Objekt

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Das Objekt (lat. obiectum, das „Entgegengeworfene“; griech. ἀντίκείμενον antikeimenon, das „Entgegengesetzte, Gegensätzliche, Entgegengeworfene“) wurde in der Philosophiegeschichte unterschiedlich begrifflich erfasst, wird aber heute im Sinne der Subjekt-Objekt-Spaltung als der objektive Gegenwurf des Subjekts aufgefasst, als Nicht-Ich, das dem bewussten, individuellen, selbstbestimmten Ich entgegentritt. Aus ontologischer Sicht wird das Objekt zumeist als an sich gegebener und unabhängig vom Subjekt bestehender Gegenstand (im weitesten Sinn) aufgefasst, auf den sich die Aufmerksamkeit und Tätigkeit, namentlich die Erkenntnistätigkeit, des Subjekts richtet. Das Objekt wird so zu einem für sich bestehenden Absolutum erklärt. Dabei wird übersehen, dass die Kluft zwischen Subjekt und Objekt nicht in der Wirklichkeit besteht, sondern erst im Erkenntnisakt, d.h. durch das Denken, im Bewusstsein aufgerissen - und auch wieder überwunden wird. Das Denken selbst ist weder subjektiv noch objektiv, sondern über den von ihm selbst hervorgebrachten Gegensatz von Subjekt und Objekt erhaben. Der Objektbegriff ist daher nur in Relation zu einem erkennenden Subjekt zu fassen.

"Nun darf aber nicht übersehen werden, dass wir uns nur mit Hilfe des Denkens als Subjekt bestimmen und uns den Objekten entgegensetzen können. Deshalb darf das Denken niemals als eine bloß subjektive Tätigkeit aufgefasst werden. Das Denken ist jenseits von Subjekt und Objekt. Es bildet diese beiden Begriffe ebenso wie alle anderen. Wenn wir als denkendes Subjekt also den Begriff auf ein Objekt beziehen, so dürfen wir diese Beziehung nicht als etwas bloß Subjektives auffassen. Nicht das Subjekt ist es, welches die Beziehung herbeiführt, sondern das Denken. Das Subjekt denkt nicht deshalb, weil es Subjekt ist; sondern es erscheint sich als ein Subjekt, weil es zu denken vermag. Die Tätigkeit, die der Mensch als denkendes Wesen ausübt, ist also keine bloß subjektive, sondern eine solche, die weder subjektiv noch objektiv ist, eine über diese beiden Begriffe hinausgehende. Ich darf niemals sagen, dass mein individuelles Subjekt denkt; dieses lebt vielmehr selbst von des Denkens Gnaden. Das Denken ist somit ein Element, das mich über mein Selbst hinausführt und mit den Objekten verbindet. Aber es trennt mich zugleich von ihnen, indem es mich ihnen als Subjekt gegenüberstellt." (Lit.: GA 4, S. 60)

„Das Erkenntnisvermögen erscheint dem Menschen nur so lange als subjektiv, als er nicht beachtet, dass die Natur selbst es ist, die durch dasselbe spricht. Subjektiv und objektiv treffen zusammen, wenn die objektive Ideenwelt im Subjekte auflebt, und in dem Geiste des Menschen dasjenige lebt, was in der Natur selbst tätig ist. Wenn das der Fall ist, dann hört aller Gegensatz von subjektiv und objektiv auf. Dieser Gegensatz hat nur eine Bedeutung, solange der Mensch ihn künstlich aufrecht erhält, solange er die Ideen als seine Gedanken betrachtet, durch die das Wesen der Natur abgebildet wird, in denen es aber nicht selbst wirksam ist. Kant und die Kantianer hatten keine Ahnung davon, dass in den Ideen der Vernunft das Wesen, das Ansich der Dinge unmittelbar erlebt wird. Für sie ist alles Ideelle ein bloß Subjektives.“ (Lit.:GA 6, S. 54f)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Philosophie der Freiheit, GA 4 (1995), ISBN 3-7274-0040-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Goethes Weltanschauung, GA 6 (1990), ISBN 3-7274-0060-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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