zum manichäischen Dualismus gab es bei den Bogomilen und Katharern (Albigensern); beide werden in zeitgenössischen Schriften als Manichäer bezeichnet, eine direkte Beziehung zum Manichäismus ist jedoch nicht erwiesen, wird von einigen Autoren aber angenommen.[2]

"Dieser Mani begründete eine Geistesströmung, die ja zuerst eine kleine Sekte umfaßte, die aber zu einer mächtigen Geistesströmung wurde. Die mittelalterlichen Albigenser, Waldenser und Katharer sind die Fortsetzung dieser Geistesströmung, zu der auch der ja noch für sich zu besprechende Templerorden und ebenso - durch eine merkwürdige Verkettung der Verhältnisse - das Freimaurertum gehören. Hier hinein gehört das Freimaurertum eigentlich, obgleich es sich mit anderen Strömungen, zum Beispiel dem Rosenkreuzertum verbunden hat." (Lit.: GA 093, S. 68f)

Manichäismus und christlicher Okkultismus

"Der christliche Okkultismus geht zu einem bedeutenden Teil auf die Manichäer zurück, deren Überlieferung lebendig geblieben ist. Ihr Begründer Manes hat drei Jahrhunderte nach Christus gelebt. Auch Augustinus, der Kirchenvater, hatte ursprünglich der Gemeinschaft der Manichäer angehört. Ein Kernpunkt der manichäischen Lehre ist der Satz vom Guten und vom Bösen. Für die landläufige Anschauung bilden das Gute und das Böse zwei absolute, miteinander unvereinbare Gegensätze, von denen das eine das andere ausschließt. Dagegen ist das Böse nach der Ansicht der Manichäer ein integrierender Bestandteil des Kosmos, es arbeitet an dessen Evolution mit und muß zuletzt durch das Gute absorbiert, verwandelt werden. Den Sinn von Gut und Böse, von Lust und Schmerz in der Welt zu studieren, ist die große, einzigartige Mission der Manichäer." (Lit.: GA 094, S. 23)

Christliche Metamorphose des Manichäismus

Indem die wiederverkörperte Individualität Manis sich im frühen Mittelalter als Parzival - unter der Anleitung von Trevrizent und Titurel - einer tief greifenden christlichen Einweihung unterzieht, erfährt die Essenz des Manichäismus selbst eine entschiedene Umschmelzung. Dazu im Folgenden eine mögliche, exemplarische Annäherung. Denn es kommt im Umfeld des Grals zu der christlichen Überwindung des asketischen, weltverneinenden Dualismus, der sich kaum verträgt mit jener eine Zukunft bauenden Mission der manichäischen Geistesströmung, wie Rudolf Steiner sie im Blick hatte.

Diese Umschmelzung, die sich zuerst in Parzival selbst vollziehen muss, wird von Rudolf Steiner den Teilnehmern der Esoterischen Schule in einem eindringlichen Meditationsbild nahe gebracht, das sich an die mittelalterliche Sage von Flore und Blanscheflur anlehnt.

Zuerst befindet Parzival sich in einem inneren Zustand, in welchem deutlich der manichäische Dualismus nachklingt, als solcher wird er als ein „Katharer“, ein Reiner, ein Frommer bezeichnet. (Zwar bezeichnet "Parzival" hier einen bestimmten Schulungsgrad, als ein "Gesamtname"; das Geschilderte wird jedoch gerade und insbesondere für Parzival, den Sohn Gahmurets und Herzeloydes, volle Geltung haben.) Titurel führt ihm das Bild einer wunderschönen weißen Lilie vor das geistige Auge, in deren Betrachtung er versinkt, bis er hinter sich die Stimme Blanscheflurs vernimmt, die ihm sagt: „Das bist du!“ – Die Lilie strömt jedoch einen unguten Duft aus, in welchem Parzival all das erkennt, was er durch Askese und Katharsis aus sich herausgesetzt hat und was ihn jetzt umschwebt. Er lernt, das alles wieder in sich herein zu nehmen, um es umzuwandeln in den reinen heiligen Duft der Rose. So sieht er: Statt der Lilie „... erschien das schwarze Kreuz, aus dem die Rosen sprossten. Und wieder hörte er hinter sich eine Stimme, die Stimme von Flore, dessen Symbol die rote, in sich gekräftigte Rose war: ‚Das werde du!‘“ (Lit.: GA 266a, S. 502ff) Parzival gelangt daraufhin, und zwar durch die Meditation dieses Bildgeschehens, tief hinein in den inneren Raum des christlichen, trinitarischen Mysteriums.

In diesem intimen, esoterischen Geschehen ist im Sinne der anthroposophischen Geisteswissenschaft - an einem bestimmten Ort im Umkreis des Grals - ein entscheidender Umschlagspunkt zu sehen, von dem aus die manichäische Strömung jene in der Welt wirken wollenden, Zukunft erbauenden, das Böse aufnehmenden und verwandelnden Bewegungen in sich zu integrieren vermochte, um die es Rudolf Steiner mit Blick auf künftige Jahrhunderte und Jahrtausende zu tun war[5].

Die Zukunftsaufgabe der Manichäer

"Im Hinblick auf diese Entwickelung der Menschheit (zu einer separaten bösen Menschenrasse) sind nämlich schon vor Jahrhunderten Geheimorden gegründet worden, die sich die denkbar höchsten Aufgaben gestellt haben. Ein solcher Orden ist der Manichäerorden. Die Mitglieder dieses Ordens werden in ganz besonderer Weise für ihre große Aufgabe erzogen. Dieser Orden weiß, daß es Menschen geben wird, die im Karma kein Böses mehr haben werden, und daß es auch eine von Natur aus böse Rasse geben wird, bei der alles Böse noch in höherem Grade vorhanden sein wird als bei den wildesten Tieren, denn sie werden Böses tun bewußt, raffiniert, mit einem hoch ausgebildeten Verstande. Der Manichäerorden belehrt nun jetzt schon seine Mitglieder in solcher Weise, daß sie Umwandler des Bösen werden in späteren Geschlechtern. Das ungeheuer Schwierige dieser Aufgabe liegt darin, daß in jenen bösen Menschenrassen nicht etwa wie bei einem bösen Kinde neben dem Bösen noch Gutes ist, das sich durch Beispiel und Lehre höher entwickeln läßt. Jene von Natur aus ganz Bösen radikal umzugestalten, das lernt das Mitglied des Manichäerordens heute schon. Und dieses dann umgeschmolzene Böse wird nach gelungener Arbeit ein ganz besonders Gutes. Ein Zustand der Heiligkeit wird der sittliche Zustand auf Erden sein, und die Kraft der Umwandlung wird den Zustand der Heiligkeit bewirken." (Lit.: GA 95, S. 74)

Siehe auch

Literatur

  • A. Adam: Das Fortwirken des Manichäismus bei Augustin. In: ZKG 69 (1958), S. 1–25
  • A. Adam: Der manichäische Ursprung der Lehre von den zwei Reichen bei Augustin. In: ThLZ 77 (1952), S. 385–390
  • Alexander Böhlig: Die Gnosis: Der Manichäismus. Neuauflage, Düsseldorf und Zürich 2002; ISBN 3-7608-1150-7 (übersetzte Quellentexte, enthält eine gute und informative Einleitung sowie umfangreiche Anmerkungen).
  • Alexander Böhlig: Artikel Manichäismus. In: Theologische Realenzyklopädie 22 (1992), S. 25–45 (hervorragender Überblick mit umfangreichen Literaturhinweisen).
  • Iain Gardner und Samuel N. C. Lieu: Manichaean Texts from the Roman Empire. Cambridge 2004
  • Wassilios Klein: Die Argumentation in den griechisch-christlichen Antimanichaica. Studies in Oriental Religions 19. Wiesbaden 1991
  • Hans-Joachim Klimkeit: Artikel Mani, Manichäismus. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band 6, Sp. 1265–1269.
  • Hans-Joachim Klimkeit: Hymnen und Gebete der Religion des Lichts. Iranische und türkische liturgische Texte der Manichäer Zentralasiens. Opladen 1989
  • Ludwig Koenen, Cornelia Römer: Mani. Auf der Spur einer verschollenen Religion. Herder, Freiburg 1993, ISBN 3-451-23090-9 (enthält die Übersetzung des Kölner-Mani-Kodex’).
  • Johannes von Oort: Mani, Manichäismus. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, Band 5, Sp. 731–741
  • Hugo Reimann: Manichäismus - Das Christentum der Freiheit, Dornach 1980
  • Eugen Roll: Mani - der Gesandte des Lichts, Stuttgart 1989
  • Steven Runciman: Häresie und Christentum. Der mittelalterliche Manichäismus. Wilhelm Fink Verlag, München 1988.
  • Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende , GA 93 (1991), ISBN 3-7274-0930-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Rudolf Steiner: Grundelemente der Esoterik, GA 93a (1987), ISBN 3-7274-0935-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (2001), ISBN 3-7274-0940-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band I: 1904 – 1909, GA 266/1 (1995), ISBN 3-7274-2661-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Werner Sundermann: Der Manichäismus an der Seidenstraße. Aufstieg, Blüte und Verfall. In: Ulrich Hübner u.a. (Hg.): Die Seidenstraße. Handel und Kulturaustausch in einem eurasiatischen Wegenetz. Asien und Afrika 3. Hamburg 20052; ISBN 3-930826-63-1; S. 153–169
  • Nahal Tajadod: Mani le bouddha de lumière, catéchisme manichéen chinois. Cerf, 1991, ISBN 2-204-04064-9
  • Geo Widengren: Mani und der Manichäismus. Kohlhammer, Stuttgart 1961.
  • Christiane Reck, Dieter Weber, Claudia Leurini, Antonio Panaino (Hrsg.): Manichaica Iranica. Ausgewählte Schriften von Werner Sundermann. 2 Bände. Serie Orientale Roma LXXXIX, 1/2; Rom 2001.
  • Kurt Rudolph: Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion. 3., durchges. u. erg. Aufl. Göttingen 1990.
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Weblinks

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Einzelnachweise

  1. Siehe Böhlig, Die Gnosis: Der Manichäismus, S. 27.
  2. 2,0 2,1 Arno Borst: Die Katharer, Herder Spektrum, Freiburg 1995, S. 56 ff
  3. Jotiya Dhirahseva; Encyclopaedia of Buddhism; s.l. 1979 (Government of Sri Lanka), in Vol. IV, "Central Asia“ Seite 24
  4. Vgl. R. Lim, The nomen Manichaeorum and its uses in Late Antiquity, in: H. Zellentin - E. Iricinschi (eds.), Heresy and identity in Late Antiquity, Tübingen 2008, S. 143ff.
  5. Von Klaus J. Bracker zur Verfügung gestellter, leicht bearbeiteter Auszug aus seinem Aufsatz: Manichäismus und Anthroposophie. [1]
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