Namarupa

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Namarupa (sanskrt. Name und Form) bestimmen nach der Lehre des Buddha die irdische Individualität des Menschen. Sie formt sich ihr irdisches Dasein aus dem, was sie als Extrakt des Ätherleibs, als Linga-Sharira nach östlicher Diktion, aus ihren früheren Inkarnationen mitgebracht hat.

"Wir wissen ja: Wenn der Mensch stirbt, in dem Moment, da der Tod eintritt, verlassen sein Ich und sein astralischer Leib den Ätherleib und den physischen Leib. Dann hat der Mensch eine Zeit hindurch jenes große Erinnerungstableau an das letzte Leben, das ihm wie in einem gewaltigen Bilde entgegentritt. Dann wissen wir, daß das Hauptglied des Ätherleibes wie ein zweiter Leichnam abgeworfen wird und daß etwas zurückbleibt wie ein Extrakt, wie eine Essenz des Ätherleibes. Diesen Extrakt nimmt der Mensch mit durch die Kamaloka- und Devachanzeit und bringt ihn wieder zurück in das nächste Dasein. Während aber der Mensch in Kamaloka ist, schreibt sich in diesen Lebensextrakt alles ein, was der Mensch an Taten erlebt hat, alles, was in bezug auf das menschliche Karma wirkt, wofür er einen Ausgleich zu schaffen hat. Das alles verbindet sich in einer gewissen Weise mit diesem Extrakt aus dem Ätherleibe, der sich von einer Inkarnation zu der anderen hinzieht. Alles, was der Mensch aus einer Inkarnation in die andere trägt, ist in diesem Extrakt des Ätherleibes darinnen, und das bringt sich der Mensch wieder mit, wenn er wieder durch die Geburt ins Dasein tritt. – Die orientalische Literatur ist gewohnt geworden, das, was wir Ätherleib nennen, als Linga sharira zu bezeichnen. So ist es also ein Extrakt aus Linga sharira, was der Mensch von Inkarnation zu Inkarnation mitnimmt.

Nun konnte Buddha sagen: Seht einmal hin auf den Menschen, der geboren ist. Er bringt sich mit in seinem Linga sharira das, was sich aus den früheren Inkarnationen abgeladen hat; da ist es eingeschrieben. In diesem Linga sharira sitzt alles das, wovon der Mensch in dem gegenwärtigen Menschheitszyklus nichts weiß, worüber sich die Dunkelheit des Nichtwissens breitet, was sich aber geltend macht, indem der Mensch ins Dasein hereintritt, als der Durst nach Dasein, als die Begierde zum Leben. In dem, was man Begierde zum Leben nennt, sah der Buddha alles das, was aus früheren Inkarnationen stammt und was den Menschen treibt zu der Sucht, die Welt zu genießen, nicht nur als ein Wanderer durch die Farben- und Tonwelt und durch die Welt der anderen Eindrücke hinzuwandern, sondern diese Welt zu begehren.

Das ist es, was aus den früheren Inkarnationen her als eine Tendenz, als eine Kraft in dem Menschen ist. Diese Kraft bezeichnen die Schüler des Buddha als Samskara. So also sagte der Buddha zu seinen intimen Schülern: Was für den gegenwärtigen Menschen charakteristisch ist, das ist das Nichtwissen über etwas Wichtiges, was in ihm selber vorhanden ist. Dieses Nichtwissen verwandelt das, was dem Menschen sonst entgegentreten würde als von den luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten herrührend und zu dem er sich sonst in ein Verhältnis setzen könnte, in den Durst nach Dasein, in alle die in ihm schlummernden Kräfte, die dunkel im Menschen wühlen aus früheren Inkarnationen herüber. Das bezeichnete man unter dem Einfluß des großen Buddha als das Samskara. Und es bildet sich aus diesem Samskara heraus, was nun im Menschen sein gegenwärtiges Denken ist und was bewirkt, daß der Mensch in dem gegenwärtigen Menschheitszyklus nicht ohne weiteres objektiv denken kann.

Merken Sie wohl, was für einen feinen Unterschied der Buddha seinen Schülern klarmachte: den Unterschied zwischen dem objektiven Denken, das nur die Sache im Auge hat, und demjenigen Denken, welches unter dem Einfluß der Kräfte steht, die aus dem Linga sharira stammen. Denken Sie darüber nach, wieviel Sie sich über die Dinge als Ihre Meinungen aneignen; fragen Sie sich aber, wieviel Sie sich von diesen Meinungen deshalb aneignen, weil sie Ihnen gefallen, und wieviel deshalb, weil Sie die Dinge objektiv betrachten! Alles, was man als Wahrheit sich aneignet, nicht weil man objektiv über eine Sache denkt, sondern weil man die alten Neigungen aus früheren Inkarnationen mitgebracht hat, das alles bildet für Buddha ein "inneres Denkorgan". Dieses Denkorgan ist die Gesamtheit dessen, was der Mensch denkt, weil er in früheren Inkarnationen diese oder jene Erlebnisse hatte, welche als Rückstände in seinem Linga sharira geblieben sind. Also eine Art von innerem Denkorgan, das durch die Gesamtheit des Samskara gebildet wird, sah der Buddha im Innern des Menschen. Und nun sagte er: Erst diese Denksubstanz bildet aus dem gegenwärtigen Menschen das, was man seine gegenwärtige Individualität nennt, – im Buddhismus "Name und Form" oder Namarupa. Es ist dasselbe, was von einer andern philosophischen Richtung Ahamkara genannt wird.

So etwa sagte der Buddha zu seinen Schülern: Als die Menschen in uralten Zeiten noch Hellsichtigkeit hatten und hineinschauten in die Welt, die hinter dem physischen Dasein liegt, da sahen sie in einer gewissen Weise alle dasselbe, denn die objektive Welt ist für alle gleich. Als aber das Nichtwissen sich über die Welt als Dunkelheit breitete, da brachte sich ein jeder individuelle Anlagen mit, die ihn von dem anderen unterschieden. Das machte ihn zu einem Wesen, das man am besten bezeichnet als ein Wesen mit dieser oder jener "Form" der Seele; jeder hatte einen bestimmten "Namen", der ihn von dem anderen unterschied, ein Ahamkara.

Dasjenige nun, was also erzeugt ist im Innern des Menschen unter der Wirkung dessen, was er sich aus den früheren Inkarnationen mitgebracht hat, was "Name und Form", was die Individualität gebildet hat, das bildet in ihm nun von innen heraus Manas und die fünf Sinnesorgane, die sogenannten sechs Organe. – Wohlgemerkt, der Buddha sagte nicht: Das Auge ist bloß von dem Innern heraus gebildet –, sondern er sagte: Dem Auge ist etwas eingegliedert, was im Linga sharira war und mitgebracht ist aus den früheren Daseinsstufen. Daher sieht das Auge nicht rein; es würde anders in die Welt des äußeren Daseins sehen, wenn es nicht innerlich durchdrungen wäre von dem, was aus den früheren Daseinsstufen geblieben ist. Daher hört das Ohr nicht rein, sondern getrübt, abgetönt durch das, was aus früheren Daseinsstufen geblieben ist. Und das bewirkt, daß sich hineinmischt in alles das Verlangen, dieses oder jenes zu sehen, dieses oder jenes zu hören, in dieser oder jener Weise zu schmecken oder wahrzunehmen. So schleicht sich in alles, was dem Menschen in dem gegenwärtigen Zyklus entgegentritt, dasjenige hinein, was von früheren Inkarnationen geblieben ist als das "Verlangen".

Würde sich dieses Verlangen aus den früheren Inkarnationen nicht hineinschleichen – so etwa sagte der Buddha –, so würde der Mensch hinausschauen in die Welt gleichsam wie ein göttliches Wesen, würde die Welt auf sich wirken lassen und nie mehr verlangen, nie mehr begehren als das, was ihm wird. Er würde mit seinem Wissen nicht mehr hinausgehen über das, was ihm beschert ist durch die göttlichen Mächte; er würde keinen Unterschied machen zwischen sich und der äußeren Welt und würde sich wie ein Glied der äußeren Welt empfinden. Denn nur dadurch empfindet sich der Mensch als etwas, was von der übrigen Welt getrennt ist, weil er mehr haben will, anderes haben will, als ihm die übrige Welt an Genüssen freiwillig bietet. Dadurch tritt das Bewußtsein ihm in die Seele, daß er etwas anderes ist als die Welt. Würde er zufrieden sein mit dem, was in der Welt ist, so würde er sich nicht von ihr unterscheiden. Er würde sein eigenes Dasein sich fortsetzen fühlen in der äußeren Welt. Er würde nie kennen, was man Berührung mit der äußeren Welt nennt; er wäre nicht von ihr getrennt, könnte sich also auch nicht mit ihr berühren. Dadurch, daß diese "sechs Organe" gebildet wurden, entstand allmählich die "Berührung mit der Außenwelt" und durch die Berührung erst dasjenige, was man in unserem Leben die Empfindung nennt, und durch die Empfindung das "Haften an der Außenwelt". Dadurch aber, daß der Mensch an der Außenwelt zu haften sucht, entsteht Schmerz, Leid, Sorge, Kümmernis." (Lit.: GA 114, S 61ff)

Nach dem apokryphen Evangelium der Wahrheit gibt der Vater allem, was er offenbaren bzw. erschaffen will, Name und Form:

„Aber der Vater ist vollkommen, wobei er alle Wege kennt, die in ihm sind. Wenn er will, offenbart er das, was immer er will, indem er ihm eine Form gibt und ihm einen Namen gibt; und er gibt ihm einen Namen, und er veranlaßt, daß sie entstehen; bevor sie entstehen, sind sie unwissend in bezug auf den, der sie hervorgebracht hat.“

Evangelium der Wahrheit

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Lukas-Evangelium, GA 114 (2001)
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