Marxismus

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Karl Marx (1875; Fotografie von John Mayall jun.)
Friedrich Engels, Fotograf George Lester ca. 1868

Der Marxismus ist eine gesellschafts- und wirtschaftspolitische Strömung, die auf den materialistischen Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels, namentlich auf dem von ihnen begründeten dialektischen Materialismus aufbaut.

"Was ist das Wesentliche dieses proletarischen Marxismus als Weltanschauung? Das Wesentliche des proletarischen Marxismus als Weltanschauung ist der Unglaube an den Menschen.

Dieser Unglaube an den Menschen hatte in den Zeiten der Urweisheit der Menschheit seine Berechtigung, denn da waren es göttliche Kräfte, die in dem menschlichen Innern saßen und den Menschen führten. Die Menschen wußten sich auf dasjenige verwiesen, was sie unbewußt aus Seelentiefen heraus als die Offenbarungen der Götter als Richtkräfte für das Leben erkennen konnten. Da war es der Unglaube an den Menschen und der Glaube an die Götter. Als herausgebunden war aus dem alten theokratisch-kirchlichen Element das staatlich-administrative, das beamtlich-militärische Element, da bestand noch immer dieser Unglaube an den Menschen. Denn da entstand der Glaube, der Mensch als solcher kann doch nicht die Geschicke leiten, das muß der Staat tun. Der Staat wurde zum Götzen, zum Fetisch. Und das führte den Menschen, der nun in das Staatssystem eingespannt war, zum Unglauben an den Menschen, zum Glauben an den äußeren Fetisch. Natürlich, sobald der Gott herunterkommt, wird er immer mehr und mehr zum Fetisch. Der proletarische Marxismus ist die dritte und letzte Stufe des Unglaubens an den Menschen. Denn der Proletarier sagt sich in seiner materialistischen Geschichtsphilosophie: Nicht der Mensch ist es, der die Geschicke leitet, sondern «die Produktionskräfte» sind es, die ihn leiten. Wir stehen als Menschen ohnmächtig da mit unserer Ideologie. So, wie die Produktionsprozesse verlaufen, so ist der geschichtliche Gang. Und was die Menschen innerhalb dieser Produktionskräfte sind, ist nur das Ergebnis der Produktionskräfte selbst." (Lit.: GA 338, S. 191)

"Das ist ja das Eigentümliche, daß dieser Karl Marx ~ nachdem er die deutsche Dialektik Hegels in sich aufgenommen hatte, nachdem er den französischen sozialen Positivismus kennengelernt hatte, dann von London aus sich die soziale Welt, das soziale Werden betrachtet hatte - von da aus seine außerordentlich einschneidenden sozialistischen Theorien gebildet hat, die dann nach und nach die gesamte proletarische Welt ergriffen haben. Es war also eigentlich der marxistische Gedanke, der sich ausbreitete, der durch das Zündfeuer der Katastrophe der letzten Jahre sich so ausgewachsen hat, wie er heute schon ist, und der sich weiter auswachsen wird. Unter den Sozialisten selbst gibt es eine große Anzahl, die sich einfach so auf Karl Marx berufen, daß sie sagen, sie seien Marxisten. Nun, der eine behauptet, er stünde ganz auf orthodox-marxistischem Standpunkt, der andere behauptet, er vertrete einen fortgeschrittenen Marxismus und so weiter. Aber alles geht auf Marx zurück.

Nun liegt ja ein Ausspruch von Karl Marx selbst vor, der auf gewisse Seiten dieser Sache recht tief blicken läßt. Karl Marx betonte einmal, als er über den Marxismus selber sprach, daß er, Karl Marx, jedenfalls kein Marxist sei. Das, meine lieben Freunde, sollte man insbesondere in der heutigen Zeit nicht aus dem Auge verlieren." (Lit.: GA 189, S. 55f)

"Die ganze ungeheure Wucht - und sie ist eine ungeheure Wucht - der modernen sozialen arbeitermäßigen Bewegung ruht auf dem Gedanken von Karl Marx und seinen Anhängern. Es ist allerdings ein durchgreifender Gedanke. Der Gedanke, daß der Gedanke nichts wert ist, das ist ja marxistische Theorie. Aber ein Gedanke ist es, der eigentlich die gegenwärtige sozialistische Empfindungsweise hervorgerufen hat. Diese sozialistische Empfindungsweise, die gar nichts von der Impulsivität des Gedankens wissen will, ruht auf der Impulsivität von Gedanken." (Lit.: GA 188, S. 182)

Siehe auch

Literatur


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