Nationalismus

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Nationalismus hat seine geistigen Wurzeln in einer einseitig verzerrten Beziehung zur Gemeinschaft der Volksgeister.

Im wachen Tagesleben ist der Mensch unterbewusst mit seinem im Ätherleib wirkenden Volksgeist verbunden, im Schlaf jedoch mit der Gesamtheit aller anderen Volksgeister, ausgenommen dem eigenen. Haßt man aber einen bestimmten Volksgeist, dann ist man im Schlaf alleine mit diesem vereinigt. Der Haß entspringt dem unterbewussten Vorgefühl, dass man in diesem Volkstum seine nächste Verkörperung suchen wird, mit dem sich unserer höheres Selbst schon längst innig verbunden hat. Luziferische Archangeloi bewirken, dass sich der Mensch mit seiner Nationalität identifiziert. Luziferische Archai verführen ihn zum Glauben, dass die gegenwärtige Denkungsart ewigen Bestand haben wird.

Sehr nachdrücklich hat Rudolf Steiner auch auf den Zusammenhang von Sexualität und Nationalismus hingewiesen. Darüber hinaus hat Steiner sehr deutlich ausgesprochen, dass die moderne Technik nur dann segensvoll für die Menschheit sein kann, wenn sie nicht durch nationalistische Gesinnungen missbraucht wird.

Der Nationalismus konnte sich erst mit der heraufdämmernden Bewusstseinsseele entwickeln, während das Mittelalter weitgehend universalistisch geprägt war.

„Und in der Tat, schon eine oberflächliche Betrachtung zeigt, daß in der Welt, die uns zunächst naheliegt, in der europäischen Welt, mit dem 15. Jahrhundert eine Änderung in allen Lebensformen eintritt. Dasjenige, was früher insbesondere die Menschheit charakterisiert hat, wie sie in ihrer Seelenverfassung war, wie sie diese Seelenverfassung umgesetzt hat in äußere geschichtliche Taten, das wird anders im 15. Jahrhundert. Und wir können geradezu wie auf einen Markstein wiederum vom Standpunkte der Symptomatologie auf eine etwas weiter zurückliegende Tatsache hinweisen, die ein wichtiger Wendepunkt im geschichtlichen Leben der neueren Menschheit ist: das ist der Zwang, der von Frankreich auf das Papsttum im Jahre 1303 ausgeübt wurde, als der Papst gezwungen wurde, seine Residenz von Rom nach Avignon zu verlegen. Zeitlich fällt diese Tatsache ja fast ganz zusammen mit der anderen, daß der Tempelherrenorden, diese eigentümliche, wiederum in einem eigentümlichen Verhältnis zur Kirche stehende Gemeinschaft, von der französischen Regierung vernichtet und ihrer Güter beraubt wird.

Diese Ereignisse sind deshalb Wendepunkte in der neueren Entwickelung der Menschheit, weil sie zeigen, daß gegen etwas angekämpft wird, was über die ganze zivilisierte Welt der damaligen Zeit hin durch Jahrhunderte das Eigentümliche war. Das Eigentümliche war das, was sich ausdrückte in jenen merkwürdigen Kämpfen und dadurch auch hervorgerufenen gegenseitigen Unterstützung, welche zwischen dem mitteleuropäischen Kaisertum und dem Papsttum stattfanden. Aber alle diese Kämpfe stehen in dem Lichte einer ganz bestimmten Tatsache. Die Menschen über die zivilisierte Welt hin sind nicht wie in der folgenden Zeit abgeteilt nach Gruppen, wie etwa nationale Gruppen oder dergleichen, ohne daß jede solche Abteilung überglänzt und überragt wird von einem Gemeinsamen, das sich nur ausdrücken läßt durch eine die Menschheit beherrschende Universalidee, die auf das Handeln der Menschen übergreift, die ausgeht auf der einen Seite von dem römischen Papsttum, das sich gewissermaßen als der Zusamrnenfasser der Menschheit fühlt. Ebenfalls universell, nur oftmals im Kampfe gegen diese Universalgemeinschaft, war dann das mittelalterliche Kaisertum.“ (Lit.:GA 73, S. 338f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Ergänzung heutiger Wissenschaften durch Anthroposophie, GA 73 (1987), ISBN 3-7274-0730-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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