Pansophie

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Pansophie oder Pansophia (Allweisheit; von griech. πάν, pan, „alles“ und σοφία, sophia, „Weisheit“) war eine bereits von Jakob Böhme und Paracelsus vorbereitete und von den Rosenkreuzern beeinflusste, vor allem in Deutschland, England und den Niederlanden verbreitete religös-philosophische Strömung des 16. bis 18. Jahrhunderts, die darauf abzielte, eine alles Wissen von Gott und der Natur zusammenfassende Universalwissenschaft auszubilden, wobei auch alchemistisches und neuplatonistische Elemente und insbesondere die Emanationslehre berücksichtigt wurden, um dadurch ein weltweites Gelehrten- und Friedensreich zu verwirklichen. Der Pansophismus wurde insbesondere von Jan Amos Comenius (1592–1670) gefördert und weiterentwickelt. 1637 veröffentlichte er mit seiner Schrift Prodomus pansophiae den ersten Entwurf einer pansophischen Enzyklopädie. 1670 folgte die Schola pansophiae. Später wurde pansophisches Gedankengut insbesonders von den Freimaurern aufgenommen und weiterentwickelt.

"... dieser Amos Comenius war ein Mann — er ist in Mähren geboren —, der im Verlaufe seines Lebens in Zusammenhang gekommen ist mit den zahlreichen über ganz Europa ausgegossenen geheimen Brüderschaften, wie die sind, von denen ich Ihnen erzählt habe; denn die waren ja überall zu finden. Und mit allen ist er in reale Beziehung getreten, auf alle versuchte er zu wirken. Und wie er zu wirken wußte, das zeigt besonders schön dasjenige, was er in seiner «Pansophie» sagt. Also da haben wir in Amos Comenius im sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert, im Anfange unseres Zeitraums, einen Menschen, der wußte: Jetzt ist Umschwung, es kommt ein anderes Zeitalter herauf. Man muß in die Form des äußeren Verstandes umsetzen dasjenige, was früher war. Man darf es nicht in Form einer bloßen Tradition behalten. Die Tradition ging auf das Letzte aus, was geoffenbart war, auf den Tempelbau. Ob man nun den griechischen Tempel oder den salomonischen Tempel nahm, darauf kommt es nicht an. Auf den Tempelbau, auf die Bilder des Tempelbaues ging es hinaus, und von den Bildern des Tempelbaues wurde alles genommen, symbolisch, imaginativ.

Amos Comenius stellte sich zur Aufgabe, in seiner «Pansophie» alles umzusetzen in die Art und Weise, wie die Seele wirkt im fünften nachatlantischen Zeitraum. Er sagt:

«Möge nun dieser oder jener Name gefallen, wir zogen den der Pansophie vor, weil wir alle Menschen anregen wollten, alles zu erkennen und überhaupt weise zu sein, mit der Wahrheit der Dinge den Geist zu erfüllen und nicht mit dem Rauch von Meinungen. Man könnte sie auch die Wissenschaft vom Besten, vom Auserwählten, oder sogar die Wissenschaft vom Nichtswissen nennen, wenn man sich an Sokrates oder an den Apostel erinnern möchte. Warum aber soll der Tempel der Pansophie errichtet werden nach den Ideen, Richtmaßen und Gesetzen des höchsten Baumeisters selbst?»

Hier knüpft Amos Comenius an den «erhabenen Baumeister der Welten» an. Diesen «erhabenen Baumeister der Welten», ihn ruft man an, weil man weiß, was Baukunst, die wirkliche Baukunst in alten Zeiten war. Es ist ganz wörtlich zu nehmen, aber geistigwörtlich. Aber Amos Comenius versucht das nun in die Sprache des fünften nachatlantischen Zeitraumes umzusetzen. Hören Sie, wie er es umsetzt:

«Warum aber soll der Tempel der Pansophie errichtet werden nach den Ideen, Richtmaßen und Gesetzen des höchsten Baumeisters selbst? Weil wir dem Urbilde des Ganzen nach Maß, Zahl, Lage und Zweck der Teile so folgen, wie es die Weisheit Gottes selbst vorgezeichnet, und zwar zuerst bei Moses in der Errichtung der Stiftshütte, dann bei Salomo in Erbauung des Tempels und endlich bei Ezechiel in der Wiederherstellung des Tempels.» — Er könnte ebensogut den griechischen Tempel anführen. — «Wenn wir den Weisheitstempel aufrichten wollen, so müssen wir uns stets daran erinnern, daß der zu bauende Tempel groß, herrlich und preisenswert war durch alle Lande, weil unser Gott über alle Götter ist. Die würdigen und tüchtigen Bauleute müssen daher herbeigerufen werden, wo sie nur zu finden sind, damit sie das Nötige finden und schaffen helfen. Der Tempel Salomos wurde auf Gottes Befehl auf dem Berge Moriah gebaut; Moriah heißt Gesicht Gottes.» — Ebenso wie herausgebaut worden ist der Mensch aus dem Schöße der Gottheit! Sie haben ja gesehen: Vitruv hat verlangt, daß der Baumeister alle "Weisheit über den Menschen in seinem Geiste hat. — «Die Grundlage des Weisheitstempels wird also ein Gesicht von Gott sein» — so soll durch das neuere Wissen auch geoffenbart werden das Gesicht Gottes, das heißt die Offenbarung Gottes —, «das heißt, es soll durch alles Sichtbare hindurch der unsichtbare Stuhlmeister der Welt mit seiner Allmacht, Weisheit und Güte von dem Geiste des Menschen erkannt und geschaut werden. Die Baustoffe des Salomonischen Tempels waren Steine, Holz, Metalle, und zwar kostbare Steine, Marmor und Edelsteine, und saftige und wohlriechende Hölzer, Tannen und Zedern, und reinstes Metall, Probegold. Zum Weisheitstempel liefern drei Wälder das Bauholz» — jetzt übersetzt er —, «der der Sinne, der Vernunft und der göttlichen Offenbarung; der erste liefert das Begreifliche, der zweite das Lebendige und der dritte das Unvergängliche.» — Früher hatte man es in den Bildern von Stein und Holz, das eingelegte Gold. Das übersetzt er in die Sprache des fünften nachatlantischen Zeitraumes: Das erste liefert das Begreifliche — die Sinne; die Vernunft liefert das Lebendige; die Offenbarung liefert das Unvergängliche. Da haben Sie die Übersetzung. - «Aus den Steinen», sagt er weiter, «wurden Wände, aus dem Holz Täfelwerk, und aus dem Golde wurden Bleche zum Überziehen des Täfelwerks und des Marmorpflasters, dann die heiligen Gefäße und Gerätschaften. So werden die Wände des Weisheitstempels aus dem, dessen Wahrheit bis zur sinnlichen Gewißheit sich erhebt», — also das, was die Sinne liefern, bildet die Wände unseres Weisheitstempels — «das Täfelwerk liefern die Vernunftschlüsse, die hinzukommen» — das Holz — «und das Gold daran kommt aus der Harmonie des Erkannten mit der Offenbarung. Der Salomonische Tempel entstand aus vollkommen behauenen Steinen, und während des Baus hörte man keinen Hammer, kein Beil, kein Eisenzeug. So soll bei dem Bau des Weisheitstempels kein Zank und Streit sein, sondern alles im Quadrat bearbeitet sein, so daß es nur der Zusammensetzung bedarf; die Weisheit muß schon vorher erörtert, in allen Dingen herausgearbeitet sein.»

Kein Zank und Streit beim Suchen nach der Weisheit! Deshalb, meine lieben Freunde, ist das, was in unserer Gesellschaft wiederum gesucht werden soll: die geistige Weisheit, auch davon abhängig, daß unter den Mitgliedern nicht Zank und Streit herrscht. Zank und Streit ist ja, wenn unser Ziel erreicht werden soll, aus unsern Reihen ausgeschlossen. Sie wissen ja, besonders die letzten Zeiten haben gezeigt, wie stark diese goldene Regel befolgt wird. — Amos Comenius sagt weiter:

«Die Teile des Salomonischen Tempels waren im schönsten und vollkommensten Verhältnisse nach Zahl und Maß, und ein Engel mit einer Meßschnur usw. machte dem Ezechiel den Riß.» — Da haben Sie wieder die Hindeutung auf den Angelos. — «So soll auch im Weisheitstempel alles wohl bemessen sein, damit der Geist vor allem Abirren bewahrt werde. Im Salomonischen Tempel gab es Zieraten, Bildhauerei, getriebene Arbeiten, Cherubim, Palmen und Blumen. Im Weisheitstempel soll Schönheit, die schöne Darstellung, der Schmuck sein. Alles im Umfange des Salomonischen Tempels Eingeschlossene war heilig. So soll es auch mit dem Weisheitstempel sein; sein Inhalt soll rein und heilig, den höchsten Zwecken gewidmet sein. Was aber Gott einst den Erbauern des Jerusalemischen Tempels verhieß, seine Gegenwart, seine Hilfe, seinen Segen, das können die Errichter des Weisheitstempels auch erwarten; denn er sagt: Ich liebe, die mich lieben usw. und fülle ihre Schätze. Endlich, als bei jenem Salomonischen Tempel der Grund zu den Mauern gelegt wurde, standen die Leviten und Priester in ihrem Schmuck und lobten mit Zimbeln und Pfeifen gemeinschaftlich mit dem Volke den Herrn.»

So geht es auch, wie Sie wissen, in unserer Zeit! Hier wird gesucht die geistige Weisheit, wie sie sich offenbart durch die geistigen Welten, und die Pfarrer aller Konfessionen stehen draußen, wie Sie wissen, und loben dasjenige, was gefunden wird, mit Zimbeln und mit Pfeifen gemeinschaftlich mit dem Volke des Herrn. Das haben Sie ja wohl schon gesehen, wie das geschieht bei diesen Pfarrern und Gelehrten der gegenwärtigen Zeit!

«So sollten bei der Errichtung des Weisheitstempels auch alle gottinnigen Leute zusammentreten und den Namen des Herrn preisen von nun an bis in Ewigkeit, vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange. Wir wünschen eine Schule der Weisheit, universaler Weisheit, eine pansophische oder Allweisheitsschule, das heißt eine Werkstatt, wo alle zur Ausbildung zugelassen, in allem für das Leben — das gegenwärtige und zukünftige — Nötigen Übung erlangen, und zwar ganz vollständig. Und dies auf so sicherem Wege, daß niemand dort gefunden wird, der durchaus nichts von den Dingen wüßte, durchaus nichts verstände, keine wahre und notwendige Anwendung zu machen imstande wäre.»

Man kann sagen: Was Goethe in «Wilhelm Meister», namentlich in den «Wanderjahren» darstellt, was er aus dem Menschen machen will, ist eine Fortsetzung desjenigen, was Amos Comenius gewollt hat. Und wiederum, ohne daß wir unbescheiden zu sein brauchen, sondern nur indem wir in objektiver Weise blicken auf dasjenige, was Ziel unseres Strebens sein soll: wir können sehen, wie schon im sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert der Anfang gemacht wird und wie wir nur die Aufgabe haben, uns in rechter Weise hineinzustellen in den Entwickelungsgang der Menschheit. Dann wird es schon ganz richtig sein, was wir wollen; nicht was aus subjektiver Willkür heraus entsteht, sondern was durch den Entwickelungsgang der Menschheit notwendig geworden ist." (Lit.: GA 167, S. 125ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste, GA 167 (1962), ISBN 3-7274-1670-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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