Paradies

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Giovanni di Paolo, Vertreibung aus dem Paradies, 15. Jh.

Das Wort Paradies (hebr. ‏פרדס‎, pardes; griech. παράδεισος, paradeisos) geht auf die avestische Bezeichnung für ein umgrenztes oder eingehegtes Gebiet, einen herrschaftlichen Park, einen Tier-, Lust- oder Zaubergarten, zurück und wird in der hebräischen Überlieferung des Tanach als Garten Eden (Sumerisch Guan Eden Rand der himmlischen Steppe, hebr. ‏גן עדןGan Eden) bezeichnet. Allerdings war damit kein irdischer Garten gemeint, denn im Paradieseszustand lebte der Mensch noch als Wärme-Luft-Mensch im Umkreis der Erde. Erst durch die Folgen des Sündenfalls wurde er in das flüssige und in das neu gebildete feste Erdenelement herab versetzt. Dennoch haben rein irdische Lokalisationsversuche des Paradieses eine lange Tradition.

Die Bildung des physisch-ätherischen Menschen

Der Garten Eden wird in der Genesis in der zweiten Schöpfungsgeschichte, nachdem das Sechstagewerk schon vollendet war, im Zusammenhang mit der Erschaffung Adams geschildert. Während sich das Sechstagewerk noch ganz in der Astralwelt abspielt, verlagert sich nun die Entwicklung in die Ätherwelt.

5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6 aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. 7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. 9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. 10 Und es ging aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilte sich von da in vier Hauptarme.11 Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold; 12 und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham. 13 Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch. 14 Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat. 15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. 16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben. 18 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. 19 Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen. 20 Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre. 21 Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. 22 Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. 23 Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. 24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein "ein" Fleisch. 25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht. (Gen 2,5-25 LUT)

Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis

Michelangelo: Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies (Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle)

Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen stehen für das Höhere, das sich mit dem Menschen verbinden muss, um seinen Ätherleib und seinen physischen Leib zu bilden. Der Baum der Erkenntnis ist in der Sprache der Elohim, die diese bereits auf der alten Sonne entwickelt haben, der physische Leib des Menschen. Mit dem Baum des Lebens ist der Ätherleib gemeint (Lit.: GA 253, S. 60ff).

Die vier Paradiesesströme

Die Bronzetaufe im Hildesheimer Dom, getragen von den 4 personifizierten Paradiesesströmen, die Wasser aus ihren Krügen ausgießen. Nach ihrer Haartracht, Kleidung, Haltung und nach ihrem Lebensalter sind sie deutlich voneinander zu unterscheiden.

Die vier Paradiesesströme, genannt Pischon (hebr. ‏פִּישׁ֑וֹן‎), Gihon (hebr. ‏גִּיח֑וֹן‎, äußerlich meist mit dem Nil identifiziert), Hiddekel (hebr. ‏חִדֶּ֔קֶל‎, meist als Tigris übersetzt) und Perat (auch Pherat, hebr. ‏פְרָֽת‎, Euphrat), sind ein Sinnbild für die vier astralen Grundformen der Materie, für die vier Elemente, aus denen der Leib des Menschen gebildet wird, der dann mit dem Sündenfall ganz auf den physischen Plan herabsteigt. Zugleich sind die vier Ströme ein Bild für die durch die 4 Sphinxtiere repräsentierten Gruppenseelen, aus denen die Menschheit hervorgegangen ist. Die Gestalt der Sphinx hängt auch eng zusammen mit dem kleinen Hüter der Schwelle. Dem hellsichtigen Blick zeigt sich die Sphinxgestalt, ähnlich wie etwa auch der Kentaur, im Ätherleib des Menschen.

Eine Zusammenstellung der vier personifizierten Paradiesesflüsse mit den vier Elementen findet sich beispielsweise auf dem spätromanischen (13. Jh.) bronzenen Taufbecken des Hildesheimer Doms, das besonders reich an Darstellungen ist, die mit der Zahl vier zusammenhängen. So finden sich hier auch die vier Jahreszeiten, die vier großen Propheten, die vier Evangelisten und auch die vier Kardinaltugenden[1] [2] [3].

"Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele. (Genesis 2, 3-7)

Jetzt war der Mensch da.

Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen, und setzte den Menschen drein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen, und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. (Genesis 2, 8-9)

Da wird geschildert der Übergang von den ätherischen Rassen zu den physischen Rassen. Diese werden zusammengefügt von den vier Seiten, von Ost, West, Süd, Nord, und von den vier Elementen, die den Fähigkeiten der Geist-Seele entsprechen. Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen ist das Sinnbild für das Höhere, das sich mit dem Menschen verbunden hat.

Und es ging aus von Eden ein Strom, zu wässern den Garten, und teilte sich von dannen in vier Hauptwasser. Das erste heißt Pison, das fließet um das ganze Land Hevila; und daselbst findet man Gold. Und das Gold des Landes ist köstlich; und da findet man Bedellion und den Edelstein Onyx. (Genesis 2, 10-12)

Die anderen Wasser heißen Gehon, Hiddekel und Euphrat. Die vier Gewässer sind die Symbole für die vier Astralformen der Materie, die zusammenfließen. Das Wasser bedeutet immer das Astrale in der esoterischen Sprache. In der esoterischen Sprache ist Gold das Symbol des Geistigen; der Onyx ist das Symbol der Materie, die am tiefsten heruntergeht. Der Onyx ist das Symbol dafür, wie sich das Lebendige verwandeln muß, bevor es in das höhere Prinzip aufgenommen werden kann. Das Lebendige, das Prana, muß durchgehen durch einen Läuterungszustand; diesen bezeichnet man als den Onyx-Zustand. Auch in Goethes «Märchen» findet man die Verwandlung des Mopses in einen Onyx." (Lit.: GA 088, S. 221f)

Das Bedellion (auch Guggul oder Falsche Myrrhe) wird meist als gelblich durchscheinendes Harz mit gummiartiger Struktur aufgefasst (Bedolachharz) und in der Bibel später auch zur Beschreibung des Manna benutzt (Num 11,7 EU), das nach Rudolf Steiner Manas (Geistselbst) symbolisiert. In vielen jüdischen Schriften wird es aber auch als Erz interpretiert. Selbst als Perle oder gar Kristall von möglicherweise leuchtend rötlicher Farbe wird es gelegentlich beschrieben, wobei allerdings erstarrte Harze manchmal durchaus perlenförmig erscheinen können, wie es etwa von dem englischen Botaniker John Parkinson bereits im 16. Jahrhunderts für Bdellion aus Baktrien beschrieben wurde.

Eva wird aus der Rippe des Adam erschaffen

Sündenfall des Menschen, Lucas Cranach d. Ä. (1530)

Das Knochensystem ist ein vollkommenes physisches Bild der Ich-Organisation und verleiht dem Menschen seine menschliche Gestalt und macht ihn dadurch zum Erdenmenschen; darum wird Eva aus der Rippe (hebr. ‏צְלָעֹ‎ , zela, Rippe, Seite, Rand) des Adam erschaffen.

"Nun ist der Knochen, wenn er von der Ich-Organisation geformt ist, ein Organ, das von dieser aus ihrem Bereich entlassen wird. Er kommt in einen Zustand, in dem er nicht mehr innerlich ergriffen wird von der Ich-Organisation, sondern nur noch äußerlich. Er ist aus dem Wachstums- und Organisationsbereich herausgeführt und dient noch mechanisch der Ich-Organisation bei Ausführung der Körperbewegungen. Nur ein Rest von innerer Tätigkeit der Ich-Organisation durchsetzt ihn die ganze Lebenszeit hindurch, weil er ja doch auch Organisationsglied innerhalb des Organismus bleiben muss und aus dem Leben nicht herausfallen darf." (Lit.: GA 027, S. 68)

Der Mensch hat 12 Rippenpaare, die oberen sieben Rippen sind sternale (latinisierte Form von altgr. στέρνον „Brust, Herz, Gemüt“), die achte bis zehnte asternale und die unteren beiden enden frei in der Muskulatur. In diesem Aufbau spiegel sich die kosmischen Verhältnisse wider: Die 12 Rippenpaare entsprechen den 12 Bildern des Tierkreises; die 7 sternalen Rippenpaare den sieben Planeten.

"Unsere Tiere, die sich in ihrer Entwicklung auf der Erde befinden, und auch der Mensch, bilden sich auf der Erde ein Knochensystem aus. Die Tiere aber, die auf dem Monde ihre Entwicklung schon zu Ende erreicht haben, die hatten dort kein Knochensystem, sie haben sich auf der Erde ein Außenskelett gebildet: eine Kruste oder eine Schale wie zum Beispiel Käfer, Tracheen und so weiter. Diese kamen vom Monde in die Erdenentwicklung hinein. Alle Wesen, die wirklich mit der Erdenentwicklung gehen, bilden ein Innenskelett. Daher wird Eva als aus der Rippe geschaffen dargestellt." (Lit.: GA 089, S. 152)

Der Garten Eden in der islamischen Tradition

Auch im Islam wird das Paradies als wunderbarer Garten, Dschanna (arabisch جنّة Ǧanna = Wunder), geschildert, der hier nach der 56. Sure (al-Wāqiaʿ, الواقعة = das unvermeidliche Ereignis) des Koran aber ein Ort der sinnlichen Freuden, also eine luziferische Welt ist. Das Paradies ist durch die Scheidewand Barjakh von der Hölle Dschahannam geschieden. Dieser wunderbare Garten ist von Bächen durchzogen, in denen Wasser, Milch und Honig fließen. Er ist mit den kostbarsten Teppichen und Sesseln ausgestattet und schöne Jungfrauen, die Huris[4], und junge Knaben servieren die erlesenstene Früchte und Geflügel:

Und ihr sollt in drei Gattungen (gegliedert) werden (7) : (In) die zur Rechten - was (wißt ihr) von denen die zur Rechten sein werden? (8) Und (in) die zur Linken - was (wißt ihr) von denen, die zur Linken sein werden? (9) Und (in) die Vordersten - (sie) werden die Vordersten sein. (10) Das sind die, die Allah nahe sein werden (11) in den Gärten der Wonne. (12) (Dies sind) eine große Schar der Früheren (13) und einige wenige der Späteren. (14) Auf Polstern, die mit Gold durchwoben sind, (15) lehnen (sie) auf diesen einander gegenüber. (16) Bedient werden sie von Jünglingen, die nicht altern, (17) mit Bechern und Krügen aus einer fließenden Quelle. (18) Keinen Kopfschmerz werden sie davon bekommen, noch wird ihnen das Bewußtsein schwinden. (19) Und Früchte, die sie sich wünschen, (20) und Fleisch vom Geflügel, das sie begehren, (21) und Huris, (22) wohlbehüteten Perlen gleich, (23) (werden sie erhalten) als Belohnung für das, was sie zu tun pflegten. (24) Sie werden dort weder leeres Gerede noch Anschuldigung der Sünde hören, (25) "nur das Wort: ""Frieden, Frieden!"" (26) "Und die zur Rechten - was (wißt ihr) von denen, die zur Rechten sein werden? (27) (Sie werden) unter dornlosen Lotusbäumen (sein) (28) und gebüschelten Bananen (29) und endlosem Schatten, (30) bei fließendem Wasser (31) und vielen Früchten, (32) die weder zu Ende gehen, noch für verboten erklärt werden, (33) und auf erhöhten Ruhekissen. (34) Wir haben sie (die Huris) in herrlicher Schöpfung gestaltet (35) und sie zu Jungfrauen gemacht, (36) zu liebevollen Altersgenossinnen (37) derer zur Rechten. (38) (Koran 56:7-38)

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Paul Gerhard Ficker: Der Mitralis des Sicardus, Dogma, Bremen 2012, S 41 [1]
  2. Victor H. Elbern, Dom und Domschatz in Hildesheim, Königstein i. T. 1979, S. 16f. und 48f.
  3. Claudia Höhl: Das Taufbecken des Wilbernus - Schätze aus dem Dom zu Hildesheim", Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2047-5
  4. Die Bedeutung der "Huris" ist umstritten. Der Autor C. Luxenberg hält sie für ein Synonym für "Weintrauben", vgl. Christoph Luxenberg: Die syro-aramäische Lesart des Koran, ein Beitrag zur Entschlüsselung der Koransprache. Das Arabische Buch, Verlag Hans Schiler Berlin 2004, ISBN 3-89930-028-9.

Literatur

  1. Rudolf Steiner/Ita Wegman: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, GA 27 (1991) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Über die astrale Welt und das Devachan, GA 88 (1999), ISBN 3-7274-0880-4
  3. Rudolf Steiner: Bewußtsein – Leben – Form , GA 89 (2001), ISBN 3-7274-0890-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Probleme des Zusammenlebens in der Anthroposophischen Gesellschaft. Zur Dornacher Krise vom Jahre 1915, GA 253 (1989), ISBN 3-7274-2530-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org html
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