PaRDeS

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PaRDeS ist ein Akronym für die klassische jüdische Interpretation von Texten beim Torastudium. Die Pardes-Typologie beschreibt vier verschiedene Ansätze der Exegese der Jüdischen Bibel und anderer heiliger Texte in der Tradition des rabbinischen Judentums.

  • Der erste Konsonant P steht für Pschat, das bedeutet die einfache, wörtliche Bedeutung.
  • Der zweite Konsonant R steht für Remes, d.h. Anspielung, Allegorie.
  • Der dritte Konsonant D steht für Drasch: interpretative, homiletische Bedeutung.
  • Der letzte Konsonant S steht für Sod, d.h. Geheimnis, und enthält mystische, vielfach esoterische Bedeutungen. Mit ihrem Studium sollte erst begonnen werden, nachdem die drei ersten Ebenen studiert und verstanden wurden.


Auslegung der Tora

Über klassische Lesarten hinaus lassen sich mit Hilfe dieses Systems einige Bibelstellen in einem neuen, nicht wörtlichen Sinn interpretieren. Ein Beispiel dafür ist 3. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 10, wo für Ehebrecher und Ehebrecherin der Tod gefordert wird. Insbesondere im liberalen Judentum wird diese Forderung heute nicht mehr wörtlich genommen. Allegorisch kann Ehebruch als Abwendung von Gott als Quelle allen Lebens verstanden werden. Unter Drasch sind persönliche Ansichten zur Bedeutung der Ehe denkbar, und die letzte Ebene Sod kann als Unio mystica zwischen Mensch und Gott verstanden werden.

Ein weiteres Beispiel für die vierfache Interpretation eines Verses bietet der bekannte Ausdruck „ein Land, das von Milch und Honig fließt“, der in der Bibel etwa 20mal wiederholt wird. Im wörtlichen Sinn ist hier wohl Ziegenmilch und Bienenhonig zu verstehen, im übertragenen Sinn ein Land von Überfluss und Fruchtbarkeit. Ebenfalls in die Kategorie Remes gehört die Tatsache, dass laut der Gematria chalaw, das hebräische Wort für Milch, einen Zahlenwert von 8+30+2=40 hat. Dies soll auf die 40 Tage hindeuten, die Moses auf dem Berg Sinai verbrachte. Auf der nächsten Ebene Drasch wird die Tora öfters mit Milch und Honig verglichen; im Hohelied steht: „Milch und Honig sind unter deiner Zunge“. In einem mystischen Sinn, gemäß dem Sohar, werden Milch und Honig schließlich mit der mündlich überlieferten Tora in Verbindung gebracht.


Verbindung mit dem Paradies

Das PaRDeS-System wird oft als mystisch mit dem Wort pardes (hebrä. פרדס) verbunden angesehen. Das Wort Paradies hat dieselbe altiranische bzw. persische Wurzel wie pardes in der hebräischen Sprache. Im Avestischen steht es für ein umgrenztes „eingehegtes Gebiet“ wie einen herrschaftlichen Park, einen Tier-, Lust- oder Zaubergarten; in der griechischen Übersetzung der Bibel wurde es zur Bezeichnung des „Garten Eden“ verwendet.

Das Wort pardes erscheint nur in drei Büchern des Tanach, namentlich im Hohelied Salomos 4:13, im Buch Kohelet 2:5 und im Buch Nehemia 2:8. An der ersteren Textstelle bedeutet es Garten, an der zweiten und dritten Textstelle Park. Im Talmud wird pardes für den Garten Eden und das Himmlische Eden gesetzt[1] Von diesem Gebrauch kommt die chrtistliche Verwendung von Paradies für das Himmelreich (in den Himmel kommen)[2].


Verbindung mit dem Garten

GiNaT ist ein Akronym für die klassische jüdische Interpretation von Texten beim Torastudium. Die Ginat-Typologie beschreibt drei zusätzliche Ansätze der Exegese der Jüdischen Bibel und anderer heiliger Texte in der Tradition des rabbinischen Judentums.

Die Pardes-Methodik besagt, dass der Tanach (hebrä. תנכ) vierlagig angelegt wurde. Die Ginat-Methodik spricht von einem weiteren dreifachen Wortsinn. „Ginat“ bedeutet aus dem Hebräischen „Garten“. Das Wort GiNaT (hebrä. גנת) wird aus den Anfangsbuchstaben der Worte: Gematria, Notarikon und Temura zusammengesetzt. Gematria ist eine Methode zur Interpretation von Worten mit Hilfe von Zahlen. Dabei werden Buchstaben in ihre Zahlenwerte überführt. Aus den Zahlenwerten werden dann Bedeutungen und Verbindungen abgeleitet. Notarikon ist eine Methode mit der Anfangs- oder Endbuchstaben eines Wortes verbunden werden, um ein anderes Wort zu bilden. Daraus lassen sich andere, neue Worte oder Sätze finden. Temura ist eine Methode, um ein Wort zu erläutern, indem dessen Buchstaben miteinander vertauscht werden. Dadurch entsteht eine erklärende oder verborgene Bedeutung. Die Pardes-Ginat-Methode oder die Paradies-Garten-Methode besagt also, dass alles in der Bibel einen siebenfachen Sinn hat.


Einzelnachweise

  1. Vergleiche Weber's "Jüdische Theologie," 2. Ed., 1897, S. 344 et seq.
  2. Paradise in der Jewish Encyclopedia

Siehe auch

Literatur

  • A. van der Heide: PaRDeS, in: Amsterdam Cahiers voor exegese en Bijbelse theologie 3 (1982), 118-165
  • I. Heinemann: Die wissenschaftliche Allegoristik des jüdischen Mittelalters, in: Hebrew Union College Annual 23 (1950), 611-643
  • G. Grippo: Die Kabbalah - Die Vereinigung vieler Philosophien, ISBN 978-3981062229

Weblinks

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