Monotheismus

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Monotheismus (griech. μόνος mónos „allein“ und θεός theós „Gott“) wird die religiöse Verehrung eines einzigen allgegenwärtigen Gottes bezeichnet. Im Gegensatz geht der Polytheismus von einer Vielheit von Göttern aus. Zu den monotheistischen Religionen zählen insbesonders das Judentum, das Christentum und der Islam, aber auch die Religion der Sikh und Bahai und der Zoroastrismus. Die monotheistischen Religionen traten im Laufe der griechisch-römischen Zeit immer mehr in den Vordergrund. Frühe Vorformen des Monotheismus sind aber schon im Alten Ägypten bezeugt, namentlich schon im 14. Jahrhunder v. Chr. unter der Herrschaft von Pharao Echnaton (Amenophis IV.), der Aton zum alleinigen Gott erklärte.

Rudolf Steiner hat darauf hingewiesen, dass der Monotheismus zu einer Zeit entstand, als sich die Menschen im unmittelbaren Erleben nur mehr bis zu der ihr zugehörigen Engelwesenheit erheben konnten, während man zur Zeit des Polytheismus noch die Vielfalt der Erzengelwesenheiten erleben konnte.

"Dann kommt das Zeitalter, in dem die Menschen noch weiter heruntersteigen, das Zeitalter, in dem schon nach und nach das Ich des einzelnen Menschen geboren werden soll. Und wir finden, daß die fortgeschrittensten Nationen verhältnismäßig früh, andere später - die Ägypter zum Beispiel schon im zweiten Jahrtausend, vorderasiatische Völker später - zum Monotheismus übergehen, das heißt beginnen, nicht mehr Erzengel, Archangeloi, sondern Angeloi, jeder seinen Angelos, zu verehren. Sie steigen herunter von dem höheren Polytheismus zu dem niedrigeren Monotheismus. Nach dem, was gestern ausgeführt worden ist, wird Ihnen das nicht mehr fremdartig erscheinen, was ich jetzt sage, und Sie werden einsehen, daß sich die Menschen von dem Hochmut werden kurieren müssen, der die ganze Religionswissenschaft durchtränkt: daß dasjenige, was man gewöhnlich Monotheismus nennt, herabschauen darf auf den Polytheismus als die untergeordnete Religion." (Lit.: GA 172, S. 202)

"Wenn wir ins Auge fassen, daß wir, indem wir den Erzengeln gegenüberstehen, es erst bei den Erzengeln zu tun haben mit Wesenheiten, die menschliche Zusammenhänge regieren, und bei den Zeitgeistern mit Wesenheiten, die menschliche Zusammenhänge über lange Zeiträume hindurch regieren, daß wir es bei den Engeln zu tun haben mit Wesenheiten, die wesentlich das Leben des einzelnen Menschen regieren, dann werden wir nicht verkennen, wenn wir das im Auge behalten, daß es ein verborgener Egoismus ist von den Menschen, unmittelbar zu dem Gotte sich erheben zu wollen, denn sie wollen sich in Wahrheit - obwohl sie das nicht zugeben - nur zu ihrem Gotte, zu ihrem eigenen Engel erheben.

Das hat eine große praktische Bedeutung, das ist von einer großen Wichtigkeit, denn es trägt einen gewissen Keim in sich. Es trägt den Keim in sich, daß die Menschen von dem einen Gotte sprechen, aber daß es nur eine Phantasterei ist, daß sie von dem einen Gotte sprechen. Denn in Wahrheit, indem die Menschen sich dieser Phantasterei hingeben, spricht jeder von seinem eigenen Gotte, nämlich von seinem Engel. Und die Folge davon muß sein, daß im Laufe der Zeit jeder Mensch seinen eigenen Gott, nämlich seinen eigenen Engel verehrt. Und wir sehen schon, wie stark der Drang der Menschen ist, daß jeder seinen eigenen Gott verehrt. Das Zusammenfinden der Menschen in denjenigen Göttern, die allen gemeinsam sind, ist ein sehr geringes geworden in der neueren Zeit. Das Pochen eines jeden auf seinen eigenen Gott hat sich als etwas ganz besonders Hervorstechendes herausgestellt. Das Menschengeschlecht wird atomisiert. Es bleibt gewissermaßen nur das Wort «Gott» noch übrig, das für die Menschen einer Sprache gemeinsam lautet, aber unter diesem einen Worte stellt sich jeder etwas anderes vor, nämlich seinen eigenen Engel. Und er kommt nicht einmal hinauf bis zu dem Erzengel, welcher menschliche Gemeinschaften leitet.

Dem liegt ein gewisser verborgener Egoismus zugrunde, den die Menschen nicht zugeben wollen. Aber es ist etwas Gewichtiges gesagt, wenn wir uns dies vor Augen halten, denn der Mensch lebt eigentlich in einer Unwahrheit, wenn er sich nicht gesteht: ich blicke auf zu meinem Engel - sondern wenn er sich sagt: ich blicke auf zu dem alleinheitlichen Gotte. - Er lebt in einer nebulosen Vorstellung, das heißt, in einer innerlichen Täuschung, in einer innerlichen Maja. Und dies hat wichtige Folgen, denn indem sich der Mensch also dieser innerlichen Täuschung hingibt, tritt etwas ganz Bestimmtes ein. Denn dadurch, daß wir uns phantastischen Vorstellungen hingeben, ändern wir nicht die geistigen Wirklichkeiten, die infolge desjenigen, was wir richtig oder unrichtig vorstellen, wirklich auch eintreffen. Indem der Mensch eigentlich nur zu seinem Engel aufblickt, das sich aber nicht gesteht, sondern glaubt, er blicke zu dem Gotte auf - während er nicht einmal zu einem Erzengel aufblickt -, betäubt er durch diese unwahre Vorstellung in einem gewissen Sinne seine Seele. Und diese Betäubung der Seele ist ja heute allgemein vorhanden. Aber wenn man die Seele betäubt, dann ist das für unsere heutige Menschheitsentwickelung außerordentlich verhängnisvoll. Denn durch die Betäubung der Seele wird das Ich heruntergedrückt, heruntergetrübt, und dann schleichen sich die anderen Mächte, die nicht in der Seele wirken sollen, in diese Seele ein. Das heißt, es schleicht sich an die Stelle des Engels, den man zunächst verehren wollte, den man aber umtauft zu «Gott», der luziferische Angelos ein, und man kommt allmählich dazu, nicht den Engel zu verehren, sondern den luziferischen Angelos [...]

So müssen wir durchaus einsehen, daß in vieler Beziehung die Antwort [, die] gegeben werden muß auf die Frage «Wer hat Schuld an dem Materialismus unserer Zeit?» - [lautet:] Die Religionen haben Schuld, die religiösen Bekenntnisse, indem sie das Bewußtsein der Menschen trüben und an die Stelle Gottes einen Engel setzen, für den sich dann substituiert der luziferische Engel, der ihm entspricht. Und dieser luziferische Engel wird den Menschen alsbald in den Materialismus hineinführen. Das ist der geheimnisvolle Zusammenhang zwischen den hochmütigen, egoistischen Religionsbekenntnissen, welche nichts hören wollen von dem, was über einem Engel steht, sondern in maßlosem Hochmut sagen, daß sie von «Gott» sprechen, während sie nur von einem Engel sprechen, . und von dem noch nicht einmal vollständig. Dieser maßlose Hochmut, der noch oftmals als Demut angesprochen wird, er ist es, welcher letzten Endes den Materialismus hat hervorbringen müssen. Wenn wir dies bedenken, dann sehen wir einen bedeutungsvollen Zusammenhang: Durch die fälschliche Umdeutung eines Engels zu Gott entsteht in der Menschenseele der Hang zum Materialismus. Und es liegt ein unbewußter Egoismus zugrunde, der sich darinnen äußert, daß der Mensch es verschmäht, aufzusteigen zu der Erkenntnis der geistigen Welt, der sich auch darinnen äußert, daß der Mensch sozusagen nur aus sich heraus den Zusammenhang mit seinem Gotte unmittelbar zu finden meint. Sie sehen in vieles hinein, was in der Gegenwart spielt, wenn Sie dies ins Auge fassen, was ich Ihnen hiermit angedeutet habe. Es gibt nur ein einziges Mittel gegen die Mißdeutung Gottes, und das ist die Anerkenntnis der geistigen Hierarchien. Denn dann weiß man auch, daß die gegenwärtigen Religionsbekenntnisse nicht höher hinaufsteigen als bis zu der Hierarchie der Angeloi." (Lit.: GA 172, S. 180ff)

Weiters hängt die Begründung des Monotheismus mit der Wahrnehmung der Ätherwelt zusammen:

"Der Monotheismus ist entsprungen der Offenbarung der ätherischen Welt an die Erdenmenschheit." (Lit.: GA 211, S. 207)

"Auf der anderen Seite müssen wir auch darauf hinweisen, daß ebenso wie die niedrigen Elemente, Erde, Wasser, Luft, so auch die höheren Elemente, die ätherischen Elemente, Licht, der chemische Äther, der Lebensäther, gewissermaßen bewohnt sind von elementarischen Wesenheiten. Nur unterscheiden sich diese elementarischen Wesenheiten sehr stark von den Elementarwesenheiten der niederen Elemente. Die Wesenheiten des Lichtes, aber namentlich die Wesenheiten des Lebens, die streben nun nicht nach der Vielheit. Am stärksten streben nach der Vielheit eben die Wesenheiten des erdigen Elementes. Die Wesenheiten der ätherischen Elemente, die streben nach der Einheit. Man kann sie gar nicht eigentlich so richtig voneinander unterscheiden. Die Individualitäten sind da nicht ausgeprägt. Diese Wesenheiten streben das eine in das andere hinein, sich zu verbinden.

Eine ältere Einweihungskraft eben gewisser Eingeweihter oder Initiierter, von denen dann die tieferen Lehren des Alten Testamentes herrühren, die hat die Erkenntnis vorzugsweise nach diesen ätherischen Elementen hingewendet. Und nach diesem Zusammenstreben der ätherischen Elemente in das eine bildete sich der Eindruck, der dann im Monotheismus, in dem strengen Monotheismus des Judentums sich auslebte.

Diese Jahve-Religion ist ja zunächst vorzugsweise durch die geistige Anschauung der Ätherregionen entstanden. Aber in den Atherregionen leben geistige Wesenheiten, die nun nicht so auseinanderstreben, viele Individualitäten werden wollen, sondern die ineinander verschwinden, verwachsen wollen, die zur Einheit sich bilden wollen." (Lit.: GA 212, S. 154)

Insofern die Ätherwelt die lebendig hinströmende Zeit darstellt, hängt der Monotheismus auch mit dem unmittelbaren Miterleben des Zeitstromes zusammen, so wie das Bewusstsein für die Trinität durch die lebendige Erfassung des dreifältigen Raumes erwachte.

"Einen ähnlichen Ursprung wie die Dreifaltigkeit des Göttlichen hat auch die Einheit des Göttlichen. Die hängt zusammen mit dem lebendigen Erleben der Zeit. Auch die Zeit ist nicht als jenes Abstraktum von den alten Menschen empfunden worden, als welches wir sie heute empfinden; nur ging das konkrete Erleben der Zeit noch früher verloren als das konkrete Erleben des Raumes [...]

So ganz und gar lebendig war es im zweiten nachatlantischen Zeitraum, in der urpersischen Zeit, wo es natürlich bei den Zarathustra-Schülern ein Frösteln hervorgerufen hätte, wenn man ihnen davon gesprochen hätte, daß die Zeit so eine Linie ist, die ganz gleichmäßig von der Vergangenheit in die Zukunft verläuft.

Wiederum war in der Gnosis ein mehr schattenhaftes Gefühl vorhanden - aber kaum, daß es noch zu erkennen ist - von dem Lebendigen der Zeit, indem man nicht davon sprach, daß da so eine Linie von der Vergangenheit in die Zukunft verläuft, sondern indem man von Äonen sprach, von den Schöpfern, die früher da waren und aus denen die späteren hervorgegangen sind, wo ein Äon an den andern immer die Impulse der Schöpfung übergeben hat. Gewissermaßen war die Zeit in der Imagination so vorgestellt, daß in der Hierarchienfolge das vorhergehende Wesen immer an das nächstfolgende die Impulse abgab, und das nächstfolgende war gewissermaßen immer hervorgebracht von dem vorhergehenden, das vorhergehende war das nächstfolgende umfassend. Man blickte hinauf zum Vorhergehenden als zu dem Göttlicheren gegenüber dem Nachfolgenden. «Später» erlebte man als ungöttlicher, «früher» erlebte man als göttlicher. Dieses Hinblicken auf die Wendung, welche die Entwickelung vom Göttlichen ins Ungöttliche nimmt, das war im lebendigen Erleben und Erfahren der Zeit enthalten. Es würde alles auseinanderfallen, wenn sich nicht zur Einheit weben wollte das Göttliche und das Ungöttliche, was identisch ist mit unseren heutigen Abstraktionen von Vergangenem und Zukünftigem.

Aber in diesem Bilde der Zeit, zurückblickend und immer Umfassenderes und Umfassenderes umfassend, bis zum «Alten der Tage», in dieser Imagination empfand man das Abbild des Einheitsgottes. So wie der dreigeteilte Raum, der dreifaltige Raum als das Abbild erlebt worden ist der Dreifaltigkeit des Gottes, so wurde die Zeit empfunden als das Abbild der Einheitlichkeit des Gottes. Der Grund des Monotheismus liegt im alten Zeiterleben; der Grund, die Trinität zu empfinden, liegt in dem alten Raumerleben." (Lit.: GA 184, S. 153ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Karma des Berufes des Menschen in Anknüpfung an Goethes Leben, GA 172 (2002), ISBN 3-7274-1720-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Polarität von Dauer und Entwickelung im Menschenleben. Die kosmische Vorgeschichte der Menschheit., GA 184 (2002), ISBN 3-7274-1840-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung, GA 211 (1986), ISBN 3-7274-2110-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Menschliches Seelenleben und Geistesstreben im Zusammenhange mit Welt- und Erdentwickelung, GA 212 (1998), ISBN 3-7274-2120-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.