Pessimismus

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Der Pessimismus (von lat. pessimum, „schlechtester“; Superlativ von malus, „schlecht“) ist eine lebensverneinende, negative Grundlebenshaltung, die das Leid als den bestimmenden bzw. dominierenden Faktor des Daseins ansieht. Die damit verbundenen Gefühle können, wenn sie nicht ins voll bewusste Vorstellungsleben heraufgehoben werden, allmählich zur Depression führen (Lit.: GA 317, S. 67).

Dass alles Dasein leidvoll sei, ist die erste (Dukkha) der Vier Edlen Wahrheiten, die die Grundlage des Buddhismus bilden. Arthur Schopenhauer sah sich dadurch in seinem metaphysischen Pessimismus bestätigt, den er vor allem in seinem philosophischen Hauptwerk «Die Welt als Wille und Vorstellung» (1819) begründet hat. Eine philosophisch auf den Pessismismus gegründete Ethik hat später Eduard von Hartmann vertreten, mit dessen Werken sich Rudolf Steiner intensiv auseinandergesetzt hat. In seiner «Philosophie der Freiheit» hat sich Steiner entschieden gegen diese pessimistische begründete Ethik ausgesprochen und ihr seinen ethischen Individualismus entgegengesetzt.

"Wer die Lust an der Befriedigung des menschlichen Begehrens ausrotten will, muß den Menschen erst zum Sklaven machen, der nicht handelt, weil er will, sondern nur, weil er soll. Denn die Erreichung des Gewollten macht Lust. Was man das Gute nennt, ist nicht das, was der Mensch soll, sondern das, was er will, wenn er die volle wahre Menschennatur zur Entfaltung bringt. Wer dies nicht anerkennt, der muß dem Menschen erst das austreiben, was er will, und ihm dann von außen das vorschreiben lassen, was er seinem Wollen zum Inhalt zu geben hat.

Der Mensch verleiht der Erfüllung einer Begierde einen Wert, weil sie aus seinem Wesen entspringt. Das Erreichte hat seinen Wert, weil es gewollt ist. Spricht man dem Ziel des menschlichen Wollens als solchem seinen Wert ab, dann muß man die wertvollen Ziele von etwas nehmen, das der Mensch nicht will.

Die auf den Pessimismus sich aufbauende Ethik entspringt aus der Mißachtung der moralischen Phantasie. Wer den individuellen Menschengeist nicht für fähig hält, sich selbst den Inhalt seines Strebens zu geben, nur der kann die Summe des Wollens in der Sehnsucht nach Lust suchen. Der phantasielose Mensch schafft keine sittlichen Ideen. Sie müssen ihm gegeben werden. Daß er nach Befriedigung seiner niederen Begierden strebt: dafür aber sorgt die physische Natur. Zur Entfaltung des ganzen Menschen gehören aber auch die aus dem Geiste stammenden Begierden. Nur wenn man der Meinung ist, daß diese der Mensch überhaupt nicht hat, kann man behaupten, daß er sie von außen empfangen soll. Dann ist man auch berechtigt, zu sagen, daß er verpflichtet ist, etwas zu tun, was er nicht will. Jede Ethik, die von dem Menschen fordert, daß er sein Wollen zurückdränge, um Aufgaben zu erfüllen, die er nicht will, rechnet nicht mit dem ganzen Menschen, sondern mit einem solchen, dem das geistige Begehrungsvermögen fehlt. Für den harmonisch entwickelten Menschen sind die sogenannten Ideen des Guten nicht außerhalb, sondern innerhalb des Kreises seines Wesens. Nicht in der Austilgung eines einseitigen Eigenwillens liegt das sittliche Handeln, sondern in der vollen Entwickelung der Menschennatur. Wer die sittlichen Ideale nur für erreichbar hält, wenn der Mensch seinen Eigenwillen ertötet, der weiß nicht, daß diese Ideale ebenso von dem Menschen gewollt sind, wie die Befriedigung der sogenannten tierischen Triebe." (Lit.: GA 004, S. 233f)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Philosophie der Freiheit, GA 4 (1995), ISBN 3-7274-0040-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Heilpädagogischer Kurs, GA 317 (1995), ISBN 3-7274-3171-7pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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