Melancholiker

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Melencolia I, Albrecht Dürer, 1514

Der Melancholiker („Schwarzgalligkeit“, von griech. μέλας, melas = „schwarz“ und χολή cholé = „Galle“) ist ein Mensch, bei dem das melancholische Tempereament die anderen, stets auch vorhandenen Temperamente überwiegt. Er neigt nach der der Temperamentenlehre des Hippokrates von Kós zur Melancholie, also zu Schwermut, Traurigkeit und Trübsinn, ja zur Wehleidigkeit.

Wie bei allen vier Temperamenten kommt auch der Melancholiker nie in reiner Form vor, da immer auch andere Temperamente (lat. temperamentum = „das richtige Maß, die richtige Mischung“) beigemischt sind, die einen mildernden Ausgleich schaffen. In der Praxis hat man also immer nur mit bestimmten Akzentverschiebungen zu tun.

Charakteristik

Der Melancholiker ist nicht selten auch ein misstrauischer und sehr kritischer, oft ängstlicher Mensch. In krankhafter Übersteigerung kann daraus auch ein Hang zu Wahnvorstellungen und zur Grausamkeit oder zur Selbstzerstörung entstehen.

Die Gestik ist mühsam aufstrebend, gefolgt von einem plötzlichen Zusammenbruch, der oft auch von einem typischen Seufzer begleitet ist. Die Arme sind meist eng an den Körper gepresst. Die Bewegungen des Melancholikers wirken meist eckig und gehemmt und er neigt zur X-Beinigkeit. Auch die Atmung ist verhalten und gepresst. Dem Melancholiker ist die Farbe Blau und Schwarz zugeordnet und ihm entspricht das feste Erdelement. Er neigt dadurch zu Verhärtungen im Organismus. Gelenksverhärtungen, Sehnenerkrankungen und Gicht treten nicht selten auf, auch Steinerkrankungen, namentlich Nierensteine, sind typisch. Als Wappentier[1] entspricht ihm der Stier.

Die „melancholischen Weiber“, schreibt Hildegard von Bingen, „haben mageres Fleisch, dicke Adern, mäßige Knochen und mehr rotblaues als blutfarbenes Blut, und haben ein Antlitz wie mit blauer oder schwarzer Farbe durchsetzt ...“[2]

Die innere Stimmung neigt sich dem Abend, dem Sonnenuntergang, zu. Dem entspricht die westliche Himmelsrichtung und das Erwachsenalter ab der Lebensmitte, wo langsam die Abbaukräfte zu überwiegen beginnen. Verbunden damit ist oft das beständige leise Gefühl des Krankseins, sogar des Sterben-Müssens.

Im positiven Sinn zeichnen sich Melancholiker durch große Tugenden aus, insbesondere durch Mitleidsfähigkeit, Selbstbeherrschung, Verlässlichkeit und großes Durchhaltevermögen.

Von den vier Wesensgliedern ist beim Melancholiker der physische Leib vorherrschend.

Siehe auch

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Die Wappentiere entsprechen den vier Sphinx-Tieren bzw. den Evangelisten-Symbolen und auch den entsprechenden Tierkreiszeichen. Dabei ergibt sich allerdings eine andere Zuordnung der Elemente zu den Tierkreiszeichen, als sie heute in der Astrologie üblich ist, indem die Luft- und Wasserzeichen vertauscht sind. Der Adler, der dem Skorpion entspricht, ist hier dem Luftelement zugeordnet und der Wassermann oder Engel dem Wasserelement.
  2. Hildegard von Bingen: Heilwissen, Von den melancholischen Weibern