Phönix

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Phönix in Flammen, Detail aus dem Aberdeen Bestiary (12. Jahrhundert)

Der Phönix (griech. Φοίνιξ, phoínixpurpurrot“, von altägyptisch benu, „leuchten“; lateinisch phoenix), auch Feuervogel genannt, ist ein mythischer Vogel, der immer wieder verbrennt und aus seiner Asche neu ersteht. Ganz allgemein ist er ein symbolisches Bild für das Wesen des Geistes, der sich ewig immer wieder aus sich selbst heraus neu erschafft.

Mythologie

Schon in der ägyptischen Mythologie ist der meist in Form eines Reihers dargestellte Vogel Benu bekannt, der im Abstand von mehreren Jahrhunderten erscheint und dann bei Sonnenaufgang in der Glut der Morgenröte verbrennt, um aus seiner Asche verjüngt wieder aufzuerstehen. Im Antiken Griechenland wurde er als Phönix überliefert.

In der Zeit des Hellenismus verbreitete sich die Vorstellung, dass der Phönix aus der Asche des Osiris oder seinen sterblichen Überresten hervorgegangen sei und ein hohes Alter von ungefähr 300–500 Jahren erreiche. Dazu baut er am Ende seines Lebens ein Nest, setzt sich hinein und verbrennt. Nach Erlöschen der Flammen bleibt ein Ei zurück, aus dem nach kurzer Zeit ein neuer Phönix schlüpft. Eine zweite Variante dieser Sage berichtet, dass der rot- und goldfarbene Vogel alle 500 Jahre einmal nach Heliopolis kommt, jeweils am Todestag seines Vaters. Aus Weihrauch formt er dann ein Ei, das von der Größe her die Leiche seines Vaters aufnehmen kann. Dieses Ei trägt der Benu dann in den Tempel von Heliopolis, wo es feierlich begraben wird.

In der Spätantike wurde der Phönix dann zum Symbol der Unsterblichkeit, da er die Fähigkeit hatte, sich zu regenerieren, wenn Feinde ihn verwundet hatten. Im Christentum wurde er zum Sinnbild der Auferstehung.

Der Phönix als Symbol für die menschliche Gruppenseele

Nach Rudolf Steiner ist der Phönix insbesondere ein Bild für die sich im Laufe von etwa 500 Jahren erneuernde Gruppenseele einer Menschengemeinschaft:

"Geburt und Tod ist das Charakteristische der Wesenheiten auf dem physischen Plan. So ist es nicht mit den Wesenheiten, die auf den höheren Planen leben. Wenn wir die tierischen Gruppenseelen auf dem Astralplan verfolgen durch Jahrtausende hindurch, so ist ihr Entstehen und Vergehen gar nicht auszudrücken durch die Worte «Geburt» und «Tod». Es liegt da etwas ganz anderes zugrunde. Es liegt Verwandlung, Metamorphose, zugrunde. Wenn Sie mit hellseherischem Vermögen einer tierischen Gruppenseele auf dem Astralplan heute begegnen und sich erinnern an eine ihrer vorhergehenden Verkörperungen, wie es mit dieser tierischen Gruppenseele vor 1500 Jahren war, so wird sie Ihnen nicht so erscheinen, wie wenn Sie einen jüngeren Menschen betrachten. Allerdings sehen Sie die Gruppenseele auch Jugend, mittlere Lebenszeit und Alter durchmachen, aber sie gibt im Alter ihr Bewußtsein nicht auf, sie stirbt nicht. Sie verwandelt sich immerfort, ohne daß sie durch den Tod hindurchgeht. Sie können die tierische Gruppenseele zurückverfolgen bis in ururferne Zeiten - Sie treffen nur Metamorphose an, nicht Geburt und Tod.

Etwas Ähnliches ist der Fall bei solchen Gruppenseelen, wie es die des Cheruskerstammes ist. Wenn der Stamm der Cherusker als eine Anzahl physischer Menschen auf dem physischen Plan erscheint, hat sich die Cheruskerseele eben gebildet; aber sie ist nicht geboren worden, sondern hat sich aus einer anderen Zeit heraus umgebildet, verwandelt. Sie wächst mit der Macht der Cherusker, erlangt ihren Höhepunkt, wenn der Stamm der Cherusker seinen Höhepunkt erlangt, und wenn der Cheruskerstamm in der Geschichte auf dem physischen Plan degeneriert und verschwindet, ersteht die Cheruskerseele aufs neue in Jugend, um die Seele eines anderen Stammes zu werden; sie metamorphosiert sich. Physische Geburt und physischen Tod gibt es nicht, wenn wir die Seelen auf höheren Planen betrachten. Geburt und Tod, wie wir sie kennen, gibt es nur auf dem physischen Plan, nicht auf den höheren Planen. Die okkulte Weisheit hat das wohl verstanden zum Ausdruck gebracht und dabei große Sorgfalt auf Zahlen verwendet. Man hat versucht, eine Durchschnittszahl festzulegen, wann eine Gruppenseele, wie sie zu einer bestimmten menschlichen Gemeinschaft gehört, entsteht, sich aus einer anderen herausmetamorphosiert, wächst und den Höhepunkt erlangt, um wiederum eine absteigende Entwickelung durchzumachen und sich dann zu einer anderen Gruppenseele umzuwandeln. Wenn man das Lebensalter des Menschen auf durchschnittlich 75 Jahre ansetzt - diese Zahl als Mondjahre angenommen - und mit 7 multipliziert, so ergibt sich das Leben einer menschlichen Gruppenseele in ihren vier Typen, bis zu ihrer nächsten Verwandlung. Mit 7 sind hier Generationen gemeint. Wir kommen - wenn wir berücksichtigen, daß wir es dabei mit Mondjahren zu tun haben - auf ungefähr 500 Jahre. Und so sagte man im Okkultismus: Das Leben einer Gruppenseele dauert 500 Jahre; nach 500 Jahren wird sie zu einer anderen, sie gebiert sich selbst neu, ohne daß sie ihr Bewußtsein verliert.

Wenn wir das Ich einer solchen Gruppenseele betrachten und für das Ich äußerlich im Physischen ein Ausdrucksmittel suchen, so ist es ja das Blut. Das Blut ist für den Okkultisten der Ausdruck des Feuers, vom Feuer durchglühte Substanz. Wie der menschliche physische Leib der Ausdruck der Erde ist, der Ätherleib der Ausdruck des Wassers, der Astralleib der Ausdruck der Luft, so ist das Ich, das noch nicht an den Egoismus gekettet ist, der Ausdruck des Feuers. Wir sagen daher - wir werden das noch morgen besprechen -, daß das Blut durch den Egoismus den Tod gefunden hat. Das Ich des Menschen «verzehrt sich in seinem eigenen Feuer», durch sich selbst. Das ist ein okkulter Ausdruck. Nur wenn der Mensch die Ichsucht überwindet, erlangt er die Unsterblichkeit. Das menschliche Gruppen-Ich verzehrt sich in seinem eigenen Feuer. Wenn 500 Jahre herum sind, verbrennt es und erschafft sich aus sich selber eine neue Form. Das stellte man im Okkultismus so dar, daß das Gruppen- Ich im allgemeinen 500 Jahre lebt, dann verbrennt und aus seinem eigenen Feuer wieder beseelt wird, und man nannte dies den «Vogel Phönix». Die schöne Sage vom Vogel Phönix hat hier ihren tatsächlichen Hintergrund. Der Phönix ist das Gruppen-Ich mit den Eigenschaften der vier Typen, das sich nach sieben Generationen verbrennt und wiederherstellt - eine Generation mit 75 Mondjahren Lebensalter gerechnet.

Dies ist der reale Hintergrund der Phönixsage. Da haben Sie einen neuen Beweis dafür, daß solche alten Sagen wie die vom Phönix aus den tiefsten okkulten Tatsachen heraus geschaffen sind." (Lit.: GA 101, S. 220ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1992) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

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