Pontius Pilatus

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Christus vor Pilatus, Gemälde von Mihály von Munkácsy, 1881

Pontius Pilatus war von 26 bis 36 n. Chr. Statthalter (Präfekt) des römischen Kaisers Tiberius in Judäa und ist vor allem durch die Schilderungen im Neuen Testament bekannt. Tatsächlich liegt dem Namen des Pontius Pilatus eine tiefere Bedeutung zugrunde. In der leicht abgewandelten Form Póntos Pyletós (griech. wörtlich zusammengezogenes Meer) ist er eine esoterische Bezeichnung für die zusammengezogene feste sinnliche Materie, in der sich der Mensch und auch der Christus auf Erden inkarnieren und die damit verbundenen Leiden auf sich nehmen muss. In diesem Sinn ist auch seine Erwähnung im Apostolischen Glaubensbekenntnis ("gelitten unter Pontius Pilatus") aus okkulter Sicht zu verstehen, das in Wahrheit eine Schilderung der christlichen Initiation enthält.

Im Neuen Testament tritt Pontius Pilatus als philosophisch gebildeter Römer auf, was er durch seine Frage: "Was ist Wahrheit?" erkennen läßt.

"Nehmen wir einmal an, die alte hebräische Lehre hätte nicht eine Regeneration erfahren durch das Christentum, es hatte ja dasjenige herauskommen müssen, was für Paulus eine unbedingte Überzeugung vor dem Ereignis von Damaskus war. Paulus hat etwa so gedacht: Es gibt eine althergebrachte Lehre. Ursprünglich war sie vorhanden als eine göttlich-geistige Offenbarung, die an die Menschen geistig herangekommen war in Urzeiten, so wie ich es eben heute charakterisiert habe. Dann ist sie durch das Schrifttum aufbewahrt worden. Unter den hebräischen Menschen gab es Schriftgelehrte, die aus der Schrift wußten, was da noch aufbewahrt worden war von der alten Götterweisheit her. Aus diesen Schriftgelehrten heraus entstand das Urteil, das den Christus Jesus zum Tode verurteilt hat. Solch ein Mensch wie Paulus, als er noch Saulus war, sieht also hinauf zu der Urgötterweisheit. Aus der strömt herunter bis zu den Schriftgelehrten seiner Zeit dasjenige, was diese Götterweisheit dem Menschen geworden ist. Indem hervorragende Menschen sich hingegeben haben dem Schrifttum, konnte diese Götterweisheit nur dazu führen, daß gerechte Urteile gesprochen wurden. Ein Unschuldiger, der zum Kreuzestod verurteilt wird: unmöglich, unmöglich! wenn sich alles so vollzog, wie es sich vollzogen hat bei der Verurteilung des Christus Jesus. Nur der römische Landpfleger Pontius Pilatus, der war schon instinktiv hineinverstrickt in eine ganz andere Weltanschauung, der konnte das inhaltsvolle Wort aussprechen: Was ist Wahrheit? - Für Paulus, als er noch Saulus war, war keine Möglichkeit, auch nur daran zu denken, daß das, was nach gerechtem Urteile sich vollzogen hat, nicht hätte Wahrheit sein sollen." (Lit.: GA 211, S. 117f).

Literatur

  • Rudolf Steiner: Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung, (GA 211), Dornach 1986

Siehe auch