Phantom

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Phantom ist die geisteswissenschaftliche Bezeichnung für die Formgestalt des Menschen, d.h. für den eigentlichen physischen Leib, genauer gesagt für das geistige Urbild seines individuellen physischen Leibes. Der Phantomleib ist ein unsichtbarer, nur geistig wahrnehmbarer Kraftleib, der aber den Gesetzen des Physischen gehorcht. Er ist nicht zu verwechseln mit dem stofflichen, materiellen Leib des Menschen. Gerade dort, wo die Stoffe sind, ist er nicht zu finden, denn alles Stoffliche erscheint als Hohlraum im Geistigen, der vom Geist, der in der Unendlichkeit wurzelt, nicht erfüllt, wohl aber umhüllt wird. Der Phantomleib kann daher gleichsam als komplementäre umhüllende geistige Formgestalt des sinnlich wahrnehmbaren Stoffleibes aufgefasst werden. Er gleicht einer übersinnlichen Gußform, die von außen bis an die Grenzen des stofflichen Körpers heranreicht, und dieser stoffliche Körper ist eigentlich ein Hohlraum in der übersinnlichen physischen Form. Nach dem Tod verbleibt die geistige Formgestalt des Menschen zunächst in der Erdensphäre.

Wenn man nach dem Tod vom Kamaloka ins Devachan übertritt, erlebt man das tat twam asi, das "das bist du!", von dem die Inder gesprochen haben. Man blickt zurück auf die verlassene Leibesform und sieht nun von außen den physischen Leib als dunklen Hohlraum und zugleich als den Platz in der Welt, den man nur selbst und niemand sonst mit seinem Wesen erfüllen kann. Die Augen werden dann leuchtend erlebt, die Ohren tönend usw.

Die Leibesform des Menschen lässt sich nicht aus den Genen ableiten, sondern nur aus den Kräften des ganzen Makrokosmos. Der kosmische Mensch, der Tierkreismensch, der Adam Kadmon der Kabbala oder der Riese Ymir der germanischen Mythologie bestimmt nicht nur die allgemeine, sondern auch die individuelle Form des physischen Leibes jedes einzelnen Menschen. Jeder kleinste Teil der menschlichen Gestalt läßt sich durch eine ganz bestimmte Sternkonstellation beschreiben. Die äußere Gestalt hängt stark mit dem Tierkreis zusammen, die Tätigkeit der Vitalorgane mehr mit dem Planetensystem. In der tierischen Gestalt bildet sich der Makrokosmos hingegen nur einseitig und verzerrt ab und Pflanzenformen lassen sich weitgehend als Bild der planetarischen Rhythmen verstehen, z. B. als Abbild des sog. Venuspentagramms usw.

Von allen Wesensgliedern des Menschen hat der physische Leib die längste Entwicklung hinter sich; auf dem alten Saturn wurden bereits die Sinnesorgane veranlagt. Auf der alten Sonne wurden die Drüsenorgane vorbereitet, auf dem alten Mond das Nervensystem und erst auf der Erde das Blutsystem zur Zeit der alten Lemuria nach dem Mondenaustritt, beeinflusst bereits von Luzifer und schließlich das Knochensystem auf der Atlantis unter dem Einfluss Ahrimans. In gewissem Sinn ist die natürliche Entwicklung des physischen Leibes mit der Bildung des Knochensystems abgeschlossen und dieses bestimmt ganz und gar die äußere Form des Leibes so, dass er zum Träger des menschlichen Ichs werden kann. Nur durch das Knochensystem ist die aufrechte Haltung möglich, und dadurch in der Folge Sprache und Denken. Die mehrfach umgewandelte Saturnanlage, Sonnenanlage und Mondenanlage des physischen Leibes ist unsichtbar übersinnlich und auch noch ein Teil dessen, was auf der Erde dazukam; erst seit sich das Blut eingegliedert hat, begann die Stofferfüllung des physischen Leibes. Alle Stoffe, die heute unseren Leib aufbauen, sind letztlich umgewandeltes Blut. Im Blut ist aber auch das Eisen, von dem Rudolf Steiner sagt:

O Mensch,
Du bildest es zu deinem Dienste,
Du offenbarst es seinem Stoffeswerte nach
In vielen deiner Werke.
Es wird dir Heil jedoch erst sein,
Wenn sich dir offenbart
Seines Geistes Hochgewalt.

Dieses Eisen, wie es makrokosmisch in den Meteorschauern zu sehen ist, bildet zugleich das Heilmittel gegen die Drachenkräfte der Widersacher - es ist das Schwert Michaels.

Wenn wir in der zweiten Hälfte des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt unseren künftigen Erdenleib vorbereiten, dann arbeiten wir gerade an dem unsichtbaren kosmischen Teil des physischen Leibes. Mit der Empfängnis beginnen wir dann, unserem Leib die Erdenstoffe einzugliedern - und erst ab diesem Moment spielt die Vererbung eine Rolle.

Erst als Folge des luziferischen Sündenfalls erfüllte sich also die übersinnliche Formgestalt des Menschen mit irdischen Stoffen und wurde dadurch sinnlich sichtbar und greifbar, zugleich aber einem voranschreitenden Zerstörungsprozess unterworfen, dem nur durch die leibliche Auferstehung des Christus Einhalt geboten werden konnte. Dazu musste sich der Christus im dreißigsten Lebensjahr des Jesus von Nazareth durch die Jordan-Taufe mit dessen Leibeshüllen verbinden, über diese bis in die Tiefen des Knochensystems hinein die bewusste Herrschaft erlangen, und im dreiunddreißigsten Lebensjahr durch das Mysterium von Golgatha hindurchgehen. Das Phantom, das sich aus dem Grab des Christus-Jesus erhob, der Auferstehungsleib des Christus, hat sich im Zuge der weiteren Entwicklung vervielfältig und wird als Heilmittel gegen den sonst unaufhaltsamen Verfall dem physischen Leib des Menschen einverwoben.

"Tritt uns wirklich der physische Leib des Menschen vor Augen, wenn wir mit unserer gewöhnlichen physischen Anschauung und unserem physischen Verstande dem Menschen entgegentreten? Ich frage Sie: Wer hat ohne hellseherische Anschauung jemals einen physischen Menschenleib gesehen? Was haben die Menschen vor Augen, wenn sie nur mit physischen Augen schauen und mit dem physischen Verstande begreifen? Ein Menschenwesen, das aber besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich! Und wenn ein Mensch vor uns steht, steht ein organisierter Zusammenhang aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich vor uns. Und es hat sowenig Sinn, zu sagen, es stünde ein physischer Leib vor uns, wie es keinen Sinn hätte, zu sagen, wenn wir jemandem ein Glas Wasser vorhalten: da ist Wasserstoff drinnen! Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff, wie der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Was physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich zusammen ausmachen, das ist äußerlich in der physischen Welt zu sehen, wie das Wasser in dem Glase Wasser. Wasserstoff und Sauerstoff aber wird nicht gesehen, und der irrt sich gewaltig, der da sagen wollte, er würde den Wasserstoff im Wasser sehen. So irrt sich aber auch der, der da meint, er sehe den physischen Leib, wenn er einen Menschen in der äußeren Welt sieht. Nicht einen physischen Menschenleib sieht der mit physischen Sinnen und mit physischem Verstande begabte Beschauer, sondern ein viergliedriges Wesen — und den physischen Leib nur insofern, als er durchdrungen ist von den übrigen menschlichen Wesensgliedern. Da ist er aber so verändert, wie der Wasserstoff im Wasser, indem er vom Sauerstoff durchdrungen ist. Denn Wasserstoff ist ein Gas, und Sauerstoff ist auch eins. Wir haben also zwei Gase; beide zusammengefügt geben eine Flüssigkeit. Warum sollte es also unbegreiflich sein, daß der Mensch, der uns in der physischen Welt entgegentritt, sehr unähnlich ist seinen einzelnen Gliedern — dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich, wie ja auch das Wasser dem Wasserstoff sehr unähnlich ist? Und so ist es auch! Deshalb müssen wir sagen: Auf jene Maja, als die ihm der physische Leib zunächst erscheint, darf sich der Mensch nicht verlassen. Wir müssen uns den physischen Leib in einer ganz anderen Weise denken, wenn wir uns dem Wesen dieses physischen Menschenleibes nähern wollen.

Da handelt es sich darum, daß die Betrachtung des physischen Menschenleibes an sich zu den schwierigsten hellseherischen Problemen gehört, zu den allerschwierigsten! Denn nehmen wir an, wir lassen von der Außenwelt dasjenige Experiment mit dem Menschen vollziehen, das ähnlich ist dem Zerlegen des Wassers in Wasserstoff und Sauerstoff. Nun, im Tode wird ja dieses Experiment von der großen Welt vollzogen. Da sehen wir, wie der Mensch seinen physischen Leib ablegt. Legt er wirklich seinen physischen Leib ab? Die Frage scheint eigentlich lächerlich zu sein. Denn was scheint klarer zu sein, als daß der Mensch mit dem Tode seinen physischen Leib ablegt! Aber was der Mensch mit dem Tode ablegt — was ist denn das? Das ist etwas, von dem man zum mindesten sich sagen muß, daß es das Wichtigste, was der physische Leib im Leben hat, nicht mehr besitzt: nämlich die Form, die von dem Momente des Todes an zerstört zu werden beginnt an dem Abgelegten. Wir haben zerfallende Stoffe vor uns, und die Form ist nicht mehr eigentümlich. Was da abgelegt wird, sind im Grunde genommen die Stoffe und Elemente, die wir sonst auch in der Natur verfolgen; das ist nicht das, was sich naturgemäß eine menschliche Form geben würde. Zum physischen Menschenleib gehört aber diese Form ganz wesentlich. Für den gewöhnlichen hellseherischen Blick ist es zunächst tatsächlich so, als ob einfach der Mensch diese Stoffe ablege, die dann der Verwesung oder Verbrennung zugeführt werden, und sonst nichts von seinem physischen Leibe bliebe. Dann sieht das gewöhnliche Hellsehen nach dem Tode in jenen Zusammenhang hinein, der da besteht aus Ich, astralischem Leib und Ätherleib während der Zeit, während welcher der Mensch seinen Rückblick zum verflossenen Leben hat. Dann sieht der Hellseher durch das fortschreitende Experiment den Ätherleib sich abtrennen, sieht einen Extrakt dieses Ätherleibes mitgehen und das Übrige sich auflösen in dem allgemeinen Weltenäther in der einen oder anderen Weise. Und so scheint es in der Tat, als ob der Mensch den physischen Leib mit den physischen Stoffen und Kräften abgelegt hätte mit dem Tode und den Ätherleib nach ein paar Tagen. Und wenn der Hell­seher den Menschen dann weiter verfolgt während der Kamaloka-Zeit, so sieht er, wie wieder von dem Astralleib ein Extrakt durch das weitere Leben zwischen Tod und neuer Geburt mitgenommen, und wie das andere des Astralleibes der allgemeinen Astralität über­geben wird.

Wir sehen also: Physischer Leib, Ätherleib und Astralleib werden abgelegt, und der physische Leib scheint erschöpft zu sein in dem, was wir vor uns haben in den Stoffen und Kräften, die der Verwesung oder Verbrennung oder auf eine andere Weise der Auflösung in die Elemente entgegengehen. Je mehr sich aber in unserer Zeit des Menschen Hellsichtigkeit entwickelt, desto mehr wird er sich über eines klar werden: daß das, was mit dem physischen Leibe abgelegt wird als die physischen Stoffe und Kräfte, doch nicht der ganze physische Leib ist, daß das gar nicht einmal die ganze Gestalt des physischen Leibes gäbe. Sondern zu diesen Stoffen und Kräften gehört noch etwas anderes, das wir nennen müssen, wenn wir sachgemäß sprechen, das «Phantom» des Menschen. Dieses Phantom ist die Form­gestalt des Menschen, welche als ein Geistgewebe die physischen Stoffe und Kräfte verarbeitet, so daß sie in die Form hineinkommen, die uns als der Mensch auf dem physischen Plane entgegentritt. Wie der plastische Künstler keine Statue zustande bringt, wenn er Mar­mor oder irgend etwas anderes nimmt und wüst darauf losschlägt, daß einzelne Stücke abspringen, wie sie der Stoff eben abspringen läßt; sondern wie der plastische Künstler den Gedanken haben muß, den er dem Stoffe einprägt, so ist auch für den Menschenleib der Gedanke vorhanden; aber nicht so vorhanden, da das Material des Menschenleibes kein Marmor oder Gips ist, wie derjenige des Künst­lers, sondern als der reale Gedanke in der Außenwelt: als Phantom. Was der plastische Künstler einprägt seinem Stoffe, das wird den Stoffen der Erde, die wir nach dem Tode dem Grabe oder dem Feuer übergeben sehen, eingeprägt als Phantom des physischen Leibes. Das Phantom gehört zum physischen Leibe dazu, es ist der übrige Teil des physischen Leibes, ist wichtiger als die äußeren Stoffe; denn die äußeren Stoffe sind im Grunde genommen nichts anderes als etwas, was hineingeladen wird in das Netz der mensch­lichen Form, wie man Äpfel auf einen Wagen lädt. Das Phantom ist etwas Wichtiges! Die Stoffe, die da zerfallen nach dem Tode, sind im wesentlichen das, was wir in der Natur draußen auch antreffen, nur daß es aufgefangen wird von der menschlichen Form.

Wenn Sie tiefer nachdenken: glauben Sie, daß alle die Arbeit, die getan worden ist von großen göttlichen Geistern durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch, nur das geschaffen hat, was mit dem Tode den Elementen der Erde übergeben wird? Nein! das ist es gar nicht, was da durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch entwickelt worden ist. Das Phantom ist es, die Form des physischen Leibes! Das ist es also, worüber wir uns klar sein müssen, daß das Verständnis dieses physischen Leibes nicht so leicht ist. Vor allen Dingen darf das Verständnis des physischen Leibes nicht in der Welt der Illusion, nicht in der Welt der Maja gesucht werden. Wir wissen, daß den Grundstein, sozusagen den Keim zu diesem Phantom des physischen Leibes, die Throne während der Saturnzeit gelegt haben, daß dann weiter daran gearbeitet haben die Geister der Weisheit während der Sonnenzeit, die Geister der Bewegung während der Mondenzeit und die Geister der Form während der Erdenzeit. Und dadurch erst ist das, was der physische Leib ist, zum Phantom ge­worden. Daher nennen wir sie die Geister der Form, weil sie eigentlich in dem leben, was wir das Phantom des physischen Leibes nennen. So müssen wir schon, um den physischen Leib zu verstehen, zum Phantom desselben zurückgehen.

Nun würden wir also sagen können, wenn wir an den Beginn unseres Erdendaseins uns versetzen: Die Scharen aus den Reihen der höheren Hierarchien, welche über die Saturn-, Sonnen- und Monden­zeit bis zur Erdenzeit den menschlichen physischen Leib in seiner Form bereitet haben, sie haben dieses Phantom zunächst innerhalb der Erdenevolution hereingestellt. In der Tat war als erstes von dem physischen Leib des Menschen das Phantom da, das man nicht mit physischen Augen sehen kann. Das ist ein Kraftleib, der ganz durch­sichtig ist. Was das physische Auge sieht, sind die physischen Stoffe, die der Mensch ißt, die er aufnimmt, und die dieses Unsichtbare ausfüllen. Schaut das physische Auge einen physischen Leib an, so sieht es in Wahrheit das Mineralische, das den physischen Leib aus­füllt, gar nicht den physischen Leib. Wodurch ist denn aber das Mineralische gerade so, wie es ist, hineingekommen in dieses Phantom des physischen Leibes des Menschen? — Um uns diese Frage zu be­antworten, vergegenwärtigen wir uns noch einmal die Entstehung, das erste Werden des Menschen auf unserer Erde.

Herübergekommen ist von Saturn, Sonne und Mond jener Kraftzusammenhang, der uns im unsichtbaren Phantom des physischen Leibes in seiner wahren Gestalt entgegentritt, und der gerade für ein höheres Hellsehen erst als Phantom erscheinen wird, wenn wir absehen von alledem, was als äußere Stoffe dieses Phantom ausfüllt. Also dieses Phantom ist es, was am Ausgangspunkte steht. Un­sichtbar wäre also der Mensch am Ausgangspunkte seines Erden­werdens auch als physischer Leib. Nehmen wir jetzt an, es würde zu diesem Phantom des physischen Leibes der Ätherleib noch hinzu­gefügt werden, würde dadurch der physische Leib nun sichtbar werden als Phantom? Ganz gewiß nicht. Denn der Ätherleib ist sowieso unsichtbar für das gewöhnliche Anschauen. Also physischer Leib plus Ätherleib sind noch immer nicht sichtbar im äußeren physischen Sinne. Und der Astralleib erst recht nicht; so daß physischer Leib als Phantom und Ätherleib und Astralleib zusammen noch immer un­sichtbar sind. Und das Ich, hinzugefügt, würde zwar innerlich wahr­nehmbar sein, aber nicht äußerlich sichtbar. Also der Mensch bliebe uns, wie er aus der Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit herübergekom­men ist, etwas Unsichtbares, und würde nur für ein Hellsehen sichtbar sein. Wodurch wurde er sichtbar? — Er würde überhaupt nicht sichtbar geworden sein, wenn nicht das eingetreten wäre, was uns die Bibel symbolisch und was uns wirklich die Geheimwissen­schaft schildert: der luziferische Einfluß. Was ist damit geschehen?

Lesen Sie nach in der «Geheimwissenschaft»: Aus jener Entwickelungsbahn, in welcher der Mensch dadurch war, daß sein physischer Leib, Ätherleib und Astralleib bis zum Unsichtbaren gebracht worden sind, ist er heruntergeworfen worden in die dichtere Materie und hat die dichtere Materie so aufgenommen, wie er sie eben aufnehmen mußte unter dem Einflüsse des Luzifer. Wäre also in unserem astra-lischen Leibe und in unserem Ich nicht das, was wir die luziferische Kraft nennen, so würde die dichte Materialität nicht so sichtbar ge­worden sein, wie sie sichtbar geworden ist. Daher müssen wir sagen: Wir müssen den Menschen als einen unsichtbaren hinstellen; und erst mit den Einflüssen des Luzifer sind Kräfte in den Menschen einge­zogen, die ihn für die Materie sichtbar machen. Durch die luziferischen Einflüsse geraten in das Gebiet des Phantoms die äußeren Stoffe und Kräfte und durchdringen dieses Phantom. Wie wenn wir in ein durchsichtig erscheinendes Glas eine farbige Flüssigkeit hinein­gießen, so daß uns dasselbe gefärbt erscheint, während es sonst für unser Auge durchsichtig war, so müssen wir uns denken, daß der luziferische Einfluß Kräfte hineingegossen hat in die menschliche Phantomform, wodurch der Mensch geeignet wurde, auf der Erde die entsprechenden Stoffe und Kräfte aufzunehmen, die seine sonst un­sichtbare Form sichtbar werden lassen.

Was also macht den Menschen sichtbar? Die luziferischen Kräfte »in seinem Innern machen den Menschen so sichtbar, wie er uns auf dem physischen Plane entgegentritt; sonst wäre sein physischer Leib immer unsichtbar geblieben. Daher haben die Alchimisten immer betont, daß der menschliche Leib in Wahrheit besteht aus derselben Substanz, aus welcher der ganz durchsichtige, kristallhelle Stein der Weisen besteht. Der physische Leib besteht wirklich aus absoluter Durchsichtigkeit, und die luziferischen Kräfte im Menschen sind es, welche ihn zur Undurchsichtigkeit gebracht haben und ihn so vor uns hinstellen, daß er undurchsichtig und greifbar wird. Daraus werden Sie ersehen, daß der Mensch zu dem Wesen, das die äußeren Stoffe und Kräfte der Erde aufnimmt, die mit dem Tode wieder weggegeben werden, nur dadurch geworden ist, daß er von Luzifer verführt worden ist, und daß gewisse Kräfte in seinen Astralleib hineingegossen worden sind. Was aber wird denn notwendigerweise daraus folgen? Daraus muß folgen, daß, indem das Ich unter dem Einfluß des Luzifer auf der Erde in den Zusammenhang von physischem Leib, Ätherleib und Astralleib eingezogen ist, der Mensch erst das geworden ist, was er auf der Erde ist. Dadurch ist er erst zum Träger der irdischen Gestalt geworden, sonst wäre er es nicht geworden." (Lit.: GA 131, S 148)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Von Jesus zu Christus, GA 131 (1982), Sechster Vortrag, Karlsruhe, 10. Oktober 1911
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