Musik

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Die Musik (abgeleitet von griech. μουσική τέχνη, aus μουσική, die Musen, und τέχνη techne, der Kunst aber auch dem Handwerk, also etwa „die Kunst oder das Handwerk der Musen“, über lat. [ars] musica, „Tonkunst“) ist eine Form der Kunst, die, historisch gesehen, der Tätigkeit der Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und, der modernen Zeit entsprechend, der Bewußtseinsseele entspringt. In der zeitgemäßen Musik besteht die Aufgabe, die unbewußt erlebten Sphärenklänge als umfassende Quelle der Musik über die Verstandes- und Gemütsseele hinaus in das Tagesbewußtsein zu heben, also die wahrgenommenen Harmonien und Disharmonien des Weltgeschehens mit der Bewußtseinsseele aufzusuchen und durch sie musikalisch 'abzubilden'. Disharmonien verlieren dann durch passende Einordnung ihren zerstörerischen Charakter. Sie fördern aufbauend und abbauend die Entwicklung des Ganzen.

Die Musikentwicklung des 20. Jahrhunderts macht den Zugriff des Bewußtseins auf die Welt der Töne meist in einseitiger Weise deutlich. Neue, bewußt hervorgebrachte und darum überschaubare, jedoch abstrakte Kompositionssysteme mit Hang zu verfremdeten bis ins Geräuschhafte gehende Wahrnehmungsveränderungen des akustischen Schwingungensspektrums, z. B. Zwölftontechnik, Serielle Musik, musique concrète, Aleatorik, Formelkomposition usw. [1] stehen dem Bemühen gegenüber aus einer verstärkten und bewußt erweiterten Innerlichkeit heraus neue Musik, z. B. Metamorphosensinfonik hervorzubringen [2].

Musik wird darum ganz allgemein und abstrakt ausgedrückt, die Kunst, Töne durch Rhythmus, Melodie (die Abfolge verschiedener Tonhöhen), Harmonie (die Gleichzeitigkeit bestimmter Tonhöhen) und Dynamik (die Abfolge der Lautstärke) zu einem in der Zeit verlaufenden Klangkunstwerk zu ordnen. Nach dem heutigen, mehr äußerlich orientierten Musikverständnis, kann in diesem Sinn grundsätzlich jede Tonfolge als Musik aufgefasst werden. Aus geistiger Sicht hat man es aber erst dann mit wahrer Musik zu tun, wenn die geordnete Folge der Töne zu einer (partiellen) sinnlichen Offenbarung der Sphärenharmonie erhöht wird, denn der wahre Ursprung der Musik liegt in der geistigen Welt, dem Devachan, das geistig als Sphärenmusik erlebt wird.

"Das Musikalische, das uns entgegentritt als ein Ton, kommt aus dem Devachan. Indem der Mensch im Schlafe entrückt ist in die geistige Welt, lebt er in Tönen. Diese Töne vergißt er im normalen Zustande. Der Musiker erinnert sich, zwar nicht bewußt, derselben. Es sind die Töne des devachanischen Webens und Wogens, die sich ausdrücken in der Musik, im physischen Ton." (Lit.: GA 108, S. 115)

„Jedesmal, wenn der Mensch einschläft, bewußtlos wird, tritt sein Astralleib heraus aus dem physischen Leib. Dann ist der Mensch zwar unbewußt, aber doch lebend in der geistigen Welt. Auf seine Seele machen die geistigen Klänge einen Eindruck. Jeden Morgen wacht der Mensch auf aus einer Welt der Sphärenmusik, und aus einem Gebiet des Wohllauts zieht er ein in die physische Welt. Wenn es wahr ist, daß die Seele des Menschen zwischen zwei Verkörperungen ein Devachan hat, so dürfen wir auch sagen, daß die Seele während der Nacht schwelgt und lebt in dem flutenden Ton, als dem Element, aus dem sie eigentlich gewoben ist, das eigentlich ihre Heimat ist.

Der schaffende Tonkünstler nun setzt den Rhythmus, die Harmonien und Melodien, die sich während der Nacht seinem Astralleib einprägen, um in einen physischen Ton. Unbewußt hat der Musiker das Vorbild der geistigen Welt, das er umsetzt in die physischen Klänge. Das ist der geheimnisvolle Zusammenhang zwischen der Musik, die hier im Physischen erklingt, und dem Hören der geistigen Musik in der Nacht.

Wenn ein Mensch beleuchtet ist vom Lichte, dann bildet sich von ihm ein Schatten an der Wand. Das ist nicht der wirkliche Mensch. So ist die Musik, die im Physischen erzeugt wird, ein Schatten, ein wirklicher Schatten von einer viel höheren Musik des Devachans. Das Urbild, die Vorlage der Musik ist im Devachan, die physische Musik ist nur ein Abbild der geistigen Wirklichkeit.“ (Lit.:GA 283, S. 14f)

"Dadurch nun, daß die Verstandes- oder Gemütsseele jede Nacht in die astralische Welt entflieht, geht wieder etwas anderes hervor. Wenn wir im Sinne der Geisteswissenschaft den Ausdruck «Verstandesseele» gebrauchen, müssen wir nicht an den trockenen, nüchternen Verstand denken, an den man denkt, wenn man im gewöhnlichen Leben von Verstand spricht. «Verstand» ist für die Geisteswissenschaft der Sinn für Harmonie, die nicht im äußeren Stoffe verkörpert werden kann, der Sinn für erlebte innere Harmonie. Deshalb sagen wir auch Verstandes- oder Gemütsseele. Wenn nun jede Nacht die Verstandes- oder Gemütsseele eintaucht in die Harmonien der astralischen Welt und sich morgens derselben im astralischen Leibe wieder bewußt wird - in demselben astralischen Leibe, der ja zurückkehrt, der aber in der Nacht sich seiner Innerlichkeit nicht bewußt ist beim heutigen Menschen -, da geschieht folgendes: In der Nacht lebt die Verstandes- oder Gemütsseele in dem, was wir immer die Sphärenharmonien genannt haben, die innere Gesetzmäßigkeit der geistigen Welt, jene Sphärenharmonien, auf welche die alte pythagoreische Schule hingedeutet hat als auf das, was derjenige, der bis in die geistigen Welten hinein wahrnehmen kann, als die Verhältnisse der großen geistigen Welt vernimmt. Auch Goethe deutete darauf hin, wenn er am Anfange seines «Faust» uns in den Himmel versetzt und das dadurch charakterisiert, daß er sagt:

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

Und er bleibt im Bilde, wenn er im zweiten Teil, wo Faust wieder hinaufgehoben wird in die geistige Welt, die Worte gebraucht:

Tönend wird für Geistesohren
Schon der neue Tag geboren.
Felsentore knarren rasselnd,
Phöbus' Räder rollen prasselnd.
Welch Getöse bringt das Licht!
Es trommetet, es posaunet,
Auge blinzt und Ohr erstaunet,
Unerhörtes hört sich nicht.

Das heißt, die Seele lebt während der Nacht in diesen Sphärenklängen, und diese Sphärenklänge entzünden sich, indem der astralische Leib sich seiner selbst bewußt wird. In dem schaffenden Musiker haben wir keinen anderen Prozeß, als daß die Wahrnehmungen des nächtlichen Bewußtseins während des Tagesbewußtseins sich durchringen, Erinnerung werden, Erinnerungen an die astralischen Erlebnisse oder im besonderen der Verstandes- oder Gemütsseele. Alles, was die Menschheit als musikalische Kunst kennt, sind Ausdrücke, Abprägungen dessen, was unbewußt erlebt wird in den Sphärenharmonien, und musikalisch begabt sein, heißt nichts anderes, als einen astralischen Leib haben, der während des Tageszustandes empfänglich ist für das, was ihn die ganze Nacht durchschwirrt. Unmusikalisch sein heißt: diesen astralischen Leib in einem solchen Zustande haben, daß eine solche Erinnerung nicht stattfinden kann. Es ist das Hereintönen einer geistigen Welt, was der Mensch in der musikalischen Kunst erlebt. Und weil die musikalische Kunst dasjenige in unsere physische Welt hineinschafft, was nur im Astralischen entzündet werden kann, deshalb sagte ich, daß sie den Menschen mit denjenigen Wesenheiten in Zusammenhang bringt, welche zu ihrem untersten Glied den astralischen Leib haben. Mit jenen Wesenheiten lebt der Mensch in der Nacht; ihre Taten erlebt er in der Sphärenharmonie und drückt sie im Tagesleben durch seine irdische Musik aus, so daß diese Sphärenharmonien in der irdischen Musik wie ein Schattenbild erscheinen. Und indem dasjenige, was das Element dieser geistigen Wesenheiten ist, hier in diese irdische Sphäre einschlägt, unsere irdische Sphäre durchschwebt und durchlebt, haben diese geistigen Wesenheiten Gelegenheit, ihre astralischen Leiber wieder einzutauchen in das Wogenmeer der musikalischen Wirkungen, und indem die Verstandesseele ihre Taten erlebt in der Nacht und die empfundenen Eindrücke mitbringt in die physische Welt, ist zwischen diesen Wesenheiten und dem Menschen durch die Kunst eine Brücke geschaffen. Da sehen wir, wie auf einer solchen Stufe das entsteht, was wir die musikalische Kunst nennen." (Lit.: GA 102, S. 221ff)

Anmerkungen

  1. Arnold Schönberg, Avangarde nach dem Zweiten Weltkrieg, John Cage, Karlheinz Stockhausen
  2. Martin Scherber

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen, GA 102 (2001), ISBN 3-7274-1020-5 {{Vorträge|102
  2. Rudolf Steiner: Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen durch Anthroposophie, GA 108 (1970)
  3. Rudolf Steiner: Das Wesen des Musikalischen und das Tonerlebnis im Menschen, GA 283 (1989), ISBN 3-7274-2831-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Franz Halberschmidt: Musik und Elektronik. Zum Phänomen der Rock- und Technomusik sowie der auditiven Medien, Vlg. Ch. Möllmann, Borchen 2002
  5. Hellmut Rosalk: Zwischen Himmel und Hölle: THE BEATLES, Genius Vlg., Mariensee 1997
  6. Flensburger Hefte Nr. 19: Musik, Flensburg 1989

Weblinks

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