Nirvana

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Auf dem Nirvanaplan, im Nirvana (skrt., n., निर्वाण, nirvāṇa; Erlöschen oder wörtlich „Ver-wehen“, von nis, nir = aus, vā = wehen) bzw. Nibbana (Pali, nibbāna), liegt die Quelle allen aktiven Seins. Hier entspringt die Schöpfung aus dem Nichts. Das Nirvana ist damit vergleichbar dem Ain Soph (hebr. אין סוף nicht endlich) der jüdischen Kabbala.

Der Nirvanaplan, der noch über der Welt der Vorsehung, dem Buddhiplan, liegt, ist erfüllt von höchster Tätigkeit. Hier haben zugleich alle Taten, die der Mensch auf dem physischen Plan vollbringt, ihr geistiges Gegenbild und schreiben sich so in die Akasha-Chronik ein.

"Wenn man im Sinne dieser Pläne den Menschen betrachtet, so wird man sehen, daß jedem Gedanken, den der Mensch denkt, als Reaktion auf dem entsprechenden andern Plan, ein anderer, aktiver Gedanke folgt. Wenn man auf dem niederen Mentalplan einen Gedanken hegt, bewirkt dies ein Gegenbild auf dem höheren Mentalplan. Wenn man ein Gefühl hegt, bewirkt dies ein Gegenbild auf dem Budhiplan. Wenn man auf dem physischen Plan tätig ist bewirkt dies ein Gegenbild auf dem Nirvanaplan. Wie früher der aktive Gedanke unser passives Denken geschaffen hat, so schafft sich ein aktiver Gedanke ein entsprechendes passives Gegenbild auf dem höheren Mentalplan und so weiter. Es kann also kein Gedanke von uns gefaßt werden, der nicht sein Gegenbild hätte, ebenso kein Gefühl, keine Handlung.

Die Summe von all diesen Gegengedanken, Gegenerlebnissen, Gegenhandlungen nennt man Akasha-Chronik. Man kann also alle Gedanken des Menschen lesen auf dem höheren Mentalplan, alle Gefühle und Erlebnisse auf dem Budhiplan und alle Handlungen auf dem Nirvanaplan. Die Wesenheiten, welche nun den Zusammenhang zwischen den Gegenbildern und dem Menschen regeln, haben eine große Bedeutung. Die Gedanken lebt der Mensch auf dem Mentalplan aus. Was der Mensch in Gedanken abmacht, geschieht alles auf dem Mentalplan. Dort, im Devachan, baut er sich zwischen Tod und neuer Geburt den Charakter seines Gedankenkörpers für das neue Leben auf. Dort sind die Gegenbilder seiner früheren Gedanken. Die zieht er an seinen vom Physischen und Astralen befreiten Mentalkörper heran und bildet sich so seinen künftigen Mentalkörper nach den von ihm geschaffenen Gedankenbildern. Dagegen würde er nicht von selbst die Gegenbilder seiner Erlebnisse und Handlungen mit sich verbinden können. Das unterliegt von außen regelnden Wesenheiten, den Herren des Karma, den Lipikas, die die geschaffenen Gegenbilder der Gefühle und Taten des Menschen auf dem Budhi- und dem Nirvanaplan mit ihm - der schon wieder die kamische und andere Hüllen um sich hat - in Zusammenhang bringen für die folgenden Inkarnationen." (Lit.: GA 089, S. 174ff)

Aus dem Nirvanaplan stammt auch der geistige Wesenskern des Menschen, die Monade. Als Folge der luziferischen Versuchung in der lemurischen Zeit stieg die Monade zur irdischen Inkarnation herab und damit bildete der Mensch erstmals individuelles Karma. Nirvana ist in gewissem Sinn die Quelle, aus der das individuelle Karma stammt, und es ist zugleich die Senke, in die hinein es wieder verschwindet und sich auflöst.

"Der Mensch tritt in der Mitte der lemurischen Zeit auf der Erde auf und schafft zum ersten Male eigenes Karma; früher hatte er kein individuelles Karma geschaffen -, so müssen wir nun fragen: Woher kann dieses Karma nur kommen, da es als etwas Neues hereinwirkte? - Es kann nur aus dem Nirvana kommen. Damals mußte etwas hereinwirken in die Welt, das aus dem Nirvana kam, aus dem, wo aus dem «Nichts» heraus geschaffen wird. Die Wesen, die damals die Erde befruchteten, mußten bis ins Nirvana hinaufreichen. Was die vierfüßigen Wesen befruchtete, so daß sie Menschen wurden, waren Wesen, die vom Nirvanaplan herunterkamen. Sie nennt man Monaden. Das ist der Grund, warum damals Wesen dieser Art vom Nirvanaplan herunterkommen mußten. Vom Nirvanaplan ist das Wesen, das in uns, im Menschen ist, die Monade." (Lit.: GA 093a, S. 125)

Dass der Mensch in das Karma verstrickt wurde und dadurch in das Rad der Wiedergeburten gezwungen wurde, ist eine Folge des Sündenfalls. Dass das Karma dabei einen individuellen Charakter trägt, ist dem Umstand zu verdanken, dass die Monade aus der schöpferischen Quelle des Nirvanas stammt.

Karma entsteht aber nur solange, als der Mensch nicht bewusst aus dieser Quelle schöpfen kann. Durch sein Nichtwissen verfällt er immer wieder der luziferischen Versuchung. Erst wo der Mensch bewusst aus der vollen Freiheit seines Ichs tätig wird, handelt er derart rein aus dem Nirvana, dass solche Taten, völlig unbeeinflusst von den Wirkungen der Widersacher, weder karmische Ursachen haben, noch neues Karma schaffen.

"Und nun denken Sie sich einen Menschen, der zunächst durch Karma bestimmt wird; durch Handlungen, Gedanken, Gefühle aus der Vergangenheit. Man denke sich ihn dann so weit vorgeschritten, daß er alles Karma ausgelöscht hat, also dem Nichts gegenübersteht. Wenn er dann noch handelt, sagt man im Okkultismus: Er handelt aus dem Nirvana heraus. - Aus dem Nirvana heraus erfolgten zum Beispiel die Handlungen eines Buddha, eines Christus, wenigstens zum Teil. Der gewöhnliche Mensch nähert sich dem nur dann, wenn er künstlerisch, religiös oder weltgeschichtlich inspiriert wird.

Das intuitive Schaffen kommt aus dem «Nichts». Wer dazu kommen will, muß völlig frei von Karma werden. Er kann dann seine Impulse nicht mehr aus dem nehmen, woraus der Mensch sie gewöhnlich nimmt. Die Stimmung, die ihn dann überkommt, ist die der Gottseligkeit, die als Zustand auch Nirvana genannt wird." (Lit.: GA 093a, S. 123f)

Im Buddhismus bezeichnet Nirvana jenen Zustand, in dem der Mensch durch die Erleuchtung (Bodhi) den Wahn des äußeren Daseins und seiner eigenen Selbstheit überwunden hat und dadurch aus dem Rad der Wiedergeburten (Samsara) endgültig heraustritt und sich künftig nicht mehr auf Erden inkarnieren muss. Alles irdische Karma ist dann endgültig ausgelöscht.

Als der Buddha in das Nirvana einging, hatte er damit einen Zustand erreicht, der der Verklärung Christi entspricht. Um im Nirvana aufgehen zu können, muss man das Ego, das im Egoismus verhärtete nieder Ich, in dem zugleich die Quelle des Bösen liegt, vollkommen überwunden haben.

"Das Böse ist nichts anderes, als das nach außen geworfene, im Inneren des Menschen notwendige Chaos. Und in diesem Chaos, in dem, was im Menschen sein muß, aber auch in ihm bleiben muß als ein Herd des Bösen, in dem muß das menschliche Ich, die menschliche Egoität erhärtet werden. Diese menschliche Egoität kann nicht jenseits der menschlichen Sinnessphäre in der Außenwelt leben. Daher verschwindet das Ich-Bewußtsein im Schlafe, und wenn es auftritt in den Träumen, so erscheint es sich oftmals fremd oder geschwächt. Das Ich, das da in dem Herd des Bösen im Inneren eigentlich erhärtet wird, das kann da nicht hinein jenseits der Sphäre der Sinneserscheinungen. Daher die Anschauung des altorientalischen Weisen, daß man nur durch Hingabe, durch Liebe, durch Aufgabe des Ich da eindringen kann, und daß, wenn man ganz eindringt, man nicht mehr lebt in einer Welt des Vana, des Webens in dem Gewohnten, sondern in der Welt, wo dieses gewohnte Dasein verweht ist, Nirvana ist. Diese Auffassung des Nirvana, des höchstgesteigerten Hingebens des Ich, wie es im Schlafe vorhanden ist, war so in vollbewußter Erkenntnis vorhanden für die Schüler der altorientalischen Zivilisation." (Lit.: GA 207, S. 27)

Das eigentliche, höhere Ich wird durch das Eingehen ins Nirvana keineswegs ausgelöscht, wie aus einer falschen Interpretation der buddhistischen Lehre des Anatta, des Nicht-Ich, vielfach gefolgert wird, sondern vielmehr gestärkt. Als einer der wenigen westlichen Interpreten des Buddhismus ging Georg Grimm (1868 - 1945), ein Pionier des Buddhismus in Deutschland, davon aus, dass der Buddha nicht lehren wollte, dass es im letzten Sinn kein Ich gibt, sondern dass er im Gegenteil das wahre und unsterbliche Ich des Menschen offenlegen wollte (Lit.: Grimm). Grimm wurde dafür von führenden Indologen, insbesondere auch von Helmuth von Glasenapp, stark kritisiert.

Um Nirvana erleben zu können, muss man sich mit seinem Bewusstsein in einem Zustand des wachen Träumens in das Luft-Element versetzen. Man muss mittels geeigneter Atemübungen das Leben der Luft in sich erleben:

"... wenn man sich in das Luftförmige versetzt im Traum, so befindet man sich auf dem Nirvanaplan. Nirvana heißt wörtlich «verlöschen», in Luft verlöschen, so wie man ein Feuer auslöscht. Wenn man darin das Leben sucht, ist man mit dem eigenen Leben auf dem Nirvanaplan. Der Mensch atmet Luft ein. Wenn er das Leben der Luft in sich erlebt, dann ist das der Weg, um auf den Nirvanaplan zu kommen. Daher die Atemübungen der Jogis. Niemand kann den Nirvanaplan erreichen, wenn er nicht wirklich Atemübungen macht. Es sind nur dann Hathajoga-Übungen, wenn sie auf der falschen Stufe gemacht werden. Sonst sind sie Rajajoga-Übungen. Man atmet tatsächlich das Leben ein, den Nirvanaplan." (Lit.: GA 093a, S. 45)

Nirvana zu erleben bedeutet, dass das Bewusstsein bis zum Nirvanaplan hinauf reicht. Nirvana wird erfahren als absoulte Leerheit (skrt. Shunyata), als Negation jeglichen sinnlichen und übersinnlichen Seins. Alles Geschaffene ist überwunden und das Bewusstsein erwacht, nun von jeglichem Objekt- und Subjektbezug gereinigt, im Zustand seiner eigentlichen Soheit (skrt. Tathata) inmitten der schöpferischen Quelle des Geistes. Der so verstandene Begriff der Leerheit, als die das Nirvana erlebt wird, weist auf die wahre Wirklichkeit des Geistes, wie sie auch aus anthroposophischer Sicht aufgefasst wird. Der Geist kann nicht als ein in irgendeiner Form definierbares, d.h. abgrenzbares Sein beschrieben werden, hier gibt es nicht klein und groß, kein oben und unten usw., sondern er verwirklicht sich im beständigen Schaffen und Selbsterschaffen aus dem Nichts. Der Nirvanaplan ist so schwer in Worten zu beschreiben, dass dafür bis heute noch keine zutreffende Bezeichnung in den europäischen Sprachen gefunden hat:

"Wenn wir die europäischen Ausdrücke gebrauchen, nennen wir den physischen Plan die Welt des Verstandes, das Astralische die Welt des Elementarischen, das untere Devachan die himmlische Welt und das obere Devachan die Vernunftwelt. Und weil der europäische Geist sich erst nach und nach heraufarbeitet, um in seiner Sprache die entsprechenden wirklichen Ausdrücke zu haben, so hat er dasjenige, was über der devachanischen Welt liegt, einen religiös gefärbten Ausdruck bekommen und heißt die «Welt der Vorsehung», was darüber ist, das konnte das alte Hellsehen zwar überblicken und alte Überlieferungen konnten es der Menschheit geben, aus den europäischen Sprachen heraus konnte ihm aber kein Name gegeben werden, weil heute erst der Seher sich wieder dazu heraufarbeitet. So daß über der Welt der Vorsehung eine Welt liegt, für die es in ganz ehrlicher und richtiger Weise den Namen in den europäischen Sprachen noch nicht geben darf, denn es kann auch nicht ein beliebiger Name gefunden werden für das, was sonst im Orientalischen «Nirvana» genannt wird und was über der Welt der Vorsehung, dem Buddhiplan liegt." (Lit.: GA 116, S. 31f)

Literatur

  1. Georg Grimm: Die Lehre des Buddho. Die Religion der Vernunft und der Meditation., Hrsg. v. Maya Keller-Grimm u. Max Hoppe, Aurum Verlag, Freiburg 1988
  2. Rudolf Steiner: Bewusstsein, Leben, Form. Grundprinzipien der geisteswissenschaftlichen Kosmologie., GA 89 (2001)
  3. Rudolf Steiner: Grundelemente der Esoterik, GA 93a (1987)
  4. Rudolf Steiner: Der Christus-Impuls und die Entwickelung des Ich-Bewusstseins, GA 116 (1982)
  5. Rudolf Steiner: Anthroposophie als Kosmosophie – Erster Teil, GA 207 (1990)
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