Neschama

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Neschama (hebr. נְשָׁמָה, auch N'schama „Atem, Hauch“), der lebendige Odem, der Hauch des Lebens (hebr. נִשְׁמַ֣ת חַיִּ֑ים nisch'mat chaj'jim), den der Jahve-Elohim dem Urmenschen Adam einbläst (1 Mos 2,7 LUT) und ihn dadurch zur lebendigen Seele macht (hebr. le‘näphäsch chaj’jah „die Seele des Leben“[1]), bezeichnet in der Genesis die Bewusstseinsseele, insbesondere in ihrer Verschmelzung mit dem Geistselbst. Derart ist sie der zwar während der irdischen Inkarnation im Leib wohnende, aber deswegen doch nicht leibgebundene, unsterbliche Teil der Seele.

"Denn diese alten hebräischen Ausdrücke nephesch, ruach, n'schamah, die sind nichts anderes als das, was wir parallel unseren geisteswissenschaftlichen Ausdrücken auch charakterisiert haben. Nephesch dürfen wir parallelisieren in bezug auf den Menschen mit der Empfindungsseele, ruach dürfen wir anwenden für die Verstandesseele, n'schamah für die Bewußtseinsseele." (Lit.: GA 122, S. 181)

"Erst das Werk des Jahve-Elohim machte den Menschen zu dem, was er heute geworden ist. Da mußte vorangehen die gesetzmäßige Schöpfung der anderen, niedrigen Wesenheiten. So sind also, man möchte sagen, durch einen vorzeitigen Schöpfungsakt die niederen tierischen Wesenheiten zu Lebewesen geworden. Derselbe Ausdruck nephesch wird auf diese tierischen Lebewesen angewendet und auch zuletzt auf den Menschen. Aber wie auf den Menschen? So, daß für den Zeitpunkt, da Jahve-Elohim eintritt und den Menschen zum heutigen Menschen macht, ausdrücklich dazu gesagt wird: Jahve-Elohim prägt die n'schamah ein. — Und dadurch, daß der Mensch ein höheres Glied eingeprägt erhält, dadurch wird dieser selbe Mensch ein lebendes Wesen.

Merken Sie jetzt wohl, welch ein unendlich fruchtbarer, bedeutungsvoller Begriff da in die Evolutionslehre gerade durch die Bibel eingeführt wird! Gewiß, es wäre ja ganz töricht, in bezug auf die äußere Formung zu verkennen, daß der Mensch sozusagen an die oberste Stufe der Tierreihe gehört. Die Trivialität möge dem Darwinismus überlassen bleiben. Aber das ist das Wesentliche, daß der Mensch nicht auf dieselbe Art wie die anderen niederen Wesen zu einem lebenden Wesen geworden ist, zu einem Wesen, dessen Charakter man mit nephesch bezeichnet, sondern daß dem Menschen erst ein höheres Glied seines Wesens verliehen wurde, ein höheres Glied, das in bezug auf sein Geistig-Seelisches schon vorher vorbereitet worden ist." (Lit.: GA 122, S. 179f)

Im noch allgemeineren Sinn steht Neschama nach den weiteren Lehren der jüdischen Kabbala überhaupt für die höheren geistigen Wesensglieder und wird dann entsprechend in drei Teile untergliedert:

Jechidah oder Jedidjah (hebr. יחידה) zentriert in der obersten Sephira Kether (Krone) Geistesmensch (Atma)
Chaja (hebr. ‎חיה, Leben) zentriert in Chochmah (Weisheit) lässt uns die göttliche Lebenskraft erkennen bzw. ihrer teilhaftig werden. An anderer Stelle in bezug auf die Wesensglieder Salomos auch Kohelet (hebr. קהלת, Prediger, Versammler, Gemeindeleiter) genannt, "damit sich ausgießen kann, was dieser Lebensgeist enthält, auf das ganze Volk". (Lit.: GA 116, S. 83) Lebensgeist (Buddhi)
Neschama (im engeren Sinn) zentriert in Binah (Verstand); nach Rudolf Steiner auch Salomo (hebr. שלמה, Schəlom:o) genannt, der bereits alle 7 Wesensglieder sehr vollkommen ausgebildet bzw. veranlagt hatte. (Lit.: GA 116, S. 82f) Geistselbst (Manas)

Nach hebräischer Auffassung lässt Neschama Ruach, die Verstandes- oder Gemütsseele, aus sich entspringen und herrscht über dieser. Wenn Neschama nach dem Tod zu den göttlichen Quellen aufsteigen kann, geht Ruach in den Garten Eden ein und Nephesch, die Empfindungsseele, findet ihren Frieden in der Erdensphäre. Neschama ist aus den feinsten Substanzen der Seelenwelt gewoben, die der Region des Seelenlebens entstammen.

Nach Isaak Luria zieht Nephesch mit der Geburt in den Menschen ein, Ruach aber erst mit der Geschlechtsreife um das 14. Lebensjahr und Neschama mit der Geburt des Ich etwa im 21. Lebensjahr.

Anmerkungen

  1. Näphäsch entspricht dabei der Empfindungsseele und chaj'jah ist der Lebensgeist; durch den göttlichen Hauch neschama wird also Adam zunächst zur belebten Empfindungsseele gestaltet, die aber in sich die Anlage trägt, später selbst zur Bewusstseinsseele zu reifen.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Der Christus-Impuls und die Entwickelung des Ich-Bewußtseins, GA 116 (1982) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte, GA 122 (1984), München, 26. August 1910 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org

Weblinks