Paulusbriefe

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Paulusbriefe

Die Paulusbriefe (lat. Corpus Paulinum) verkünden die spirituelle Lehre des Apostels Paulus, die sich auf seine Einweihung durch das Damaskus-Erlebnis gründet. Die Briefe wurden zwischen 50 und 60 n. Chr. niedergeschrieben und sind die ältesten erhaltenen Schriften des Urchristentums. Von den insgesamt 13 Briefen, die im Neuen Testament überliefert sind, gelten 7 als unbestritten authentisch.

„Paulus wußte aus dem, was er früher gelernt hatte, daß nach und nach heranrückte an die Erde der Geist, der zuerst von Zarathustra als Ahura Mazdao auf der Sonne gesucht wurde, der dann von Moses bereits im brennenden Dornbusch und im Feuer auf Sinai erblickt wurde. Und er wußte auch, daß dieser Geist in einen Menschenleib kommen mußte. Das aber hatte Paulus, da er noch ein Saulus war, nicht begreifen können, daß dieser Mensch, der den Christus in sich tragen sollte, den schmachvollen Tod am Kreuz erleben mußte! Er konnte sich nur denken, daß der Christus, wenn er kommen würde, triumphieren müßte, daß er bleiben müßte in allem, was die Erde hat, nachdem er einmal an die Erde herangetreten war. Denjenigen, der am Kreuze gehangen hat, den konnte er sich nicht als den Träger des Christus denken. Das ist das Wesentliche in der Paulus-Anschauung, bevor der Saulus ein Paulus wurde. Und der Kreuzestod, der schmachvolle Tod am Kreuz mit allem, was damit zusammenhängt, das ist es, was zunächst den Paulus gehindert hat, anzuerkennen, daß wirklich der Christus schon dagewesen war auf der Erde. Was also mußte eintreten? Es mußte mit dem Paulus etwas geschehen, so daß er in einem gewissen Moment sich überzeugen konnte: Diejenige Individualität, die in dem Leibe des Jesus von Nazareth am Kreuz gehangen hat, war der Christus; der Christus ist dagewesen auf der Erde! Hellsehend wurde Paulus durch das Ereignis von Damaskus. Da konnte er sich überzeugen.

Wenn man als Hellseher hineinschaute in die geistige Welt, so erschien sie einem nach dem Ereignis von Golgatha verändert. Früher fand man den Christus in den geistigen Welten. Seit dem Ereignis von Golgatha konnte man in der Aura der Erde den Christus finden. Vor dem Ereignis von Golgatha war der Christus dort nicht zu sehen, nachher aber war er in der Erden-Aura zu sehen. Das ist der Unterschied. Und Saulus sagte sich: Bin ich hellsehend, so kann ich mich davon überzeugen, daß in demjenigen, der am Kreuze gehangen und als Jesus von Nazareth gelebt hat, der Christus war, der jetzt in der Erden-Aura ist. - Und er hat dasselbe in der Erden-Aura gesehen, was Zarathustra zuerst als Ahura Mazdao auf der Sonne gesehen hat. Jetzt wußte er: Der am Kreuze war, der ist auferstanden. Daher konnte er jetzt sagen: Christus ist auferstanden, ist mir erschienen, wie er dem Kephas, den anderen Brüdern und den Fünfhundert auf einmal erschienen ist! Und nun wurde er der Verkündiger des lebendigen Christus, für den der Tod nicht die Bedeutung hat wie für die anderen Menschen.“ (Lit.:GA 112, S. 153f)

„Ich habe schon öfter über diese Mission des Paulus gesprochen und will heute gerade denjenigen Gesichtspunkt vorbringen, der uns zum Verständnisse dessen, was erreicht werden soll, wichtig sein kann. Wie kommt es denn, daß Paulus, der, wie wir schon öfter erwähnt haben, durch das, was er zu Jerusalem erfahren hat, sich nicht hat bewegen lassen, die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha in seine Anschauung aufzunehmen, wie kommt es, daß er durch das Ereignis von Damaskus voll überzeugt worden ist von dem, was er die Auferstehung des Christus nannte? Da müssen wir allerdings ein wenig hineinschauen in die Art, wie Paulus vorbereitet war für das, was ihm im Ereignis von Damaskus erschien.

Paulus war durchgegangen durch die jüdische Prophetenschule seiner Zeit. Er hat genau gewußt: bis zu einem bestimmten Punkte in der Menschheitsentwickelung hängt das Heil zunächst für diese Menschheitsentwickelung davon ab, daß man festhält an dem Gott der Erde, daß man versteht, wie Jahves Mission mit der Erde zusammenhängt. - Aber es muß einmal - das wußte Paulus - eine Zeit kommen, in welcher wiederum das «Obere», das, was aus außerirdischen Verhältnissen in die Erde hereinkommt, wichtig wird. Und wichtig ist es, einzusehen, daß der Christus, bevor er durch das Mysterium von Golgatha seine Mission für die Erde übernommen hat, als Christus in kosmischen Regionen seine Mission hatte, daß er in überirdischen Regionen lebte. Das Genauere darüber ist in dem Zyklus ausgeführt, den ich neulich in Leipzig gehalten habe.

Wir können die außerirdischen Verhältnisse zurückverfolgen und werden finden, wie der Christus zuerst in überirdischen Reichen gewirkt hat, wie er dann sozusagen immer näher und näher zur Erde gekommen ist, bis er durch den Leib des Jesus von Nazareth in die Erdenaura eingezogen ist. Daß dieser Zeitpunkt einmal kommen werde, das wußte Paulus, nur hat er vor dem Ereignis von Damaskus in der Erdenaura nicht gesehen: «Der Christus ist schon da!» Aber er war dazu vorbereitet, und er sagt uns das wohl, daß er dazu vorbereitet war. Lesen Sie dazu im zweiten Korinther-Briefe das zwölfte Kapitel:

1. Es ist mir ja das Rühmen nichts nütze; doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn.
2. Ich kenne einen Menschen in Christo [Paulus meint sich selber damit]; vor vierzehn Jahren (ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ich's nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich's auch nicht; Gott weiß es) ward derselbe entzücket bis in den dritten Himmel.
3. Und ich kenne denselben Menschen (ob er in dem Leibe oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es);
4. der ward entzücket in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann.
5. Für denselben will ich mich rühmen; für mich selbst aber will ich mich nichts rühmen, nur meiner Schwachheit.

Was sagt Paulus in diesen Sätzen? Er sagt nichts Geringeres, als daß er imstande war, schon vor vierzehn Jahren - nach den chronologischen Verhältnissen müßte man also annehmen, daß dieses Erlebnis etwa sechs Jahre nach dem Ereignis von Golgatha stattgefunden hat - hellseherisch sich zu erheben in die geistigen Regionen. Das heißt, er versichert uns selber: In ihm lebt ein Mensch - und nur desjenigen will er sich rühmen, nicht des leiblichen Menschen -, der wohl hinaufschauen kann in die geistigen Welten. - Und als er jenes Erlebnis hatte, da war ihm klar geworden: Was hast du denn früher in den geistigen Welten gesehen, wenn du hinaufgeschaut hast? Du hast den Christus gesehen, wie er noch oben war in den himmlischen Verhältnissen! - Durch das Ereignis von Damaskus ist es ihm klar geworden, daß der Christus in die Erdenaura eingezogen war und in ihr lebte.

Das ist das Bedeutsame, weshalb auch manche Geister so in der Zeit um die Begründung des Christentums ein heute ja sonderbar erklingendes Wort gesprochen haben. «Der wahre Luzifer ist Christus», sagten sie. Sie verstanden eben: Wenn man früher in die übersinnlichen Verhältnisse hinaufgeschaut hat, so mußte man sich, wenn man richtig die Menschheitsentwickelung versteht, an die «Schlange» halten. Nachdem das Mysterium von Golgatha eingetreten war, ist aber der Überwinder der Schlange herunter gekommen und ist jetzt der Erdenherr geworden. - Das alles hängt aber zusammen mit der ganzen Entwicklung der Menschheit.

Welchen Sinn hat es denn, daß das althebräische Altertum sozusagen den Protest darstellt gegen die Astralreligionen der umliegenden Völker, gegen die Religionen, welche die Symbole für das Gottliehe in den Wolken, in Blitz und Donner sehen? Diesen Sinn hat es, daß sich die menschliche Seele vorbereiten muß, das Ich so zu empfinden, daß es nicht mehr durch die Sternenschrift, nicht mehr durch das, was in Blitz und Donner erscheint, die Offenbarungen des Geistes empfängt, sondern daß es diese Offenbarungen im Geistigen empfängt, durch den Geist selber. Wenn der Mensch vorher wirklich zu dem Christus aufschauen wollte, so konnte er es ja nur tun im Sinne des Zarathustra, indem er aufschaute zu dem, was man nennen könnte die physische Hülle des Christus, des Ahura Mazdao. Zur physischen Sonne und ihren Wirkungen konnte der Mensch aufschauen und wissen: Da drinnen lebt der Christus. - Aber gleichsam herausgeschält aus den physischen Sonnenwirkungen und als geistige Sonne die Erdenaura durchdringend ist der Christus mit dem Mysterium von Golgatha geworden. Ja, so ist der Christus geworden, die Erdenaura durchdringend, nachdem gewissermaßen die Jahve- oder Jehova-Anbeter ihn vorbereitet haben. Und der Täufer Johannes ist in seinen bedeutsamsten Worten zu verstehen, wenn wir ihn eben so verstehen.“ (Lit.:GA 148, S. 179ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, GA 112 (1984), ISBN 3-7274-1120-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe, GA 142 (1982), ISBN 3-7274-1420-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium, GA 148 (1992), ISBN 3-7274-1480-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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