Osiris

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Osiris in Hieroglyphen
ausgeschrieben
Q1
D4

Sitz des Auges (Wsjr)
oder
mit Determinativ
Q1
D4
A40
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Osiris
Osiris Statue, Ägyptischen Museum, Kairo

Osiris (übersetzt etwa: „Sitz des Auges”), der wie Isis zur Götter-Neunheit von Heliopolis zählt, ist der ägyptische Gott des Jenseits, der Wiedergeburt und der Toten, aber auch der Gott der Vegetation, der schwellenden Nilflut und der Fruchtbarkeit. Sein Hauptkultort war Abydos, wo damals alljährlich in jedem vierten Monat ihm geweihte Mysterienspiele augeführt wurden. Zusammen mit Isis und Horus bidet er die Trias von Abydos. Der Osirismythos gilt als einer der wichtigsten Mythen der ägyptischen Religion. In der Osiris-Gestalt der klassischen Epoche sind verschiedene Lokalgötter der Frühzeit verschmolzen worden.

Osiris wird in menschlicher Gestalt dargestellt, meist mit grüner Hautfarbe, mit Atefkrone aus Pflanzenstängeln und Straußenfedern, und trägt meist einen weißen langen Anzug mit rotem Gürtel. Eine Anlehnung an seine Gestalt, die er im zweiten Leben annahm, nachdem Anubis seinen zerstückelten Körper zusammenfügte und mumifizierte. Durch seine spätere Rolle als Herrscher des Jenseits wird er auch mit den Königsinsignien, Krummstab (Symbol des guten Hirten) und Dreschflegel (Symbol der Fruchtbarkeit), ausgestattet und dargestellt.

Osiris und Christus

„Und dann kam eine spätere Zeit, in der man nicht mehr so tief hineindringen konnte in die Weltengeheimnisse. Es war diejenige Zeit, die ich in meiner «Geheimwissenschaft» die chaldäisch-ägyptische Menschheitskultur nannte. Auch da blickte man noch hinauf zur Sonne, aber man sah jetzt die Sonne nicht mehr als die strahlende, man sah das bloß Leuchtende, das bloß Glänzende. Und Ra, dessen irdischer Repräsentant Osiris war, erschien als die eigentlich um die Erde sich bewegende Sonne, die da glänzte. So waren gewisse Geheimnisse dadurch verlorengegangen, daß man nicht mehr als Initiierter der alten Zeit in vollständiger innerer Klarheit den strahlenden Weltengott sehen konnte, sondern daß man jetzt nur dasjenige sehen konnte, was mehr aus Urkräften heraus, aus astralischen Kräften heraus von der Sonne kommt. Zarathustra sah in der Sonne noch ein Wesen; er konnte zu jener Zeit noch in der Sonne ein Wesen sehen. Die ägyptischen, die chaldäischen Initiierten, sie sahen in der Sonne nur die Kräfte, welche als Lichtkräfte, welche als Bewegungskräfte von der Sonne nach der Erde kamen. Sie sahen schon nurmehr etwas niedrigeres als ein geistiges Wesen: sie sahen geistige Taten, aber nicht ein geistiges Wesen. Und als denjenigen, der auf der Erde das repräsentiert, was man von den Kräften der Sonne als Mensch in sich trägt, bezeichneten diese alten ägyptischen Eingeweihten den Osiris.“ (Lit.:GA 211, S. 181)

"Osiris stellte ja für die Ägypter gewissermaßen dasjenige dar, was ihnen eine Art Repräsentant war des noch nicht gekommenen Christus; aber sie stellten sich auf ihre Art das Sonnenwesen vor in Osiris. Sie stellten sich vor, daß dieses Sonnenwesen in einer gewissen Weise verlorengegangen sei, und daß es wieder gesucht werden muß. Wir können uns nicht vorstellen, daß unser Sonnenwesen, der durch das Mysterium von Golgatha gegangene Christus, für die Menschheit verlorengehen könnte, da er einmal heruntergestiegen ist aus geistigen Höhen, sich mit dem Menschen Jesus von Nazareth verbunden hat und fortan bei der Erde bleibt. Er ist da, und der entsprechende Weihnachtsgesang darf jedes Jahr verkünden: Uns wird der Heiland geboren -, indem er damit ausdrückt das nicht Vorübergehende dieses Ereignisses, sondern das Ewige desselben, indem er damit ausdrückt, daß nicht nur damals in Bethlehem der Jesus geboren worden ist, sondern daß er im Grunde genommen immerfort geboren wird, das heißt, bei dem Erdensein verbleibt. Also dasjenige, was uns der Christus ist, das kann nicht verlorengehen." (Lit.: GA 202, S. 234f)

"Die sieben Rischis wiesen darauf hin, daß diese Wesenheit vorhanden ist, Zarathustra, daß der okkulte Blick, der auf die Sonne gerichtet ist, diese Wesenheit schaut, die ägyptische Kultur, daß diese Wesenheit der Erde noch so fremd ist, daß der Mensch sie erst antrifft nach dem Tode; die vierte Kulturperiode durfte darauf hinweisen, daß innerhalb unserer Erdenentwickelung die Bedingungen eingetreten waren, daß drei Jahre hindurch eine menschliche Wesenheit unmittelbar inspiriert werden konnte von diesem Geist der Weisheit. Und es war dadurch möglich, zu erkennen, daß tatsächlich die Sphäre dieses Sonnengeistes der Weisheit umfassender ist als die Sphäre der Geister der Bewegung, weil sie nun den gesamten Kulturprozeß der Erde umfaßt. Das heißt, dasjenige, was man in der Sprache der heiligen Rischis als Vischvakarman bezeichnet, in der des Zarathustra als Ahura Mazdao, in der der ägyptischen Kultur, wenn man wirklich versteht, was hinter dem Namen steckt, als Osiris, und was man bezeichnete in der Sprache des vierten Kulturzeitraumes mit dem Wort Christus, das hat hereingeleuchtet durch das Tor des Sonnengeistes der Weisheit. — Ebensowenig als ich gesagt habe, daß es nur der Geist der Bewegung ist, der durch den Buddha hereingeleuchtet hat, sowenig sage ich, daß es nur der Sonnengeist der Weisheit ist, der durch den Christus hereingeleuchtet hat. Er war das Tor, um hinauszurichten den okkulten Blick in unendliche Sphären, worin die Geister der höheren Hierarchien vorhanden sind; aber der Einlaß war der Geist der Weisheit, der Sonnengeist der Weisheit. Wie die Sonne sich zu den Planeten verhält, so verhält sich der Sonnengeist der Weisheit zu den Geistern der Bewegung, die ihrerseits in solchen Geistern zum Ausdruck kommen wie der, der den Buddha inspiriert hat." (Lit.: GA 136, S. 179f)

Die kosmische Gestalt des Osiris

"In der Gestalt des Osiris sah der Ägypter die Wirkung des Sonnengestirns auf unsere Erde in der Zeit, als noch Nebeldünste um die Erde wogten, als noch keine Luft da war, und er sah, daß, als im Menschen die Luftatmung anfing, daß in dem Momente die einheitliche Wesenheit, Osiris-Set sich trennte. Set oder Typhon bewirkt, daß der Lufthauch in uns eingeht. Typhon, der Windhauch, löste sich von dem Licht der Sonne, und Osiris wirkt nur als Licht der Sonne. Es ist aber auch derselbe Moment, in dem Geburt und Tod in das Wesen des Menschen hereinzog. In das, was formend und entformend war, was bis dahin etwa so war, als ob wir einen Rock anziehen und ausziehen, war eine große Änderung getreten. Wenn der Mensch damals hätte empfinden können, in der Zeit, als noch nicht die von der Sonne ausgehenden Wirkungen die Erde selbst verlassen hatten, die Wirkungen, die von jenen hohen Wesenheiten ausgingen, die später mit der Sonne hinausgegangen sind, so hätte er mit Dankbarkeit hinaufgesehen zu diesen Sonnenwesen. Als die Sonne aber sich nunmehr immer mehr von der Erde trennte, als dann immer mehr das, was Dunstsphäre war - die allerdings damals für den Menschen das Reich seiner höheren Natur war -, sich verfeinerte, da bekam der Mensch, der immer weniger die direkte Einwirkung der Sonne wahrnehmen konnte, das Bewußtsein davon, was die Kräfte in seiner niederen Natur waren, und er kam dazu, daß er dort sein Ich erfaßte. Wenn er in seine niedere Natur untertauchte, da wurde er sich seiner selbst erst bewußt.

Warum nun ist die Wesenheit, welche wir als Osiriswesenheit kennen, verfinstert worden? Das Licht hörte mit dem Weggang der Sonne zu wirken auf, aber Jahve blieb zunächst auf der Erde, bis der Mond sich trennte. Osiris war der Geist, welcher so die Kraft des Sonnenlichtes in sich enthielt, daß er später, als der Mond sich trennte, mit dem Monde mitging, und die Aufgabe erhielt, vom Monde aus das Sonnenlicht auf die Erde zu lenken. Zuerst haben wir also die Sonne herausgehen sehen; Jahve bleibt mit seiner Schar, mit Osiris in der Erde zurück. Der Mensch lernt atmen. Zugleich aber trat der Mond heraus; Osiris zieht mit dem Monde heraus und erhält die Aufgabe, das Sonnenlicht vom Monde zu reflektieren auf die Erde. Osiris wird in einen Kasten gelegt, das heißt, er zieht sich mit dem Monde zurück. Vorher hatte der Mensch die Osiriswirkung von der Sonne her; jetzt erhielt er die Empfindung, daß das, was ihm früher von der Sonne kam, ihm jetzt vom Monde zuströmte. Der Mensch sagte sich damals, wenn der Mond herunterstrahlte: Osiris, du bist es, der mir vom Monde das Licht der Sonne strahlt, das zu deinem Wesen gehört.

Aber dieses Licht der Sonne wird täglich in einer anderen Gestalt zurückgestrahlt. Wenn der Mond in schwacher Sichel am Himmel steht, dann haben wir die erste Gestalt; wenn er am zweiten Tage gewachsen ist, die zweite, und so durch vierzehn Tage durch haben wir vierzehn Gestalten bis zum Vollmond. Osiris wendet sich durch vierzehn Tage in den vierzehn Gestalten der beleuchteten Mondesscheibe der Erde zu. Es ist von tiefer Bedeutsamkeit, daß diese vierzehn Gestalten, vierzehn Wachstumsphasen, der Mond, das heißt, Osiris annimmt, um das Licht der Sonne uns zuzustrahlen. Dieses, was da der Mond tut, das ist im Kosmos gleichzeitig damit verknüpft, daß der Mensch atmen gelernt hat. Erst als diese Erscheinung in ihrer Art voll am Himmel war, erst da konnte der Mensch atmen, und damit war er verknüpft mit der physischen Welt, und es konnte der erste Keim des Ichs in der menschlichen Wesenheit entstehen. Die spätere ägyptische Erkenntnis hat das alles, was hier geschildert worden ist, empfunden und so erzählt: Osiris regierte früher die Erde, dann aber trat Typhon auf, der Wind. - Das ist die Zeit, in der die Wasser soweit herabfallen, daß die Luft auftritt, wodurch der Mensch zum Luftatmer wird. Das Osirisbewußtsein hat Typhon besiegt, er hat Osiris getötet, ihn in einen Kasten gelegt und dem Meere übergeben. Wie könnte man denn das kosmische Ereignis bedeutungsvoller ausdrücken im Bilde? Erst regiert der Sonnengott Osiris, dann wird er hinausgetrieben im Monde. Der Mond ist der Kasten, der in das Meer des Weltenraumes hinausgedrängt wird; nunmehr ist Osiris im Weltenraum. Wir erinnern uns nun aber auch daran, daß in der Sage gesagt wird, daß, als Osiris wiedergefunden wurde, als er auftauchte im Weltenraum, er in vierzehn Gestalten erschien. Die Sage erzählt: Osiris wurde in vierzehn Glieder zerstückelt und in vierzehn Gräbern begraben. Hier haben wir einen wunderbaren Hinweis in dieser tiefgründigen Sage auf den kosmischen Vorgang. Die vierzehn Gestalten des Mondes, die Mondphasen, sind die vierzehn Stücke des zerstückelten Osiris. Der ganze Osiris ist die ganze Mondscheibe." (Lit.: GA 106, S. 79ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Ägyptische Mythen und Mysterien, GA 106 (1992), ISBN 3-7274-1060-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen, GA 136 (1996), ISBN 3-7274-1361-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physische des Menschen, GA 202 (1993), ISBN 3-7274-2020-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung, GA 211 (1986), ISBN 3-7274-2110-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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