Modellbau in Malsch

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Der Innenraum des Modellbaus in Malsch.

Der Modellbau in Malsch wurde in den Jahren 1908/09 als Vorentwurf eines späteren Goetheanums von dem späteren Waldorflehrer Ernst August Karl Stockmeyer gemeinsam mit seinem Vater, dem Maler Karl Stockmeyer, nach den Ideen Rudolf Steiners in Malsch im Landkreis Karlsruhe errichtet. Steiner charakterisierte den Bau als den ersten Rosenkreuzer-Tempel, der auf der Oberfläche der Erde steht, d.h. nicht unterirdisch angelegt war.

Architektur

Ansicht des Innenraums
aus "Art Inspired by Rudolf Steiner: An Illustrated Introduction" by John Fletcher

Die Anregung für den Modellbau fand E. A. K. Stockmeyer durch den Münchner Kongress der theosophischen Gesellschaft im Jahre 1907, an dem er noch als Student teilnahm. Der in München angemietete Saal war mit 7 gemalten Säulen ausgestattet worden, zwischen denen die 7 apokalyptischen Siegel angebracht waren. Auf die Frage Stockmeyers, wie ein zu diesen Säulenmotiven gehöriger Bau auszusehen hätte, antwortete ihm Rudolf Steiner, er möge sich einen unterirdischen bzw. als Krypta angelegten Raum mit elliptischem Grundriß vorstellen, der von nur einem Oberlichtfenster erhellt wird. Zwei symmetrisch angeordneten Reihen von je sieben, paarweise gleichen Säulen, sollten die Kuppel in Form eines dreiachsigen Ellipsoids tragen, dessen Längsachse von West nach Ost gerichtet ist. Hinter den Säulen sollte es einen oben durch kleinere elliptische Gewölbe überdeckten Umgang geben.

Der Boden des nach diesen Angaben errichteten Modellbaus ist abgesenkt, so dass ein sitzender Betrachter den Eindruck eines Raumes in realer Größe erhält. Der Innenraum wurde mit 87 cm hohen Planetensäulen aus Eichenholz ausgestattet, die das elliptische Kuppelgewölbe tragen. Der Bau ist so ausgerichtet, dass die Sonne zu Frühlingsbeginn um 9 Uhr morgens die erste nördliche Säule beleuchtet. Die weitere Ausgestaltung des Baus blieb für viele Jahrzehnte unvollendet. Erst in den Jahren 1958 - 1965 wurde der Innenausbau durch den noch von Ernst August Karl Stockmeyer gegründeten Modellbauverein Malsch [1] zu Ende gebracht. Die nun krapprot gefärbte Innenwand des Gebäudes ist mit den 7 Planetensiegeln versehen. Die von den Säulen getragene indigoblaue Kuppel zeigt die 12 Tierkreisbilder.

Grundsteinlegung

Skizze des Modellbaus in Malsch (1909)

Die Grundsteinlegung fand beim Aufgehen des ersten Frühlingsvollmondes in der Nacht vom 5. zum 6. April 1909 statt. Max Gümpel-Seiling berichtet darüber:

«Wir befanden uns im Wohnzimmer des im Walde allein stehenden Hauses der Familie. Es waren etwa 24 Personen[1] anwesend. Rudolf Steiner trat vor den Tisch, hinter dem wir standen, mit der von ihm verfaßten Urkunde. Erst erklärte er das Zeichen des Makrokosmos, das er miteinfachen Linien darauf gezeichnet hatte. Um den aus zwei sich durchkreuzenden Dreiecken gebildeten Sechsstern schlössen sich zwei Drachen, welche sich gegenseitig in den Schwanz bissen. Oben ein weißer, beflügelter Drache, untenhin ein vertrockneter, dunkler. Rechts standen untereinander die Worte: <Oben alles wie unten>, und man las links von unten beginnend nach aufwärts: <Unten alles wie oben>. Dann unterzeichneten wir alle die Urkunde, welche Rudolf Steiner zusammenrollte, um sie dann in einer Flasche unter den Grundstein zu legen. Es war spät am Abend, aber Rudolf Steiner wollte noch den Mond abwarten, bevor wir hinter ihm ins Freie traten, einer Waldschlucht zu, in welcher der kleine, nach oben offene Bau lag. <Liebe Schwestern und Brüder>, begann Rudolf Steiner. Wir standen dicht zusammengedrängt vor ihm, den kleinen Raum erfüllend. Erst sprach er von den Grundsteinlegungen alter Zeiten,wo ein Priester freiwillig sich in den Grund einmauern ließ, dann von dem Sklaven, den die Römer dazu zwangen, und schließlich von dem heutigen Sinne des Grundsteines. Hierauf vollzoger selbst die Grundsteinlegung.» (Lit.: GA 284, S. 112)

Den Inhalt der Worte, die Rudolf Steiner bei der Grundsteinlegung sprach, gibt Hilde Stockmeyer aus dem Gedächtnis so wieder:

"Unter den Ruinen von gar manchen alten Häusern würde man bei Nachgrabungen ein mensch­liches Gerippe finden. Das hat folgende Ursache: Man wußte früher, daß ein Bau inneres Leben enifalten müsse. Doch ist damit ursprünglich das geistige Leben gemeint, das jeden Bau durchströmen muß, wenn er Segen bringen soll. Das hat eine dekadente Zeit äußerlich auf­gefaßt und den Brauch geschaffen, einen Sklaven unter dem Bau lebendig einzumauern. Was wirklich versenkt werden soll mit dem Grundstein, sind die Gefühle und Gedanken und Segenswünsche derer, die den Bau errichten, und derer, die ihn benutzen wollen.

So wollen auch wir den Grundstein dieses Tempels in den Schoß unserer Mutter Erde hineinsenken, angesichts der Strahlen des Vollmondes, die uns bescheinen, inmitten der grünen Pflanzenwelt, die den Bau umsproßt. Und wie der Mond reflektiert das helle Sonnenlicht, so wollen wir widerspiegeln das Licht der geistig-göttlichen Wesen. Wir wollen uns vertrauens­voll hinwenden an unsere große Mutter Erde, die uns liebend trägt und schützt und wollen ihr anvertrauen die Urkunde des Baues ... [Hier folgte die Beschreibung der Urkunde].

Zugleich mit der Urkunde wollen wir unsere Wünsche, unseren Segen herabsenken, wir alle, die wir hier versammelt sind, und uns oft und oft an diesen Augenblick erinnern und an das, was unsere Seelen und Herzen durchglüht hat. Dann werden unsere Gesinnungen fortwirken, fördernd und schützend den Bau dieses Tempels, den Bestand der Loge Malsch. Herabfiehen auf diesen Stein und auf die Loge Malsch wollen wir zugleich den Segen der Meister der Weis­heit und des Zusammenklanges der Empfindungen und den Segen aller hohen und höchsten Wesen, aller geistigen Hierarchien, die mit der Erdenevolution verbunden sind. Wir flehen, daß sie ihre Kraft einströmen lassen in diesen Grundstein und darin fortwirken lassen, damit alles, was über diesem Steine gedacht, gefühlt, gewollt und getan wird, im Einklang mit ihnen und von ihrem Geist durchseelt sei.

Leuchten möge auf diesen Bau
Das Licht der Geister des Ostens
Die Geister des Westens mögen es zurückstrahlen lassen;
Die Geister des Nordens mögen es verfestigen
Und die Geister des Südens es durchwärmen,
So daß die Geister des Ostens, Westens,
Nordens und Südens den Bau durchströmen.

Unter Schmerzen hat unsere Mutter Erde sich verfestigt. Unsere Mission ist es, sie wieder zu vergeistigen, zu erlösen, indem wir sie durch die Kraft unserer Hande umarbeiten zu einem geisterfüllten Kunstwerk. Möge dieser Stein zugleich ein erster Grundstein zur Erlösung und Umwandelung unseres Erdenplaneten sein und möge die Kraft dieses Steines sich vertausend­fältigen.

Als wir noch im Schoße der Gottheit ruhten, umhegt von göttlichen Kräften, da webte in uns der alles durchdringende und umhüllende Vatergeist. Aber noch waren wir unbewußt, nicht im Besitze der Selbständigkeit. Darum stiegen wir in die Materie herab, um hier das Selbstbewußtsein entfalten zu lernen. Da kam das Böse, da kam der Tod. Aber in der Materie wirkte auch der Christus und half uns, den Tod zu besiegen. Und indem wir also in Christo sterben, leben wir. Wir werden überwinden den Tod und durch unsere starke Kraft die Materie vergottlichen, vergeistigen. So wird in uns erwachen die Kraft des helligenden, des heiligen Geistes.

So erklinge als ein Wahrspruch hier an dieser Stelle das Wort:

Ex Deo nascimur,
In Christo morimur,
Per Spiritum sanctum reviviscimus.

Aus Gott bin ich geboren,
In Christo sterbe ich,
Durch den heiligen Geist auferstehe ich.

" (Lit.: GA 284, S. 112)

Modelbau-Verein Malsch

Über den Modellbau-Verein Malsch können Führungen für interessierte Gruppen ab 5 Personen vereinbart werden.

Ansprechpartner

Dieter-Martin Gündert
Tel.: +49 721 685941

Das Stuttgarter Zweiglokal an der Landhausstraße

Im Stuttgarter Zweiglokal an der Landhausstraße wurde im Keller ein ähnlich konzipierter, aber größerer Raum gebaut und ausgemalt, der aber leider zerstört wurde; nur die Säulen sind noch vorhanden.

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Es waren etwa 24 Personen anwesend: Auf Grund der folgenden Eintragungen im Gästebuch und den 5 Mitgliedernder Familie Stockmeyer waren insgesamt 41 Personen anwesend: Dr. Rudolf Steiner, Marie von Sivers, Gertrud von Tschirschky, Harriet von Vacano, Oskar Grosheintz, Alice Sprengel, Max Seiling, Cecile Peipers, Dr. Felix Peipers, Michael Bauer, Juliane Stössinger, M. Hirter Weber, Martha Welsch, Alice Kinkel, Anna Weißmann, Karl Greber, Toni Völker, Wilhelm Kinkel, Marina Greber, Hugo Härder, Friedrich Schwab, Frau A. Haefliger, Frau Marguerite Gos, Wally Allmendinger, Frieda Weiland, Clara Rettich, Emil Molt, Berta Molt, Emil Schilling, Dr. Trifon Trapesnikoff, Georg Klenk, Frau Maria Frentzel, Stuttgart, Helene Weigele, Richard Weigele, Rudolf Hahn, M. Hahn.

Literatur

  1. Erich Zimmer: Der Modellbau von Malsch und das erste Goetheanum. Zum Bauimpuls Rudolf Steiners., Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1979, ISBN 3772506941
  2. Rudolf Steiner: Bilder okkulter Siegel und Säulen. Der Münchner Kongreß Pfingsten 1907 und seine Auswirkungen., GA 284 (1993) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

  1. Der Modellbau Rudolf Steiners in Malsch
  2. Architectural model room designed by Karl Stockmeyer in Malsch, near Karlsruhe