Nephesch

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Nephesch (hebr. ‏נפש‎; urverwandt ist arabisch نفس, DMG nafs ‚Seele, Selbst, Ich‘) enspricht in der siebengliedrigen Wesenheit des Menschen der mit dem Astralleib zu einer Einheit verbundenen Empfindungsseele, also dem Trieb- und Empfindungsleib. Der Sprachgebrauch ist allerdings schwankend; Nephesch kann auch die reine Empfindungsseele bedeuten und wird dann unterschieden von der eigentlich tierischen Seele (hebr. ‏נפש הבהמית‎ , Nephesch ha-Behemit von hebr. ‏בְּהֵמָה‎ , Behema, „Tier, Haustier, Vieh“; auch hebr. ‏כוח הגּוּף‎ , Koach ha-Guf, „Kraft des Körpers“), die dem Astralleib entspricht. Nephesch ha-Behemit ist der noch am stärksten animalische Anteil der Seele, von dem die Begierden und Instinkte ausgehen. Nephes zählt damit in jedem Fall zum leibgebundenen, sterblichen Teil der Seele.

"Denn diese alten hebräischen Ausdrücke nephesch, ruach, n'schamah, die sind nichts anderes als das, was wir parallel unseren geisteswissenschaftlichen Ausdrücken auch charakterisiert haben. Nephesch dürfen wir parallelisieren in bezug auf den Menschen mit der Empfindungsseele, ruach dürfen wir anwenden für die Verstandesseele, n'schamah für die Bewußtseinsseele." (Lit.: GA 122, S. 181)

In der Genesis wird als Nephesch die lebendige Seele bezeichnet, die ensteht, als Gott dem Menschen den lebendigen Odem, den Hauch des Lebens (Neschama) einbläst (1 Mos 2,7 LUT). Auch die Tiere verfügen über Nephesch, doch wirkt sie hier, anders als beim Menschen, von außen als Gruppenseele und regelt den Atmungsprozess:

"Beim Tier liegt ein Atmungsprozeß vor, der sozusagen streng von außen geregelt ist, der dem inneren individuellen Ich in der heute geschilderten Beziehung nicht unterliegt. Das, was den Atmungsprozeß unterhält, was ihn eigentlich regelt, das nannte man zum Beispiel in der alttestamentlichen Geheimlehre die «Nephesch». Das ist in Wahrheit das, was man die «tierische Seele» nennt. Also was beim Tier ein Gruppen-Ich ist, das ist die Nephesch. Und in der Bibel heißt es ganz richtig: Und der Gott blies - oder hauchte - dem Menschen die Nephesch - die tierische Seele - ein, und der Mensch ward eine lebendige Seele in sich selber. - Dies versteht man natürlich sehr häufig falsch, weil man in unserer Zeit solche tiefen Schriften nicht lesen kann, denn man liest einseitig. Wenn zum Beispiel dasteht: Und der Gott hauchte dem Menschen die Nephesch ein, die tierische Seele -, so heißt das nicht, er schuf sie in diesem Moment, sondern sie war schon da. Daß sie vorher nicht da war, das steht nicht da. Sie war vorhanden, äußerlich. Und was der Gott tat, war, daß er das, was vorher als Gruppenseele äußerlich vorhanden war, dem Menschen in das Innere verlegte. Das ist das Wesentliche, daß man einen solchen Ausdruck in seiner wirklichen Gründlichkeit versteht. Man könnte fragen: Was entstand denn dadurch, daß die Nephesch in das menschliche Innere verlegt wurde? Dadurch wurde es möglich, daß der Mensch jene Erhabenheit über das Tier erlangte, die es ihm möglich machte, sein Ich innerlich tätig zu entfalten, zu lachen und zu weinen und damit Freude und Schmerz in der Weise zu erleben, daß sie an ihm selber arbeiten." (Lit.: GA 107, S. 269f)

Das Gruppen-Ich, das ähnlich dem tierischen Gruppen-Ich vorher von außen auf den Menschen einwirkte, zieht damit in das Innere des Menschen ein und wird zum individuellen Ich.

Nach hebräischer Ansicht trägt Nephesch kein eigenes Seelenlicht in sich, sondern wird von Ruach, der Verstandes- und Gemütsseele, erleuchtet und beherrscht, die ihrerseits aus Neschama, der Bewusstseinsseele bzw. der Gemeinschaft der höheren geistigen Wesensglieder (Atma, Buddhi und Manas) entspringt. Das weist darauf hin, dass Nephesch nur aus jenen seelischen Substanz gewoben ist, die den vier niederen Regionen der Seelenwelt entstammen. Wenn Neschama nach dem Tod zu den göttlichen Quellen aufsteigen darf, kann Ruach in den Garten Eden einziehen. Dann findet auch Nephesch seinen Frieden in der Erdensphäre. In den Sabbatnächten, in den Nächten des Neumondes und der Feste steigt Ruach in noch höhere Regionen auf und wird von dem oberen Licht durchleuchtet, um dann wieder in den Garten Eden zurückzukehren und dann beginnt auch Nephesch zu leuchten und nimmt die Gestalt an, die der Körper vor dem Tod hatte und stimmt den Lobgesang Gottes an.

Nach Isaak Luria zieht Nephesch mit der Geburt in den Menschen ein, Ruach aber erst mit der Geschlechtsreife um das 14. Lebensjahr und Neschama mit der Geburt des Ich etwa im 21. Lebensjahr.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107 (1988), Berlin, 27. April 1909 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte, GA 122 (1984), München, 26. August 1910 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org