Phantasie

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Die Phantasie (griech.: φαντασία, phantasia = „Erscheinung, Vorstellung, Traumgesicht, Gespenst“, von phantάzesthai = „erscheinen“) oder Einbildungskraft, in moderner Schreibweise auch Fantasie, ist eine schöpferische Leistung des menschlichen Geistes und Quelle des künstlerischen Schaffens, wie auch des originären technischen Erfindertums. Sie ist darin der Vorstellungskraft verwandt und der Übergang zwischen Erinnerungsvorstellungen und Phantasievorstellungen ist durchaus gleitend. Die Phantasie besteht primär in der Befähigung, innere Bilder zu erzeugen. Die Phantasie umfasst aber häufig auch produktive Fähigkeiten auf musikalischem und sprachlichem Gebiet und originäre Denkleistungen. Im weitesten Sinn können alle Sinnessphären und das gesamte Denken durch die Phantasie schöpferisch befruchtet werden und eine so eine seelische Innenwelt hervorbringen, die unabhängig von der unmittelbaren äußeren Sinneswahrnehmung ist. Dabei kommt es häufig zu synästhetischen Verschränkungen mehrerer Sinnessphären.

Die Phantasie und ihr geistiger Hintergrund

Über den geistigen Hintergrund der Phantasie sagt Rudolf Steiner in "Mein Lebensgang", Bezug nehmend auf den am 25. November 1891 in Weimar gehaltenen, nicht erhaltenen Vortrag über Die Phantasie als Kulturschöpferin:

"Mir erschien, was in der Phantasie lebt, nur dem Stoffe nach angeregt von den Erlebnissen der menschlichen Sinne. Das eigentlich Schöpferische in den echten Phantasiegestaltungen zeigte sich mir als ein Abglanz der außer dem Menschen bestehenden geistigen Welt. Ich wollte zeigen, wie die Phantasie das Tor ist, durch das die Wesenheiten der geistigen Welt schaffend auf dem Umwege durch den Menschen in die Entfaltung der Kulturen hereinwirken." (Lit.: GA 028, S. 234)

Das Märchen von der Phantasie

Das Märchen von der Phantasie wird von Felicia Balde im 6. Bild von Rudolf Steiners drittem Mysteriendrama «Der Hüter der Schwelle» erzählt: Es war einmal ein helles Götterkind, das wuchs heran, gepflegt vom Wahrheitvater, und blickte oft voll Mitgefühl zur Erde, wo die Menschen nach der Wahrheit dürsten. Und da der Wahrheitvater den Menschen, die atmend auf der Erde leben, selbst sein Wahrheitslicht nicht geben konnte, so sandte er sein helles Götterkind, die Phantasie der Menschen zu beflügeln. Doch eines Tages traf das Wesen einen Mann, der sprach: „Du webst in Menschengeistern nur wilde Träume und betrügst die Seelen.“ Und seit dieser Zeit verleumden viele Menschen dieses Wesen, das Licht in Atemseelen bringen kann (Lit.: GA 014, S. 356ff).

Danach erscheinen Philia, Astrid und Luna, welche die Verbindung der menschlichen Seelenkräfte mit dem Kosmos vermitteln, und die andere Philia, die diese Verbindung zu hemmen versucht.

Vorstellungsvermögen und Phantasie

Von der Vorstellung unterscheidet sich die Phantasie dadurch, dass sie gedankendurchdrungene äußere Wahrnehmungen nicht bloss mehr oder weniger getreu als inneres Bild wiederholt, sondern schöpferisch neugestaltet. Echte schöpferische Phantasie steht dabei aber stets im Einklang mit den ideellen Gesetzen des Daseins und schafft ein inneres Bild dessen, was (noch) nicht verwirklicht, aber durchaus möglich ist. Die Phantasie beschränkt sich dabei nicht auf die äußere Wirklichkeit, sondern bezieht auch höhere Wirklichkeiten ein, die sie allerdings in sinnliche Bilder kleidet. Sinnliche und ideelle Elemente müssen sich in der Phantasie in rechter Weise durchdringen, wenn sie nicht den Kontakt zur Wirklichkeit verlieren soll. Fehlt der Bezug zu den idellen Gesetzen des Daseins, so verkommt die Phantasie zur wesenlosen, willkürlichen Phantasterei.

"Wer nun wirklich Seelenkunde, Psychologie treibt, nicht jene Wortkunst, die man heute an den Universitäten oftmals als Psychologie betreibt, der weiß, daß diese Erinnerungsvorstellungen, die wir haben, substantiell genau dasselbe sind wie die Phantasievorstellungen, die wir uns gewissermaßen frei schaffend bilden, nur daß wir dieselbe Kraft, die wir in dem Weben der Phantasievorstellung anwenden, anders verwenden beim Erinnern. Indem wir uns erinnern, indem wir unser Gedächtnis pflegen, leben wir schließlich in demselben Elemente wie beim Phantasieschaffen, nur daß wir anknüpfen an dasjenige, was wir durch die Sinne oder überhaupt durch das Leben erfahren haben und so die «Phantasmen» in der Erinnerung gesetzmäßig gestalten, während wir sie in der Phantasie frei schweifen lassen." (Lit.: GA 198, S. 215f)

Beschränkt sich die Phantasie nur auf die äußere sinnliche Wirklichkeit, so gerät der Mensch in die Fänge Ahrimans. Schwebt die Phantasie nur in höheren, ideellen Wirklichkeiten, so kommt sie in den Einflussbereich Luzifers.

Körperbildung, Phantasie und Verstand in der Entwicklung des Kindes

Das kleine Kind hat noch keine frei schöpferische Phantasie, da die dazu nötigen Wachstumskräfte bis etwa zum Zahnwechsel noch ganz für die Bildung des physischen Leibes benötigt werden. Erst danach werden diese Wachstumskräfte frei für die Bildung der Phantasie. Mit der Geschlechtsreife bilden sich diese Kräfte weiter so um, dass nun der Verstand erwachen kann.

"Schauen wir, um die Kraft der Phantasie zu verstehen, dazu einmal das kindliche Alter an. Das kindliche Alter hat noch nicht Phantasie. Es hat höchstens Träume. Die frei schöpferische Phantasie lebt noch nicht im Kinde. Sie lebt nicht offenbar. Aber sie ist nicht etwas, was plötzlich aus den Menschen in einem bestimmten Lebensalter aus dem Nichts hervorkommt. Die Phantasie ist doch, nämlich verborgen da im Kinde, obwohl sie sich nicht offenbart, und das Kind ist eigentlich voll von Phantasie. Aber was tut denn beim Kinde die Phantasie? Ja, dem, der mit unbefangenem Geistesauge die Menschenentwickelung betrachten kann, zeigt sich, wie im zarten Kindesalter noch unplastisch im Verhältnis zu der späteren Gestalt namentlich das Gehirn, aber auch der übrige Organismus ausgebildet ist. Das Kind ist innerlich der unglaublichste, bedeutende Plastiker in der Ausgestaltung seines eigenen Organismus. Kein Plastiker ist imstande, so wunderbar aus dem Kosmos heraus Weltenformen zu schaffen, als das Kind sie schafft, wenn es in der Zeit zwischen der Geburt und dem Zahnwechsel plastisch das Gehirn ausgestaltet und den übrigen Organismus. Das Kind ist ein wunderbarer Plastiker, nur arbeitet die plastische Kraft in den Organen als innerliche Wachstums- und Bildekraft. Und das Kind ist auch ein musikalischer Künstler, denn es stimmt seine Nervenstränge in musikalischer Weise. Wiederum ist die Phantasiekraft Wachstumskraft, Kraft der Abstimmung des Organismus selber.

Sehen Sie, wenn wir nach und nach zu dem Zeitalter aufrücken, in dem der charakterisierte Zahnwechsel geschieht, um das siebente Jahr herum, und nachher aufrücken zu dem Zeitalter der Geschlechtsreife, da brauchen wir nicht mehr so viel plastisch-musikalische Kraft als Wachstumskraft, als Bildekraft in uns wie früher. Da bleibt etwas übrig. Da kann die Seele gewissermaßen etwas herausziehen aus der Wachstums- und Bildekraft. Was die Seele dann nach und nach, indem das Kind heranwächst, nicht mehr braucht, um den eigenen Körper als Wachstumskraft zu versorgen, das bleibt übrig als Phantasiekraft. Die Phantasiekraft ist nur die ins Seelische metamorphosierte natürliche Wachstumskraft. Wollen Sie kennenlernen, was die Phantasie ist, studieren Sie zunächst die lebendige Kraft im Formen der Pflanzengebilde, studieren Sie die lebendige Kraft im Formen der wunderbaren Innengebilde des Organismus, die das Ich zustande bringt, studieren Sie alles dasjenige, was im weiten Weltenall gestaltend ist, was in den unterbewußten Regionen des Kosmos gestaltend und bildend und wachsend wirkt, dann haben Sie auch einen Begriff von dem, was dann übrig bleibt, wenn der Mensch so weit in der Bildung seines eigenen Organismus vorgerückt ist, daß er nicht mehr das volle Maß seiner Wachstums- und Bildekraft braucht. Dann rückt ein Teil in die Seele herauf und wird Phantasiekraft. Und erst ganz zuletzt, das Letzte, was übrig bleibt, ich kann nicht sagen der Bodensatz, weil der Bodensatz unten ist, und das, was da übrig bleibt, geht nach oben, ist dann die Verstandeskraft. Das ist die ganz durchgesiebte Phantasiekraft, das Letzte, was übrig bleibt, ich kann nicht sagen der Bodensatz, sondern der Niveausatz, der oben herauskommt: der Verstand." (Lit.: GA 276, S. 141ff)

"Und so muß man den Übergang im Zahnwechsel beobachtend erleben. Man wird dann finden, daß das Kind vor allen Dingen die symbolisierende Gabe, die Phantasiegabe herausentwickelt aus dem, daß es vorher ganz Sinnesorgan ist, und darauf muß man rechnen, auch schon im Spiel. Unsere materialistische Zeit sündigt furchtbar dagegen. So bekommt man heute zum Beispiel überall sogenannte schöne Puppen für die Kinder. Oh, die haben ein so schön geformtes Gesicht, wunderbar gestrichene Wangen, sogar Augen, mit denen sie schlafen können, wenn man sie hinlegt, echte Haare, und was nicht alles! Aber damit wird die Phantasie des Kindes totgemacht. Es kann selber nichts mehr in der Phantasie aus dieser Gestalt machen. Das Kind erlebt auch nicht so viel Freude daran. Dagegen macht man selbst eine Puppe aus einer Serviette oder einem Taschentuch, mit zwei Tintenklecksen die Augen, mit einem Tintenklecks einen Mund, man kann auch irgendwie Arme formen, dann kann das Kind mit der Phantasie sehr viel dazusetzen. Das ist für das Kind ganz besonders gut, möglichst viel dazusetzen zu können, die Phantasie, die symbolisierende Tätigkeit entwickeln zu können Das ist dasjenige, was man für sie suchen muß; möglichst wenig Fertiges, Schönes, wie man es nennt, geben. Denn das Schöne solch einer Puppe, wie ich sie vorhin beschrieben habe, mit echten Haaren und so weiter, ist nur konventionell schön; in Wahrheit ist diese Puppe ja scheußlich, weil sie unkünstlerisch ist.

Darauf kommt es an, daß man genau gewahr wird, wie in dem Lebensalter, das den Zahnwechsel in sich schließt, das Kind in das Phantasieleben übergeht, nicht in das Verstandesleben, in das Phantasieleben übergeht. Da müssen Sie nun auch als Lehrer, als Erzieher, das entwickeln können. Phantasieleben können diejenigen Menschen entwickeln, die im Innern ihrer Seele wirkliche Menschenkenntnis haben. Es ist schon so, Menschenkenntnis läßt das innere Seelenleben auftauen, läßt das Lächeln in die Physiognomie des Gesichtes kommen. Das Griesgrämigsein kommt von der Unkenntnis. Gewiß, man kann irgendein krankes Organ haben und dadurch irgendwelche krankhaften Züge im Gesicht haben. Die machen es aber nicht aus, darüber geht das Kind hinweg. Dasjenige aber, was sich in der Physiognomie ausdrückt von dem Innersten der Seele, die mit Menschenkenntnis erfüllt ist, das macht den Lehrer fähig, ein wirklicher Erzieher zu werden.

Aus dem Wesen der Phantasie heraus muß also zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife erzogen werden. Man möchte sagen, dasjenige, was bei dem Kinde in den ersten Jahren da ist, daß es ganz Sinnesorgan ist, das wird mehr verinnerlicht, seelisch. Die Sinnesorgane denken ja nicht. Die Sinnesorgane nehmen Bilder wahr, oder vielmehr sie formen Bilder aus den äußeren Gegenständen. Auch wenn dasjenige, was das Kind als Sinnesorgan hervorbringt, zunächst seelisch wird, so wird nicht ein Gedanke daraus, sondern ein Bild, wenn auch ein seelisches, ein Phantasiebild. Daher muß man in Bildern arbeiten vor dem Kinde." (Lit.: GA 311, S. 29f)

Phantasie und Ätherleib

Phantasie beruht darauf, dass das Ich vor allem in den Ätherleib und weniger, wie bei der Verstandestätigkeit, in den physischen Leib eingreift.

"Das Ich - wenn wir davon ausgehen, gewissermaßen beim anderen Menschen beginnen —, es arbeitet am Menschen, und so wie der Mensch in der gegenwärtigen Entwickelungsperiode ist, arbeitet dieses Ich vor allen Dingen am physischen Leib des Menschen. Es hat in der heutigen Menschheit verhältnismäßig noch wenig Fähigkeit, schon den Ätherleib zu beherrschen. Der Ätherleib wird verhältnismäßig noch stark dumpf und unbewußt von dem Ich beherrscht in der Kindheit. Später hört dieses Beherrschen auf. Nur bei denjenigen Personen, die sich für das spätere Leben eine starke Phantasie zurückbehalten, ist auch ein sehr starker Einfluß des Ich auf den Ätherleib vorhanden. Aber es ist im allgemeinen bei den Menschen, die verständig und trocken intellektualistisch werden, ein starker Einfluß des Ich auf den physischen Leib vorhanden und ein schwacher auf den Ätherleib." (Lit.: GA 312, S. 264)

Phantasie und Egoismus

"Wenn wir vom Egoismus sprechen, so müssen wir vor allen Dingen wissen, daß dieser Egoismus für den Menschen mit seinen leiblichen Bedürfnissen beginnt. Was aus des Menschen leiblichen Bedürfnissen hervorquillt, können wir nicht anders verstehen, als wenn wir es uns in die Sphäre des Egoismus gerückt denken. Wessen der Mensch bedarf, das geht aus seinem Egoismus hervor. Nun muß man sich durchaus denken, daß dieser Egoismus auch veredelt sein könnte, und deshalb ist es nicht gut, gerade auf diesem Gebiete mit irgendwelchen Schlagworten seine Anschauungen zu bilden. Dadurch, daß man sagt, es solle der Egoismus durch Liebe überwunden werden, hat man noch nicht viel für das Verständnis des Egoismus getan...

Aber die Frage des Egoismus muß noch viel weiter ausgedehnt werden. Man muß den Egoismus auch verfolgen durch das ganze Seelen- und Geistesleben des Menschen. Man muß sich klar darüber sein, wie aus des Menschen innerer Wesenheit heraus genau ebenso entspringt das Geistige und Seelische auf manchen Gebieten, wie die leiblichen Bedürfnisse. So entspringt aus des Menschen Wesenheit heraus zum Beispiel alles, was sein Phantasieschaffen ist. Es entspringt aus des Menschen Wesenheit heraus, was er auf künstlerischem Gebiete schafft. Wenn man unbefangen zu Werke geht und richtiges Verständnis sucht für solche Sachen, dann wird man sagen müssen: Was des Menschen Phantasie schafft, was aus unbestimmten Untergründen seines Wesens hervorkommt, das hat denselben Ursprung, nur auf einer höheren Stufe, wie die leiblichen Bedürfnisse. Das Phantasieleben, das entfaltet wird zum Beispiel in der Kunst, beruht durchaus, subjektiv angesehen, auf innerer Befriedigung des Menschen, auf einer Befriedigung, die feiner, edler ist als zum Beispiel die Befriedigung des Hungers, die aber qualitativ für den Menschen selbst nicht davon verschieden ist, wenn auch das, was dadurch hervorgebracht wird, für die Welt zunächst eine andere Bedeutung hat." (Lit.: GA 332a, S. 187f)

Phantasie und Lüge

"Es gibt Menschen, die scheinen gar keine Phantasie zu haben auf den Gebieten, auf denen man oftmals Phantasie sucht. Ja, wenn sie manchmal Gelegenheit nehmen, sich über die Phantasie zu äußern, zeigen sie sogar einen ausgesprochenen Haß gegen alle Phantasieschöpfungen. Wenn man ihnen aber zu Leibe oder, ich möchte sagen, zur Seele rückt, zeigen sie, daß sie im Grunde sehr viel Phantasie haben: kaum hören sie nämlich da oder dort ein Wort über ihren Nebenmenschen, das ihm abträglich ist, so erfinden sie ganze Geschichten und erzählen die tollsten Dinge über ihren Nebenmenschen. Alles, was man so lügt, ist ja Geschöpf der Phantasie, ist ein Umwandlungsprodukt der Phantasie ins Böse. Und wenn Sie diese Erweiterung der Phantasie ins Böse nehmen, so werden Sie gewahr werden, daß die Phantasie doch ziemlich verbreitet ist in der Welt der Menschen. Wenn Sie alle die Schöpfungen der Phantasie ins Auge fassen, welche die Menschen zuwege bringen, indem sie über ihre Mitmenschen dieses oder jenes sagen, oder auch sonst dieses oder jenes zum besten geben, so werden Sie ein ziemliches Quantum von Phantasie finden auch bei denjenigen Menschen, die im gewöhnlichen, im edleren Sinne phantasiearm sind. Die menschlichen Fähigkeiten verschlagen sich eben manchmal, und Lügenhaftigkeit und Verleumdungssucht sind eben verschlagene Phantasie." (Lit.: GA 161, S. 18)

Imagination, Phantasie und Individualisierung

In ältesten Zeiten schöpfte die Kunst aus der unmittelbaren traumbewussten imaginativen Anschauung der geistigen Welt. Was man so in Farben,Formen, Tönen und Worten bildete, war eine unmittelbare Nachahmung des geistig Erlebten. Damals trat allerdings die Kunst erst in sehr bescheidener Form in Erscheinung; man bedurfte ihrer noch kaum, da ohnehin noch die meisten Menschen eine unmittelbare Anschauung der geistigen Welt hatten. Mit dem Anbruch des Kali-Yuga, des finsteren Zeitalters, wurde das anders. Die meisten Menschen verloren das natürliche Hellsehen, das nun nur mehr von wenigen Eingeweihten und ihren Schülern innerhalb der Mysterien durch entsprechende geistige Schulung gepflegt wurde. Was so nur mehr Einzelne innerhalb der Mysterien geistig erleben konnten, wurde der breiten Masse in sinnlichen Bildern vor Augen gestellt. Die Mysterien waren nun die Quelle der Kunst. Damit begann zugleich die Blütezeit der ersten Hochkulturen. Alle Kunst hatte damals rein sakralen Charakter und war nach dem gebildet, was die Eingeweihten in Imaginationen geschaut hatten.

Diese Art der Kunst ging zugrunde, als mit dem anbrechenden letzten vorchristlichen Michael-Zeitalter die antike griechische Klassik aufzublühen begann. An die Stelle der Imagination trat nun die aus dem schöpferischen Willen tätig entspringende künstlerische Phantasie. Hinter der künstlerischen Phantasie stehen, sofern es sich um wirkliche Kunst handelt, auch Imagination, doch bleiben diese dem Künstler unbewusst. Nach Rudolf Steiner erfolgte etwa mit dem Jahr 300 v. Chr. bei den damals kulturführenden Griechen dieser Übergang von der anschauenden, das Geistige nachahmenden Kunst zur tätigen künstlerischen Phantasie.

"Die Menschen dieses 3., 4. Jahrhunderts vor Christi Geburt hatten ein deutliches Bewußtsein davon: Es geschieht etwas in der Geisteswelt, das spielt herein in die Welt der Menschen. - Und dasjenige, was sie da sahen, wir können es heute bezeichnen: das war die eigentliche Geburt der menschlichen Phantasie." (Lit.: GA 198, S. 25)

Die göttliche Kunst wurde damit zu einer rein menschlichen, die allerdings zunächst noch ein archetypisches, ideal-menschliches und noch kein individuelles Gepräge hat. Das ideelle hat hier noch ein starkes Übergewicht über das sinnliche Element und verleiht der künstlerischen Phantasie einen deutlich luziferischen Charakter. Erst im Hellenismus treten die individuellen Züge stärker hervor.

"Es war natürlich auch schon künstlerisches Schaffen vor dem 3. oder 4. Jahrhundert vor Christi Geburt da; aber dieses künstlerische Schaffen ging nicht aus dem hervor, was wir heute Phantasie nennen. Dieses künstlerische Schaffen ging aus einer wirklichen hellseherischen Imagination hervor. Diejenigen, die Künstler waren, konnten schauen, wie sich ihnen das Geistige enthüllte, und sie kopierten einfach das Geistige, das sich ihnen enthüllte. Das alte atavistische Hellsehen, die alte Imagination war dasjenige, was der Künstler zugrunde liegend hatte. Jene Phantasie, die damals erst aufkam und die dann sich weiter ausbildete bis zu den Schöpfungen eines Leonardo oder Raffael oder Michelangelo, um dann wieder talab zu gehen, diese Phantasie nimmt dazumal ihren Ursprung, diese Phantasie, die nicht so schafft, als ob ein Geistiges erscheint, imaginiert wird, sondern als ob man nur aus sich selbst heraus etwas anordnete, als ob man nur aus sich selbst heraus etwas gestaltete. Und daß sie mit der Phantasie begabt wurden, das schrieben die Menschen dieser Zeit zu einem Kampfe von göttlichen Wesen, die über ihnen walteten, in deren Auftrag sie auf der Erde handelten." (Lit.: GA 198, S. 25f)

Der eigentliche Durchbruch zur Individualisierung beginnt erst mit dem Bewusstseinsseelenzeitalter. In der Renaissance greift man zwar auf die Antike zurück, bringt aber nun alles in eine stark individualisierte Form. Während die alten Griechen in der bildenden Kunst noch ohne äußeres Vorbild auskommen konnten und die ideale menschliche Gestalt im inneren Erleben erspürten, richtet man sich nun nach dem konkreten äußeren Modell. Der sinnliche Anteil der künstlerischen Phantasie wird nun immer bedeutsamer. Das Barock sprüht geradezu von sinnlicher Pracht.

Je größer der sinnliche Anteil der künstlerischen Phantasie wurde, desto mehr ging man aber auch zur bloßen Nachahmung der äußeren Welt über, was schließlich im Naturalismus enden musste, dessen Blütezeit 1879 mit dem anbrechenden Michael-Zeitalter begann und etwa bis 1900 dauerte. Reine Nachahmung des Äußeren ist aber ebensowenig Kunst, wie die bloße Nachahmung des Übersinnlichen im Sinnlichen. Mit dem Naturalismus war man am Ende einer langen Entwicklung angelangt, die nun bereits aus dem eigentlich Künstlerischen herausführt. Die Phantasie wurde von den ahrimanischen Mächten ergriffen.

Ein neuer Aufbruch war nötig, und der kam auch, nachdem 1899 das finstere Zeitalter, das Kali-Yuga, abgelaufen war. Impressionismus und Expressionismus geben davon bereits ein bedeutsames Zeugnis. In der dramatischen Kunst gab Rudolf Steiner mit seinen Mysteriendramen einen entscheidenden Impuls, der aber bis heute noch nicht wirklich aufgenommen wurde. Die Kunst der Zukunft wird wieder aus der bewussten Imagination schöpfen müssen, ohne aber deshalb auf die individualisierende künstlerische Phantasie zu verzichten - sonst würde man bloß wieder in die ältesten Zeiten zurückkehren, was nicht der Sinn der Entwicklung sein kann. Es kann also nicht so sein, dass man, wie in der fernen Vergangenheit, traumhaft erlebte Imaginationen unmittelbar in sinnliche Bilder übersetzt, sondern man wird die mit dem voll erwachten Ich-Bewusstsein erfahrenen geistigen Eindrücke in die unbewussten Wesenstiefen versenken, aus denen man sie in verwandelter und völlig individualisierter Gestalt durch die schöpferisch-produktive künstlerische Phantasie wieder herausholt. Man geht hier einen Weg, der in ähnlicher Art ja auch für die Geistesschulung gilt: Was man zuerst sich in kräftigen Imaginationen aufgebaut hat, was man in reichen seelischen Bildern erlebt hat, das muss man wieder willentlich wegschaffen, das Bewusstsein völlig davon befreien und eine Leere des Bewusstseins herstellen, ehe die Inspiration – in diesem Fall die künstlerische Inspiration – einschlagen kann. Dadurch wird etwas geschaffen, was es in dieser Art weder in der sinnlichen noch in der übersinnlichen Welt zuvor schon gegeben hat, was aber im vollen Einklang mit den Gesetzmäßigkeiten beider Welten steht und beide Welten durch etwas bereichert, was nur der einzelne individuelle Mensch geben kann.

Wahre schöpferische Phantasie erfordert den Durchgang durch das Nichts. Alles, was wir gelernt und erfahren haben, auch alle hellsichtig erlebte Imagination, muss zuerst hingeopfert und in die Tiefe des Unterbewusstseins versenkt werde, ehe es von dort durch die tätige schöpferische Phantasie in völlig neuer Gestalt wiedererweckt werden kann. "In deinem Nichts hoff' ich das All zu finden", lässt Goethe seinen Faust zu Recht sagen; man muss den Gang zu den Müttern wagen:

FAUST. Die Mütter! Mütter! - 's klingt so 
wunderlich!

MEPHISTOPHELES.
Das ist es auch. Göttinnen, ungekannt
Euch Sterblichen, von uns nicht gern genannt.
Nach ihrer Wohnung magst ins Tiefste schürfen;
Du selbst bist schuld, daß ihrer wir bedürfen.

FAUST. Wohin der Weg?

MEPHISTOPHELES. Kein Weg! Ins Unbetretene,
Nicht zu Betretende; ein Weg ans Unerbetene,
Nicht zu Erbittende. Bist du bereit? -
Nicht Schlösser sind, nicht Riegel wegzuschieben,
Von Einsamkeiten wirst umhergetrieben.
Hast du Begriff von Öd' und Einsamkeit?

FAUST. Du spartest, dächt' ich, solche Sprüche;
Hier wittert's nach der Hexenküche.

MEPHISTOPHELES.
Und hättest du den Ozean durchschwommen,
Das Grenzenlose dort geschaut,
So sähst du dort doch Well' auf Welle kommen,
Selbst wenn es dir vorm Untergange graut.
Du sähst doch etwas. Sähst wohl in der Grüne
Gestillter Meere streichende Delphine;
Sähst Wolken ziehen, Sonne, Mond und Sterne -
Nichts wirst du sehn in ewig leerer Ferne,
Den Schritt nicht hören, den du tust,
Nichts Festes finden, wo du ruhst.

FAUST. Du sprichst als erster aller Mystagogen,
Die treue Neophyten je betrogen;
Nur umgekehrt. Du sendest mich ins Leere,
Damit ich dort so Kunst als Kraft vermehre;
Nur immer zu! wir wollen es ergründen,
In deinem Nichts hoff' ich das All zu finden.

MEPH. Ich rühme dich, eh' du dich von mir trennst,
Und sehe wohl, daß du den Teufel kennst;

          (FAUST II, 1. Akt, ''Finstere Galerie'')

Die Kunst, und damit auch die künstlerische Phantasie, der sie entspringt, ist ein Sinnlich-Übersinnliches. Beide Elemente, das sinnliche und das übersinnliche, müssen im rechten, ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen und dieses rechte Verhältnis wird durch das individuelle Ich des Künstlers hergestellt. Die reine Nachahmung des Sinnlichen und die Darstellung des Übersinnlichen, sagt Rudolf Steiner sind die beiden Erbsünden der Kunst (Lit.: GA 271, S. 86ff). Was rein aus dem übersinnlichen Erleben fließt, ist noch nicht Kunst im eigentlichen Sinn, und was sich im bloßen Naturalismus erschöpft, ist nicht mehr Kunst.

Die physiologische Grundlage der Phantasie

Das Rhythmische System des Menschen, das Atmung und Blutkreislauf umfasst, steht in engem Zusammenhang mit dem Denken, das sich im Rhythmus des durch die Atmung auf- und absteigenden Gehirnwassers gestaltet, und mit der Sinneswahrnehmung, die im weitesten Sinn eine Art Lichtatmungsprozess die Sinnesorgane ist. Vermittelt durch den Rhythmus der Blutzirkulation verbindet sich das Rhytmische System mit dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System, durch das die eigentlich produktiven Willenskräfte aufgerufen werden, die sich in der Phantasietätigkeit offenbaren.

"Im Gedächtnis wirkt im wachenden Menschen unmittelbar das göttlich-geistige Wesen; im Gewissen wirkt im wachenden Menschen mittelbar - als Nachwirkung - dieses göttlich-geistige Wesen.

Gedächtnisbildung spielt sich in der Nerven-Sinnesorganisation ab; Gewissensbildung spielt sich als rein seelischgeistiger Vorgang ab, aber in der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation.

Zwischen beiden liegt die rhythmische Organisation. Diese ist nach zwei Seiten hin polarisch in ihrer Wirksamkeit ausgebildet. Sie ist als Atmungsrhythmus in inniger Beziehung zur Sinneswahrnehmung und zum Denken. In dem Lungen-Atmen ist der Vorgang am gröbsten; er verfeinert sich und wird als verfeinertes Atmen sinnliches Wahrnehmen und Denken. Was noch dem Atmen ganz nahesteht, aber ein Atmen durch die Sinnes-Organe, nicht durch die Lungen ist, das ist das sinnliche Wahrnehmen. Was dem Lungen-Atmen schon ferner ist und durch die Denkorganisation gestützt wird, das ist Vorstellen, Denken; und was schon nach dem Rhythmus der Blutzirkulation hinübergrenzt, schon ein innerliches Atmen ist, das mit der Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation sich verbindet, das offenbart sich in der Phantasie-Tätigkeit.

Diese reicht dann seelisch in die Willenssphäre, wie der Zirkulationsrhythmus in die Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation reicht.

In der Phantasiebetätigung strebt die Denkorganisation an die Willensorganisation nahe heran. Es ist ein Untertauchen des Menschen in seine wachende Schlafsphäre des Willens. Es erscheinen daher bei Menschen, die in dieser Art organisiert sind, die Seelen-Inhalte wie Träume im Wachzustande. In Goethe lebte eine solche Menschen-Organisation. Daher spricht er davon, daß ihm Schiller seine dichterischen Träume deuten müsse.

In Schiller selbst war die andere Organisation wirksam. Er lebte aus dem heraus, was er sich aus den vorigen Erdenleben mitbrachte. Er mußte zu einem starken Wollen den Phantasie-Inhalt suchen.

Auf Menschen, die nach der Phantasiesphäre hin veranlagt sind, so daß sich ihnen wie von selbst die Anschauung der sinnlichen Wirklichkeit in Phantasiebilder wandelt, zählt bei ihren Weltenabsichten die ahrimanische Macht. Sie meint, mit Hilfe solcher Menschen die Entwickelung der Menschheit von der Vergangenheit ganz abschneiden zu können, um sie in eine Richtung zu bringen, die sie will.

Auf Menschen, die nach der Willenssphäre hin organisiert sind, die aber die sinnliche Anschauung in Phantasiebilder aus innerer Liebe zur idealen Weltanschauung kräftig gestalten, zählt die luziferische Macht. Sie möchte die Menschheitsentwickelung durch solche Menschen ganz in den Impulsen der Vergangenheit erhalten. Sie könnte dann die Menschheit vor dem Untertauchen in die Sphäre bewahren, in der die ahrimanische Macht überwunden werden muß." (Lit.: GA 026, S. 237ff)

Phantasie und Pepsin

"Dann kommt zum Beispiel heraus, daß, wenn man einem Kinde eine ganze Stunde erzählt hat, ohne daß man seine Phantasie angeregt hat, sich die Magensäure sammelt, und das Kind hat dann zuviel Pepsin im Magen. Man kann es nicht verhindern, daß man durch den anschaulichen, betrachtlichen Unterricht Pepsin ansammelt; aber dieses Pepsin hat ja nicht nur die Aufgabe, die Nahrungsmittel zu säuern, die in den Magen hineinkommen, sondern alle diese Dinge haben auch noch eine geistige Aufgabe. Alles Stoffliche ist zugleich Geistiges. Das Pepsin hat die Aufgabe, wenn das Kind zum Gesanglehrer kommt, das innere Prickeln hervorzurufen, das das Kind während des Singens erleben soll. Dieses Prickeln kann man nicht hervorrufen, wenn das Pepsin in den Falten des Magens bleibt. Und es bleibt in den Falten des Magens, wenn man bloß erzählt, ohne auf die Phantasie zu wirken. Wirkt man aber auf die Phantasie, so trägt man dieses Pepsin durch den ganzen Körper, und die Folge davon ist, daß der Gesanglehrer ein Kind bekommt, das ein Prickeln in allen Organen haben kann, während er, wenn man nur erzählt hat, ein Kind bekommt, das das Pepsin in den Falten hat und in den übrigen Organen gar nicht hat; nun hat er ein Kind, das vor allen Dingen in den Sprachorganen kein Prickelnerregendes hat. Die Folge davon ist eine Faulheit gegenüber dem Singen oder überhaupt die, daß es nichts Ordentliches hervorbringt." (Lit.: GA 302, S. 24)

Phantasie und Angeloi

"Die Phantasie ist ja in vieler Beziehung etwas ebenso Schöpferisches, aber individuell Schöpferisches wie die Sprache, und im Grunde genommen liegt der Sprache die Phantasietatigkeit zugrunde. So wie der Mensch gewöhnlich von der Sprache nur etwas Abstraktes erlebt, so wie er den Sprachgenius, der ein Archangelos ist, in der Sprache nicht immer, ich möchte sagen, seine Fittiche entfalten spürt, so nimmt der Mensch auch in der Phantasie - die, wenn sie luziferisch durchwebt wird, zur Phantastik wird - , es nimmt der Mensch auch nicht in der Phantasie wahr, daß eigentlich ein Engel durchschlüpft durch sein individuelles Leben, indem er in der Phantasie lebt.

Der wirkliche Dichter, der wirkliche Künstler, der nicht zum Zyniker oder zum Frivolling oder zum Oberflächling geworden ist, der weiß aber, daß ihn durchsetzt, indem er künstlerisch schafft, eine höhere Geistigkeit. Es ist dieselbe höhere Geistigkeit, die uns eigentlich von Leben zu Leben wie ein individueller Schutzgeist trägt: der Angelos, der Engel. Und es ist durchaus eigentlich das Denken des Angelos, das in die geregelte menschliche Phantasie hereinspielt. Man kann durchaus in gewissen Aussprüchen Goethes, ich möchte sagen, in einer dezenten Form erkennen, wie er sich bewußt ist, daß eigentlich ein Unbewußtes da hereinspielt, das aber eben in der Phantasie real wirkt.

Wenn der Mensch nun aber nicht innerlich aus sich herausgeht, sondern im Schlafe wirklich aus sich heraus ist, und er im Schlafe dann eindringt in die Region, in der sonst die wachende Phantasie wurzelt, dann kündigt sich dasselbe, was sich in der Phantasie besonnen ankündigt, mehr unter dem Bewußtsein an als das Träumen. Geradeso wie die Phantasie zur Phantastik ausarten kann, wenn sie luziferisch durchsetzt wird, so kann das Träumen ausarten zu allem möglichen Irregulären, das der Mensch dann sogar für eine Realität hält, indem ahrimanische Einflüsse auf das Träumen stattfinden. Das Träumen als solches geht ja in die luziferische Region hinein, kann aber ahrimanisch durchsetzt werden. Aber eigentlich lebt in unseren Träumen, wenn sie, möchte man sagen, unschuldig und rein menschlich sind, wiederum das, was wir den Angelos nennen, diejenige Wesenheit, die also auch in der Phantasie uns durchsetzt, wenn wir innerlich gewissermaßen aus uns herausgehen.

Nun schattet sich die Sprachwelt, die der Erzengel beherrscht, nach innen ab zu einer Welt, die zwischen Gefühl und Gedanken mitten drinnen lebt: zu der Welt der Vorstellungen; man könnte auch sagen: zu der Welt der gefühlsmäßigen Vorstellung (siehe Zusammenstellung). Die Phantasie und das Träumen schatten sich ab zu der Welt der Gefühle selbst - Gefühle und desjenigen, was in den Gefühlen lebt als Willensmäßiges; wir könnten auch sagen: willensmäßige Gefühle." (Lit.: GA 208, S. 38f)

Phantasietätigkeit und Mondrhythmus

Die Phantasietätigkeit unterliegt Schwankungen, in denen sich der Mondrhythmus abbildet. Auf eine 14-tägige Phase des produktiven Schaffens fruchtbarer Ideen und künstlerischer Phantasie folgen weitere 14 Tage, in der diese Ideen ausgearbeitet werden können. Ein solcher Rhythmus ist bei der Geistesforschung noch ausgeprägter vorhanden. Dieser 14- bzw. 28-tägige Rhythmus bildet zwar den äußeren Rhythmus der Mondphasen in seinem Zeitmaß ab, korrespondiert aber heute nicht mehr notwendigerweise unmittelbar mit diesem äußeren Rhythmus, sondern hat sich im Zuge der Menschheitsentwicklung, ähnlich wie der Fruchtbarkeitszyklus der Frau, davon weitgehend unabhängig gemacht (Lit.: GA 058, S. 289ff).

Phantasie und Jupitersphäre

"Die Menschen haben hinaufgesehen, sagen wir zu dem Saturn. Sie haben in den Kräften, die mit den Lichtstrahlen von dem Saturn zur Erde herunterkommen, diejenigen Kräfte gesehen, welche in das menschliche Wesen hereinwirken und in diesem menschlichen Wesen die Kraft des Gedächtnisses bewirken. Sie haben hinaufgesehen zum Jupiter, haben den Jupiter verbunden gesehen mit geistigen Wesenheiten höherer Hierarchien, die ihre Wirkungen hereinsenden in den Menschen, so daß die Folge dieser Wirkungen im Menschen die Ausbildung der Kraft der Phantasie ist. Sie haben zum Mars hinaufgesehen: sie waren der Anschauung, daß die Kräfte, die von den geistigen Wesenheiten des Mars in den Menschen hereinwirken, dem Menschen die Kraft der Vernunft geben." (Lit.: GA 221, S. 49)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vier Mysteriendramen, GA 14 (1998), ISBN 3-7274-0140-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Anthroposophische Leitsätze, GA 26 (1998) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Mein Lebensgang, GA 28 (2000), ISBN 3-7274-0280-6; Tb 636, ISBN 978-3-7274-6361-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Metamorphosen des Seelenlebens – Pfade der Seelenerlebnisse. Erster Teil, GA 58 (1984) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Wege der geistigen Erkenntnis und der Erneuerung künstlerischer Weltanschauung, GA 161 (1999), ISBN 3-7274-1610-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Heilfaktoren für den sozialen Organismus, GA 198 (1984) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Anthroposophie als Kosmosophie – Zweiter Teil, GA 208 (1992), ISBN 3-7274-2080-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  8. Rudolf Steiner: Erdenwissen und Himmelserkenntnis, GA 221 (1998), ISBN 3-7274-2210-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  9. Rudolf Steiner: Kunst und Kunsterkenntnis, GA 271 (1985) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  10. Rudolf Steiner: Das Künstlerische in seiner Weltmission, GA 276 (2002), ISBN 3-7274-2760-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  11. Rudolf Steiner: Menschenerkenntnis und Unterrichtsgestaltung, GA 302 (1986), ISBN 3-7274-3020-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  12. Rudolf Steiner: Die Kunst des Erziehens aus dem Erfassen der Menschenwesenheit, GA 311 (1989), ISBN 3-7274-3110-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  13. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und Medizin, GA 312 (1999), ISBN 3-7274-3120-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  14. Rudolf Steiner: Soziale Zukunft, GA 332a (1977), ISBN 3-7274-3325-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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