Maschine

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Animation einer doppelt wirkenden Dampfmaschine mit Fliehkraftregler

Eine Maschine oder Mechanismus (aus frz. machine, von lat. machina, dieses von griech. μηχανή, mechané „Werkzeug, künstliche Vorrichtung, Mittel“) ist ein von Menschen künstlich hergestelltes materielles System aus starren und beweglichen Teilen, wobei letztere von einem oder mehreren Zentren aus durch Zentralkräfte angetrieben werden. Maschinen dienen dem Stoff-, Energie- und Informationstransport (z.B. Rechenmaschinen) und sollen den Menschen bei seiner körperlichen und geistigen Arbeit entlasten.

Maschine und Organismus

Maschinen unterscheiden sich aufgrund ihrer Bauart in der Funktionsweise grundlegend von den von Universalkräften dezentral von der Peripherie her belebten lebendigen Organismen.

"Dies ist eben der Gegensatz des Organismus zur Maschine. Bei der letzteren ist alles Wechselwirkung der Teile. Es existiert nichts Wirkliches in der Maschine selbst außer dieser Wechselwirkung. Das einheitliche Prinzip, welches das Zusammenwirken jener Teile beherrscht, fehlt im Objekte selbst und liegt außerhalb desselben in dem Kopfe des Konstrukteurs als Plan. Nur die äußerste Kurzsichtigkeit kann leugnen, daß gerade darinnen die Differenz zwischen Organismus und Mechanismus besteht, daß dasjenige Prinzip, welches das Wechselverhältnis der Teile bewirkt, beim letzteren nur außerhalb (abstrakt) vorhanden ist, während es bei ersterem in dem Dinge selbst wirkliches Dasein gewinnt. So erscheinen dann auch die sinnlich wahrnehmbaren Verhältnisse des Organismus nicht als bloße Folge auseinander, sondern als beherrscht von jenem inneren Prinzipe, als Folge eines solchen, das nicht mehr sinnlich wahrnehmbar ist. In dieser Hinsicht ist es ebensowenig sinnlich wahrnehmbar, wie jener Plan im Kopfe des Konstrukteurs, der ja auch nur für den Geist da ist; ja es ist im wesentlichen jener Plan, nur daß er jetzt eingezogen ist in das Innere des Wesens und nicht mehr durch Vermittlung eines Dritten - jenes Konstrukteurs - seine Wirkungen vollzieht, sondern dieses direkt selbst tut." (Lit.: GA 001, S. 73)

Räumlicher Mechanismus und zeitlicher Organismus

Bei der Maschine ist die von Anfang an fertig gegebene räumliche Konfiguration bestimmend für den zeitlichen Ablauf aller Bewegungen. Hingegen ist die räumliche Gestalt des Organismus, die sich im Wachsen und Werden erst allmählich herausbildet, ein Abbild der differenziert gestalteten zeitlichen Dynamik, d.h. des für jedes Lebewesen charakteristischen Zeitleibes, der von Rudolf Steiner auch als Ätherleib bezeichnet wird.

"Und so bekommt man auch nur einen richtigen Begriff von dem, was eigentlich physischer Leib des Menschen ist, wenn man trennen kann vom Zeitlichen das Räumliche. Beim Menschen ist es von fundamentaler Bedeutung, weil man überhaupt zu keinem Verständnis kommt, wenn man nicht weiß, daß bei ihm alles Zeitliche als Entität für sich verläuft, und das Räumliche von dem Zeitlichen als von etwas Dynamischem beherrscht wird, während bei einer Maschine das Zeitliche nur eine Funktion ist desjenigen, was räumlich wirkt. Das ist der Unterschied. Beim Menschen ist das Zeitliche ein Reales, während beim Mechanismus das Zeitliche nur eine Funktion des Raumes ist." (Lit.: GA 082, S. 236)

Maschinen sind für den Verstand restlos durchschaubar

Eben aufgrund dieser Bauweise ist die Funktionalität einer Maschine aber auch restlos für den äußeren Verstand durchschaubar.

"Die Maschine unterscheidet sich von allem übrigen, mit dem es der Mensch zu tun haben kann in seinem äußeren Leben. Ich bitte Sie, betrachten Sie das Tier. Sie werden, indem Sie Ihre wissenschaftlichen oder sonstigen Erkenntnisgedanken auf das Tier anwenden - ich will gar nicht vom Menschen in dem heutigen Zusammenhang sprechen -, noch so viel über das Tier erforschen können, es bleibt immer etwas, ich möchte sagen, Göttlich-Tiefes im Tiere; Sie schöpfen es nicht aus, Sie kommen nicht dahinter. Hinter das, was Sie über das Tier denken, stellt sich immer etwas, was Ihnen unbekannt bleibt. Bei der Pflanze ist es nicht weniger. Und nehmen Sie selbst den Kristall, nehmen Sie die wunderbaren Formen der Kristallwelt, Sie werden sich sagen müssen: Gewiß, man kann das Äußerste begreifen in der Kristallwelt, in ihren Formen und so weiter, wenn man auf diese Sache hin geschult ist, aber es bleibt noch hinlänglich vieles von dem, was der Mensch verehren kann als dasjenige, zu dem er nicht mit dem unmittelbaren, unhellseherischen Verstande dringt.

Nehmen Sie die Maschine, sie ist durch und durch durchsichtig. Man weiß: die Kraft setzt so ein, der Zapfen sitzt so und so in der Öffnung drinnen, die Reibung ist eine so und so große, man kann den Nutzeffekt berechnen, wenn man die einzelnen Elemente kennt - nichts ist hinter der Maschine, welches auffordert dazu, sich zu sagen: Da ist etwas, was nicht durchdrungen werden kann mit dem gewöhnlichen unseherischen menschlichen Verstande. Das bedeutet für den Verkehr des Menschen mit der Maschine sehr viel. Und wenn man wiederum einmal vor Tausenden und Tausenden von Menschen gestanden hat, die es mit der Maschine zu tun haben, dann weiß man, was in die Seelen der Menschen hineinträufelt von dieser geistig durchsichtigen Maschine, von dieser Maschine, die nichts hinter sich hat, was irgendwie vielleicht für den unseherischen Verstand nur geahnt oder nicht durchschaut werden könnte. Das macht den Verkehr mit der Maschine so verheerend für den Menschen, daß die Maschine geistig-seelisch so durchsichtig ist; daß alles, was an Kräften und Kräftezusammenhängen in der Maschine ist, so wasserklar daliegt vor den menschlichen Sinnen und dem menschlichen Verstande. Das ist das, was Herz und Seele der Menschen aussaugt, was den Menschen trocken macht, was den Menschen unmenschlich macht." (Lit.: GA 296, S. 14f)

Maschinen und ahrimanische Elementarwesen

Nicht sichtbar für die äußere Wahrnehmung und den sich daran anschließenden Verstand sind allerdings die ahrimanischen Elementarwesen, die sich mit dem Maschinellen verbinden.

"Man braucht sich nur vorzustellen, was von den Maschinerien der Gegenwart, von den Mechanismen der Gegenwart zur Zeit, als die Jungfrau von Orleans wirkte, vorhanden war. Wir können geradezu sagen, seit jener Zeit hat sich in mechanischer Beziehung die Erde vollkommen verändert, denn alles, was wir an Maschinen erleben, ist erst nachher gekommen. Diejenigen von Ihnen, die einmal aufmerksam nachts in einem Schlafwagen gefahren sind, können eine merkwürdige Erfahrung gemacht haben, die Erfahrung, daß im Aufwachen - und man kann ja bei einer solchen Gelegenheit recht oft aufwachen - etwas nachrumpelt von dem, was ringsherum in der Maschinerie des Zuges ist, und daß gewissermaßen im traumhaften Aufwachen etwas vernommen werden kann von diesem Gekrächze und Gequietsche des Zuges oder des Dampfschiffes, wo man dann ist, wenn man aufwacht. Das kommt davon her, daß unsere Seele eigentlich nicht in unserem Leibe, sondern in der Umgebung des Leibes ist und hineinversetzt ist in diese Mechanismen.

Nun sind wir nicht nur bei so außerordentlichen Gelegenheiten in das ganze Getriebe unserer Zeit hineinversetzt, sondern man darf sagen: das maschinelle Leben erstreckt sich ja in der heutigen Zeit auch hinaus auf das Land, und wir sind im Grunde genommen immer in dieses maschinelle Leben der Zeit hineinversetzt. Unsere Seele im schlafenden Zustande geht auf in alles, was Mechanismen sind. Solche Mechanismen haben wir aber auf erbaut. Ein Mechanismus, den wir auf erbaut haben, ist aber etwas ganz anderes als die Natur draußen, die auferbaut ist von den Elementargeistern. Draußen, wenn wir zum Beispiel im Walde sind, wo alles aufgebaut ist von den Naturgeistern, da sind wir in einer ganz anderen Umgebung, als wenn wir in der Umgebung der Mechanismen sind, die wir auferbaut haben. Denn was tun wir, indem wir das, was wir der Natur entnehmen, mechanisch zusammenfügen für unser Leben zu Maschinen und Geräten? Da fügen wir nicht nur die Teile der Materie zusammen. Sondern dadurch, daß wir Teile der Materie zusammenfügen, geben wir jedesmal Gelegenheit, daß ein ahrimanisch-dämonischer Diener sich mit der Maschine vereinigt. Bei jeder Maschine, bei jedem Mechanismus, bei allem, was in dieser Beziehung zum heutigen Kulturleben gehört, vollziehen wir das, daß wir dämonischen Elementargeistern, den ahrimanischen Naturen angehörenden Dienern einen Ansatzpunkt geben. Und indem wir in dieser Umgebung der Maschinen leben, leben wir dann zusammen mit diesen dämonisch-ahrimanischen Elementargeistern. Wir durchdringen uns mit ihnen; wir durchdringen uns nicht nur mit dem Gequietsche und Geknarre der Mechanismen, sondern auch mit dem, was im eminentesten Sinne für unseren Geist, für unsere Seele etwas Zerstörendes hat.

Wohlgemerkt - ich habe bei ähnlichen Gelegenheiten oftmals eine ähnliche Bemerkung gemacht -, es soll das, was ich sage, nicht eine Kritik unseres ahrimanischen Zeitalters sein. Denn das muß so sein, daß wir überall Dämonen hineinströmen lassen und uns von ihnen umgeben lassen. Das liegt in der Entwickelung der Menschheit. Und weil wir es einfach als notwendig anerkennen müssen, deshalb werden wir, wenn wir den eigentlichen Impuls der Geisteswissenschaft verstehen, nun nicht etwa ein Lob anstimmen auf die, welche da sagen: Also muß man sich möglichst schützen vor den Dämonen und die Kultur fliehen, muß sich möglichst in der Einsamkeit eine Kolonie erbauen, so daß man nichts mit diesen dämonisch-ahrimanischen Elementargeistern zu tun hat. Das ist nie der Tenor gewesen, den ich bei meinen Ausführungen angeschlagen habe, sondern ich habe immer gesagt, daß das, was die Notwendigkeit der Entwickelung über uns bringt, voll hingenommen werde, daß man sich nicht zur Flucht vor der Welt dadurch verleiten laßt. Aber ins Auge gefaßt, verstanden muß es werden, daß unser Zeitalter dazu angetan ist, daß wir unsere Umgebung immer mehr mit dämonischen Naturen durchdringen, daß wir immer mehr zu tun haben mit dem, was unsere Kultur mechanisiert. Ein solches Zeitalter erfordert etwas ganz anderes, als jenes Zeitalter erfordert hat, aus dem die Jungfrau von Orleans zu ihrer Wirksamkeit berufen worden ist." (Lit.: GA 157, S. 96ff)

In vorchristlicher Zeit war die Kultur von starken luziferischen Kräften durchsetzt. Diesen steht heute eine ahrimanische Macht gegenüber, die sich schon im Ersten Weltkrieg erstmals in seiner gewaltigen Größe offenbart hat. Seit dieser Zeit ist die ahrimanische Wirkung noch um ein Vielfaches stärker geworden.

"Dieser damaligen luziferischen Durchseuchung der Welt steht eine andere gegenüber, eine ahrimanische. Und diese ahrimanische Durchseuchung, sie ist gegenwärtig im Anzuge, mit einer riesig starken Kraft im Anzuge...

Nun nehmen Sie das Folgende: 1870 - man kann das aus der Kohlenförderung berechnen - haben innerhalb Deutschlands - ich wähle ausdrücklich das Kriegsjahr, ganz absichtlich - gearbeitet sechs ganze und sieben Zehntel Millionen Pferdekraftjahre. Das heißt, außer dem, was die Menschen gearbeitet haben, haben die Maschinen sechs ganze und sieben Zehntel Millionen Pferdekraftjahre gearbeitet. Das ist also eine Kraft, die aus den Maschinen selber heraus gearbeitet worden ist. 1912 wurden in demselben Deutschland durch die Maschinenkraft 79 Millionen Pferdekraftjahre gearbeitet!

Da Deutschland fast 79 Millionen Einwohner hat, arbeitet also neben jedem Menschen ein Pferd das ganze Jahr hindurch. Und bedenken Sie die Zunahme von 6,7 Millionen Pferdekraftjahren zu 79 Millionen Pferdekraftjahren innerhalb weniger Jahrzehnte!

Und betrachten Sie jetzt diese Verhältnisse in bezug auf den Ausbruch der furchtbaren Kriegskatastrophe. In demselben Jahre 1912 konnten Frankreich, Rußland, Belgien zusammen 35 Millionen Pferdekraftjahre aufbringen; Großbritannien 98 Millionen Pferdekraftjahre. Im wesentlichen wurde ja der Krieg im Jahre 1870 durch Menschen ausgetragen, denn man konnte nicht viel mobil machen von den mechanischen Kräften. Es waren ja in Deutschland erst 6,7 Millionen Pferdekraftjahre da. In den wenigen Dezennien war es anders geworden. Sie wissen, in diesem Kriege haben ja im wesentlichen die Maschinen gegeneinander gearbeitet. Was an den Fronten sich gegenübertrat, stammte aus den Maschinen heraus, so daß eigentlich zur Front geführt wurden die Pferdekraftjahre der Mechanismen.

Nun war allerdings die Sache so, daß Großbritannien erst im Laufe längerer Zeit seine 98 Millionen Pferdekraftjahre mobil machen konnte. Aber dann standen zusammen in demjenigen, was aus der mechanischen Kraft dieser Reiche kam, 133 Millionen Pferdekraftjahre gegen 79 Millionen Pferdekraftjahre von Deutschland; etwa 92 Millionen Pferdekraftjahre würde man herausbekommen, wenn man noch Österreich hinzuzählte. Nun wurde dadurch zunächst etwas ausgeglichen, daß eben, wie gesagt, Großbritannien seine Pferdekraftjahre nicht so schnell umwandeln konnte von der Landbearbeitung zur Front hin. Es standen in dieser furchtbaren Kriegskatastrophe einander gegenüber wirklich nicht etwa die Weisheiten der Generäle - die gaben gewisse Richtungen allerdings an - , aber das Wesentliche, was sich gegenüberstand, waren die mechanischen Kräfte, die aufeinanderprallten in den Fronten, und die nicht abhingen von den Generälen, sondern die abhingen von den Erfindungen, die vorher der Mensch aus seiner Naturwissenschaft heraus gemacht hatte.

Und was mußte denn gewissermaßen mit eiserner Notwendigkeit schicksalsmäßig geschehen? Nehmen wir an, daß jetzt noch an die Front geschickt wurden die Pferdekraftjahre der Vereinigten Staaten von Amerika mit 139 Millionen Pferdekraftjahren. Sie sehen, durch dasjenige, was der Mensch in wenigen Jahrzehnten an Maschinenkraft hergestellt hatte, war ganz abgesehen von der Genialität der Generäle, das Schicksal der Welt vorbestimmt. Gegen dieses Schicksal der Welt, gegen diese Notwendigkeit, wo an den Fronten einfach die Ergebnisse der mechanischen Kräfte aufeinanderprallten, war nichts zu machen...

Wir leben im Zeitalter der ahrimanischen Verseuchung. Die Menschen merken gar nicht, daß sie eigentlich zurücktreten aus der Welt, und daß sie ihren Verstand der Welt einverleiben und neben sich eine Welt, die selbständig wird, schaffen. Und das große, ich möchte sagen, teuflische Experiment ist ausgeführt worden seit dem Jahre 1914; daß die eine ahrimanische Wesenheit gegen die andere ahrimanische Wesenheit im Grunde genommen den Ausschlag gegeben hat. Wir haben es mit einem ahrimanischen Kampfe fast über die ganze Erde zu tun gehabt. Den ahrimanischen Charakter hat er angenommen dadurch, daß der Mensch eben in dem Mechanismus, der ihn umgibt, eine neue ahrimanische Welt geschaffen hat. Und es ist eine neue ahrimanische Welt. Wenn Sie auf die Zahlen sehen: Von 6,7 Millionen auf 79 Millionen Pferdekraftjahre in wenigen Jahrzehnten ist die außermenschliche mechanische Kraft gestiegen - das Verhältnis ist in den übrigen Ländern dasselbe - , wie rasch ist der Ahriman gewachsen in den letzten Jahrzehnten! Darf da nicht die Frage entstehen, ob der Mensch ganz verlieren soll, was in seinen Willen gestellt ist, was in seine Initiativkraft gestellt ist? Die Frage kann gestellt werden, ob denn der Mensch immer mehr und mehr der Illusion entgegengeführt werden soll, er mache die Dinge, während in Wahrheit die ahrimanischen Kräfte, die man nach Pferdekraftjahren berechnen kann, gegeneinander arbeiten? [...]

Somit ist das Ahrimanischwerden der Welt ein einfaches Rechenexempel, um zu wissen, was geschehen muß. Und wie steht der Mensch daneben? Er kann ja als der Dumme daneben stehen, dem zuletzt seine Maschinen entgegenlaufen, wenn er noch etwas kompliziertere Kombinationen von Kräften findet.

Diese Ahrimanisierung ist das moderne Gegenstück zu der Luziferisierung der Welt, von der ich vorhin gesprochen habe. Das ist es, worauf man hinschauen muß. Denn ist das nicht vielleicht das Alleralleranschaulichste, um die Notwendigkeit zu beweisen, daß der Mensch jetzt aus dem Inneren heraus schaffen muß? Diese Ahrimanisierung werden wir nicht aufhalten, sollen wir auch nicht aufhalten, sonst würden wir vor jeder neuen Mechanisierung stehen wie das Nürnberger Ärztekollegium 1839 oder wie der Berliner Postmeister vor dem Bau der Eisenbahn, der sagte: Da wollen die Leute von Berlin bis Potsdam eine Eisenbahn fahren lassen - ich lasse doch jede Woche zweimal Postwagen hinausfahren, und es sitzt kein Mensch drinnen! - Aufhalten kann man die Mechanisierung nicht, denn die Kultur muß in diesem Sinne gehen. Die Kultur verlangt die Ahrimanisierung. Aber ihr muß an die Seite gestellt werden, was nun aus dem menschlichen Inneren heraus arbeitet, was aus dem menschlichen Inneren wiederum Weisheit, Schönheit, Kraft, also Stärke schöpft in der Imagination, in der Intuition, in der Inspiration. Denn die Welten, die da aufgehen werden, die werden des Menschen Welten sein, es werden solche sein, die im Geiste, in der Seele vor uns stehen, während draußen die ahrimanischen Maschinenkräfte ablaufen. Und diese Mächte, die da aus der Imagination, aus der Inspiration, aus der Intuition aufsteigen, die werden die Macht haben, zu dirigieren, was sonst den Menschen überwältigen müßte um ihn herum aus dem rasenden Tempo der Ahrimanisierung heraus. Was aus der geistigen Welt, aus Imagination, aus Inspiration, Intuition kommt, das ist stärker als alle Pferdekraftjahre, die noch aus der Mechanisierung der Welt ersprießen können. Aber überwältigen würden den Menschen die mechanisierenden Kräfte, wenn er für sie nicht das Gegengewicht finden würde in dem, was er finden kann aus den Offenbarungen der geistigen Welt heraus, die er erstreben muß." (Lit.: GA 202, S. 48ff)

Am Ende seiner Anthroposophischen Leitsätzen schreibt Rudolf Steiner dazu:

"Heute fühlen noch die wenigsten, welche bedeutsamen geistigen Aufgaben sich da für den Menschen herausbilden. Die Elektrizität, die nach ihrer Entdeckung als die Seele des natürlichen Daseins gepriesen wurde, sie muß erkannt werden in ihrer Kraft, von der Natur in die Unter-Natur hinabzuleiten. Es darf der Mensch nur nicht mitgleiten.

In der Zeit, in der es eine von der eigentlichen Natur unabhängige Technik noch nicht gab, fand der Mensch den Geist in der Naturanschauung. Die sich unabhängig machende Technik ließ den Menschen auf das Mechanistisch-Materielle als das für ihn nun wissenschaftlich werdende hinstarren. In diesem ist nun alles Göttlich-Geistige, das mit dem Ursprunge der Menschheitsentwickelung zusammenhängt, abwesend. Das rein Ahrimanische beherrscht diese Sphäre.

In einer Geistwissenschaft wird nun die andere Sphäre geschaffen, in der ein Ahrimanisches gar nicht vorhanden ist. Und gerade durch das erkennende Aufnehmen derjenigen Geistigkeit, zu der die ahrimanischen Mächte keinen Zutritt haben, wird der Mensch gestärkt, um in der Welt Ahriman gegenüberzutreten." (Lit.: GA 026, S. 258)

Technik der Zukunft

"... wenn Anthroposophie einmal so weit sein wird, daß sie in unsere Schulen eindringt, daß sie überall die Dinge geltend macht, wird etwas anderes noch kommen. Dann wird man nämlich wissen, welche Bewegungen beim Menschen für seine Gesundheit und seine ganze Stoffwechselentwickelung richtig und welche falsch sind. Dann wird die Zeit kommen, wo man die Arbeit nach dem Menschen richten wird. Heute richtet man die Arbeit nach den Maschinen. Heute muß der Mensch so sich bewegen, wie es die Leute, welche die Maschine entdeckt haben, angemessen finden. Später wird man finden: Nicht dasjenige, was von den Maschinen kommt, ist die Hauptsache, sondern der Mensch ist die Hauptsache. Deshalb darf es nur solche Maschinen geben, die hergerichtet sind für den Menschen. Das wird man einmal nur können, wenn die Anthroposophie ganz angenommen sein wird. Dann wird man sagen können: Es muß alles Maschinelle sich nach dem Menschen richten.

Aber dazu ist etwas notwendig. Zuerst muß man verstehen, wie das Herz nichts Maschinelles ist, sondern sich nach dem Menschen richtet. Dann wird man auch für die äußere Maschine die Grundlage finden können, die sie so gestaltet, daß sie sich nach dem Menschen richtet. Aber eine Wissenschaft, die es sich so bequem gemacht hat, daß sie das Herz so beschreibt, als wenn der Mensch in seiner Blutzirkulation nur eine Pumpe hätte, die macht sich kein Gewissen daraus, auch die Maschine so zu machen, daß sich der Mensch darnach richten muß. Mit dieser falschen Ansicht in der Wissenschaft hängt nämlich unsere ganze falsche soziale Lage zusammen. Und deshalb muß man schon begreifen, daß erst ein richtiges Denken über den Menschen kommen muß; dann kann erst ein richtiges soziales Leben anfangen. Solange man glaubt, das Herz sei eine Pumpe, solange wird man auch im äußeren Leben nicht richtig sich einstellen können. Erst dann, wenn man weiß, der unsichtbare Mensch ist höher als sein Herz, er ist es, der sein Herz bewegt, dann wird man auch die Maschinen nach dem Menschen richten. Das muß man erst anfangen einzusehen." (Lit.: GA 350, S. 68f)

Modell des Strader-Apparats, angefertigt von Hans Kühn nach dem Originalmodell, das für die Aufführung des Mysteriendramas «Der Hüter der Schwelle», München 1913, nach Angaben Rudolf Steiners hergestellt worden war.

Der Strader-Apparat, der in Rudolf Steiners drittem Mysteriendrama «Der Hüter der Schwelle» als eine Erfindung des Doktor Strader beschrieben wird, soll einen Hinweis auf diese künftig zu entwickelnde moderne Technik geben, die nicht, wie alle derzeit gebräuchlichen Maschinen, ausschließlich auf Energie verschlingenden physischen Zentralkräften beruht, sondern die potentialfreien ätherischen Universalkräfte nutzbar machen kann. Straders Intention ist es, dem technischen Fortschritt eine solche Richtung geben, dass damit zugleich Kräfte frei werden, durch die die Menschen ihre geistige Entwicklung voranbringen können:

Es reihte dann Versuch sich an Versuch,
bis endlich der Zusammenklang von Kräften
auf meinem Arbeitstische sich ergab,
der einst in seiner vollen Ausgestaltung
rein technisch jene Freiheit bringen wird,
in welcher Seelen sich entfalten können.
Nicht weiter wird man Menschen zwingen müssen,
in enger Arbeitsstätte würdelos
ihr Dasein pflanzenähnlich zu verträumen.
Man wird der Technik Kräfte so verteilen,
dass jeder Mensch behaglich nutzen kann,
was er zu seiner Arbeit nötig hat
im eignen Heim, das er nach sich gestaltet.
Der Hüter der Schwelle, 1. Bild

Strader scheitert allerdings mit seiner Erfindung und stirbt gegen Ende des vierten Dramas («Der Seelen Erwachen»).

Rudolf Steiner hat auch darauf hingewiesen, dass eine Zeit kommen wird, in der Maschinen nur mehr durch Menschen mit entsprechenden geistigen, d.h. moralischen Qualitäten in Betrieb genommen werden können.

"Selbst die äußerste, kälteste technische Entwickelung tendiert nach einem ganz bestimmten Ziele hin. Derjenige, der heute sich ahnende Vorstellungen von der Zukunft der technischen Entwickelung machen kann, der weiß, daß in der Zukunft ganze Fabriken individuell wirken werden, je nach demjenigen, der die Fabrik leitet. Die Gesinnung wird mit in die Fabrik hineingehen und sich übertragen auf die Art und Weise, wie die Maschinen arbeiten. Der Mensch wird zusammenwachsen mit der Objektivität. Alles, was wir berühren werden, wird nach und nach den Abdruck menschlichen Wesens an sich tragen. Und Zeiten werden kommen, so dumm es heute noch den gescheiten Leuten auch erscheinen mag - aber schon der heilige Paulus sagte, dasjenige, was die Menschen für gescheit halten, ist manchmal Torheit vor Gott -, in denen ein Mechanismus dastehen wird, der in Ruhe verharrt; ein Mensch wird hinzutreten, der wissen wird, daß er eine Handbewegung so, eine andere in einer bestimmten Weise dazu, eine dritte so zu machen hat, und durch dasjenige, was da als Luftschwingungen entsteht und was die Folge eines bestimmten Zeichens ist, wird der Motor in Bewegung gesetzt sein, der abgestimmt sein wird auf dieses Zeichen.

Und die nationalökonomische Entwickelung wird ein solches Gesicht bekommen, daß äußere Patente und dergleichen völlig ausgeschlossen sein werden, denn was in solchen Dingen liegt, wird durch das ersetzt werden, was ich eben auseinandergesetzt habe. Dafür aber wird auch alles dasjenige ausgeschaltet werden, was in keiner Beziehung steht zur menschlichen Natur. Dadurch wird etwas ganz Bestimmtes bewirkt werden können. Denn denken Sie sich einmal einen recht guten Menschen in der Zukunft, einen Menschen, der wirklich auf besonderer Höhe menschlicher Gesinnung ist, was wird der können? Der wird Maschinen konstruieren und Zeichen für sie festsetzen können, die nur vollzogen werden können von Menschen, die so gesinnt sind wie er, die also auch gutgesinnt sind. Und alle Bösgesinnten werden mit dem Zeichen eine ganz andere Schwingung erregen, und die Maschine wird nicht gehen!" (Lit.: GA 172, S. 91f)

Die ästhetische Maschinenkunst der Zukunft

Rudolf Steiner hat zwar z.B. auf die Bedeutung des ästhetischen Maschinendesigns hingewiesen. In ferner Zukunft, auf dem Jupiter, werden die Maschinen lebende Wesen sein, von der Gestalt, wie sie die Menschen ihnen heute geben, in einer dem Jupiter entsprechenden Metamorphose. Maschinen sollen deshalb nicht nur nach zweckmäßigen Kriterien gebaut werden, denn sie werden auf dem Jupiter ein Naturreich bilden. Dieses bildet sich in dem technischen Maschinenwesen schon heute. Es wird im Vergleich zu der Schönheit der Natur meist als von häßlichem Charakter empfunden.

<Zitat>

Doch solche negativ ästhetischen Empfindungen gegenüber den Gestaltungen und Geräuschen der Maschinen sind nicht immer gerechtfertigt. Man fühlt sich z.B. durch Straßenlärm gestört. Die Empfindungen sind jedoch oft durch das Vorurteil belastet: Maschinen machen Lärm und keine Musik. Die Geräuschkulisse einer Stadt kann jedoch auch Empfindungen der Schönheit wecken. Fernes Straßengeräusch durch fahrende Autos kann der Meeresbrandung täuschend ähnlich sein. Nur weil man weiß, daß es die Autos sind, wird das Geräusch als häßlicher Lärm wahrgenommen.

Die Schönheit des Zusammenklangs von Maschinengeräuschen und ihren Designgestalten ergibt sich heute vorerst nur zufällig - oder in der fiktiven Vorwegnahme durch Dichter. Das künstlerische Werk des Menschen endet mit der Architektur und der städtischen Raumplanung.

Einzelne Geräusche, wie das Brummen einer Klimaanlage, das Klappern eines Ventils, das Summen, Sirren und Zischen von Küchengeräten, können sich auch mit weiteren Klängen aus den Naturreichen, wie dem Tropfen eines Wasserhahns, dem Rascheln des Laubes auf der Terasse und einem Hundegebell zu einem ästhetischen Gesamtereignis verbinden.

Eine entsprechende Kunst, die bewußte künsterlische Gestaltung der Maschinenwelt und ihre Einfügung in die Naturreiche zu einem Gesamtkunstwerk gibt es erst in ihren Anfängen, insbesondere in der Architektur. Die Kunst ist berufen, durch Beteiligung am Maschinenbau und durch Errichtung von Maschinenkunstwerken, das ästhetische Empfinden der Menschen zu bereichern. Die Maschinen der Zukunft machen keinen Lärm. Sie machen Musik im Konzert und sind schön anzusehen: Sie sind eingefügt in das Gesamtkunstwerk Erde.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften, GA 1 (1987), ISBN 3-7274-0011-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Anthroposophische Leitsätze, GA 26 (1998), ISBN 3-7274-0260-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Damit der Mensch ganz Mensch werde, GA 82 (1994), ISBN 3-7274-0820-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Menschenschicksale und Völkerschicksale, GA 157 (1981), ISBN 3-7274-1571-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physische des Menschen, GA 202 (1993), ISBN 3-7274-2020-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Die Erziehungsfrage als soziale Frage, GA 296 (1991), ISBN 3-7274-2960-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?, GA 350 (1991), ISBN 3-7274-3500-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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