Anonymität

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Anonymität (von griech. ἀνώνυμος anónymos „ohne Namen“) bedeutet, dass der Name bzw. die Identität einer Person nicht bekannt oder zumindest nicht öffentlich bekannt ist, sie also inkognito (von lat. incognitus „unbekannt“, zu cognoscere „kennen, wissen“) bleibt, was schlicht auf mangelnder Kenntnis, aber auch auf bewusster Geheimhaltung beruhen kann. Gegebenenfalls kann der Name auch durch ein Pseudonym (von griech. ψευδώνυμος pseudōnymos „falscher Name“, „vorgetäuschter Name“; auch Alias) bzw. durch einen Künstlernamen oder Decknamen verhüllt werden.

Anonymität kann dem Schutz des Individuums dienen, etwa bei der Wahrung des Wahlgeheimnisses, aber auch der bewussten Auslöschung der Erinnerung an eine bestimmte geächtete Person (lat. Damnatio memoriae „Verdammung des Angedenkens“).

Anonymität der christlichen Eingeweihten

August von Heckel: Lohengrin, Gemälde auf Schloss Neuschwanstein im Auftrag von Ludwig II. (1886)

Große christliche Eingeweihte gehen in der Regel völlig unerkannt durch die Welt. Symbolisch drückt sich die Anonymität der Eingeweihten darin aus, dass nach ihrem Namen nicht gefragt werden darf, wie es etwa in der Sage von Lohengrin geschildert wird.

„Wir haben gesehen, daß der im dritten Grade eingeweihte Schüler ein Schwan genannt wird. Der Meister, der tief eingeweiht ist, steigt höher, er steigt in die jenseitige Welt, in die Welten, zu denen das Menschheitsbewußtsein nicht hinanreicht. Er kennt alles, was durch die Menschheit spricht, lediglich in seinem Inneren. Ihn kann man nicht fragen: Woher bist du, welchen Namen hast du? - Der Schwan ist es, der ihn bringt aus noch höheren Sphären. Daher wird Lohengrin durch den Schwan in die Städteepoche gebracht. Sehen Sie den Fortschritt an, der im alten Griechentum gemacht worden ist. Die Götter in Griechenland sind nichts anderes als vergottete Eingeweihte. Nehmen Sie Zeus, der sich verbindet mit Semele; aus dieser Verbindung wird Dionysos. Die griechische Kultur geht daraus hervor. Alle großen Fortschritte der Menschheit werden in dieser Weise dargestellt. Nicht fragen soll Elsa nach Name und Herkunft dessen, der sie führt und ihr Gatte wird. So ist es mit allen großen Meistern, sie gehen unerkannt und unbemerkt durch die Menschheit hindurch. Würde man sie fragen, so würde sie das aus der Menschheit wegscheuchen. Notwendig ist es, daß sie das Heiligtum vor profanen Blicken und Fragen bewahren. So ist es auch, wenn dem menschlichen Verständnis nahegebracht würde das Wesen eines solchen Eingeweihten. In einem solchen Augenblicke würde ein solches Wesen auch verschwinden, wie das Lohengrin auch tat.“ (Lit.:GA 54, S. 445f)

Hohe Eingeweihte wie Christian Rosenkreutz verkörpern sich in jedem Jahrhundert und zwischen ihren einzelnen irdischen Inkarnationen liegen nur kurze Zeiträume. (Lit.: GA 264, S. 238f) Ein strenges Gesetz gilt seit der Zeit des Mysteriums von Golgatha und der damit verbundenen Ich-Geburt: Exoterisch dürfen diese Inkarnationen erst hundert Jahre nach dem Tod bekannt werden, um jeglichen Personenkult auszuschließen.

„Die Pflege der christlichen Initiation, sie wurde übertragen denen, die Pfleger waren des Heiligen Grals und später den Pflegern der Gemeinschaft des Rosenkreuzes. Unpersönlich sollte wirken seiner ganzen Natur nach, was von der christlichen Initiation ausgeht. Alles Persönliche sollte dabei ausgeschlossen sein; denn das Persönliche hat nur Streit und Hader in die Menschheit gebracht und wird es in der Zukunft immer mehr bringen. Daher ist es ein strenges Gesetz für diejenigen, die - symbolisch gesprochen - dem Heiligen Gral dienen, oder - wirklich gesprochen - der Pflege der christlichen Initiation dienen, daß keiner von denen, die eine führende Rolle erster Ordnung zu spielen haben innerhalb der Brüderschaft des Heiligen Grals oder der Gemeinschaft des Rosenkreuzes, weder sie noch die in ihrer Umgebung leben, von den Geheimnissen, die in ihnen walten, sprechen dürfen, bevor hundert Jahre nach ihrem Tode verflossen sind. Es gibt keine Möglichkeit, zu erfahren, was es für eine Bewandtnis mit einer führenden Persönlichkeit erster Ordnung hat, bevor hundert Jahre nach ihrem Tode verflossen sind.

Das ist ein strenges Gesetz innerhalb der Rosenkreuzergemeinschaft seit ihrer Gründung. Wer ein Führer innerhalb der Rosenkreuzergemeinschaft ist, davon erfährt exoterisch nie jemand etwas, bevor nicht hundert Jahre verflossen sind nach seinem Tode. Dann ist das, was er gegeben hat, schon übergegangen in die Menschheit, ist ein objektives Gut der Menschheit geworden. Daher ist alles Persönliche ausgeschlossen. Niemals wird es möglich sein, auf eine Persönlichkeit im irdischen Leibe hinzuweisen als Träger des christlichen Geheimnisses. Erst hundert Jahre nach dem Tode einer solchen Persönlichkeit würde dieses möglich sein. Das ist ein Gesetz, das alle Brüder des Rosenkreuzes wohl beobachten. Nie wird ein Rosenkreuzerbruder hinweisen auf eine lebende Persönlichkeit als auf einen Führer erster Ordnung in bezug auf dasjenige, was als christliche Initiation einfließen soll in die Menschheit. So wie in den alten Zeiten schon prophetisch hingewiesen werden konnte auf diejenigen, die da kommen würden, so wie den Propheten ihre Vorläufer vorangingen, ihre Propheten, so wie diese Propheten hinwiesen auf die Religionsstifter, die später kommen sollten, so wie in der Zeit des Jesus von Nazareth die Zeitgenossen, zum Beispiel der Täufer, hinwiesen auf denjenigen, der ihr Zeitgenosse war, so wurde die geistige Organisation der Menschheit notwendigerweise nach dem Mysterium von Golgatha in der Weise verändert, daß es Prophetenart nicht mehr sein kann, hinzuweisen auf eine Persönlichkeit, die kommen wird oder da ist. Sondern es wird auf eine Persönlichkeit, die Träger war des christlichen Geheimnisses, jener geistigen Tatsache, die geprüft ist von den Menschenherzen, erst hundert Jahre nachdem sie durch die Pforte des Todes vom physischen Plane geschritten ist, hingewiesen werden.“ (Lit.:GA 143, S. 149)

Nur in seltenen Fällen wird von dieser Regel abgewichen, wenn die Mission des Eingeweihten notwendig ein öffentliches Wirken erfordert, wie es bei Rudolf Steiner der Fall war. Die Preisgabe der Anonymität stellt dabei ein großes Opfer dar.

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Welträtsel und die Anthroposophie, GA 54 (1983), ISBN 3-7274-0540-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Erfahrungen des Übersinnlichen. Die drei Wege der Seele zu Christus, GA 143 (1994), ISBN 3-7274-1430-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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