Mephistopheles

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Mephistopheles oder auch Mephisto ist einer der Namen des Teufels; aus anthroposophischer Sicht identisch mit Ahriman. In mancher Beziehung gleicht er dem Daddschal (arabisch الدّجّال, DMG ad-Daǧǧāl ‚der Täuscher, der Betrüger‘), der aus der Überlieferung der Hadithen im Islam bekannt ist.

Die etymologische Herkunft des Namens ist nicht genau geklärt. Bei William Shakespeare findet sich die Form "Mephistophilus", während es bei Christopher Marlowe "Mephistophilis" ist. In den alten Volksbüchern und Puppenspielen finden sich verschiedene Varianten wie "Mephostophiles", "Mephostophilus", aber auch die heute geläufigste und bei Johann Wolfgang von Goethe verwendete Form "Mephistopheles".

Daraus folgen natürlich auch unterschiedliche Herkunftsmöglichkeiten.

  1. Mephostophiles deutet auf eine Abstammung aus dem Griechischen (der das Licht nicht Liebende, von griech. me = nicht und phos = Licht)
  2. Mephistophiles könnte auf Lateinisch mephitis und Griechisch philos zurückgehen (der den Gestank Liebende)
  3. eine weitere Möglichkeit wäre eine Herleitung aus dem Hebräischen, nämlich eine Verbindung der zwei Partizipien mephir (Zerstörer, Verderber) und tophel (Lügner).

Auch Goethe wusste augenscheinlich um diese verschiedenen Herkunftsmöglichkeiten, wie man an Fausts Ausspruch über Mephistopheles erkennen kann: "Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt" (Fliegengott als der den Gestank Liebende und Verderber, Lügner nach der hebräischen Etymologie).


Mephistopheles in der Literatur

Goethe

Als Protagonist in Goethes Drama Faust (Urfaust, Faust I, Faust II) schließt Mephisto eine Wette mit dem Schöpfer: Gelingt es ihm, Doktor Faustus zu verführen, so soll er dessen Seele bekommen. Die Verführung ist gelungen, wenn Faust einen Augenblick so schön findet, dass er auf Ewigkeit innehalten möchte.

Diese Darstellung des Mephisto hat nicht mehr viel mit der mittelalterlichen und volkstümlichen Vorstellung des Teufels zu tun. Goethes Mephisto verkörpert das Prinzip der Negation. So läßt Goethe Mephisto von sich selbst sagen: Ich bin der Geist der stets verneint, denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Er verkörpert die materialistische Einstellung zu den Dingen und begreift daher auch nicht, was Faust in Wahrheit antreibt und zweifeln läßt. Aus anthroposophischer Sicht erscheint Goethes Mephisto als eine etwas unorganische Vermischung von Luzifer und Ahriman.

Klaus Mann

Der Schlüsselroman Mephisto von Klaus Mann (erschienen 1936 im Exil) erzählt die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen, der sich während der Zeit des Nationalsozialismus mit den Machthabern arrangiert. 1981 wurde der Roman von István Szabó mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle verfilmt (Mephisto (Film)).

Rudolf Steiner über Mephistopheles

„Die Gestalt des Mephistopheles, von der wir heute ausgehen wollen, kennen Sie alle ja aus der Goetheschen Faust-Dichtung. Sie wissen, daß die Mephistopheles-Gestalt eine Wesenheit ist. Wir wollen uns heute nicht weiter darauf einlassen, inwiefern die dichterische Umkleidung den okkulten Tatsachen entspricht. Sie wissen, daß uns diese Gestalt in der Goetheschen Faust-Dichtung entgegentritt als der Verführer und der Versucher des Faust, der ja in gewisser Beziehung als der Typus des nach den Höhen des Lebens strebenden Menschen aufgefaßt werden darf, und es ist von mir auch in Goethe-Vorträgen darauf hingewiesen worden, welche geistige Perspektive die Szene von dem «Gang zu den Müttern» eröffnet, wo Mephistopheles den Schlüssel in der Hand hält zur Eröffnung eines Gebietes in dunkle Untergründe hinein, in denen die «Mütter» sitzen. Mephistopheles selbst kann dieses Gebiet nicht betreten. Er weist nur daraufhin, daß es sich um ein Gebiet handelt, wo unten gleich oben ist: «Versinke denn! Ich könnt' auch sagen: steige!» Beides würde dasselbe bedeuten für dieses geheimnisvolle Gebiet. Wir wissen auch, daß Mephistopheles dieses Gebiet als ein solches bezeichnet, wofür er das Wort Nichts anwendet. Er vertritt also in einer gewissen Weise den Geist, der in dem Nichts ein für ihn Wertloses in diesem Gebiete erblickt. Faust antwortet darauf, wie etwa heute noch der geistig Strebende dem materialistisch Denkenden antworten könnte: «In deinem Nichts hoff' ich das All zu finden!»

Die Goethe-Forschung - es gibt ja eine solche - hat die mannigfaltigsten Anstrengungen gemacht, um diese Gestalt zu enträtseln. Auch in anderen Vorträgen habe ich schon aufmerksam darauf gemacht, daß im Grunde genommen die Auflösung des Namens «Mephistopheles» einfach im Hebräischen zu suchen ist, wo mephiz der Hinderer, der Verderber heißt und tophel der Lügner, so daß wir den Namen aufzufassen haben als geltend für ein Wesen, das sich zusammensetzt aus einem Bringer des Verderbens, der Hindernisse für den Menschen, und auf der anderen Seite aus einem Geist der Unwahrheit, der Täuschung, der Illusion.

Wer die Einleitung des Goetheschen «Faust», den Prolog im Himmel einmal denkend verfolgt, dem wird auffallen können, wie da hineinklingt ein Wort, welches sozusagen über Jahrtausende hin reicht. Goethe hat hineinklingen lassen in den Anfang seines «Faust» die Worte zwischen dem Gotte und dem Hiob aus dem Buche «Hiob». Sie brauchen nur das Buch «Hiob» zu lesen, wie Hiob als ein gerechter, guter und frommer Mann lebt, wie da die Söhne des Gottes des Lichtes sich vor Gott einfinden und sich unter ihnen auch einfindet ein gewisser Feind des Lichtes, und wie sich ein Gespräch entspinnt zwischen dem Feind des Lichtes und dem höchsten Gotte, das dahin geht, daß dieser Feind des Lichtes sagt, er habe durch die Lande geschweift und habe Verschiedenes gesucht, Verschiedenes versucht. Da fragt ihn Gott: Kennst du meinen Knecht, den Hiob? Und da sagt der Feind des Lichtes - so wollen wir ihn vorläufig nennen - zu dem Gotte: er kenne ihn, und er wäre wohl imstande, ihn von dem Pfad des Guten abzubringen, ihn zu verderben. Und Sie wissen ja, wie zweimal dieser Geist versuchen muß, an Hiob heranzukommen, wie er ihm dann dadurch beikommt, daß er seinen äußeren physischen Körper verdirbt. Er bezeichnet das ausdrücklich dadurch, daß er dem Gott gegenüber sagt: Da wird er nicht abfallen, wenn man an seinen Besitz greift, aber wenn man an sein Fleisch greift und an sein Bein, da wird er abfallen! Wer möchte da nicht hineinklingen hören in den Worten des «Faust», wo Gott im Prolog im Himmel dem Mephistopheles die Worte entgegenruft: «Kennst du den Faust? ... Meinen Knecht!» - Und dann hört man förmlich wiederholen die Widerrede des Geistes, der damals, entsprechend dem Buche Hiob, dem Gotte entgegengetreten ist, wenn dieser Mephistopheles sagt: er könne den Faust seine «Straße sacht führen», er könne ihn abbringen von den Wegen, die in die Welt hineinführen, die man die gute nennt. Also wir hören hier förmlich in einer Harmonie zusammenschlagen die Töne von Jahrtausenden.

Vielleicht haben Sie schon öfters, wenn die Gestalt des Mephistopheles an Sie herangetreten ist, die Frage aufgeworfen: Wer ist denn eigentlich dieser Mephistopheles? Und hier werden schwere Fehler gemacht, die allerdings nur ausgebessert werden können durch eine tiefere okkulte Einsicht. Daß Mephistopheles mit dem Teufel oder mit der Vorstellung des Teufels zusammengebracht werden darf, darauf zielt ja schon der Name; denn das Wort «tophel» ist dasselbe wie «der Teufel». Aber die andere Frage ist diese, und hier kommen wir in ein Gebiet schwerer Irrtümer hinein, die in der Auslegung der Gestalt des Mephistopheles oftmals gemacht werden: Ob Mephistopheles zusammengeworfen werden darf mit dem Geist, den wir als den Luzifer bezeichnen, von dem wir in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit oft gesprochen haben, der in der lemurischen Zeit und nachher mit seinen Scharen an die Menschheit herantrat und in gewisser Weise in die menschliche Entwickelung eingriff? Man ist in Europa leicht geneigt, die Gestalt des Mephistopheles, wie sie im Goetheschen «Faust» gilt, wie sie aber in all den verschiedenen Produkten der Volksliteratur gegolten hat, in denen sie schon spielt und die dem Goetheschen «Faust» vorangegangen sind, in den Volksschauspielen, in den Puppenspielen und so weiter, mit dem Luzifer zusammenzuwerfen. Wir treffen da überall die Gestalt des Mephistopheles an, und die Frage ist diese: Sind die Gestalt und die Genossen des Mephistopheles dieselben wie jene Gestalt mit ihren Genossen, die wir als Luzifer kennen ? Mit anderen Worten: Ist das, was an den Menschen herantritt durch mephistophelischen Einfluß dasselbe wie das, was an den Menschen herantrat durch luziferischen Einfluß? Die Frage müssen wir uns heute vorlegen.

Wir wissen ja, wann Luzifer an den Menschen herantrat. Wir haben die Entwickelung des Menschen verfolgt auf der Erde durch die Zeit hindurch, in welcher die Sonne mit ihren Wesenheiten sich losgetrennt hat von der Erde und in welcher dann der Mond sich losgetrennt hat von der Erde mit denjenigen Kräften, die es dem Menschen unmöglich gemacht hätten, weiterzukommen. Und wir haben gesehen, daß in einer Zeit, in der der Mensch noch nicht reif war, an seinen astralischen Leib die Selbständigkeit herantreten zu lassen, Luzifer mit seinen Scharen an den Menschen herangetreten ist und dadurch ein Zweifaches an den Menschen herankam. Es war gegen das Ende der lemurischen Zeit, da der Mensch tatsächlich in seinem astralischen Leibe den Einflüssen, die von Luzifer herkamen, ausgesetzt war. Wenn Luzifer nicht an den Menschen herangetreten wäre, so wäre der Mensch bewahrt geblieben vor gewissen Schäden, aber er wäre auch nicht zu dem gekommen, was wir zu den höchsten Gütern der Menschheit zählen müssen.

Wir können uns nun klarmachen, was der Einfluß des Luzifer für eine Bedeutung hat, wenn wir uns fragen, was geschehen wäre, wenn es seit der lemurischen Zeit keinen luziferischen Einfluß gegeben hätte, wenn der Mensch sich so entwickelt hätte, daß Luzifer und die Wesen, die zu ihm gehören, von dem Menschen ferngeblieben wären. Dann hätte sich der Mensch so entwickelt, daß er bis in die Mitte der atlantischen Zeit hinein ein Wesen geblieben wäre, das in allen Impulsen des astralischen Leibes, in allen Motiven des astralischen Leibes gefolgt wäre den Einflüssen gewisser über den Menschen stehender geistiger Wesenheiten, welche durch ihren Einfluß den Menschen geführt hätten bis in die Mitte der atlantischen Zeit hinein. Da würde der Mensch viel, viel später erst sein Wahrnehmungsvermögen, sein Erkenntnisvermögen auf die sinnliche Welt gerichtet haben, so daß den Menschen in der lemurischen Zeit und ersten atlantischen Zeit aus den Sinneswahrnehmungen heraus keine Leidenschaften, keine Begierden erwachsen wären und der Mensch sozusagen unschuldig der Sinneswelt gegenübergestanden hätte und in alledem, was er getan hätte, gefolgt wäre den ihm eingepflanzten Impulsen höherer geistiger Wesenheiten. Es wäre nicht ein Instinkt gewesen, wie der Instinkt der heutigen höheren Tiere, unter dem der Mensch alles unternommen hätte, sondern ein vergeistigter Instinkt. Zu jeder Tat, die er auf der Erde getan hätte, hätten ihn nicht gereizt die bloßen sinnlichen Impulse, sondern etwas geistig Instinktives. So aber ist der Mensch unter dem Einflüsse Luzifers früher dazu gekommen, daß er sagte: Dies macht mir Freude, dies zieht mich an, dies stößt mich ab! - Er ist dazu gekommen, früher als sonst seinen eigenen Impulsen zu folgen, ein selbständiges Wesen zu werden, eine gewisse Freiheit in sich zu entwickeln. Eine gewisse Loslösung von der geistigen Welt trat dadurch für den Menschen ein. Man könnte sagen, wenn man sich klar ausdrücken wollte: Ohne diesen Einfluß Luzifers wäre der Mensch ein vergeistigtes Tier geblieben, ein Tier, das sich an Gestalt allmählich entwickelt hätte, sogar in edlerer und schönerer Form, als der Mensch unter dem Einflüsse Luzifers sich entwickelt hat. Der Mensch wäre viel engelhafter geblieben, wenn dieser Einfluß Luzifers in der lemurischen Zeit nicht eingetreten wäre. Aber auf der anderen Seite wäre er von den höheren Wesenheiten wie an einem Gängelbande geleitet worden. In der Mitte der atlantischen Zeit wäre wie mit einem Schlage etwas an den Menschen herangetreten: seine Augen wären voll geöffnet worden, und er hätte um sich gehabt den Teppich der gesamten physisch-sinnlichen Welt; aber er hätte ihn so um sich gesehen, daß er hinter jedem physischen Dinge sogleich ein Göttlich-Geistiges wahrgenommen haben würde, eine Welt göttlich-geistiger Untergründe. Während also der Mensch bis dahin, wenn er rückwärts geschaut hätte in seiner Abhängigkeit in den göttlichen Schoß, aus dem er hervorgegangen war, erblickt hätte die auf ihn einwirkenden, die in seine Seele hineinscheinenden Licht-Gottheiten, die ihn lenken und führen, so würde dann eingetreten sein für den Menschen - es ist das nicht etwa bloß ein Bild, sondern es entspricht das im höheren Grade der Wirklichkeit - das, daß vor ihm ausgebreitet worden wäre die volle deutlich erkennbare Sinneswelt. Aber diese Sinneswelt hätte sich dargestellt wie ein Durchsichtiges, hinter dem erschienen wären die anderen göttlich-geistigen Wesenheiten, die an die Stelle dessen getreten wären, was der Mensch hinter sich verloren hätte. Eine geistige Welt hätte sich hinter ihm zugeschlossen, eine neue geistige Welt hätte sich vor ihm eröffnet. Der Mensch wäre ein Kind in der Hand höherer, geistig-göttlicher Wesenheiten geblieben. Die Selbständigkeit hätte sich nicht in die menschliche Seele hineingesenkt. So ist es eben nicht gekommen, sondern es hat sich erst Luzifer herangemacht an den Menschen, und Luzifer hat sozusagen einen Teil der hinter dem Menschen stehenden geistigen Welt für diesen Menschen unsichtbar gemacht. Denn indem im menschlichen Astralleibe die eigenen Leidenschaften, Instinkte und Begierden auftraten, verfinsterten diese die hinter dem Menschen stehenden, sonst immer sichtbar gebliebenen geistigen Wesenheiten derjenigen Welt, aus der der Mensch herausgeboren ist. Daher war es auch so, daß in jenen großen Orakelstätten, von denen ich das letzte Mal gesprochen habe, die uralten atlantischen Eingeweihten gerade darauf sich vorbereitet hatten, denjenigen Teil der geistigen Welt zu sehen, der durch den Einfluß Luzifers verdeckt worden war. Alle Vorbereitungen der Hüter und Schüler der uralten Orakel der atlantischen Mysterien zielten darauf hin, hineinzusehen in diese lichte geistige Welt, die durch den luziferischen Einfluß auf den menschlichen astralischen Leib sich dem Menschen entzogen hatte. Und da kamen sie auch zum Vorschein, jene Gestalten, die der Mensch beobachtet in den verschiedenen Seelenzuständen, die der Einweihung parallel laufen, die aus einer Lichtwelt in die unsere hineinspielen und die sich dann kleiden in das Kleid, das ihnen die astralische Welt geben kann. Da sah der atlantische Eingeweihte in den alten Orakeln im Geiste jene Gestalten, die ihm mit Recht höhere geistige Wesenheiten waren, die nicht heruntergestiegen waren bis zur physischen Welt und die daher, als der Mensch verfrüht die physische Welt betreten hat, unsichtbar geblieben sind für den gewöhnlichen Blick. Aber es konnte nicht anders sein, als daß auch Luzifer selber, da er sozusagen ein Gegner dieser Lichtwelten war, auch für die Eingeweihten sichtbar wurde.

Die Scharen des Luzifer waren überhaupt sichtbar für die atlantischen Menschen, die in ihrem dämmerhaften Hellseherbewußtsein - in Schlafzuständen und in den Zwischenzuständen zwischen Schlaf und Wachen - sich hineinleben konnten in die höhere geistige Welt. Wenn ein Teil der Lichtwelt für diese Menschen zugänglich wurde, so wurde auch ein Teil der gegen die Lichtwelt gerichteten Welt sichtbar; nicht Luzifer selbst, aber die Genossen Luzifers wurden sichtbar. Und so entzückend und großartig die hehren Gestalten der Lichtwelt erschienen in ihren astralischen Farben, so furchtbar und entsetzlich erschienen die Gestalten, die der entgegengesetzten, der verführerischen Welt angehörten.

So können wir sagen: es gab innerhalb der Menschheitsentwickelung diesen Einfluß Luzifers, dem der Mensch die Möglichkeit des Irrtums, des Bösen verdankt, dem er aber auch seine Freiheit verdankt. Wäre dieser luziferische Einfluß nicht gekommen, so wäre das, was ich eben vor Ihnen besprochen habe, in der Mitte der atlantischen Zeit eingetreten: der Teppich der Sinneswelt hätte sich ausgebreitet vor dem Menschen, die Mineralien, die Pflanzenwelt, die Welt der Tiere wären sinnlich sichtbar geworden; die Welt der Naturerscheinungen, Blitz und Donner, Wolken und Luft, die Himmelserscheinungen wären dem äußeren Auge vollständig sichtbar geworden. Aber dahinter wären unverkennbar gestanden die göttlich-geistigen Wesenheiten, die auf den Menschen eindringen sollten. Weil vorher der Einfluß Luzifers gewirkt hatte, weil vorher der Mensch in seinem astralischen Leibe diesen Einfluß aufgenommen hatte, deshalb hatte er seit der lemurischen Zeit bis in die atlantische Zeit hinein seinen physischen Leib, der dazumal noch verwandlungsfähig war, so zubereitet, daß dieser physische Leib jetzt das Instrument werden konnte unmittelbar für den Teppich der sinnlich-physischen Welt, der sich hätte so ausbreiten sollen, daß hinter ihm die geistige Welt sichtbar geworden wäre. Und so konnte denn der Mensch die physischsinnliche Welt nicht sogleich in der Gestalt sehen, in der sie sich ihm zugleich als eine geistige gezeigt hätte. Da trat an den Menschen heran die Welt der drei Naturreiche, die unter dem Menschen standen. Sie trat heran, die physische Welt, als eine solche, die wie ein Schleier, wie eine dicke Decke unter Umständen sich hinüberlegte über die geistige Welt. So konnte der Mensch nicht durchschauen bis in die geistige Welt; er kann es ja bis heute im Grunde genommen noch nicht.

Dadurch aber, daß der Mensch diese Entwickelung durchgemacht hatte, konnte in der Mitte der atlantischen Zeit ein anderer Einfluß sich geltend machen, ein Einfluß von einer ganz anderen Seite. Und diesen Einfluß, der sich nunmehr geltend machte, dürfen wir nicht verwechseln mit dem Einfluß Luzifers und seiner Genossen. Wenn auch Luzifer den Menschen erst fähig gemacht hat, diesem anderen Einflüsse zu unterliegen, wenn auch Luzifer erst den Menschen dazu gebracht hat, daß sein physischer Leib dichter geworden ist, als er sonst geworden wäre, so mußte doch noch ein anderer Einfluß an den Menschen herantreten, um den Menschen der physisch-sinnlichen Welt ganz zuzuführen, um die Welt der geistigen Wesenheiten vor dem Menschen ganz zuzusperren, ganz zuzuschließen, so daß der Mensch zu der Illusion geführt wurde: Es gibt keine andere Welt als die Welt des physisch-sinnlichen Daseins, die sich vor mir ausbreitet! Es trat ein ganz anderer Gegner seit der Mitte der atlantischen Zeit an den Menschen heran, als Luzifer es ist, derjenige Gegner, der sozusagen des Menschen Wahrnehmungsvermögen und Erkenntnisvermögen so umnebelt und umdunkelt, daß der Mensch nicht die Anstrengung macht, nicht die Triebe entwickelt, hinter die Geheimnisse der Sinneswelt zu kommen. Wenn Sie sich vorstellen, daß unter Luzifers Einfluß die Sinneswelt wie ein Schleier geworden wäre, so daß man dann durchaus die geistige Welt dahinter gehabt hätte, so ist durch den Einfluß dieses zweiten Wesens die physische Welt völlig zu einer dicken Rinde geworden, welche sich zuschließt vor der geistigen Welt, so daß wiederum nur die atlantischen Eingeweihten durch ihre Vorbereitungen dazu kommen konnten, diese Decke des Physisch-Sinnlichen zu durchdringen. Diejenigen Mächte, die sich da an den Menschen heranmachten, um ihm den Ausblick in die andere Seite des göttlichen Daseins zu verfinstern, treten uns zuerst entgegen in den großen Lehren, welche der bedeutungsvolle Führer des uralt persischen Volkes seinen Anhängern und Bekennern gegeben hat, bei Zarathustra. Zarathustra war es, der ja die Mission hatte, einem Volke die Kultur zu geben, das nicht wie das altindische Volk durch seine Naturanlage die Sehnsucht hatte nach der geistigen Welt zurück, sondern Zarathustra hatte die Mission, einem Volke eine Kultur zu geben, dessen Blick auf die Sinneswelt gerichtet war, auf die Eroberung der physisch-sinnlichen Welt mit den Kulturmitteln, die eben nur durch die Anstrengungen des äußeren sinnlich-physischen Menschen hergestellt werden können. Daher trat innerhalb der uralt persischen Kultur weniger der luziferische Einfluß an den Menschen heran als gerade der Einfluß derjenigen Gestalt, die seit der Mitte der atlantischen Zeit an den Menschen herangetreten ist und bewirkt hat, daß dazumal ein großer Teil der Eingeweihten der schwarzen Magie verfallen ist, weil sie durch die Verführung dieses Versuchers dazu gebracht wurden, dasjenige, was ihnen aus der geistigen Welt zugänglich geworden war, zu dem Dienst der physisch-sinnlichen Welt zu mißbrauchen. Jener gewaltige Einfluß schwarzmagischer Kräfte, der zum schließlichen Untergang von Atlantis geführt hat, hat seinen Ursprung in den Versuchungen derjenigen Gestalt, die Zarathustra seinem Volke lehren mußte, als die Gestalt, die dem hellen Lichtgotte entgegenwirkt als Ahriman, Angra mainju, im Gegensatz zu dem Lichtgotte, den Zarathustra als die Große Aura, als Ahura Mazdao verkündete.

Diese zwei Gestalten, Luzifer und Ahriman, müssen wir wohl voneinander unterscheiden. Denn Luzifer ist eine Wesenheit, die sich abgezweigt hat von der Schar geistig-himmlischer Wesenheiten nach der Sonnentrennung, während Ahriman eine Gestalt ist, die sich bereits vor der Sonnentrennung losgelöst hat und ganz andere Mächte in sich vereinigt. Dadurch, daß Luzifer in der lemurischen Zeit auf den Menschen gewirkt hat, wurde dem Menschen nichts anderes verdorben als der Einfluß, den der Mensch noch in der atlantischen Zeit gehabt hat, indem er auf die Luft- und Wasserkräfte wirken konnte. Sie wissen aus meinem Buche «Akasha-Chronik», daß die Menschen in der atlantischen Zeit noch über die Samenkräfte, die in den pflanzlichen und tierischen Naturen sind, verfügten und sie so herausziehen konnten, wie der heutige Mensch aus der Steinkohle die Kräfte herauszieht, die er als Dampf kraft zum Treiben seiner Maschinen verwendet. Und ich habe Ihnen gesagt, wenn diese Kräfte extrahiert werden, herausgezogen werden, dann stehen sie in einem geheimnisvollen Zusammenhange zu den Naturkräften in Wind und Wetter und so weiter; und wenn sie der Mensch verwendet in einer den göttlichen Absichten entgegenstehenden Absicht, dann werden diese Naturkräfte heraufgezogen gegen den Menschen.

Dadurch kam die atlantische Überflutung und diejenigen verheerenden Naturgewalten, die dann den Untergang des ganzen atlantischen Kontinentes bewirkten. Aber der Mensch hat vorher schon nicht mehr eine Verfügung gehabt über die Kräfte des Feuers und der Verbindung dieser Kräfte mit gewissen geheimen Kräften der Erde. Feuer und Erde in einem gewissen Zusammenwirken wurden schon früher eigentlich dem Menschen entzogen. Jetzt aber, durch den Einfluß Ahrimans und seiner Genossen, kam in einer gewissen Weise der Mensch wiederum, und zwar jetzt in verderbenbringender Weise zur Macht über Feuer- und Erdenkräfte. Und manches, was Sie hören über die Verwendung des Feuers im alten Persien, hängt mit dem zusammen, was ich Ihnen jetzt sage: Manche Kräfte, die getrieben werden als schwarze Magie und die damit zusammenhängen und dazu führen, daß der Mensch sich noch über ganz andere Kräfte hermacht und da einen Einfluß gewinnt über Feuer und Erde, können gewaltige, verheerende Wirkungen wachrufen. Schwarze Magie hätte von den Nachkommen der Atlantier selbst noch im alten Persien getrieben werden können, wenn nicht durch die Lehre des Zarathustra darauf hingewiesen worden wäre, wie Ahriman als feindliche Macht auf die Menschen so wirkt, daß er sie umstrickt, sie verdüstert gegenüber dem, was hinter der Sinneswelt als wirkliche geistige Gewalt hervorkommen soll. So sehen wir, daß ein großer Teil der nachatlantischen Kultur - das ging von Zarathustra und seinen Anhängern aus - dadurch beeinflußt wurde, daß dem Menschen klargemacht wurde auf der einen Seite die Wirkung des hehren Lichtgottes, dem sich der Mensch zuwenden kann, und auf der anderen Seite die verderbliche Macht des Ahriman und seiner Genossen.

Dieser Ahriman wirkt durch die mannigfaltigsten Mittel und Wege auf den Menschen ein. Ich habe Sie darauf aufmerksam machen können, daß es ein großer Moment war für die Entwickelung der Welt, als das Ereignis von Golgatha eintrat. Da erschien der Christus in der Welt, die der Mensch nach dem Tode betritt. In dieser Welt war der Einfluß des Ahriman noch viel stärker, als er in der Welt war, die hier auf der Erde zwischen Geburt und Tod zu sehen ist. Gerade in der Welt zwischen dem Tode und der neuen Geburt wirkten mit einer furchtbaren Gewalt und Macht die Einflüsse des Ahriman auf den Menschen. Und wenn nichts anderes eingetreten wäre, so wäre der Mensch zwischen dem Tode und der neuen Geburt in dem Schattenreiche - wie es mit Recht der alte Grieche empfunden hat - allmählich verfinstert worden. Eine unendliche Vereinsamung und Zurückführung auf die menschliche Egoität wäre eingetreten in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Und der Mensch würde bei der Wiederverkörperung so in sein Leben hineingeboren werden, daß er zu einem krassen, zu einem furchtbaren Egoisten geworden wäre. So ist es daher mehr als eine bloß bildliche Redeweise, daß nach dem Ereignis von Golgatha, in dem Moment, als auf Golgatha das Blut aus den Wunden rann, der Christus in der jenseitigen Welt, in dem Schattenreiche erschien und Ahriman in Fesseln legte. Wenn auch der Einfluß Ahrimans blieb, und im Grunde auf ihn alle materialistische Denkweise der Menschen zurückzuführen ist, wenn auch dieser Einfluß nur dadurch paralysiert werden kann, daß die Menschen das Ereignis von Golgatha in sich aufnehmen, so ist doch dieses Ereignis das geworden, aus dem die Menschen Kraft saugen, um dadurch wieder hineinzukommen in die geistig-göttliche Welt.

So stieg vor dem Blick der menschlichen Erkenntnis zuerst Ahriman auf. So wurde er etwas, was man ahnte, wovon man etwas wußte durch den Einfluß der Zarathustra-Kultur; und von da aus verbreitete sich die Erkenntnis des Ahriman über die anderen Völker hin und über ihre Kulturvorstellungen. Unter den mannigfaltigsten Namen tritt Ahriman mit seinen Scharen bei den verschiedenen Kulturvölkern auf. Und durch die eigenartigen Verhältnisse, in denen die Seelen der europäischen Völker waren, die am weitesten zurück geblieben waren auf den Zügen von Westen nach Osten, die am meisten unberührt geblieben waren von dem, was im alten Indien, im alten Persien, in Ägypten, selbst in der griechisch-lateinischen Periode vor sich gegangen war, bei diesen Völkern Europas, unter denen die fünfte Kulturperiode aufleben sollte, da waren Seelenverfassungen vorhanden, daß ihnen besonders die Gestalt des Ahriman als eine furchtbare erschien. Und während diese die verschiedensten Namen angenommen hat - beim hebräischen Volke Mephistopheles genannt wurde -, wurde sie in der europäischen Welt zu der Gestalt des Teufels in seinen verschiedenen Formen.

So sehen wir, wie wir in einen tiefen Zusammenhang der geistigen Welten hineinblicken, und manches Mal, wenn jemand hoch erhaben sich fühlt über den mittelalterlichen Aberglauben, wird man sich wohl auch erinnern an den Ausspruch unseres Faust-Dichters: «Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte!»

Gerade dadurch, daß der Mensch seine geistigen Augen vor diesem Einfluß verschließt, dadurch verfällt er diesem Einflüsse am allermeisten. Der Goethesche Mephistopheles ist nichts anderes als die Gestalt des Ahriman, und wir dürfen sie nicht verwechseln mit der Gestalt des Luzifer. Alle diejenigen Irrtümer, die uns zuweilen in der Erklärung der Goetheschen Faust-Dichtung entgegentreten, sind gerade auf diese Verwechslung zurückzuführen, obwohl natürlich Luzifer erst den Einfluß des Ahriman möglich gemacht hat und man daher, wenn man auf Ahriman sieht, auf einen Ureinfluß Luzifers zurückgeführt wird, der erst vor unsere Seele treten konnte, nachdem wir lange Vorbereitungen dazu gemacht haben, um diesen intimeren Zusammenhang zu erkennen.

Man darf diesen feineren Unterschied nicht übersehen, denn es handelt sich vor allen Dingen darum, daß Luzifer den Menschen im Grunde genommen nur unter den Einfluß derjenigen Gewalten gebracht hat, die mit den Wind- und Wassergewalten zusammenhängen. Dagegen war es Ahriman-Mephistopheles, der den Menschen unter Gewalten gebracht hat, die viel, viel furchtbarer sind, und es wird in den nächsten Kulturen mancherlei auftreten, was man in Zusammenhang zu bringen hat mit dem Einflüsse des Ahriman. Für den okkult Strebenden, der nicht auf festem und sicherem Grunde strebt, kann sehr leicht gerade durch den ahrimanischen Einfluß die furchtbarste Illusion, die furchtbarste Täuschung eintreten. Denn in der Tat ist Ahriman ein Geist, der darauf ausgeht, über die wahre Natur der Sinneswelt zu täuschen, zu täuschen nämlich darin, daß sie ein Ausdruck ist der geistigen Welt. Wenn der Mensch nun Veranlagung hat zu abnormen Zuständen, zu somnambulen Zuständen oder durch eine gewisse unrichtige Schulung okkulte Kräfte in sich erweckt und irgend etwas in sich hat, was zur Egoität, zum Egoismus hindrängt, dann hat gerade auf die okkulten Kräfte Ahriman oder Mephistopheles leicht einen Einfluß, einen Einfluß, der leicht ein gewaltiger werden kann. Während Luzifers Einfluß nur dahin gehen kann, daß dasjenige, was sozusagen aus der geistigen Welt - auch bei dem in unrichtiger Schulung sich Befindenden - dem Menschen begegnet, als astralische Gestalt entgegentritt, als eine Gestalt, die für den astralischen Leib sichtbar wird, treten diejenigen Gebilde, die auf den Einfluß Ahrimans zurückzuführen sind, dadurch zutage, daß die schlechten Einflüsse, die auf den physischen Leib ausgeübt werden, sich durchdrücken in den Ätherleib und dann als Phantome sichtbar werden.

Wir haben es also bei dem Einflüsse Ahrimans mit noch viel, viel niedrigeren Mächten zu tun als bei dem Einflüsse Luzifers. Niemals können die Einflüsse Luzifers so schlimm werden wie die Einflüsse Ahrimans und jener Wesenheiten, die mit den Feuermächten zusammenhängen. Ahrimans oder Mephistopheles' Einfluß kann es dahin bringen, daß der Mensch, um okkulte Erkenntnisse zu erlangen, dazu geführt wird, sagen wir zum Beispiel Verrichtungen vorzunehmen mit seinem physischen Leibe. Es ist das schlimmste Mittel, das angewendet werden kann, um zu okkulten Kräften zu kommen, das in Verrichtungen und im Mißbrauch des physischen Leibes besteht. In gewissen schwarzmagischen Schulen werden in der Tat solche Verrichtungen in dem ausgiebigsten Maße gelehrt. Es gehört zu den furchtbarsten Verführungen des Menschen, wenn der Ausgangspunkt für okkulte Schulung von den physischen Leibeskräften aus genommen wird.

Es kann hier darauf nicht einmal näher hingewiesen werden, sondern nur darauf, daß alle Machinationen, die irgendwie in einem Mißbrauch der physischen Leibeskräfte bestehen, von den Einflüssen herrühren, die von Ahriman herkommen, und es, weil sich das in des Menschen Ätherleib hineindrängt, wie ein Phantom wirkt, aber wie eine Phantomenwelt, die nichts anderes ist als das Kleid von Mächten, die den Menschen unter das Niveau des Menschen herunterziehen. Fast alle alten Kulturen, die indische, die persische, die ägyptische Kultur, die griechisch-lateinische Kultur haben ihre Dekadenzzeit durchgemacht, in der sie verfallen sind, in der auch die Mysterien verfallen sind, in der man nicht mehr die reinen Überlieferungen der Mysterien bewahrte. In diesen Zeiten sind viele von denen, die entweder Schüler der Eingeweihten waren und doch sich nicht auf ihrer Höhe haben halten können, oder solche Menschen, denen die Geheimnisse auf unrechtmäßige Weise verraten worden waren, nun auf verkehrte und schlechte Wege gekommen. Stätten schwarzmagischer Kräfte gingen von diesen Einflüssen aus und haben sich erhalten bis in unsere Zeit hinein.

Ahriman ist ein Geist der Lüge, der dem Menschen Illusionen vorzaubert, der mit seinen Genossen allerdings in einer geistigen Welt wirkt. Nicht er ist ein Trugbild, o nein! Aber das, was sich unter seinem Einflüsse vor des Menschen geistiges Auge gaukelt, das ist ein Trugbild. Wenn des Menschen Wünsche, wenn des Menschen Leidenschaften schlimme Wege gehen und er sich gleichzeitig irgendwie an okkulte Kräfte hingibt, dann drängen sich die okkulten Kräfte, die dadurch herauskommen, in den Ätherleib hinein, und es erscheinen unter den Trugbildern, die manchmal ganz ehrwürdige Gestalten sein können, die verderblichsten, die schlimmsten Mächte. So furchtbar ist der Einfluß des Ahriman auf den Menschen.

Aus dem, was gesagt worden ist, können Sie entnehmen, daß sozusagen gerade durch die Erscheinung des Christus, wenn wir den Ausdruck gebrauchen wollen, Ahriman in Fesseln gelegt worden ist, allerdings nur für diejenigen, die immer mehr versuchen, das Christus-Mysterium zu durchdringen. Und immer weniger wird der Schutz in der Welt sein gegen den Einfluß Ahrimans außerhalb der Kräfte, die von dem Christus-Mysterium ausströmen. In gewisser Weise geht unsere Zeit - und viele Erscheinungen künden das - diesen Einflüssen Ahrimans entgegen. Gewisse Geheimlehren nennen die Scharen des Ahriman auch die Asuras. Es sind natürlich die schlechten Asuras, die aus der Entwickelungsbahn der Asuras, die dem Menschen die Persönlichkeit gegeben haben, in einer gewissen Zeit herausgefallen sind. Darauf ist ja schon hingedeutet, daß es sich um geistige Wesenheiten handelt, die vor der Sonnentrennung sich von der gesamten Entwickelung der Erde abgesondert haben.

Es ist jetzt nur zunächst geschildert worden der furchtbare Einfluß, den auf eine gewisse abnorme Entwickelung, die in okkulten Bahnen gehen kann, Ahriman haben kann. Aber in gewisser Beziehung hat sich ja die ganze Menschheit in der zweiten Hälfte der atlantischen Zeit sozusagen unter den Einfluß Ahrimans begeben. Die ganze nachatlantische Zeit hat in einer gewissen Weise die Nachwirkungen des Einflusses Ahrimans in sich, auf dem einen Gebiete der Erde mehr, auf dem anderen weniger. Aber der Einfluß Ahrimans hat sich überall geltend gemacht, und alles, was in den Lehren der alten Eingeweihten den Völkern gegeben wurde von den dem Ahriman entgegenstehenden Lichtgeistern, das ist im Grunde genommen nur gegeben worden, um allmählich sich dem Einflüsse Ahrimans zu entziehen. Das war eine vorbereitende, gut geführte, weise Erziehung der Menschheit.“ (Lit.:GA 107, S. 161ff)

Die Begegnung mit Mephistopheles wird immer mehr zu einem typischen Erlebnis unseres Zeitalters werden, so wie die Begegnung mit den durch die Sphinx symbolisierten luziferschen Mächten charakteristisch für die griechisch-lateinische Zeit war.

„Und in der Ödipus-Sage sehen wir, wie der Mensch der Sphinx gegenübersteht, wie die Sphinx sich an ihn kettet, zur Fragepeinigerin wird. Der Mensch und die Sphinx, oder wir können auch sagen, der Mensch und das Luziferische im Weltall sollten gleichsam als ein Grunderlebnis der vierten nachatlantischen Kulturperiode so hingestellt werden, daß, wenn der Mensch sein äußeres normales Leben auf dem physischen Plan nur ein wenig durchbricht, er mit der Sphinxnatur in Berührung kommt. Da tritt Luzifer in seinem Leben an ihn heran, und er muß mit Luzifer, mit der Sphinx fertig werden.

Anders ist das Grunderlebnis des fünften nachatlantischen Kulturzeitraumes, unseres Zeitraumes. Für unseren Zeitraum ist das besonders vorbereitet, daß der Ätherleib nicht aufgeplustert, nicht ausgedehnt, sondern zusammengezogen ist, daß er nicht zu groß, sondern eher zu klein ist, und das wird immer starker und stärker werden, je weiter die Evolution fortgeht. Wenn wir sagen können: Die normale Gestalt des

Zeichnung aus GA 158, S. 103

Menschen beim Griechen ist so, daß der Ätherleib zu groß ist —, so können wir sagen: Beim modernen Menschen ist es so, daß der Ätherleib sich zusammenschnürt, sich zusammenzieht, zu klein wird. - Je weiter der Mensch kommen wird in der materialistischen Verachtung des Spirituellen, desto mehr wird sich dieser Ätherleib zusammenziehen und austrocknen. Da aber die Durchorganisierung des physischen Leibes davon abhängt, daß der Ätherleib ihn ganz richtig durchdringt, so wird für den physischen Leib immer eine Tendenz auftreten*, wenn der Ätherleib zu sehr zusammengedrängt ist, daß der physische Leib auch auszutrocknen beginnt. Und wenn er ganz besonders stark austrocknen würde, so würde er statt der natürlichen Menschenfüße hornartige Füße bekommen. Der Mensch wird sie ja nicht bekommen, aber die Tendenz dazu liegt in ihm, und sie ist begründet in dieser Tendenz des Ätherleibes, auszutrocknen, zu wenig Ätherkraft zu entwickeln. In diesen vertrockneten Ätherleib kann sich nun besonders Ahriman hineinleben, wie Luzifer in den erweiterten Ätherleib. Ahriman wird die Gestalt annehmen, die auf eine Ärmlichkeit des Ätherleibes hinweist. Er wird zu wenig Ätherkraft entwickeln, um richtig organisierte Füße zu haben, und die erwähnten hornartigen Füße - Bocksfüße - ausbilden.

Mephistopheles ist ja Ahriman; er hat die Bocksfüße nicht umsonst, er hat die Bocksfüße aus diesem Grunde, den ich angedeutet habe. Die Mythen und Sagen sind eben sehr bedeutungsvoll; deshalb erscheint Mephistopheles sehr oft mit Pferdefüßen, wo also die Füße zu Hufen vertrocknet sind. Wenn Goethe das Problem des Mephisto schon vollständig durchdrungen hätte, so hätte er nicht seinen Mephisto wie einen modernen Kavalier auftreten lassen, denn es gehört schon einmal zum Wesen des Ahriman-Mephisto, nicht so viel Ätherkraft zu haben, daß er die menschliche physische Gestalt vollständig durchorganisieren kann.

Aber noch eine Eigentümlichkeit ist dadurch hervorgerufen, daß der Ätherleib gleichsam zusammengezogen ist, ärmer ist an Ätherkräften, als es im Normalen der Fall ist. Diese Eigentümlichkeit wird uns am klarsten, wenn wir einen Blick auf die gesamte menschliche Natur werfen. Wir sind in gewisser Beziehung schon physisch eine Zweiheit. Denken Sie doch, wenn Sie so dastehen, sind Sie eben der physische Mensch. Aber zu dem physischen Menschen gehört es, daß die Atemluft immerfort in ihm darinnen ist. Diese Atemluft jedoch ist bei dem nächsten Ausatmen schon wieder nach außen befördert, so daß der Atemluftmensch, der Sie durchdringt, fortwährend wechselt. Sie sind nicht bloß das, was aus Muskeln und Knochen besteht, der Fleisch- und Knochenmensch, sondern Sie sind auch der Atemmensch. Der aber wechselt fortwährend, geht hin und her, aus und ein. Und der Atemmensch ist es, der wieder im Zusammenhang steht mit dem immerfort zirkulierenden Blute.

Wie getrennt von diesem ganzen Atmungsmenschen liegt in Ihnen der Nervenmensch, der andere Pol, in dem das Nervenfluidum zirkuliert, und es ist nur eine Art äußere Berührung, ein äußeres Zusammenkommen zwischen dem Nervenmenschen und dem Blutmenschen. So wie nur diejenigen Ätherkräfte, die nach dem Luziferischen hin tendieren, durch das Atmen leicht an das Blutsystem herankommen können, so können die Ätherkräfte, welche nach dem Mephistophelischen oder Ahrimanischen hin tendieren, nur an das Nervensystem herankommen, aber nicht an das Blutsystem. Ahriman ist es versagt, in das Blut unterzutauchen; er kann fortwährend in den Nerven leben, bis zum Vertrocknen, zur Nüchternheit leben, weil er nicht an die Wärme des Blutes heran kann. Will er aber eine Beziehung zur Menschennatur hin entwickeln, dann wird er lechzen müssen nach einem Tröpfchen Blut, weil er so schwer herankommen kann an das Blut. Ein Abgrund liegt zwischen Mephistopheles und dem Blute. Will er an den Menschen herankommen, an das, was im Menschen lebt, will er mit dem Menschen in Verbindung treten, dann wird er gewahr, daß das Menschliche in dem Blute lebt. Er muß nach dem Blute trachten.

Sehen Sie, damit hängt zusammen die Weisheit der Mephistopheles-Sage, daß die Verschreibung mit Blut geschieht. Faust muß sich dem Mephisto durch das Blut verschreiben, weil dieser nach dem Blute lechzen muß, weil er abgetrennt ist vom Blute. Geradeso wie der griechische Mensch der Sphinx gegenüberstand, die im Atmungssystem lebt, so steht der Mensch des fünften nachatlantischen Kulturzeitraumes dem Mephistopheles gegenüber, der im Nervenprozesse lebt, der kalt und nüchtern ist, weil er an Blutleere leidet, weil die Wärme des Blutes ihm fehlt. Und dadurch wird er zum Spötter, zum nüchternen Begleiter des Menschen.

Wie Ödipus mit der Sphinx, so hat der Mensch der fünften nachatlantischen Kulturepoche mit Mephistopheles fertigzu werden. Er steht diesem Mephistopheles wie einem zweiten Wesen gegenüber. Der Grieche stand der Sphinx durch den energisch gewordenen Blut- und Atmungsprozeß gegenüber; ihm stand gegenüber, was mit der energischeren Atmung in seine Natur hineinkam. Der moderne Mensch steht mit allem, was aus seinem Verstände, seiner Nüchternheit drängt, dem gegenüber, was an den Nervenprozeß gebannt ist. Prophetisch konnte dieses Gegenüberstehen des Menschen dem Mephistophelischen, ich möchte sagen, dichterisch vorausgeahnt werden. Aber es wird immer mehr und mehr heraufziehen als ein Grunderlebnis, je weiter wir in der Evolution des fünften nachatlantischen Zeitraumes kommen. Und das, wovon ich erzählt habe, daß es im kindlichen Erlebnisse auftreten wird, wird dieses mephistophelische Erlebnis sein.“ (Lit.:GA 158, S. 102ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107 (1988), pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt, GA 158 (1993), ISBN 3-7274-1580-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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