Regenbogen

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Haupt- und Nebenregenbogen mit „Alexanders dunlem Band“ dazwischen
Regenbogen über Suðuroy auf den Färöer Inseln.
Regenbogen bei Bad Säckingen (2011)
Doppelregenbogen in Graz, Österreich, (18mm-Weitwinkel-Aufnahme)
Der Hauptregenbogen entsteht aus physikalischer Sicht, wenn das Sonnenlicht einmal in den Tropen reflektiert wird (unten), der Nebenregenbogen, wenn das Licht zweimal reflektiert wird.

Der Regenbogen ist ein optisch-atmosphärisches Phänomen, das sich als leuchtendes, in den sieben Regenbogenfarben erstrahlendes kreisbogenförmiges Band am Himmel zeigt, wenn der Beobachter mit der Sonne im Rücken gegen eine Regenwand blickt. Zusätzlich zu diesem Hauptregenbogen ist oft auch ein blasserer Nebenregenbogen mit umgekehrter Farbfolge sichtbar.

Regenbogenfarben

Die Farbfolge dieses Hauptregenbogens beginnt innen mit Violett, das sich dann (über Indigo) zu Blau aufhellt; in der Mitte des Farbbands erscheint Grün, das nach außen hin in Gelb, Orange und Rot übergeht. Die Farbzonen sind nicht scharf voneinander abgegrenzt, sondern gehen mehr oder weniger gleitend inneneinder über. Die helle Kreisscheibe innerhalb des Farbsaums erscheint heller als der Himmel außerhalb und ist ein blasses, etwas unscharfes Abbild der Sonne. Nach einer breiteren dunklen Übergangszone, die ein Abbild des regenverhangenen Himmels ist und nach ihrem Entdecker, dem antiken Philosophen Alexander von Aphrodisias, als Alexanders dunkles Band bezeichnet wird, schließt sich nach außen ein allerdings nicht immer gut sichtbarer Nebenregenbogen mit umgekehrter Farbfolge an. Außerhalb der breiten dunklen Zone erscheint der Himmel wieder etwas heller. Die Regentropfen wirken aus physikalischer Sicht wie kleine Prismen, die an der Grenze zwischen dem hellen Bild der Sonnenscheibe und dem dunkel Bild des umgebenden Himmels Farbsäume entstehen lassen. Durch Reflexion im Inneren der Regentropfen wird das Bild dieser farbumsäumten Grenze unter einem Winkel von etwa 42° ins Auge des Beobachters zurückgeworfen. Dadurch wird der Hauptregenbogen sichtbar. Durch zweimalige Reflexion in den Tropfen wird der entsprechend viel schwächere Nebenregenbogen unter einem Winkel von etwa 51° zum Beobachter zurückgespiegelt.

"Sie kennen ja den gewöhnlichen Regenbogen. Der Regenbogen hat ein rotes Band, dann geht das über in orange und gelb, dann wird das Band grün, dann blau, dann wird das Band etwas dunkler blau, indigoblau und dann wird das Band violett. So bekommen wir eine Anzahl von sieben Farben ungefähr, die der Regenbogen an sich hat (siehe Tafel 6 Zeichnung). Diese sieben Farben haben natürlich die Menschen immer beobachtet und in der verschiedensten Weise erklärt, denn eigentlich sind diese sieben Farben, die man da vom Regenbogen bekommt, die allerschönsten Farben, die man überhaupt in der Natur sehen kann.

Und außerdem müssen Sie ja wissen, daß diese Farben so sind, als ob sie ganz frei schweben würden. Sie entstehen ja, wie Sie wissen, wenn irgendwo die Sonne scheint und vor der Sonne Regenwetter ist. Dann erscheint der Regenbogen auf der anderen Seite am Himmel. Wenn Sie also irgendwo einen Regenbogen sehen, so müssen Sie sagen: Wo ist nun das Wetter? Ja, auf der entgegengesetzten, auf der abgewendeten Seite vom Regen muß die Sonne sein. - So muß die Ordnung sein. So entstehen diese sieben Farben des Regenbogens." (Lit.: GA 350, S. 70f)

Haupt- und Nebenregenbogen bilden eine Ganzheit

Tafelzeichnung aus GA 321, S 142

"Wir können aber, wenn wir das gesamte Spektrum, das gesamte Gebiet der Farbenerscheinungen ins Auge fassen, uns dieses Spektrum gebildet denken aus der wirklich vollständigen Reihe der zwölf Farben, die sich nur auf einem Kreis charakterisieren läßt, der unten Grün, oben Pfirsichblüte hat und dazwischen die anderen Farben. Und wir können uns denken, daß sich dieser Kreis nun immer mehr vergrößert; daß Pfirsichblüte uns hier nach oben verlorengeht und einerseits hier nach dem Rot, andererseits nach dem Violett verläuft und über beides hinaus. Wir haben also im gewöhnlichen Spektrum eigentlich einen Teil von dem, was da sein würde, wenn durch die den Menschen umgebende Erscheinungswelt die Vollständigkeit der Farben erscheinen könnte. Wir haben nur einen Teil davon.

Nun gibt es etwas, was höchst merkwürdig ist. Ich glaube, wenn Sie die gebräuchlichen Darstellungen der Optik in den Physikbüchern zur Hand nehmen und vorrücken zu dem, was da gewöhnlich gegeben wird als Erklärung einer speziellen Spektralerscheinung, nämlich des Regenbogens, wird Ihnen doch, wenn Sie es gerne haben, bei klaren Begriffen zu bleiben, etwas unbehaglich zu Mute werden. Denn die Erklärungen des Regenbogens sind wirklich so gehalten, daß man ganz ohne Bogen dasteht. Man ist genötigt, zum Regentropfen seine Zuflucht zu nehmen und da allerlei Gänge der Lichtstrahlen im Regentropfen drinnen zu verfolgen, und man ist dann genötigt, sich dieses ziemlich einheitliche Bild des Regenbogens zusammenzufügen aus lauter kleinen Bildern, die noch besonders abhängig sind von der Art, wie man dazu steht, Bildern, die eigentlich durch Regentropfen entstehen. Kurz, Sie haben in diesen Erklärungen etwas von einer atomistischen Auffassung einer Erscheinung, die ziemlich als Einheit in unserer Umgebung wirkt. Aber noch unbehaglicher als gegenüber dem Regenbogen, also dem Spektrum, das die Natur selbst vor uns hinzaubert, kann uns werden, wenn wir gewahr werden, daß eigentlich dieser Regenbogen, von dem wir sprechen, gar niemals in Wirklichkeit allein auftritt. Er mag noch so sehr sich verbergen, es ist immer der zweite Regenbogen da. Und was zusammengehört, läßt sich einmal nicht auseinanderhalten. Die beiden Regenbögen, von denen der eine nur undeutlicher ist als der andere, die gehören notwendigerweise zusammen, und im Gebiet der Erklärungen für das Entstehen des Regenbogens darf man nicht einmal versuchen, nur den einen Farbenstreifen erklären zu wollen, sondern man muß sich klar sein darüber, daß die Totalität der Erscheinung - die relative Totalität - eben etwas ist, was nun in der Mitte etwas anderes ist und zwei Randbänder hat. Das eine Randband ist der etwas deutlichere Regenbogen, das andere der undeutlichere Bogen. Man hat es zu tun mit einem Bild, das uns in der großen Natur erscheint und das in der Tat sich hineinstellt fast in das ganze All. Wir müssen das ansehen als etwas Einheitliches. Nun, wenn wir genau zusehen, so werden wir ja ganz gut gewahr werden, daß der zweite Regenbogen, der Nebenregenbogen, eigentlich eine Umkehrung des ersten ist, daß der zweite tatsächlich in einer gewissen Weise aufgefaßt werden kann als eine Art Spiegelbild des ersten, daß er gewissermaßen den ersten, deutlicheren Regenbogen spiegelt. Wir haben also da, sobald wir übergehen von den Teilerscheinungen, die in unserer Umgebung auftreten, zu einer relativen Totalität, der wir gegenüberstehen, wenn wir unsere ganze Erde als im Verhältnis zum kosmischen System auffassen, etwas, was eigentlich sein Antlitz ganz verändert. Zunächst will ich nur auf diese Erscheinung hinweisen. Wir werden im Verlauf unserer Betrachtung diesen Erscheinungen schon nähertreten.

Dadurch aber, daß uns der zweite Regenbogen auftritt, wird gewissermaßen die Sache, die da (siehe Zeichnung Seite 142) erscheint, zu einem geschlossenen System. Das System ist nur ungeschlossen, solange ich meinem speziell hier in meiner Umgebung auftretenden Spektrum gegenüberstehe. Und die Erscheinung des Regenbogens müßte mich eigentlich dazu verführen, daran zu denken, daß ich, wenn ich mir dieses Spektrum vor Augen stelle durch ein Experiment, die Natur nur an einem Zipfel halte, daß mir irgendwo am entgegengesetzten Zipfel etwas verlorengeht; daß da doch irgendwo noch etwas ist im Unbekannten, daß ich eigentlich zu jedem siebenfarbigen Spektrum den Nebenregenbogen dazu brauche." (Lit.: GA 321, S. 142ff)

Erst in der nachatlantischen Zeit wurde der Regenbogen sichtbar

"Wenn Sie durch die alte Atlantis drüben im Westen gegangen wären, hätten Sie eine solche Verteilung von Regen, Nebel, Luft und Sonnenschein, wie Sie es jetzt auf unseren heutigen Ländergebieten haben, nicht erlebt. Namentlich die nördlichen Gegenden westlich von Skandinavien waren damals durchzogen von Nebel. Die Menschen, die dort lebten, wo heute Irland ist - und weiter westlich davon -, haben niemals in der Weise Regen und Sonnenschein verteilt gesehen in der alten Atlantis, wie es heute der Fall ist. Sie waren immer eingebettet in Nebel, und erst mit der atlantischen Flut kam die Zeit heran, wo die Nebelmassen sich auch aus der Luft ablösten und sich niederschlugen. Sie hätten die ganze alte Atlantis durchforschen können, und Sie würden eine Erscheinung da nicht gefunden haben, die Ihnen allen heute als eine wunderbare Naturerscheinung bekannt ist - unmöglich würden Sie den Regenbogen finden! Der ist nur möglich bei einer solchen Verteilung von Regen und Sonnenschein, wie sie heute in der Atmosphäre sein kann. In der Atlantis, vor der atlantischen Flut, finden Sie keinen Regenbogen. Erst allmählich, nach der atlantischen Flut, trat die Erscheinung des Regenbogens ein, das heißt, sie wurde physikalisch möglich. Wenn Sie dies nun aus der Geheimwissenschaft mitgeteilt erhalten und sich erinnern, daß die atlantische Flut in den verschiedenen Sagen und Mythen als Sintflut erhalten ist, daß Noah hervortritt und nach der Sintflut zuerst den Regenbogen sieht, dann werden Sie einen Begriff bekommen, wie tief wahr, buchstäblich wahr die religiösen Urkunden sind. Wahr ist es, daß erst nach der atlantischen Flut die Menschen zum ersten Male ansichtig wurden des Regenbogens." (Lit.: GA 103, S. 138f)

Regenbogen und Elementarwesen

"Wenn man nur mit einiger Imagination nach dem Regenbogen hinschaut, da sieht man Elementarwesen, die am Regenbogen sehr tätig sind. Diese Elementarwesen zeigen sehr merkwürdige Erscheinungen. Hier (bei Rot und Gelb) sieht man fortwährend aus dem Regenbogen herauskommen gewisse Elementarwesen. Die bewegen sich dann so herüber. In dem Augenblicke, wo sie ankommen an dem unteren Ende des Grüns, werden sie angezogen. Man sieht sie hier verschwinden (bei Grün und Blau). Auf der anderen Seite kommen sie wieder heraus. Der ganze Regenbogen zeigt für den, der ihn mit Imagination anschaut, ein Herausströmen des Geistigen, ein Verschwinden des Geistigen. Er zeigt tatsächlich etwas wie eine geistige Walze, wunderbar. Und zu gleicher Zeit bemerkt man an diesen geistigen Wesenheiten, daß, indem sie da herauskommen, sie mit einer großen Furcht herauskommen, indem sie da hineingehen, gehen sie mit einem ganz unbesieglichen Mut hinein. Wenn man nach dem Rotgelb hinschaut, da strömt Furcht aus, wenn man nach dem Blauviolett hinschaut, bekommt man das Gefühl: Da lebt ja alles wie Mut, wie Courage." (Lit.: GA 233a, S. 21)

Tafel 2

Farbe, Regenbogen und Metalle

"Die Erde hat ihren Ursprung im Geistigen. Das ergibt eine wirkliche Anschauung. Und ich glaube, es ist auch eine schöne Idee, sich sagen zu können: Dringst du ins Innere der Erde, läßt du dir von den harten Metallen erzählen, an was sie sich erinnern, so werden sie dir erzählen: Wir waren einstmals so ins Weite hinausgedehnt, daß wir überhaupt nicht physische Substanzen waren, sondern im Geiste verschwebende, wesende, im Weltenall webende Farbigkeit. - Und so ist die Erinnerung der Metalle der Erde das, was auf den Zustand zurückgeht, wo ein jegliches Metall eine kosmische Farbe war, die die andere durchdrang; wo der Kosmos im wesentlichen eine Art innerer Regenbogen, eine Art Spektrum war, das dann sich differenziert hat und erst zum Physischen geworden ist.

Und da ist es, wo der bloße, ich möchte sagen, theoretisch mitgeteilte Eindruck, den man von der Metallität der Erde bekommt, übergeht in den moralischen Eindruck. Denn ein jedes Metall sagt einem zugleich: Ich stamme aus den Raumesweiten und Erdenfernen. Ich stamme aus dem Himmelsbereiche, und ich bin hier in das Innere der Erde zusammengezogen, hineingezaubert. Aber ich warte meiner Erlösung. Denn wieder werde ich einstmals mit meiner Wesenheit das Weltenall erfüllen. - Und wenn man so die Sprache der Metalle kennenlernt, dann erzählt eben das Gold von der Sonne, das Blei von dem Saturn, das Kupfer von der Venus, und dann sagen einem diese Metalle: Wie wir einstmals gereicht haben, das Kupfer bis zur Venus, das Blei bis zum Saturn, so sind wir heute hier verzaubert und werden wiederum da hinausreichen, wenn die Erde ihre Aufgabe erfüllt, daß nun der Mensch gerade dasjenige auf der Erde erreiche, was er nur auf der Erde erreichen konnte. Denn deshalb gingen wir in diese Verzauberung ein, damit der Mensch auf Erden ein freies Wesen werden konnte. Ist die Freiheit dem Menschen erkauft, dann kann auch unsere Entzauberung wiederum beginnen.

Und diese Entzauberung ist schon lange im Grunde eingeleitet. Man muß sie nur verstehen. Man muß verstehen, wie die Erde in die Zukunft hinein sich weiter entwickeln wird, wieder mit dem Menschen." (Lit.: GA 232, S. 87f)

Die Gedankenbildung als mikrokosmische Entsprechung des makrokosmischen Regenbogens

"Sie wenden heute den Blick hinauf zum Regenbogen. Solange man ihn nicht erklären kann, ist er ebenso ein Naturwunder, ein Weltenwunder wie etwas anderes. Da tritt uns aus der Alltäglichkeit heraus der wunderbare Bogen mit seinen sieben Farben vor Augen. Wir sehen jetzt ab von aller physikalischen Erklärung, denn die Physik der Zukunft wird noch ganz andere Dinge auch über den Regenbogen zu sagen haben als die heutige. Wir sagen, da draußen fällt unser Blick auf den Regenbogen, der wie aus dem Schoß des uns umgebenden Universums auftritt. Da schauen wir in den Makrokosmos, in die große Welt hinein. Aus ihr heraus gebiert sich der Regenbogen. Jetzt wenden wir den Blick ein wenig nach innen. In unserm Innern können wir die Bemerkung machen - sie ist eine ganz alltägliche Bemerkung, wir müssen sie nur in das richtige Licht setzen -, daß sich zum Beispiel aus dem gedankenlosen Brüten bestimmte Gedanken, die zu irgend etwas Bezug haben, herausbilden, daß mit anderen Worten der Gedanke aufblitzt in unserer Seele. Nehmen wir diese beiden Sachen: die Tatsache des Makrokosmos, daß der Regenbogen aus dem Schoße des Universums sich heraus gebiert, und die andere, daß sich in uns selber der Gedanke heraus gebiert aus unserem anderen Seelenleben. Das sind zwei Tatsachen, von denen die Weisen des alten Griechenlandes schon etwas gewußt haben, was durch die Geisteswissenschaft die Menschen wiederum lernen werden. Dieselben Kräfte, die in unserem Mikrokosmischen den Gedanken aufblitzen lassen, sind die Kräfte, die da draußen im Schoße des Universums den Regenbogen hervorrufen. Wie die Demeterkräfte von draußen in den Menschen hineinziehen und darinnen wirksam werden, so sind es die Kräfte, die draußen den Regenbogen formen aus den Ingredienzien der Natur - da würden sie ausgebreitet im Raume wirken -, die in uns drinnen mikrokosmisch, in der kleinen Welt des Menschen wirken; da lassen sie aufblitzen aus dem Unbestimmten den Gedanken. An solche Wahrheiten streift allerdings heute noch nicht eine äußere Physik, dennoch ist das in der Tat eine Wahrheit.

Alles, was da draußen im Raum ist, ist in uns selber. Der Mensch erkennt heute noch nicht den völligen Einklang der in ihm selber geheimnisvoll wirkenden Kräfte und der draußen im Makrokosmos wirksamen Kräfte, ja, er sieht das vielleicht als eine Träumerei, als eine Phantasterei an. Der alte Grieche konnte das nicht sagen, was ich jetzt gesagt habe über diese Dinge, weil er nicht mit intellektueller Kultur diese Dinge durchdrang, aber es lebte in seinem unterbewußten Seelenleben, er sah oder fühlte das hellseherisch. Und wenn wir dieses Gefühl jetzt in unseren gegenwärtigen modernen Worten ausdrücken wollen, so müssen wir sagen: Der alte Grieche fühlte, daß da in seinem Innern zum Beispiel die Kräfte wirkten, die den Gedanken aufblitzen ließen, und daß das dieselben Kräfte waren, die da draußen den Regenbogen organisieren. - Das empfand er. Er fragte sich nun: Wenn da drinnen die Seelenkräfte sind, die den Gedanken aufblitzen lassen, was ist es denn draußen, was ist in den Raumesweiten Geistiges verbreitet: oben und unten, rechts und links, vorne und hinten? Was ist da ausgebreitet im ganzen Raum? So wie die Seelenkräfte im Innern sind, wie sie drinnen den Gedanken aufblitzen lassen, wie sie draußen den Regenbogen aufblitzen lassen, die Morgen- und die Abendröte, den Glanz und Schein der Wolken, - was ist es da draußen im Raum? - Oh, da war es für den alten Griechen ein geistiges Wesen, das herausgebar aus dem gesamten universellen Äther alle diese Erscheinungen, die Morgen- und Abendröte, den Regenbogen, den Glanz und Schein der Wolken, den Blitz und Donner. Und aus diesem Gefühl, das, wie gesagt, nicht intellektuelle Erkenntnis geworden ist, sondern elementarisches Gefühl war, da entstand die Anschauung: Das ist Zeus. - Und man bekommt keine Vorstellung und noch weniger eine Empfindung von dem, was die griechische Seele als Zeus empfand, wenn man sich nicht auf dem Wege unserer geisteswissenschaftlichen Anschauungsweise dieser Empfindung und diesem Gefühle nähert. Zeus war ein unmittelbar fest gestaltetes Wesen, aber man konnte es sich nicht vorstellen, wenn man nicht ein Gefühl hatte, daß die Kräfte, die in uns den Gedanken aufblitzen lassen, auch im äußeren Blitze wie im Regenbogen und so weiter wirken. Wir aber sagen heute auf anthroposophischem Boden, wenn wir in den Menschen hineinschauen und uns von den Kräften unterrichten wollen, welche in uns so etwas hervorrufen wie den Gedanken, wie die Vorstellung, wie alles das, was da aufleuchtet und aufblitzt innerhalb unseres Bewußtseins: Alles das umfaßt, was wir den menschlichen Astralleib nennen. - Und da haben wir das Mikrokosmisch-Substantielle, den Astralleib, und können nun die Frage, die wir eben aufgeworfen haben in bildlicher Form, in einer mehr geisteswissenschaftlichen Form aufwerfen und können sagen: Mikrokosmisch ist der astralische Leib in uns. Was entspricht dem astralischen Leib in den Raumesweiten draußen, was erfüllt alle Räume, rechts und links, vorne und hinten, oben und unten? - Gerade so wie der astralische Leib in unserem Mikrokosmos ausgebreitet ist, so sind die Raumesweiten, so ist der universelle Äther durchzogen vom makrokosmischen Gegenbilde unseres astralischen Leibes. Und wir können auch sagen: Das, was der alte Grieche unter Zeus sich vorstellte, ist das makrokosmische Gegenbild unseres astralischen Leibes. In uns ist der astralische Leib, er bewirkt das Aufleuchten der Erscheinungen des Bewußtseins. Außer uns ist die Astralität ausgebreitet, die aus sich heraus wie aus dem Weltenschoß gebiert den Regenbogen, die Morgen- und die Abendröte, den Blitz und Donner, Wolken, Schnee und so weiter. Der heutige Mensch hat nicht einmal eine Wortbezeichnung für das, was der alte Grieche sich unter Zeus dachte und was das makrokosmische Gegenbild unseres astralischen Leibes ist." (Lit.: GA 129, S. 58ff)

Der Regenbogen als Brücke in die geistige Welt

Die Brücke ins Jenseits, etwa die Gjallar-Brücke der nordischen Mythologie oder die Cinvat-Brücke der persischen Mythologie, wird volkstümlich oft als Regenbogen vorgestellt.

"In Gegenden, welche noch weniger von der neueren Industrie- und Verkehrskultur angenommen haben, wie in gewissen Gebieten Norwegens, haben sich so schöne Teile jener Sagenwelt erhalten, wie unser Lied von Olaf Ästeson ist. Es stammt aus alten Zeiten; lebte aber vor kurzem wieder im norwegischen Volke auf und verbreitet sich schnell, so daß es heute wieder viele Menschen kennen, nachdem es lange verschollen war.

Es erzählt einen langen Traum, den Olaf Ästeson träumt, und in welchem er erlebt das Schicksal der Seelen nach dem Tode. Die Vorstellung liegt zu Grunde, daß die Seele nach dem Tode in die Sternenwelten wandelt, daß sie zum Beispiel in Gebiete kommt, wo die Sternbilder des Stieres, der Himmelsschlange, des Hundes nahe sind, daß sie in die geistige Nähe des Mondes kommt. In diese Welten dringt die Seele ein, indem sie die Gjallarbrücke überschreitet, welche die irdische Welt mit der geistigen verbindet. In vielen Volkssagen wird der Regenbogen als diese Brücke vorgestellt." (Lit.: GA 158, S. 188)

Die Mahnung des Hüters der Schwelle

"Indem das Menschenwesen jenseits der Schwelle des Seins, wo der Hüter steht, sich fühlt im webenden, lebenden Lichte, wird es allmählich, langsam, nicht nur gefühltes Licht, es wird langsam solches Licht, von dem man sagen kann: der Mensch sieht es. Aus dem Fühlen des Lichtes, es webt und weht, das man sozusagen nur im geistigen Griff der Gedanken hat, entsteht allmählich Licht, das wie geschaut wird vom Geistesauge.

Aber nicht anders kommt der Mensch in dieses Licht hinein - schauend -, als indem er nun wiederum ein tiefgründiges Mahnwort des Hüters vernimmt. Und dieses Mahnwort, das weist auf eine mächtige Weltenimagination hin, weist auf etwas hin, durch das der Mensch, indem er hier in der Sinneswelt steht, etwas ungeheuer Majestätisches - wenn er dazu das Herz hat - in seine Eindrücke aufnehmen kann. Denn, wenn er zauberhaft im Himmelsraum bei entsprechender Wolkengestaltung sich erlichtet, der majestätische Regenbogen, dann kann man so etwas empfinden, wie wenn hereinleuchten würden durch des Regenbogens Farbenschein die Geister von jenseits des physisch-sinnlichen Scheines. Er steht ja da, baut sich herauf, auf aus dem All, verschwindet wieder in das All, ist hineingestellt in dieses All wie eine mächtige Imagination.

An diesen Eindruck des Regenbogens erinnert in diesem Augenblicke, wo es auch für das Schauen hell werden soll drüben in der geistigen Welt, der Hüter.
[Es wird der Regenbogen gezeichnet; siehe Tafelband Seite 116. Siehe auch den Hinweis auf Seite 202[1].]

Tafelzeichnung zur 17. Klassenstunde (Tafelband Seite 116)

Und der Hüter erinnert daran, daß derjenige, der so hinübergekommen ist in die geistige Welt, jenes Bild in sich rege machen soll aus seiner Erinnerung an die Sinneswelt, das ihm der im All waltende Regenbogen immer gemacht hat. Denn es ist merkwürdig, meine lieben Schwestern und Brüder, daß, wenn der Mensch aus der physisch-sinnlichen Welt hinüberkommt in die geistige Welt, das Bild des Regenbogens dasjenige ist, an das man sich am leichtesten erinnert und das am leichtesten hervorruft erinnerungsgemäß den Zusammenhang zwischen der geistigen Welt, in der es nun licht werden soll, und der physisch-sinnlichen Welt, die man mit seinen Erkenntniskräften verlassen hat.

Und dann - also es ist nicht der Anblick des Regenbogens, es ist die Erinnerung an den Regenbogen, die hervorgerufen wird durch den Hüter der Schwelle -, und dann weist einen der Hüter an: Versuche nun - wir werden die Worte hören, mit denen er das spricht -, versuche nun mit der Kraft, mit der du sonst aus deinen Augen schaust, diejenigen Substanzen dir zu bereiten, mit denen du durchdringst diesen Regenbogen, mit denen du unten durch den Regenbogen hindurchdringst auf die andere Seite.

Wenn wir also uns vorstellen [es wird die zweite Zeichnung entwickelt; siehe Tafelband Seite 116]: Im Wolkengebilde drinnen [weiß] - von der Erde aus hinaufschauend [kleiner Pfeil] - wäre der Regenbogen hier [rot im Wolkengebilde]; so haben wir uns jetzt vorzustellen: Der Hüter weist uns an, durchzudringen durch jenen Regenbogen und von jener Warte [Strich durch das Wolkengebilde bis zum kleinen Kreis, an den das Wort «Warte» geschrieben wird], die jenseits ist, zurückzuschauen, von jenen Weltenweiten zurückzuschauen auf den Regenbogen. So weist uns der Hüter an, auch unsere Imagination sinnend, meditativ zu vertiefen, wenn wir von dem Punkte aus weiterschreiten wollen, bei dem wir angekommen sind im Sinne der letzten Stunde.

Dann, wenn wir von da drüben zurückschauen, wenn Ihr Euch also, meine Schwestern und Brüder, vorstellt, daß Ihr hinter die Tafel geht [weißer Pfeil nach links oben in der ersten Zeichnung], den Regenbogen Von rückwärts Schaut [roter Pfeil nach rechts unten in der ersten Zeichnung], wie er in der Erinnerung aufgetaucht ist, von rückwärts anschaut, dann wird der Regenbogen zur mächtigen Schale, wird zur Weltenschale. Und man sieht nicht mehr einen Bogen, man sieht eine mächtige, halbhimmelgroße Schale, und darinnen flutend die Farben durcheinander.

Das ist die Imagination, die der Hüter zunächst erregt:

Sieh' des Äther-Farbenbogens
Lichtgewalt'ges Rund,
Lass' durch deiner Augen
Lichterschaffene Kraft
Dein Ich den Kreis durchdringen,
Und dann schau von jenseit'ger Warte
Farbenflutend die Weltenschale.

[...]

Man muß durch solche Bilder hindurchgehen. Und wirkt das Bild ganz innig und tief in das Ich hinein, dann schaut der Mensch in diesen Farbenfluten, die die Schale erfüllen, wie in diesen Farbenfluten erscheinen die Wesenheiten der dritten Hierarchie: Angeloi, Archangeloi, Archai. Und sie atmen die Farben, nehmen in ihr eigenes Engelwesen die Farben auf.

Man erhält einen Begriff von jenem Weltenschaffen, das hinter der Sinneswelt ist und sich abspielt in den Taten der höheren Hierarchien; man erhält einen Begriff davon, wie jenseits des Regenbogens walten die geistigen Wesenheiten, zunächst die Farben der Weltenschale aufatmend, in ihr eigenes Wesen aufnehmend. Man schaut, wie übergeht dasjenige, was fließt von der Welt zum Regenbogen, den Regenbogen durchdringt, hinter dem Regenbogen als die Gedanken erscheint, wie das aufgesogen wird, aufgeatmet wird von Engelwesen. Man lernt jetzt die Natur des Regenbogens kennen. Alles dasjenige, was für irgendeine Gegend an solchen Gedanken gedacht wird, die von Menschen ausgehen, es wird von Zeit zu Zeit immer wieder und wieder durch die Brücke des Regenbogens gesammelt, hinausgeleitet ins geistige Reich, wo es veratmet wird von den Wesenheiten der dritten Hierarchie." (Lit.: GA 270b, S. 133ff)

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Zu der in dieser Tafelzeichnung gegebenen Reihenfolge der Regenbogenfarben siehe GA 321, «Geisteswissenschaftliche Impulse zur Entwickelung der Physik. Zweiter naturwissenschaftlicher Kurs», 9. Vortrag (Lit.: GA 321, S. 143ff).

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium, GA 103 (1995), ISBN 3-7274-1030-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen, GA 129 (1992), ISBN 3-7274-1290-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt, GA 158 (1993), ISBN 3-7274-1580-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Mysteriengestaltungen, GA 232 (1998), ISBN 3-7274-2321-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Esoterische Unterweisungen für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum 1924, GA 270/2 (1999), ISBN 3-7274-2700-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Impulse zur Entwickelung der Physik, II, GA 321 (2000), ISBN 3-7274-3210-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?, GA 350 (1991), ISBN 3-7274-3500-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  8. Walther Bühler: Nordlicht, Blitz und Regenbogen - Metamorphosen des Lichtes, Fischer TB, Frankfurt a.M. 1982
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