Pietro Archiati

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Pietro Archiati, geboren 1944 bei Brescia (Italien). Ab seinem 10. Lebensjahr lebt er in einer Klosterschule eines kleinen missionarischen Ordens (die Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria) in der Nähe von Venedig und später in Florenz. Nach dem Abitur: Studium der Theologie und Philosophie an der kirchlichen Gregoriana-Universität in Rom und später an der staatlichen Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1968-70 wirkt er als Volksschullehrer in Laos während des Vietnam-Krieges. 1974-76 dient er in New York als Ordenspriester und ist unter anderem in der Marriage-Encounter-Bewegung tätig. Wegen eines Schilddrüsenkropfs wird seine Stimme zunehmend heiser. Er darf deshalb drei Jahre als Einsiedler am Comer See verbringen. Dort entdeckt er 1977 das ihm bis dahin völlig unbekannte Werk Rudolf Steiners. Dazu sagt er in einem Vortrag (2002): «Innerhalb von Tagen ... wusste ich mit innerster Gewissheit: Das ist es, was du ein ganzes Leben in Ost und West gesucht hast. Wie ein Orkan hat es auf mich gewirkt.» 1981-85 ist er in Südafrika als Dozent in einem Priesterseminar, in dem unter den Studenten so gut wie alle Rassen der Menschheit vertreten sind. Die Spannung mit der Kirche nimmt naturgemäß mit der Zeit zu und hat letztendlich zur Folge, dass sein Wirken im Rahmen der Kirche nicht mehr möglich ist. Seit 1987 ist er unabhängig von jeder Institution als Autor und Redner in Deutschland und anderen Ländern tätig. Seine Bücher sind in verschiedenen Sprachen erhältlich. Seit 2004 veröffentlicht er zusammen mit der Verlegerin Monika Grimm im Verlag Rudolf Steiner Ausgaben (bis 2012: Archiati Verlag) Werke und Vorträge Rudolf Steiners, die heute einen besonderen Aktualitätswert haben. Seine Vorworte zu den Steiner-Bänden sind ein Versuch, eine Brücke zwischen der Anthroposophie und dem heutigen Zeitgeschehen zu schlagen.

Stellungnahmen von Pietro Archiati zum aktuellen Zeitgeschehen

Zur Lage der Anthroposophie: Was ist in der Welt bloß los?

„... Und ein Mondknoten danach, im Jahr 2017, wusste beinahe die ganze Welt von einer handgeschriebenen Notiz Rudolf Steiners, in der dieser schreibt, dass sich Ahriman etwa 18jährig der Welt zu erkennen gibt. Die Notiz war schon lange im Internet für alle zu sehen, Hunderttausende hatten sie heruntergeladen, um sich die Wahrnehmung einzuprägen, um über jedes Wort nachzudenken ...“[1]

Zur weltweiten Flüchtlingskrise: Leseprobe aus dem Vorwort zu: Rudolf Steiner, Esoterisches Christentum, Bd. 2

„... Wird es nicht viele unter ihnen [unter den Flüchtlingen] geben, die sich vor der Geburt zu einem Leben in der Heimatlosigkeit entschieden haben, als karmischen Ausgleich für ein früheres Leben, in dem die geistige Heimat nur vergessen wurde? Ist die Botschaft dieser Menschen, ist ihre Mahnung an uns nicht willkommen, die wir uns durch unsere eigene Geistvergessenheit vielleicht dazu vorbereiten, im nächsten Leben ihr Schicksal nachzuahmen, um zu Suchenden nach dem Geist zu werden? ...“[2]

Zu den Mohammed-Karikaturen: Vorwort zu: Rudolf Steiner, Dreigliederung von Kultur, Politik und Wirtschaft

„... Was aber der Menschenwürde Rechnung trägt und was nicht, das können die Menschen nur durch das gesunde Gefühl, durch das menschliche Empfinden im unmittelbaren Umgang miteinander erleben, um es dann in Gesetzen auszudrücken. Was wieder einkehren muss, ist das Bewusstsein für das, was in der Begegnung von Mensch und Mensch erlebt, was da gefühlt und empfunden wird. ... Aber wie ist es, wenn dabei [bei den Mohammed-Karikaturen] das tiefste religiöse Gefühl von Hunderten von Millionen Menschen verletzt wird? Wie ist es, wenn diese Menschen ihre Menschenwürde als eins mit ihren religiösen Werten erleben und sich als Menschen missachtet fühlen, wenn ihre Religion herabgesetzt wird? Hat man das Recht, das Gefühl der Menschenwürde von so vielen Menschen zu übergehen oder gar zu verletzen? ...“[3]

Zum Freihandelsabkommen Europa-USA: Leseprobe aus dem Vorwort zu: Rudolf Steiner, Esoterisches Christentum, Bd. 3

„... Wer aber meint, dass es keine objektive Wahrheit gibt, der wird nur eine «Moral» haben können, in der sich der Stärkere durchsetzt und der Schwächere sich fügen muss. Selbst gemeinsame Werte wie Demokratie und Freiheit sind in ihrer Abstraktheit kaum etwas wert, wenn alles von ihrer Auslegung und ihrer konkreten Handhabung von Fall zu Fall abhängt. Und wer sich gegen die Handhabung des Mächtigeren wehrt, verstößt gleich gegen die Grundregel jeder vereinbarten Ethik, die «political correctness» oder «gewaltfreie Kommunikation» vorschreibt. Ein Beispiel sind die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA: Was nützen die gemeinsamen ethischen Werte, wenn Europa schon längst von der Weltmacht der großen amerikanischen Global Players, darunter die NSA, ganz abhängig geworden ist? Die Aufforderung der Opposition im Deutschen Bundestag, die Regierung solle den USA gegenüber stärker auftreten, hört sich wie eine Moralpredigt kleinerer Tiere an die Gazelle an, sie solle vor dem Löwen im Kampf ums Dasein mehr Selbstbewusstsein zeigen. ...“[4]

Werke (in Auswahl)

  • Pietro Archiati: Auf Wiederleben! Jedes Leben hat ein Gestern und ein Morgen, Archiati Verlag, München, 3. Aufl. 2005, ISBN 978-3-937078-82-3
  • Pietro Archiati: Was ist Reinkarnation und Karma?, Vlg. am Goetheanum, Dornach 1998
  • Pietro Archiati: Die Überwindung des Rassismus durch die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, Vlg. am Goetheanum, Dornach 1997
  • Pietro Archiati: Aus meinem Leben. Meine Erfahrung mit Kirche und Anthroposophie, München, 2. Aufl. 2002, ISBN 978-3-937078-03-8
  • Pietro Archiati: Christentum oder Christus?, Verlag am Goetheanum, Dornach 1995, ISBN 978-3723509241
  • Pietro Archiati: Das Geheimnis der Liebe. Die Logik des Herzens ist anders, Archiati Verlag, Bad Liebenzell, 5. Aufl. 2009, ISBN 978-3-86772-611-5
  • Pietro Archiati: Der Kampf um die eigene Seele. Auf dem Weg der inneren Entwicklung, Archiati Verlag, Bad Liebenzell, 3. Aufl. 2011, ISBN 978-3-86772-202-5
  • Pietro Archiati: Die Weltreligionen. Wege des Menschen zu sich selbst, Archiati Verlag, Bad Liebenzell, 3. Aufl. 2009, ISBN 978-3867726108
  • Pietro Archiati: Erneuertes Christentum und Wiederverkörperung, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1996, ISBN 9783772516085
  • Pietro Archiati: Geisteswissenschaft im 3. Jahrtausend. Anlässlich der Erscheinung von SKA Band 5, Rudolf Steiner Ausgaben, Bad Liebenzell 2013, ISBN 978-3-86772-615-3 (Neuauflage unter dem Titel: Der Intellektualismus und die Anthroposophie. Zugleich eine Einführung in die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, Rudolf Steiner Ausgaben, Bad Liebenzell, 6. Auflage 2015, neu durchgesehen und gerinfügig erweitert, ISBN 978-3-86772-616-0)
  • Pietro Archiati: Geld ist gut, Vertrauen ist besser. Wo Menschen und ihre Fähigkeiten mehr gelten als Geld, Archiati Verlag, Bad Liebenzell, 3. durchgesehene Aufl. 2008, ISBN 978-3-937078-06-9)
  • Pietro Archiati: Jahrtausendwende - Menschheit wohin?, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1997, ISBN 978-3772516184
  • Pietro Archiati: Kunstwerk Biografie. Eine Entdeckungsreise durch den Lebenslauf des Menschen, Rudolf Steiner Ausgaben, Bad Liebenzell, 5. Aufl. 2014, ISBN 978-3-86772-613-9
  • Pietro Archiati: Mit Engeln und Verstorbenen leben. Die Menschheit an der Schwelle zum Geist, Archiati Verlag, Bad Liebenzell, 5. Aufl. 2011, ISBN 978-3-86772-217-9
  • Pietro Archiati: Zur Freiheit berufen. Natur, Schicksal und Freiheit im Leben des Menschen, Archiati Verlag, Bad Liebenzell, 3. Aufl. 2010, ISBN 978-3-86772-612-2

Anmerkungen und Quellen

  1. Vorwort von Pietro Archiati zu: Rudolf Steiner, Gibt es eine Geisteswissenschaft? (Rudolf Steiner Ausgaben, 2. Aufl. 2015, S. 14-15)
  2. Vorwort zu: Rudolf Steiner, Esoterisches Christentum, Bd. 2 (Rudolf Steiner Ausgaben, 2015, S. 12)
  3. Vorwort von Pietro Archiati zu: Rudolf Steiner, Dreigliederung von Kultur, Politik und Wirtschaft (Rudolf Steiner Ausgaben, 2. Aufl. 2015, S. 11)
  4. Vorwort zu: Rudolf Steiner, Esoterisches Christentum, Bd. 3 (Rudolf Steiner Ausgaben, 2015, S. 12-13)

Weblinks